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Präsens oder Präteritum?
Geschrieben am 12. April 2011 8 KommentareNach einer mehr als zweiwöchigen Funkstille melde ich mich zurück! Bin zwar weiterhin zu Recherchezwecken hier in Santiago de Chile und mehr mit spanischsprachiger Literatur denn mit deutscher Rechtschreibung befasst, kann aber dennoch das Bloggen nicht lassen.
Gestern erreichte mich eine Frage eines regelmäßigen Blog-Besuchers, die ich ad hoc nicht zu beantworten vermag. Das liegt vor allem daran, dass ich meine Grammatikbücher zwecks Nachschlagen beim Kapitel indirekte Rede nicht dabei habe. Da diese Zeilen ja von vielen Sprachprofis gelesen werden, gebe ich einfach mal die Frage an euch weiter und freue mich auf eure Rückmeldungen.
Hier die Frage. Es handelt sich um einen Satz aus einem Text, den der erwähnte Leser soeben lektoriert. Er fragt sich, ob es am Ende des Satzes hielten oder halten heißen muss.
Sabina, dachte er, gehöre leider nicht zu jenen Frauen, die im rechten Moment den Mund hielten.
Mich persönlich stört der Konjunktiv gehöre. Viel eher würde ich mich für gehört oder gehörte entscheiden. Je nachdem, ob ich mich vorne fürs Präsens oder das Präteritum entscheide, würde ich dann den Satz folgendermaßen beenden:
Sabina, dachte er, gehört leider nicht zu jenen Frauen, die im rechten Moment den Mund halten.
Sabina, dachte er, gehörte leider nicht zu jenen Frauen, die im rechten Moment den Mund hielten.
Wie würdet ihr den Fall lösen und argumentieren?
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Antworten zu “Präsens oder Präteritum?”

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Konjunktiv I wäre korrekt, wenn es sich um indirekte Rede handeln würde. Ist es aber nicht, es ist eine gedachte Rede, die nach den Regeln der direkten Rede funktioniert. (So habe ich es zumindest gelernt …) Daher scheint mir deine erste Version korrekt, die zweite falsch und Konjunktion allenfalls als Analogieschluss zur indirekten Rede erklärbar.
Freue mich auf andere Meinungen
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Lasse 12. April 2011 um 17:08
Hat m. E. das eine mit dem anderen nichts zu tun.
Nach “denken” sollte schon ein Konjunktiv stehen (also schriftsprachlich nicht “gehört”, und das eingeschobene “dachte er” deutet ja auf eine gehobenen Stilebene hin) – halt der des Präsens, “gehöre”, oder der des Präteritums, “gehörte”. Die heißen aber nach ihrer Bildung, nicht nach ihrer Verwendung und sagen nur etwas über die Einstellung des Sprechers (bzw. in diesem Falle des Denkenden), d. h. “gehöre”, falls das Gesagte/Gedachte wahr ist bzw. keine Aussage über den Wahrheitsgehalt getroffen werden soll, “gehörte”, wenn die Wahrheit angezweifelt werden soll (D. h. wenn Sabrina – Indikativ! – nicht zu jenen Frauen gehört, die im rechten Moment den Mund halten). Da ja erwähnenswert ist, dass “er” die Aussage mal für richtig hielt, ist zu vermuten, dass sie in Wirklichkeit nicht stimmt – also wäre der Konjunktiv des Präteritums angemessen.
Was das “halten” angeht, ist das ein bisschen Geschmackssache – ich bin der Meinung, dass jene Frauen ja immer den Mund halten und würde für diese regelmäßige Handlung das Präsens vorziehen. Im Prinzip kann man sich die Gesamtheit dieser Frauen aber auch als in dieser Form nur zum Zeitpunkt des Gedankens existent vorstellen, so dass auch das Präteritum vertretbar wäre.
Eine Zeitenfolge, die vom übergeordneten Hauptsatz abhängt, gibt es im Deutschen nicht, man muss also einerseits die Frage beantworten, welchen Konjunktiv man wählt (letztlich sind beide möglich, aber der des Präteritums etwas plausibler), und “wann” die Frauen den Mund halten (da scheint mir das Präsens plausibler, da davon auszugehen ist, dass sie das immer machen). Die Antwort auf eine der beiden Fragen hat keinen Einfluss auf die andere.
(Dass da kein Zusammenhang besteht, sieht man z. B. in Deinem Satz “[j]e nachdem, ob ich mich vorne fürs Je nachdem, ob ich mich vorne fürs Präsens oder das Präteritum entscheide, würde ich dann den Satz folgendermaßen beenden…” – vorn Präsens, aber hinten Konjunktiv Präteritum (wenn auch die synthetische Form).
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Hannah 12. April 2011 um 17:27
Mit deinen Vorschlägen würde ich überein stimmen. Allerdings müsste eine idirekte Rede auch möglich sein. Und da “gehöre” die Präsensform ist, müsste auch das Wort “halten” im Präsens stehen und dann mit “halten” dekliniert werden.
Also: “Sabina, dachte er, gehöre leider nicht zu jenen Frauen, die im rechten Moment den Mund halten.”
So meine Meinung. -
armstrong 12. April 2011 um 17:48
ich finde “gehoere” hoert sich richtig an, wenn die sprechende person sich von “seinem” gedanken distanzieren moechte.
was “halten/hielten” angeht, wuerde ich das analog machen zu anderen faellen, in denen auch beim konjunktiv I die indikativform der konjunktivform eigentlich gleich waere, und deshalb konjunktiv II nehmen. also, so wie man sagt: “er behauptet, sie haetten keine lust zum fuszballspielen” (anstatt “er behauptet, sie haben keine lust zum fuszballspielen”), wuerde ich hier sagen: “er dachte, sabina gehoere nicht zu den frauen, die im rechten moment den mund hielten.”
ganz abgesehen natuerlich von dem merkwuerdigen inhalt des satzes, der suggeriert, dass es fuer frauen und maenner unterschiedliche stellen gebe, an denen der mund zu halten sei. -
kathrin 12. April 2011 um 19:47
Zu GEHÖRE passt nur HIELTEN (in einer möglichen Situation; Konjunktiv).
Besser ist freilich GEHÖRT und HALTEN (gleichsam eine Redewendung).
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Gian Keller 12. April 2011 um 21:00
Liebe Leute. Ich war der Fragesteller und ich möchte mich bei allen bedanken, die sich dem Problem angenommen haben. Der Satz spukt mir im Kopf herum, seit ich den Text lektoriert habe.
Ich kam gar nicht erst auf die Idee, das Wort “gehöre” infrage zu stellen. Alleine das “hielten” empfand ich als falsch.
Ich werde dem Autoren den Vorschlag von Hannah weiter geben:
“Sabina, dachte er, gehöre leider nicht zu jenen Frauen, die im rechten Moment den Mund halten.”
Besten Dank, an alle!
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Knorpel 13. April 2011 um 10:57
Ich sehs genau wie Dagmar. Mich stört auch das “gehöre” und außerdem das “leider”. Das macht das Ganze zu einem schrecklichen Satz, dem man nicht ansieht, wie er gemeint ist. “Jenen” ist an der Stelle auch Quatsch, es sei denn, in der beschriebenen Situation ist noch von einer Gruppe Frauen die Rede, die im rechten Moment den Mund halten. Ich würde vorschlagen:
“Sabina”, dachte er, “gehört nicht zu den Frauen, die im rechten Moment den Mund halten”.
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yara 12. April 2011 um 16:49