Tipps von der Deutsch-Expertin
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  • Interview mit der Leiterin der Duden-Sprachberatung

    Geschrieben am 10. März 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    In meiner Funktion als Redakteurin der Mitgliederzeitschrift von UNIVERSITAS Austria, Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen, hatte ich kürzlich das Vergnügen, die Leiterin der Duden-Sprachberatung (vulgo auch gerne “Duden-Hotline” genannt) zu interviewen. Frau Evelyn Knörr gab mir äußerst interessante Einsichten auf Fragen, die einige Mitglieder des Verbandes und ich zusammengestellt hatten. Kraft unseres Berufes sind wir Übersetzerinnen und  Dolmetscherinnen natürlich äußerst an sprachlichen Themen interessiert, sowohl in Bezug auf unsere Fremdsprachen als auch auf die deutsche Sprache. Paradoxerweise gibt es aber durchaus ein paar Kolleginnen, die hartnäckig nach wie vor in alter Rechtschreibung schreiben und übersetzen.

    In meinem Beitrag zu “kniffligen Kommas” hatte ich dieses Interview erwähnt. Nun ist die Zeitschrift erschienen und ich stelle hier den Artikel zum Download zur Verfügung. Viel Spaß beim Lesen!

    Interview Duden-Sprachberatung

  • Zum Frauentag: die Unsichtbarkeit von Frauen in der Sprache

    Geschrieben am 8. März 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Seit einiger Zeit befasse ich mich im Rahmen meiner Dissertation mit dem Verhältnis zwischen Sprache und Geschlecht. Die feministische Linguistik sieht Sprache als eines von vielen Mitteln der androzentrisch-patriarchalischen Gesellschaft, um Frauen zu benachteiligen oder unsichtbar zu machen. Unter anderem kommt dies durch die Verwendung des so genannten generischen Maskulinums zum Ausdruck, will heißen: Bei personenbezogenen Substantiven gilt die männliche Form als Standard, zu dem sich auch Frauen zu zählen haben. Ein Lehrer kann also genauso gut eine Lehrerin sein, aber umgekehrt - Gott bewahre! Schließlich ist, wie es nicht nur Simone de Beauvoir recht treffend beschrieben hat, der Mann der Standard und die Frau eben das andere. Als eigenständiges Wesen wurde die Frau über die Jahrhunderte nicht einmal mitgedacht, was eindrucksvoll durch das Studium älterer Gesetzestexte, allerdings bis hinauf ins 19. und 20. Jahrhundert, zum Ausdruck kommt. Dass Frauen kein Recht auf Eigentum (nicht mal ihre eigene Mitgift), keine Menschen- und Bürgerrechte geschweige denn das Recht auf höhere Bildung hatten, galt jahrhundertelang als “Naturrecht”.

    Wem es noch nicht aufgefallen ist: In diesem Blog verwende ich personenbezogene Substantive, besonders im Plural, ausschließlich in der weiblichen Form (das generische Femininum), ganz in der Tradition von Luise Pusch. Interessanterweise stößt die Sichtbarmachung von Frauen ausgerechnet bei Frauen oft auf radikale Ablehnung, während ihr Männer oft entspannt gegenüberstehen. Wenn, wie viele behaupten, das männliche Substantiv tatsächlich auch das weibliche umfassen sollte (was schon logisch Unsinn ist), müsste der folgende Satz grammatikalisch korrekt sein: * Jeder Lehrer bringt ihre eigene Kreide mit.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass viele einen Kommentar zu diesen Ausführungen posten möchten, weshalb ich gleich mal um Sachlichkeit ersuchen möchte. In diesem Sinne wünsche ich allen Angehörigen der größten benachteiligten Bevölkerungsgruppe der Welt einen wunderschönen Frauentag. Auf dass bald eine Frau Rektorin einer österreichischen Uni wird, mehr als 27,32 % Frauen im Nationalrat sitzen und mehr als eine Handvoll Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen. Es gibt auf vielen Gebieten noch viel zu tun!  Die sprachliche Ebene ist dabei eine ganz fundamentale, weil Sprache immer auch ein Spiegel der Gesellschaft ist und Sprache wiederum einen Einfluss auf das Denken haben kann.

  • Faschingsdienstag, Faschings-Dienstag, *Faschings Dienstag?

    Geschrieben am 16. Februar 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Es ist wieder so weit: Heute ist Faschingsdienstag und der will gefeiert werden! Aber bevor wir die Kostümierung anlegen, überlegen wir doch kurz, wie sich dieser Tag korrekterweise schreibt. In der Überschrift stehen drei Varianten. Ich hoffe sehr, dass euch die erste am besten gefällt und die letzte Variante gar nicht. Ein Sternchen davor bedeutet immer: falsch!

