Tipps von der Deutsch-Expertin
RSS Icon
  • Zeit für den AufschwungKredit?

    Geschrieben am 20. August 2010 Dagmar Jenner 7 Kommentare

    Die Bank Austria, die ja bezeichnenderweise zur UniCredit gehört, wirbt in großen österreichischen Tageszeitungen für einen AufschwungKredit. Was bitte soll das? Was ist gegen einen Aufschwung-Kredit oder einen Aufschwungkredit einzuwenden? AufschwungKredit liest sich wohl für die diejenigen, die sich diesen Blödsinn ausgedacht haben, irgendwie schnittiger. Für mich liest es sich einfach nur blöde. Abgesehen davon, dass Großbuchstaben mitten im Wort nicht, wie das so schön heißt, regelkonform sind, weshalb der Duden auch das Gendern à  la MitarbeiterInnen ablehnt. Während ich selbstverständlich für die Sichtbarmachung von Frauen in der einen oder anderen Form bin, halte ich Schöpfungen wie AufschwungKredit für doof  und entbehrlich. Wie geht es euch damit?

    Was mich in letzter Zeit auch sehr nervt, ist die Verwendung möglichst exotischer Satzzeichen an völlig unpassenden Stellen, wahrscheinlich aus der gleichen Überlegung heraus, dass sich das Ergebnis zeitgemäßer liest. Auch das finde ich unsinnig. Beispielsweise wohne ich hier im <kabelwerk>. Bitte nicht im Kabelwerk, sondern im <kabelwerk> mit spitzen Klammern. Als ob es nicht außergewöhnlich genug wäre, am Areal einer ehemaligen Kabelfabrik zu leben! Ich plädiere dafür, Satzzeichen dort zu verwenden, wo sie hingehören, insbesondere Kommas, aber ansonsten die Finger davon zu lassen.

  • Bekenntnisse einer Rechtschreiberin

    Geschrieben am 16. August 2010 Dagmar Jenner 8 Kommentare

    Nach meiner Sommer-Abstinenz finde ich derzeit wieder zu meinem üblichen Posting-Rhythmus zurück und werde euch wie gehabt mit meinen Beiträgen rund um Rechtschreibung und Grammatik quälen … äh, beglücken. Bevor es aber wieder tierisch ernst wird, scheue ich mich nicht vor ein wenig Rechtschreibseelen-Striptease. Auch passionierte Rechtschreiberinnen haben ein paar Wörter im Repertoire, bei denen sie die korrekte Schreibweise immer und immer wieder nachschlagen müssen. Bei mir ist das zumindest so. Meistens um die Weihnachtszeit, wenn ich so originelle Begleittexte für die Päckchen verfasse wie “ich hoffe, dieses Geschenk bereitet dir viel Freude”, halte ich kurz inne, weil ich überlegen muss, ob ich Geschenk mit ck schreibe. Das ist so peinlich wie wahr. Vielleicht liegt es daran, dass sich Päckchen mit ck schreibt, Geschenk aber eben nicht. Geschenk mit ck sieht schrecklich aus, was mich aber nicht davon abhält, jedes Jahr erneut zu zweifeln.

    Ähnlich geht es mir bei der korrekten Platzierung der vielen l in parallel. Jedes Mal, nachdem ich wieder im Duden (CD-Rom-Version) nachgeschlagen habe, erscheint mir die Sache klar – bis zum nächsten Mal. Wie geht es euch? Habt ihr auch ein paar Wörter, die euch immer wieder in Verlegenheit bringen? Nichts ist hier zu peinlich, siehe oben …

  • Hitparade der sprachlichen Ärgernisse

    Geschrieben am 5. August 2010 Dagmar Jenner 18 Kommentare

    Auch im relativ entspannten Sommer kann ich die i-Tüpfelreiterei in Sachen Rechtschreibung nicht ablegen und ärgere mich am laufenden Band über sprachliche Grausamkeiten auf Websites, in Läden, auf Schildern etc. Ganz oben auf meiner persönlichen Aggressionsliste stehen falsch gesetzte Apostrophe bei Präpositionen plus Artikel, also etwa: *Vielen Dank für’s folgen bei Twitter. Nähere Infos dazu gibt es in diesem Beitrag.

