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Hier ist alles gratis!
Geschrieben am 5. September 2011 4 KommentareJawoll, hier bei www.neue-rechtschreibung.net gibt es alles zum Nulltarif: Rechtschreib-Tipps, Streit um des Kaisers Bart, Polemik rund ums Gendern und vieles mehr. Das soll natürlich niemanden davon abhalten, gelegentlich mal den Gegenwert eines Kaffees für meine Serverkasse zu spendieren (die Möglichkeit dazu ist schwer zu übersehen im grünen Kasten unterhalb eines jeden Beitrags vorhanden). Aber ich schweife ab.
Heute geht es um das Wort gratis. Ein Leser warf die Frage auf, wie mit diesem so inflationär gebrauchten Wörtchen umzugehen sei, wenn es in Verbindung mit einem Substantiv verwendet wird. Muss es ein Gratiskaffee heißen oder ein gratis Kaffee?
Interessanterweise hatte ich mir selbst vor nicht allzu langer Zeit Gedanken zu genau dieser Frage gemacht. Hier nun meine Überlegungen und Schlussfolgerungen dazu.
Es hilft immer, sich eingangs zu überlegen, mit welcher Wortart wir es zu tun haben. Das ist eine einfache Übung: Es handelt sich um ein Adverb, auch Umstandswort genannt. Adverbien sind relativ leicht daran erkennbar, dass sie nicht dekliniert werden können. Es heißt also immer unverändert gratis. Bei Adjektiven ist das ja bekanntlich nicht der Fall.
Laut Duden können Adverbien, anders als Adjektive, im Allgemeinen nicht als Attribut einem Substantiv vorangestellt werden (aber sehr wohl prädikativ verwendet werden: Das Essen ist gratis). Daher sind etwa die folgenden Formulierungen nicht korrekt: eine balde Rückantwort, die sogleiche Erledigung, das beinahe Zustandekommen. Ausnahmen gibt es bei Adverbien, die auf -weise enden. Als korrekt wird der Gebrauch nur dann angesehen, wenn sich diese Adverbien auf Substantive beziehen, die eine Handlung oder einen Vorgang bezeichnen (Nomina Actionis): eine ruckweise Bewegung oder nach teilweiser Erneuerung.
Weitere Informationen zu diesem Thema finde ich in meinen Duden-Bänden nicht. Deshalb meine persönliche Schlussfolgerung: Korrekt ist Gratiskaffee, aber nicht gratis Kaffee. Schließlich scheint mir hier die oben genannte Regel Anwendung zu finden, weshalb eigentlich nur die Möglichkeit bleibt, ein Kompositum aus gratis und Kaffee zu basteln.
Gibt es dazu andere Meinungen? Verwendet dazu bitte wie immer die Kommentarfunktion.
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Antworten zu “Hier ist alles gratis!”

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Warum heisst es Gratiskaffee aber Freibier? Was ist mit Freikaffee und Gratisbier?
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Volker 6. Oktober 2011 um 10:00
Hallo,
für mich fühlt sich die Sache eigentlich gar nicht so kompliziert an. Entweder gibt es einen Kaffee gratis (kostenlos) oder eben einen Gratiskaffee (oder gar Gratis-Kaffee?).
Im Gegensatz zu einem “kostenlosen Kaffee” ist ein “gratis’er Kaffee” wohl eher nicht möglich, daher in dem Fall lieber die Variante mit dem nachgestellten “gratis”.
Mit lieben Grüßen
Volker -
Knorpel 24. Oktober 2011 um 12:42
Schöne Beispiele! Ich freu mich immer, wenn solche Fragen anhand einleuchtender Beispiele erklärt werden. “Die sogleiche Erledigung” ist so deutlich, daß jedem der Unterschied klar werden müßte.
Bei anderen Punkten bin ich nicht ganz so überzeugt, und ich erhebe meinen zaghaften Einspruch, ohne jetzt im Duden nachgeschlagen zu haben. Außerdem ist nicht alles, was der Duden erlaubt, gutes Deutsch.
Zuerst: “Das Essen ist gratis.” Ich bezweifle, daß das die korrekte Paraphrasierung von “Gratis-Essen” ist. Meiner Ansicht nach müßte sie lauten: Das Essen erhält man gratis. Das ist natürlich die adverbiale Verwendung, und hier sollte gerade gezeigt werden, daß auch prädikative Verwendung möglich ist. Für mich klingt “Das Essen ist gratis” deshalb falsch, gerade weil man dann analog zu dem oben genannten Beispiel “das gratisse Essen” sagen können müßte. Man kann ja auch nicht sagen: “die Erledigung ist sogleich.” Welches Adverb läßt sich so prädikativ verwenden?
Zuletzt: Formulierungen wie “schrittweise Übernahme” klingen in meinen Ohren genauso falsch wie “die sogleiche Erledigung” (denn auch hier bezieht sich das Adverb auf ein Nominum Actionis) und sind das Ergebnis einer bürokratischen Nominalisierungswut. Der einzige Unterschied zwischen “sogleiche” und “schrittweise” ist der, daß “schrittweise” das “-e” schon mitbringt und deshalb zunächst richtiger klingt. Hat man ja schon mal gehört, “schrittweise”. Aber spätestens, wenn man von einem “schrittweisen Übergang” redet, wird einem der Unsinn solcher Formulierungen klar. Denn worin soll die Weisheit der Schritte auf diesem Gang bestehen?
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Knorpel 24. Oktober 2011 um 12:45
Noch vergessen: Man halte sich zum Vergleich mal das Beispiel “Beinahe-Unfall” vor Augen. Man kann hieraus nicht machen: “Der Unfall ist beinahe”.
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MrJones 6. September 2011 um 16:51