Das scharfe s lebt!

Ein weiterer sich hartnäckig haltender Mythos rund um die neue deutsche Rechtschreibung besagt, dass das scharfe s (also das ß) abgeschafft wurde. Das ist Unsinn – und es wurde meines Wissens auch nie in Erwägung gezogen, es ganz abzuschaffen. Weiterhin ganz ohne ß schreiben dürfen Sie nur in der Schweiz (aber auch das hat natürlich nichts mit der Rechtschreibreform zu tun).

Generell sind die Regeln, ob man ss oder ß schreiben muss, viel einfacher geworden als früher.

Hier sind sie:

Nach langem Vokal (a, e, i, o, u) und Doppellaut (au, eu, ei, ai, äu) schreibt man ß: Floß, Maß, reißen, beißen, äußern
Ansonsten immer ss: dass, Fluss, Fass, Riss, Bewusstsein

Das gilt wohlgemerkt nur für Fälle, bei denen Sie immer schon die Wahl zwischen ss und ß hatten! Aber ich gehe mal davon aus, dass Sie nicht in Versuchung kommen werden, z.B. lesen mit scharfem s zu schreiben, weil Sie es hier mit einem langen Vokal zu tun haben. Erklärung für Grammatikfans: Ein stimmloses s  – in Lautsprache [z] geschrieben – schreibt sich im Deutschen immer mit einem einzelnen s. Praktischerweise wissen das Muttersprachlerinnen ganz instinktiv.

6 Responses to Das scharfe s lebt!

  1. Tobias Bluhme sagt:

    “Das gilt wohlgemerkt nur für Fälle, bei denen Sie immer schon die Wahl zwischen ss und ß hatten!”

    Das macht die Heyse-Regel so kompliziert. Und deswegen sieht man heute gerne auch mal “Beweiß”, “nachweißen”, “Kisste”, “Misst” usw. “Dass” und “das” werden ohnehin nur noch stochastisch verteilt.

    Es gab 1901 schon Gründe dafür, diese (komplizierte) Art der ss/ß-Schreibung aufzugeben und die einfachere und lesefreundlichere Adelung-Schreibweise zu bevorzugen.

  2. Peter sagt:

    Nicht nur Muttersprachlerinnen, auch Muttersprachler…

  3. Ja, klar, die sind natürlich immer mitgemeint.

  4. Alex sagt:

    Ich bin kein Muttersprachler, doch bin ich mir ziemlich sicher, das es das stimmHAFTe s (Lautsprache [z]) ist, das man immer mit einzelnem s schreibt. Allerdings wird ein solches s nur dann im Deutschen stimmhaft ausgesprochen, wenn es nicht im Auslaut (also am Ende einer Silbe, oder so ungefähr) steht. Habe ich recht? Deshalb die Schwierichkeit, die Deutschprachler haben, stimmhaftes s auszusprechen, das sich am Ende eines (fremden) Wortes befindet (und übrigens auslautende stimmhafte Konsonanten im Allgemeinen).

    Es ist nämlich das scharfe s, das immer stimmlos ausgesprochen wird, was bei einzelnem s nicht der Fall wäre, wenn gleich ein Vokal folgt, und bei ss einen kurzen vorhergehenden Vokal anzeigen würde. Oder?

  5. Alex sagt:

    Verdammt! Jetzt ist auch mir ein Schreibfehler unterlaufen. Ich hätte schreiben sollen: »… doch bin ich mir ziemlich sicher, DASS es das …«

    Inzwischen ist mir ein gutes Beispiel eingefallen: »sie lasen« gegenüber »sie lassen«, und eben auch »ich las es« gegenüber »ich lass’ es«.

    Ein Beispiel bezüglich ss vs ß: »Busse« gegen »Buße«.

  6. Alex sagt:

    Ein weiteres, fast perfektes Beispiel:

    Zum Vergleichen:
    (1.1) »Mus« (langer Vokal, »hartes«, stimmloses s)
    (1.2) »Muse« (langer Vokal, »weiches«, stimmhaftes s)
    (2) »Muße« (langer Vokal, stimmloses s)
    (3) »muss« (kurzer Vokal, stimmloses s)

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