-
Österreichisch für AnfängerInnen: Lexik
Geschrieben am 12. Juli 2011 12 KommentareSchon klar, dass es die Sprache „Österreichisch” nicht gibt; aber eine griffige Überschrift ist immer gut. Letztlich wird auch in Österreich Deutsch gesprochen, allerdings in einer Art und Weise, die Deutsche jenseits des Weißwurstäquators oft vor große Rätsel stellt. Das noch viel größere Rätsel ist für mich, warum wir in Österreich Deutsche meistens (unter Bemühungen) verstehen, auch wenn uns ihre Lexik und Aussprache oft Spanisch vorkommen. Warum funktioniert das nicht in die andere Richtung? Ob es an gutem Willen mangelt? Oder liegt es schlicht daran, dass Österreicherinnen durch das deutsche Fernsehen viel eher dem deutschen Deutsch exponiert sind als Deutsche dem österreichischen Deutsch?
Egal; ich will nicht abschweifen. Angesichts des heißen Wetters, sowohl in Österreich als auch in Deutschland, wollen wir uns heute mit einem locker-leichten Thema beschäftigen. Ich wünsche viel Spaß beim Raten. Mitraten dürfen natürlich nur Leute, die die unten stehenden Begriffe noch nie gehört oder gelesen haben. Nachschlagen ist natürlich auch nicht erlaubt. Es würde mich interessieren, was Uneingeweihte ad hoc mit diesen Formulierungen verbinden.
Auf die Plätze, fertig, los!
Hier die Beispiele; die fraglichen Begriffe sind kursiv gesetzt. Damit das Ganze lustiger wird, liefere ich bewusst wenig Kontextinfo.
1. Wir werden dieses Problem heuer angehen.
2. Ich glaube nicht, dass sich das ausgeht.
3. Passt das für dich?
4. Er hat mich neulich einfach versetzt.
5. Peter ist zum wiederholten Male im Häfen.
6. Das Häusel ist sehr klein.
Wenn Sie meine Beiträge gut finden und der Meinung sind, dass kostenlos zur Verfügung gestellter, qualitativ hochwertiger Content honoriert werden soll, können Sie per Mausklick über Flattr einen kleinen Beitrag in meine Serverkasse fließen lassen. Vielen Dank dafür! Für weitere Informationen klicken Sie hier ...
Antworten zu “Österreichisch für AnfängerInnen: Lexik”

-
neulich? Ernsthaft?
Für mich, der ich allerdigs aus dem Süden komme, ein völlig normales deutsches Wort.
-
Christian 12. Juli 2011 um 16:09
Nanu, bis auf Häfen sind das doch alles ganz normale, deutsche Wörter…jedenfalls dachte ich das bisher
Das würde erklären, warum mich die Kollegen in Deutschland in Telefonkonferenzen häufig nicht verstehen ^^
-
Ok, dann werde ich das auch mal testen (fast hätte ich, Mon Chéri ehrend, “die Probe aufs Exempel machen” geschrieben).
-
Ich empfehle den “Numerus Clausus Austriacus”
http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,370548,00.html -
Ich lebe seit bald 20 Jahren in Ostdeutschland; dort ist „neulich“ ein gängiges Wort. Auch die Wendung „etwas passt“ ist nicht unüblich.
-
Endlich einer, der raten muss!
2. sich rechnet?
5. Gefängnis? -
Hallo Daniel,
Nummer 5 ist goldrichtig. Unter “das geht sich nicht aus” verstehen wir in etwa “dafür reicht die Zeit nicht”. Wird ständig verwendet – was täten wir hier in Österreich ohne diesen Begriff?
LG
Dagmar -
Melanie 10. August 2011 um 08:48
Hallo,
also ich bin in Süddeutschland aufgewachsen und spreche “Alemannisch” ein Dialekt/eine Sprache, die dem nordwestlichen Schweizerdeutsch sehr ähnlich kommt. Auch ich habe immer wieder das Problem von “Nordlichtern” nur wenig bis gar nicht verstanden zu werden.
Allerdings ist auch “Österreichisch” für mich manchmal ein Buch mit sieben Siegeln
So kenne ich die Begriffe “heuer” und “neulich” zwar, aber beim Rest muss ich wirklich raten bzw. versuchen aus dem Kontext heraus zu verstehen was es bedeutet.
Mit dem Wortlaut 2 kann ich definitv nichts anfangen.
Der Wortlaut 3 bedeutet meiner Meinung nach so viel wie: “Ist das für dich gut so?”, kann aber auch etwas völlig anderes bedeuten.
Der Begriff “Häfen” ist mir ebenfalls nicht geläufig, da habe ich vorhin aber gelesen, dass das wohl Gefängnis bedeutet, was aus dem Kontext heraus auch Sinn macht.
Und ein “Häusel” wird wohl ein kleines Haus sein. Da weiß ich, dass Österreicher auch der deutschen Verniedlichungs-Silbe “chen” gerne “el” machen.
-
Melanie 1. September 2011 um 12:34
Häusel für eine Toilette?
Ach so ja klar, wenn ich es mir genau überlege benutzt man bei uns gelegentlich auch die Verniedlichungsform von “Haus” um den Abort zu bezeichnen. Darum denke ich, dass von der reinen Wortbedeutung her, ein Häusel durchaus als kleines Haus zu bezeichnen ist, oder?
Einen Kommentar schreiben
-



heinzkamke 12. Juli 2011 um 14:49