Tipps von der Deutsch-Expertin
RSS Icon
  • Die Kommasetzung bei Hauptsätzen mit “und”/”oder”

    Geschrieben am 28. August 2009 Dagmar Jenner 2 Kommentare

    Zu den vielen Mythen, die sich um die neue deutsche Rechtschreibung ranken, gehört der, dass die Kommasetzung mittlerweile völlig willkürlich ist. Dem ist natürlich nicht so – siehe meine Einträge in der Kategorie “Beistrichsetzung”. Vielmehr hat die Reform die Kommasetzung deutlich erleichtert.

    Während früher zwischen zwei Hauptsätzen (also vollständigen Sätzen mit Subjekt und Prädikat), die mit und oder oder verbunden sind, immer ein Komma stehen musste, ist das heute nicht mehr notwendig. Wem’s besser mit Komma gefällt, kann natürlich weiterhin eins setzen. Beide Möglichkeiten sind also erlaubt: kein Komma oder eben doch eins.

    Richtig ist also …

    Du kannst gehen, oder du kannst bleiben.

    … aber auch diese Variante:

    Du kannst gehen oder du kannst bleiben.

    Übrigens gilt diese Regel auch, wenn die Hauptsätze mit den folgenden anderen Konjunktionen verbunden sind: beziehungsweise, entweder – oder, nicht – noch und weder – noch.

    Beispiel:
    Weder schrieb er einen Brief, noch kam er selbst.
    Weder schrieb er einen Brief noch kam er selbst.

    Aber: Zwei Hauptsätze, die nicht mit und oder oder verbunden sind, stehen weiterhin mit Komma:

    Thomas hat einen Hund, ich habe eine Katze, die Nachbarin hat einen Wellensittich.
    Der Vorhang hebt sich, es wird leise, der Film beginnt.

    Wenn Sie meine Beiträge gut finden und der Meinung sind, dass kostenlos zur Verfügung gestellter, qualitativ hochwertiger Content honoriert werden soll, können Sie per Mausklick über Flattr einen kleinen Beitrag in meine Serverkasse fließen lassen. Vielen Dank dafür! Für weitere Informationen klicken Sie hier ...


     

    Antworten zu “Die Kommasetzung bei Hauptsätzen mit “und”/”oder”” RSS Icon

    • Dazu hätte ich eine Frage: Wenn man HS + HS hat, ist alles klar, aber was passiert, wenn ich HS + und + NS + HS habe, wobei sich der NS auf den zweiten HS bezieht, z.B. in dem Satz:

      Verreisen würde ich gern mal wieder, und wenn ich das Reiseziel wählen könnte, würde ich Ägypten vorschlagen.

      Vom Gefühl her würde ich hier vor “und” ein Komma setzen. Sicher ist es nicht falsch, aber ist es zwingend erforderlich, oder könnte ich es auch weglassen?

    • Ich verstehe diesen Fall als HS + HS + NS, weshalb exakt die gleiche Regel wie oben zur Anwendung kommt: Komma fakultativ.


    Einen Kommentar schreiben