    Wie ich immer wieder gerne wiederhole, werden zusammengesetzte Substantive im Deutschen in der Regel zusammengeschrieben. Bei besonders langen und unübersichtlichen Zusammensetzungen (auch Komposita genannt) kann auch ein Bindestrich gesetzt werden. Aber wenn ein so genanntes Fugen-s zwischen den beiden Wörtern steht (wie hier bei Fasching + Dienstag = Faschingsdienstag), wird die Zusammenschreibung ohne Bindestrich bevorzugt. Wer mag, kann auch Faschings-Dienstag schreiben. Der allgemeine Sprachgebrauch tendiert allerdings ganz klar zu Faschingsdienstag. Ganz falsch wäre *Faschings Dienstag, eben weil die Getrenntschreibung von zusammengesetzten Substantiven im Deutschen nicht möglich ist.

    In diesem Sinne: viel Spaß am heutigen Faschingsdienstag!

  • Der 1€-Jobber, korrekt geschrieben

    Geschrieben am 28. Januar 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Auf der Facebook-Fanseite “Gute Rechtschreibung” wurde mir kürzlich die Frage gestellt, wie sich 1-Euro-Jobber korrekt schreibt, wenn anstelle von Euro das Euro-Zeichen (€) verwendet wird. In der ausgeschriebenen Variante muss “durchgekoppelt” werden, d. h., es werden zwischen allen Bestandteilen des Wortes Bindestriche gesetzt, also so: Ein-Euro-Jobber und auch 1-Euro-Jobber.

    Wenn man/frau sich aber dafür entscheidet, das Wort Euro durch € zu ersetzen, kommt analog die Regel zur Anwendung, die besagt, dass “aus grafischen Gründen das Prozentzeichen ohne Bindestrich hinter die Ziffer gesetzt wird” (Duden-Band 9). Als Beispiel wird 5%-Klausel angeführt.

    Die Dame der Duden-Sprachberatung, mit der ich diese Frage besprach, bestätigte mir, dass die oben genannte Regel analog auch bei Währungen angewendet wird. Die richtige Schreibweise lautet also 1€-Jobber.

    Allerdings könnte man/frau auch die Schreibweise 1-€-Jobber argumentieren (siehe oben, “Durchkopplung”). Rein optisch gefällt mir aber die Lösung mit nur einem Bindestrich besser.

  • Euro-Zeichen vor oder hinter dem Betrag?

    Geschrieben am 25. Januar 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Kürzlich wurde ich bei einem Vortrag gefragt, ob bei Geldbeträgen das Euro-Zeichen € oder aber auch die Abkürzung EUR vor oder nach dem Betrag stehen müsse. Gute Frage! Ad hoc setze ich immer das Euro-Zeichen vor den entsprechenden Betrag. Allerdings schreibt der Duden (Band 9) zu diesem Thema Folgendes:

    Die Währungseinheit ist im Allgemeinen nach dem Betrag zu schreiben, weil sie auch erst nach der Zahl gesprochen wird. Man schreibt also in fortlaufenden Texten, Geschäftsbriefen usw. 3,45 €; 270,00 EUR usw. In Aufstellungen und im Zahlungsverkehr kann das Währungszeichen aus Gründen der besseren Übersicht auch vorangestellt werden (€ 3,45; EUR 0,05).

    Einleuchtend, nicht? Gleiches gilt natürlich auch für andere Währungen.
    Schwierig wird es für diejenigen, die viel mit der englischen Sprache arbeiten, denn dort wird auch im Fließtext in der Regel das Währungszeichen zuerst gesetzt, auch wenn die Währung auch im Englischen erst nach dem Betrag ausgesprochen wird.

    Übrigens: Im Deutschen lautet der Plural von Euro auch Euro; das Gleiche gilt für Cent. Im Spanischen, Französischen und Portugiesischen lautet laut einem Informationsblatt der Europäischen Zentralbank der Plural von euro wiederum euros (in beiden Fällen kleingeschrieben, weil in diesen Sprachen Substantive kleingeschrieben werden).  Ebenso verhält es sich in diesen drei Sprachen mit dem Plural von cent: Korrekt ist cents. Wobei in Frankreich aber nach wie vor gerne centimes gesagt wird …

  • Das Konjunktionspaar und/oder

    Geschrieben am 15. Januar 2010 Dagmar Jenner 2 Kommentare

    Kürzlich erreichte mich ein Anruf einer Kollegin (auch Übersetzerin), die dringend nach einer Lösung für ein grammatikalisches Problem suchte. Anscheinend hatte ihr auch die Duden-Sprachberatung nicht helfen können. Insofern ehrt es mich, dass sie sich, quasi als “Letztinstanz”, an mich wandte. Nur leider kann auch ich keine eindeutige Antwort geben, nur einen Vorschlag zur Güte.

    Das Problem dreht sich um das Konjunktionspaar und/oder. Wenn dieses Paar zum Einsatz kommt, ist im Satz gemeint, dass entweder einer der beiden Sachverhalte eintritt oder eben beide. Die Frage ist, ob dann das Verb im Singular oder im Plural stehen muss, weil und nach dem Plural verlangt, oder aber nach dem Singular. Hier der Satz:

    Bei Bedarf stellt das Krankenhaus und/oder der Prüfarzt Kopien des Befundes zur Verfügung.

    Oder muss es folgendermaßen heißen?

    Bei Bedarf stellen das Krankenhaus und/oder der Prüfarzt Kopien des Befundes zur Verfügung.

