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Ist es wirklich so schwierig?

Rechtschreibfehler begegnen mir auf Schritt und Tritt. Tagein, tagaus. Das kann mitunter ganz schön frustrierend sein. Vor allem dann, wenn es schon in aller Früh damit losgeht. Da pflege ich nämlich die Zeitung zu lesen, und zwar eine österreichische Zeitung, die sich selbst als Qualitätsmedium versteht und sich recht unbescheiden Der Standard nennt. Das Problem ist, dass die dort tätigen Journalistinnen und Journalisten oft ein Rechtschreibniveau an den Tag legen, das ich (zumindest zu meiner Zeit) in der Volksschule (= Grundschule) ansiedeln würde. Früher schrieb ich regelmäßig Mails an die Redaktion, um die doofe Antwort zu bekommen, dass die Lektorin unter Stress stehe. Wie wär’s, wenn die Journalistinnen und Journalisten ihr Handwerk beherrschen, wozu auch das Rechtschreiben gehört? Es könnte so einfach sein. Mittlerweile führe ich diesen Dialog mit der Redaktion über Twitter (dort bin ich Deutsch_Profi) und erhielt auf meine jüngste Beschwerde die lapidare Antwort, dass laufend an der Qualität gearbeitet würde. Da fühle ich mich, ehrlich gesagt, richtig verschaukelt. Da bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als in Bälde mein Abo zu kündigen und in Zukunft nur noch eine andere österreichische Qualitätszeitung, nämlich Die Presse, zu lesen. Die dort Tätigen sind der Rechtschreibung sehr wohl mächtig.

Kleine Auswahl der bedenklichen Patzer im Standard in den letzten Tagen: […] wir haben bei Minus Zehn angefangen.
Zwei Fehler in zwei aufeinanderfolgenden Wörtern … das muss man erst mal hinkriegen.

Oder: Das ganze war ein Fehler.

Das wohl Betrüblichste ist, dass schlechte Rechtschreibung kaum jemandem auffällt. Immer, wenn ich Menschen in meiner Umgebung erzähle, dass ich die Rechtschreibung im Standard katastrophal finde, ernte ich erstaunte Blicke.  Dabei handelt es sich wohlgemerkt um die noch wenigen verbliebenen Personen, die kein kostenloses U-Bahn-Käseblatt lesen.

Mein Fazit: Rechtschreibung ist am absteigenden Ast. Sogar bei Menschen, die berufsmäßig mit Sprache zu tun haben. Davon kann ich als aktive Übersetzerin und Dolmetscherin ein Liedchen singen. Kommas bei Relativsätzen? Großschreibung bei Substantivierungen? Unterschied zwischen sie und Sie? Fehlanzeige! Kaum jemand schickt mir fehlerfreie E-Mails … da ist es kein Wunder, wenn jene, die wenig mit Sprache zu tun haben, noch viel schlechter rechtschreiben können. Die vielen Fehler, die mir in den Mails meiner Kundinnen und Kunden begegnen, stecke ich als notwendiges Übel weg. Würde ich nur mit rechtschreibfähigen Menschen kommunizieren, stünde ich sehr, sehr alleine da.

Rechtschreibung gilt wohl mittlerweile als entbehrlicher Luxus. Vielen mag ich altmodisch und uncool erscheinen, aber ich bleibe dabei: Rechtschreibung ist Allgemeinbildung. Korrekte Rechtschreibung schafft Glaubwürdigkeit.

Und, ganz ehrlich: So schwierig ist die Rechtschreibung nun dann auch wieder nicht. Ich halte das für ein vorgeschobenes Argument jener, die sich schlicht nicht mit diesem Thema auseinandersetzen möchten. Es ist kein IQ von 180 notwendig, um zu verstehen, dass nach einem Artikel großgeschrieben wird, weil dann entweder eine Substantivierung oder ein Substantiv folgt. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, aber als Faustregel taugt das allemal. Ich möchte das Diät-Essen somit nicht in *die firma geliefert bekommen, wie derzeit großflächig in Wien plakatiert wird. Erstaunlich, dass dieser Fehler niemandem auffällt: nicht der Auftraggeberin,  nicht in der Grafik, nicht beim Druck. Ich habe in der Volksschule gelernt, dass Substantive, die damals noch Hauptwörter genannt wurden, großgeschrieben werden. Ob sich in der Zwischenzeit die Prioritäten verschoben haben? Hauptsache, die Kids können das iPad bedienen.