    Womit wir schon bei einem weiteren Fehler wären, der mich über alle Maßen ärgert: die Substantivierung. Während die Sache mit den Präpositionen und den Artikeln relativ leicht zu erklären ist, leuchtet die Substantivierung kaum jemandem ein, der/die sich wenig bis gar nicht mit Sprache auseinandersetzt. Werde mich wohl irgendwann daran gewöhnen müssen, dauernd Schilder mit *Kaffee zum mitnehmen zu lesen. Irgendwann, aber sicher nicht in absehbarer Zeit.

    Wie geht es den werten Leserinnen und Lesern? Über welche sprachlichen Todsünden ärgert ihr euch am meisten?

  • Bei Tabellen: groß oder klein?

    Geschrieben am 23. Juli 2010 Dagmar Jenner 3 Kommentare

    Kürzlich ereilte mich eine Frage, bei der ich passen musste, zumal ich sie schon oft in meinen Nachschlagewerken recherchiert habe und nie fündig wurde. Die Frage lautet folgendermaßen: Muss in Tabellen, etwa in einem Lebenslauf, am Anfang des jeweiligen Feldes groß- oder kleingeschrieben werden?

    Also entweder so (bitte Tabelle vorstellen):

    Ausbildung
    seit 2008: Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien

    Oder so:

    Ausbildung
    Seit 2008: Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien

    Ich kann mich nicht so recht entscheiden. Wichtig ist natürlich, dass die jeweilige Entscheidung an allen entsprechenden Stellen durchgehend umgesetzt wird. Plädoyers bzw. Begründungen für die eine oder andere Lösung sind herzlich willkommen!

  • Deutsche Lieblingswörter

    Geschrieben am 9. Juli 2010 Dagmar Jenner 5 Kommentare

    Angesichts der Hitze da (Nevada, USA) wie dort (Österreich) heute mal etwas Luftig-Lockeres. Vor zwei Jahren las ich das Buch “Das schönste deutsche Wort”, das mich zwar nicht vom Hocker gerissen hat (Rezension hier), mich aber über meine deutschen Lieblingswörter nachdenken ließ. Damals wie heute stehen folgende Wörter ganz oben auf meiner persönlichen Hitliste: paperlapapp, Pipifax und radebrechen.

    Wie geht es “meinen” Leserinnen (und natürlich Lesern)? Welche Wörter liegen euch persönlich am Herzen, egal ob sie euch semantisch, phonetisch oder beides besonders gefallen? Ich freue mich auf eure Beiträge!

  • Hochdeutsch gesucht!

    Geschrieben am 7. Juli 2010 Dagmar Jenner 5 Kommentare

    Kürzlich grübelte ich mit einer Gleichgesinnten über die umgangssprachliche Formulierung “er ist ein bisschen ein Schlitzohr”, die uns beiden sehr gut gefällt. Es galt, diese Formulierung für einen Text ins Hochdeutsche zu transportieren. Leider fiel uns nichts entsprechend Pfiffiges ein. Kann jemand helfen? Oder seid ihr der Meinung, dass diese Formulierung durchaus auch in einem druckreifen Text vorkommen kann/soll/darf? Es handelt sich dabei um die Niederschrift einer Lebensgeschichte. Vorschläge jederzeit willkommen! Danke im Voraus und … Kopf hoch wegen der WM!

  • Kicken und lernen!

