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So ticken Gaddafi-treue Truppen

Heute in der Früh las ich in der Zeitung von Gaddafi-treuen Gruppen. Ganz abgesehen von der Tatsache, ob es eine gute Idee ist, einem weitestgehend realitätsentrückten Diktator die Treue zu halten, stolperte ich über die Schreibweise Gaddafi-treu. Hier handelt es sich um eine Verbindung aus Substantiv und Adjektiv. Wenn sich ein Substantiv und ein Partizip zusammentun, wird es übrigens besonders kompliziert (mehr dazu hier und hier).

Bei Gaddafi haben wir es nicht nur mit einem Substantiv, sondern auch mit einem Eigennamen zu tun, weshalb hier andere Regeln gelten als etwa bei feuerfest oder wasserdicht. Da es mehr als legitim ist, den Eigennamen als solchen kenntlich zu machen, darf hier sowohl klein- und zusammengeschrieben werden als auch groß und mit Bindestrich. Es kann also sowohl heißen:

Die gaddafitreuen Truppen halten weiterhin ihre Stellung.

Als auch:

Die Gaddafi-treuen Gruppen halten weiterhin ihre Stellung.

Gleiches gilt natürlich für alle anderen Eigennamen. Womit ich festhalten möchte, dass die Schreibweise in der Zeitung völlig korrekt war.

Gehen wir nun einen Schritt weiter: Was ist, wenn ein Vor- und Nachname mit einem Adjektiv verbunden wird, etwa Fidel Castro oder auch gekrönte Häupter, die nur unter ihrem Vornamen bekannt sind, etwa Maria Theresia?

In diesem Fall ist nur die Großschreibung des Eigennamens erlaubt, in Kombination mit Bindestrichen (die berühmte „Durchkoppelung“):

Die kubanische Bloggerin Yoani Sánchez ist für ihre Fidel-Castro-kritischen (bzw. Raúl-Castro-kritischen) Wortmeldungen bekannt.

Die Schreibweise *Fidelcastro-kritisch würde schließlich eher eigenartig anmuten, ebenso wie *fidelcastrokritisch.

Unpraktisch, aber richtig: ein 45-minütiger Ausfall

Wie an dieser Stelle schon häufig erwähnt, ist das Internet ein denkbar schlechter Ratgeber in Sachen Rechtschreibung. Gelegentlich spiele ich mich bei Google mit unterschiedlichen Schreibweisen herum, bei denen ganz klar ist, welche die richtige ist. Sehr oft gibt es für die falsche Schreibweise deutlich mehr Ergebnisse als für die richtige. Traurig, aber wahr.

Deshalb möchte ich bei häufig gesuchten Begriffen gegensteuern. Sobald die korrekte (oder auch falsche Schreibweise, siehe unten) des jeweiligen Begriffes gesucht wird, sollte der entsprechende Beitrag indexiert werden und für Aufklärung sorgen. Prinzipiell würde ich es begrüßen, dass die Leute als erste Anlaufstelle für die korrekte Rechtschreibung eher ein Nachschlagewerk als das Internet heranziehen, aber das ist wohl illusorisch. Selbst Sprachprofis geben mitunter unumwunden zu, dass sie keine Lust haben, im Duden zu blättern und deshalb schnell mal Google befragen. An dieser Stelle kann ich etwa die CD-ROM-Version des Duden empfehlen: funktioniert tadellos, geht mindestens so schnell wie Google und hat den entscheidenden Vorteil, dass die richtige Information geliefert wird. Aber wie gesagt: siehe oben. Das Internet wird sich wohl als zweifelhaftes Nachschlagewerk durchsetzen.

Die einzig richtige Art und Weise, einen Ausfall, der 45 Minuten lang dauert, in ein Adjektiv zu packen, ist folgende: ein 45-minütiger Ausfall. Falsch wären folgende Varianten: *ein 45 minütiger Ausfall, *ein 45-Minütiger Ausfall, *ein 45 Minütiger Ausfall, *ein 45minütiger Ausfall, *ein 45Minütiger Ausfall etc.

Interessanterweise liefert Google für einige der oben genannten Fantasievarianten ähnlich viele Ergebnisse wie für die korrekte Variante. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Google ist kein Nachschlagewerk für Rechtschreibung, wird aber dennoch laufend als solches verwendet. Ach, ich vermisse die Zeiten, als es im meiner Volksschule (= Grundschule) Geschwindigkeits-Wettbewerbe im Wörterbuchblättern gab.

Genug der Nostalgie. Warum ist nur die oben genannte Variante korrekt?

1. Adjektive schreiben sich klein. 45-minütig beschreibt das Substantiv Ausfall und ist damit ein Adjektiv, auch wenn es nicht unbedingt so eindeutig als solches identifiziert wird wie etwa schön in schönes Wetter.

2. Zusammensetzungen mit Ziffern verlangen immer nach einem Bindestrich. Siehe hier. Ausnahme: Nachsilben, etwa in 68er-Generation/68er Generation, wo zwischen der Zahl und der Nachsilbe -er kein Bindestrich stehen darf (und der Bindestrich zwischen der Nachsilbe und dem Substantiv auch noch optional ist, wie hier beschrieben). Gleiches gilt übrigens für Abkürzungen, also etwa immer die EU-Kommission und niemals die *EU Kommission.

3. Das war’s eigentlich auch schon. Wer Wert auf die ausgeschriebene Zahl legt, kann natürlich gerne fünfundvierzigminütiger Ausfall schreiben, wobei allerdings die Lesefreundlichkeit stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Übrigens ist minütig genauso zulässig wie minutig. Welche Variante gefällt euch besser?

