Tipps von der Deutsch-Expertin
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  • Wenn plötzlich niemand mehr sitzenbleibt

    Geschrieben am 28. Juni 2011 Dagmar Jenner 2 Kommentare

    In Österreich wird derzeit wild darüber debattiert, ob es Schülerinnen und Schülern erlaubt sein sollte, mit drei negativen Noten dennoch in die nächste Klasse aufzusteigen. Gleichzeitig läuft ein Bildungsvolksbegehren, das unter dem Motto „Österreich darf nicht sitzen bleiben” steht und derzeit eher mäßigen Zuspruch erlebt.

    Ob Leistung in der Schule mittlerweile ein Tabu-Thema ist oder sein soll, ist eine Streitfrage, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll. Orthografisch interessant ist bei diesem Thema, besonders knapp vor Schulschluss, die Schreibweise sitzen bleiben vs. sitzenbleiben. Wie erwähnt, firmiert das Bildungsvolksbegehren unter „Österreich darf nicht sitzen bleiben”. Es stellt sich die Frage, ob diese Schreibweise richtig ist oder ob das Organisationsteam mit dieser Leistung selbst eine Fünf bekommt.

    Wir erinnern uns: Die Verbindung aus zwei Verben wird stets getrennt geschrieben, wie ich etwa hier ausgeführt habe. Beispiele: spazieren gehen, schreiben lernen, lieben lernen etc. Wenn allerdings das zweite Verb bleiben oder lassen lautet, dürfen wir auch, sofern der übertragene Sinn gemeint ist, zusammenschreiben.

    Es ist eben nicht das Gleiche, ob jemand physisch an ihrem Platz sitzen bleibt oder ob jemand in der Schule sitzenbleibt, also nicht in die nächste Klasse aufsteigen darf. Um diesen Unterschied auch im Schriftbild zu betonen, darf beim übertragenen Sinn ausnahmsweise zusammengeschrieben werden. Allerdings ist die Getrenntschreibung der Verben natürlich auch beim übertragenen Sinn nicht falsch. Ich persönlich finde es besser, die unterschiedliche Bedeutung sichtbar zu machen. Insofern ist der Slogan „Österreich darf nicht sitzen bleiben” so oder so völlig korrekt. Da davon ausgegangen werden darf, dass der übertragene Sinn gemeint ist – dass also quasi Österreich auf jeden Fall in die nächste „Klasse” aufsteigen möchte – , würde ich hier die Zusammenschreibung bevorzugen.

    Übrigens gilt die Regel natürlich nicht nur im Infinitiv, sondern auch bei den gebeugten Verbformen:
    Trotz Aufforderung zum Aufstehen ist Peter einfach an seinem Platz sitzen geblieben.
    Anna setzt alles daran, damit sie nicht in der 4. Klasse sitzenbleibt. [auch: sitzen bleibt]

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    Antworten zu “Wenn plötzlich niemand mehr sitzenbleibt” RSS Icon

    • Wir erwähnt, firmiert das Bildungsvolksbegehren unter „Österreich darf nicht sitzen bleiben”.

      Hier ist dann doch auch unserer Deutsch-Expertin ein kleiner Fehler unterlaufen!

      Sollte ziemlich sicher “Wie erwähnt …” lauten.

      Schöne Grüße

      Gerald

    • Hallo Gerald,

      danke fürs aufmerksame Lesen. Der Fehler ist bereits korrigiert.

      Beste Grüße
      Dagmar


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