    Geschrieben am 17. Juni 2010 Dagmar Jenner 14 Kommentare

    Anlässlich der Fußball-WM ist vielleicht schon so manche ins Grübeln gekommen, welche Regel denn nun hinter der Bildung der Einwohnerbezeichnungen steckt. Obwohl ich ganz klar in der feministischen Linguistik zuhause bin, hier ein erster Überblick über männliche Bezeichnungen, die mir ad hoc einfallen: China – Chinese. Chile – Chilene. Ein Mann aus Kamerun wiederum ist kein Kamerunese und auch kein Kamerune, sondern ein Kameruner. Anlässlich des gestrigen Spiels könnten wir auch darüber nachdenken, wie die männlichen Kicker aus Uruguay heißen: Sind es nun Uruguayer (in Anlehnung an das spanische uruguayos) oder Uruguayaner? Es scheint mir keine durchgehende Regel zur Anwendung zu kommen. Kann jemand aushelfen? In keinem der Duden-Bände finde ich Information dazu. In vielen Fällen wird ein –aner an den Stamm des Landes drangehängt: Mexiko – Mexikaner, Südafrika – Südafrikaner, Nordkorea – Nordkoreaner, Argentinien – pardon, hier funktioniert es wieder nicht. Klar ist die Sache nur bei Ländern, die auf –land enden (wenn auch nicht in der offiziellen Bezeichnung): Holländer, Engländer usw.  Aber auch nicht bei allen, siehe Griechenland – Grieche. Ähnlich kompliziert verhält es sich bei Inseln. Kürzlich tauchte hier die Frage auf, ob die männlichen Einwohner der Insel Lesbos nun Lesbier oder sonst wie heißen. Insgesamt sind die Einwohnerbezeichnungen eine knifflige Frage, auch in anderen Sprachen. Vielleicht hat ja jemand ein paar Tipps auf Lager …

  • Von Austriazismen und anderen Wunderlichkeiten

    Geschrieben am 6. Juni 2010 Dagmar Jenner 7 Kommentare

    Bitte die Überschrift nicht falsch zu verstehen: Aus meiner Sicht sind Austriazismen überhaupt nicht wunderlich, sondern ein schöner Ausdruck regionaler Sprachvarietät, die auf keinen Fall negiert werden soll. Bei einigen Wörtern war es mir jahrelang gar nicht bewusst, dass sie in (Nord-)Deutschland nicht verwendet werden, etwa heuer für dieses Jahr. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass Austriazismen von Deutschen sehr viel schlechter verstanden werden als “bundesdeutsche” Eigenarten der deutschen Sprache von uns Österreicherinnen. Ob das an mangelndem Willen liegt oder an der größeren Präsenz des Bundesdeutschen in Österreich als des “Österreichischen” in Deutschland (etwa durch die Medien), sei mal dahingestellt.

    Ein regelmäßiger Leser des Blogs war so freundlich, mir eine Liste echter und angeblicher Austriazismen per E-Mail zu schicken. Angeblich deshalb, weil ich einige dieser Wörter hier in Österreich noch nie gehört habe. Das heißt zwar nicht, dass sie nicht in irgendeiner Ecke des Landes verwendet werden, aber besonders geläufig sind sie nicht. Dazu gehören etwa Ananas für Erdbeere (was frau nur sehr selten auf Märkten in Wien hört), Apfelkoch für Apfelmus habe ich noch nie gehört, Distinktion für Auszeichnung sagt vermutlich nicht mal die Upper-Class, Fallott für Kleinkrimineller ist mir überhaupt kein Begriff. Sehr gängig wiederum, wenn auch nicht in der Schriftsprache, ist Gatsch für Schlamm, ebenso wie Hosensack für Hosentasche und Hundstrümmerl für Hundehaufen. Dass hier in Österreich Kassa anstatt Kasse gesagt und geschrieben wird, dürfte hinlänglich bekannt sein. Und dass wir eher Melanzani anstatt Aubergine essen (die Kulinarik ist sowieso ein Thema für sich!). Nachtmahl oder Nachtessen anstelle von Abendessen kommt mir hingegen sehr, sehr spanisch vor. Möglicherweise hat dieser Begriff noch irgendwo am Land überlebt, aber in der Stadt sicher nicht. Sehr typisch ist Parte für Todesanzeige, was ich selbst (als langjährige Auslandsösterreicherin) erst vor wenigen Jahren mit Erstaunen gelernt habe. Und zu guter Letzt gehen wir hier natürlich nicht mit Tüten, sondern mit Sackerln einkaufen. Sehr Fortgeschrittene bestellen am Würstelstand eine Eitrige und bekommen eine Käsekrainer.

