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  • Von Leitenden Direktoren und Regierenden Bürgermeistern

    Geschrieben am 22. Oktober 2009 Dagmar Jenner 2 Kommentare

    Finden Sie, dass die Adjektive oben in der Titelzeile etwas eigenartig anmuten? Das geht mir auch so, aber so will es die deutsche Rechtschreibung.

    Adjektive in Verbindung mit Substantiven werden großgeschrieben, wenn sie zusammen einen Eigennamen bilden:

    der Blaue Planet (= die Erde), die Dritte Welt, die Große Mauer, das Zweite Deutsche Fernsehen

    Analog dazu wird auch bei Titeln und Ehrenbezeichnungen das Adjektiv großgeschrieben:
    Ihre Königliche Hoheit, der Heilige Vater, der Regierende Bürgermeister, der Leitende Bibliotheksdirektor

    Genau so verhält es sich bei historischen Ereignissen und Epochen:
    der Zweite Weltkrieg, der Westfälische Frieden

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    Antworten zu “Von Leitenden Direktoren und Regierenden Bürgermeistern” RSS Icon

    • Sehr geehrte Frau Jenner,

      ich musste vor einigen Jahren einen (eigentlich streng förmlichen) Bericht schreiben, in dem der 1. und der 2. Weihnachtstag Erwähnung fanden. Alle Zahlen bis zwölf durften aber im Text, explizit nur in Buchstabenform erscheinen.
      Sie ahnen bestimmt bereits worum es geht.

      Ich kontaktierte drei Personen, um sicher zu sein. Eine reine Zeitverschwendung, wie sich schon bald herausstellte! Allerdings sei erwähnt, dass die Geschichte während jener “Chaos-Jahre” 2004 bis 2006 passierte, als es sogar bis zu drei verschiedene Rechtschreibungen in Deutschland gab.

      Beim 25. Dezember waren sich der Universitätsdozent für Germanistik und der Spiegel-Journalist sicher, es handele sich um einen Eigennamen. Folglich sei “Erster Weihnachtstag” korrekt.
      Dem widersprach die Grundschullehrerin, denn weil die Weihnachtstage immer am 25. bzw. 26. Dezember sind, handele es sich hier um eine simple Aufzählung (wie beispielsweise “der dritte Urlaubstag”). Der Erste und der Zweite Weltkrieg folgten ja nicht nach einem vorgeschrieben(!) Zeitabstand aufeinander. Also könne nur “der erste” bzw. “der zweite Weihnachtstag” richtig sein.

      Schließlich wurde eine Ausnahme gemacht und ich durfte in dem Bericht Ziffern verwendet werden. Ich weiß übrigens bis heute nicht, welche Schreibweise korrekt ist.

      Es eilt nicht, aber wenn Sie mir dazu vielleicht mal ein paar aufklärende Zeilen schrieben, wäre ich Ihnen dankbar.

      Mit freundlichen Grüßen

      Dariush

    • Hallo,

      meine Reaktionszeit lässt erkennen, dass ich darüber erst einmal ausgiebig nachdenken musste.

      Ich verstehe das Bedürfnis, dass absolut alle Fälle der Rechtschreibung festgelegt und damit geregelt sind. Nur leider ist das nicht möglich, da es nicht realistisch ist, absolut alle Möglichkeiten anzuführen. Mit der neuen deutschen Rechtschreibung hat deine Frage aber meiner Ansicht nach nichts zu tun; vielmehr ist sie ein “Dauerbrenner”.

      Es gibt sicher auch Argumente dafür, Erster und Zweiter Weihnachtsfeiertag zu schreiben. Ich persönlich entscheide mich für die Kleinschreibung, weil für mich die Besonderheit des Tages bereits im Wort “Weihnachtsfeiertag” mitschwingt. Religiöse Menschen (zu denen ich mitnichten zähle) würden vermutlich auf die Großschreibung pochen. Klar ist der Fall bei “Heiliger Abend”.

      In diesem Zusammenhang fällt mir der Erste Mai ein, der stets großgeschrieben wird und als Eigenname gilt. Es könnte natürlich argumentiert werden, dass analog dazu der Erste Weihnachtsfeiertag auch großgeschrieben werden muss. Aber, siehe oben: Beim Ersten Mai wird die Besonderheit des Tages über die Großschreibung der Ordinalzahl transportiert, während der Weihnachtsfeiertag schon darauf hinweist, dass es sich um einen Feiertag handelt und dies nicht zusätzlich mit der Großschreibung des Attributs unterstrichen werden muss.

      Das ist meine ganz persönliche Sicht der Dinge. Ich fürchte, dass hier viel subjektives Empfinden mitschwingt und die Frage nicht abschließend geklärt werden kann.

      LG
      Dagmar


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