Gehts dem Apostroph noch gut?

Ich habe vor einiger Zeit nicht schlecht gestaunt, als ich bei der Lektüre des Duden-Bands 9 („Richtiges und gutes Deutsch“) erfuhr, dass der Apostroph in bestimmten Fällen nicht mehr notwendig ist. Hier die Details:

Wird das Pronomen es mit Verb, Pronomen oder Konjunktion zusammengezogen, kann ein Apostroph stehen oder auch nicht.

Machen Sie sich’s gemütlich!
Machen Sie sichs gemütlich!

Mir geht’s gut.
Mir gehts gut.

Vielleicht ist die Lockerung dieser Regel als Gegensteuerungs-Versuch zum viel zitierten Deppenapostroph gedacht? Ich könnte mir vorstellen, dass dies zu einer noch ausgeprägteren Alles-geht-Einstellung (ha, schönes Kompositum!) führt.

Für Rechtschreib-Profis ist folgende Regel etwas lachhaft. Weniger Bewanderte haben ihre liebe Not damit:

Kein Apostroph steht bei den üblichen Verschmelzungen aus Präposition und Artikel:
ans, aufs, durchs, fürs, hinters, ins, übers, ums, unters, vors, vorm
Bei unüblichen oder umgangssprachlichen Verschmelzungen sollte allerdings sehr wohl ein Apostroph stehen: Wir gehen in’n Zirkus.

Von Marx-freundlichen und marxfreundlichen Ideologien

Keine Sorge, besonders ideologisch geht es im heutigen Beitrag nicht zu! Vor nicht allzu langer Zeit postete ich über Komposita aus Substantiv und Adjektiv und schrieb, dass sie stets klein- und zusammengeschrieben werden müssten, also etwa balltauglich oder feuerfest. Eine aufmerksame Leserin machte mich allerdings darauf aufmerksam, dass es außer der im Post angeführten Ausnahmen noch eine weitere gibt: nämlich dann, wenn das Substantiv ein Personenname ist.

In diesem Fall können wir es uns aussuchen, ob wir Marx-freundlich mit Bindestrich oder marxfreundlich ohne Bindestrich, dann aber unbedingt klein und zusammen, schreiben. Der Duden erklärt dazu im Band 9, dass im Allgemeinen die Zusammenschreibung üblich ist, aber wenn der Name hervorgehoben werden soll, kann eben auch der Bindestrich gesetzt werden, also etwa auch eine Allende-belesene Lektorin oder ein Goethe-fester Student. Ob das stilistisch besonders gelungen ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Achtung: Diese Wahlmöglichkeit besteht nur dann, wenn es sich um einen einteiligen Eigennamen handelt. Kommt auch der Vorname dazu, muss „durchgekoppelt“ werden: Karl-Marx-feindlich, Isabel-Allende-freundlich.

Wer sich nur eine Regel merken möchte, merkt sich am besten, dass Eigenname (egal ob ein-oder zweiteilig) plus Adjektiv mit Bindestrich geschrieben wird.

Warum ist ein „Ball-taugliches Kleid“ orthografisch untauglich?

In letzter Zeit sind mir falsch geschriebene Adjektive, zusammengesetzt aus Substantiv (also Hauptwort) und Adjektiv (also Eigenschaftswort), aufgefallen. Ein *Ball-taugliches Kleid ist in dieser Form falsch geschrieben, ebenso eine *Grippe-ähnliche Erkrankung. Gleiches gilt für *Nobelpreis-verdächtig.

Warum man wiederum die Verbindung zwischen Adjektiv und Partizip mal so und mal so schreibt, also etwa Not leidend/notleidend, aber nur schneebedeckt, hatte ich bereits in diesem Beitrag beschrieben. Dabei handelt es sich um ein zugegebenermaßen schwieriges Thema.

Bevor ein zusammengesetztes Wort zu Papier gebracht wird, sollte also immer überlegt werden, aus welchen Wortarten es besteht. Denn: Ist das Erstglied ein Substantiv und das zweite Glied ein Adjektiv, ist es ganz einfach: Es wird zusammen- und kleingeschrieben. Das liegt daran, dass im Deutschen Adjektive (Ausnahmen unten) stets klein, zusammen und ohne Bindestrich geschrieben werden. Das Adjektiv balltauglich ist auch nichts anderes als heiser, müde oder krank. Auch wenn das Erstglied aus zwei Substantiven besteht, nämlich hier Nobelpreis, gilt das gleiche Prinzip der Zusammen- und Kleinschreibung. Es gilt, sich nicht davon irritieren zu lassen, dass am Anfang ein Substantiv steht. Grammatikalisch ist nobelpreisverdächtig ganz klar ein Adjektiv. Gleiches gilt etwa für bienenfleißig, kinderfreundlich und feuerfest.

Erste Ausnahme: Werden Kurzwörter, Einzelbuchstaben oder Ziffern mit einem Adjektiv verbunden, muss ein Bindestrich stehen:
x-beliebig, 17-jährig, EU-konform

Zweite Ausnahme: Wenn sich zwei Adjektive zusammentun und sie mit und oder zwischen verbunden sein könnten, muss ein Bindestrich gesetzt werden:
ein kalt-warmes Büffet (Büffet mit warmen und mit kalten Speisen)
die österreichisch-ungarische Grenze (Grenze zwischen Österreich und Ungarn)

Auch wenn nasskaltes Wetter sowohl nass als auch kalt ist, wird das Adjektiv als semantische Einheit verstanden und deshalb zusammengeschrieben, ohne Bindestrich.

Aber: hellblau, dunkelrot etc., weil hier nicht und zwischen den beiden Elementen stehen könnte.