    Weitere Beiträge jederzeit gerne willkommen! Wir lesen uns in ein paar Tagen, da ich derzeit viel unterwegs bin. Vorerst geht es nach Innsbruck, wo das “Österreichische” in seiner Tiroler Ausprägung besonders charmant rüberkommt.

  • Adressen richtig schreiben

    Geschrieben am 30. Mai 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Ein schlauer Leser hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass auf meiner eigenen Website meine Adresse nicht korrekt geschrieben ist. Ergo nimmt sich die Rechtschreibpuristin selbst an der Nase, korrigiert den Fehler und klärt auf:

    Auch wenn es lange gang und gäbe war, ist es nicht mehr üblich, vor dem Ort das Landeskürzel zu schreiben. Also nicht mehr:
    A-1120 Wien

    Sondern schlicht:
    1120 Wien

    Darunter ist dann, falls der Brief ins Ausland geht, in VERSALIEN das Bestimmungsland (wer möchte, auch den Ort) zu schreiben, also etwa so:
    Schlaue-Susi-Weg 25
    1234 Schlauhausen oder: 1234 SCHLAUHAUSEN
    SCHLAUMEIERLAND

    Bei aller Liebe zur elektronischen Kommunikation wünsche ich viel Freude mit der Schneckenpost, die mir in Österreich besonders deswegen sehr sympathisch ist, weil sie eine Kundin von mir ist :)

  • FAQ oder FAQs? AGB oder AGBs?

    Geschrieben am 15. Mai 2010 Dagmar Jenner 4 Kommentare

    Nach einer arbeitsbedingten Sendepause melde ich mich mit einem kniffligen Thema zurück. Die Anregung dafür stammt von einem fleißigen Blog-Leser – vielen Dank schon mal dafür! Die Frage lautete: Wie schreibt man die Abkürzungen von “Allgemeine Geschäftsbedingungen” und “Frequently asked questions”?

    Eine sehr gute Frage, deren Beantwortung einiges an Recherche im Duden verlangt.
    In erster Linie steht dort zu lesen (unter “Plural” in Band 9), dass das Plural-s häufig bei Abkürzungen steht, die nicht auf -s enden, obwohl dieses drangehängte s dort nicht notwendig ist. Als Beispiel wird angeführt:

    die Pkws (neben: die Pkw), auch wenn es ausgeschrieben Personenkraftwagen und nicht Personenkraftwagens heißt.

    Im Eintrag “Abkürzungen” wird dann auch das Beispiel die AGs geliefert, wobei auch da in der ausgesprochenen Variante nirgends ein finales s zu finden ist. Schließlich heißt es die Aktiengesellschaften und nicht die Aktiengesellschafts. Laut Duden ist aber *die AGen nicht möglich (auch wenn es logischer wäre). Das ist zwar einigermaßen paradox, aber andererseits sehr gut eingebürgert. Analog gilt dann, auch wenn im Duden nicht explizit angeführt, der Fall mit den AGB, die auch AGBs heißen dürfen. Ebenso verhält es sich bei WG und WGs, wobei es bei femininen Wörtern angesichts Verwechslungsgefahr von Singular und Plural besonders empfehlenswert ist, das Plural-s zu setzen.

    Zu den “Frequently asked questions” schreibt der Duden in einem analogen Fall: “Abkürzungen, die auf Zischlaute enden, bleiben stets unverändert.” Als Beispiel wird 50 PS angeführt. Da questions auch auf einen Zischlaut endet, lautet die korrekte Abkürzung FAQ.