    In keinem der Duden-Bände finde ich einen Hinweis, wie mit diesem Zweifelsfall umzugehen ist. Vorschläge sehr willkommen (bitte auch mit Begründung)!

    Mein Vorschlag zur Güte, wenn auch nicht sonderlich elegant, ist folgender:

    Bei Bedarf stellen/stellt das Krankenhaus und/oder der Prüfarzt Kopien des Befundes zur Verfügung.

    Ich habe deshalb stellen (also den Plural) vorangestellt, weil ja auch die Konjunktion und zuerst angeführt wird und sie nach dem Plural verlangt.

  • In puncto Rechtschreibung von punkto

    Geschrieben am 8. Januar 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Zufälle gibt’s! Erst kürzlich dachte ich mir, dass ich einen Eintrag zum Thema in puncto bzw. punkto verfassen könnte. Just an diesem Tag wünschte sich eine Leserin der Fangruppe “Gute Rechtschreibung” auf Facebook genau dieses Thema.

    Die Formulierung in puncto kommt gar nicht so selten in Zeitungsartikeln vor, und auch in beruflicher Korrespondenz lese ich sie gelegentlich. Hier besteht bei der Rechtschreibung keine Wahlfreiheit; korrekt ist einzig und allein die Schreibweise in puncto, also klein und mit c. Das folgende Substantiv steht immer im Nominativ, also ungebeugt. Hier ein Beispiel:

    In puncto Zahlungsmodalitäten schlagen wir eine Anzahlung von 50% des Honorars vor.

    Viel seltener wird hingegen die (veraltete) Präposition punkto verwendet; sie steht für bezüglich oder auch wegen. Dort, wo sie zur Anwendung kommt, wird sie, anders als bei in puncto, mit k geschrieben. Folgt ein Substantiv mit Artikel oder Adjektiv, steht immer der Genitiv. Beispiel:

    Ich melde mich punkto verspäteter Bezahlung.

  • Rechtschreib-Vortrag in Graz

    Geschrieben am 5. Januar 2010 Dagmar Jenner 5 Kommentare

    Nächste Woche, am Donnerstag, den 14.1., 14:00 Uhr, halte ich einen Rechtschreib-Vortrag in Graz. Und zwar am ITAT, dem Institut für theoretische und angewandte Translationswissenschaft der Universität Graz, veranstaltet von UNIVERSITAS Austria, Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen. Der Vortrag richtet sich primär an (angehende) ÜbersetzerInnen, ist aber natürlich auch für andere Berufsgruppen sehr aufschlussreich und steht unter dem Motto “Neue deutsche Rechtschreibung - klassische Herausforderungen und neue Hürden”.

    Der Vortrag dauert 1,5 Stunden und kostet für Nichtmitglieder von UNIVERSITAS Austria EUR 25.

    Nähere Informationen gibt es hier.

    Anmeldung am besten per Mail an Helga Benigni-Cokan: helga.benigni-cokan@uni-graz.at

  • Das Kreuz mit den Neujahrsvorsätzen

    Geschrieben am 2. Januar 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Willkommen im neuen Jahrzehnt! Wie so oft, werden im neuen Jahr gerne Neujahrsvorsätze gemacht, deren Umsetzung sich dann gelegentlich als schwierig entpuppt.

    Damit wir wenigstens grammatikalisch auf der richtigen Seite sind, sehen wir uns heute an, welcher Kasus nach unbestimmten Maß- und Mengenangaben, also etwa Schar, Reihe, Menge, Haufen stehen muss.

    Im neuen Jahr wartet eine Menge guter Ideen auf Umsetzung. (seltener: gute Ideen)
    Eine Schar spielender Kinder macht ganz schön viel Lärm. (seltener: spielende Kinder)
    Heute steht eine Reihe wichtiger Themen auf dem Tagesplan. (seltener: wichtige Themen)

    Sie sehen, dass das Adjektiv nach der Mengenbezeichnung in der Regel im Genitiv steht. In Klammer steht derjenige Kasus, in dem auch die Wörter Menge, Schar und Reihe stehen (Nominativ). Erlaubt ist beides, wobei aber die erste Variante bevorzugt wird.

    Also: Eine Menge guter Vorsätze harrt im neuen Jahr der Umsetzung.

  • Die Mehrheit der Menschen feiert am 31. Dezember – oder feiern?

    Geschrieben am 29. Dezember 2009 Dagmar Jenner 1 Kommentar

    Heute beschäftige ich mich wieder mit einer Frage der so genannten Kongruenz. Es fragt sich, welche der beiden in der Überschrift genannten Varianten richtig ist. Muss nach dem Wort Mehrheit das Verb im Singular oder im Plural stehen?

    Der Duden sagt, dass das Verb in der Regel im Singular zu stehen hat, weil das Subjekt (also das Wort Mehrheit) formal ein Singular ist. Also:

    Die Mehrheit der Menschen feiert am 31. Dezember Silvester.

    Allerdings schreibt der Duden auch, dass hier oft auch “nach dem Sinn konstruiert wird” und das Verb in den Plural gesetzt wird. Ergo ist auch folgende Variante erlaubt:

    Die Mehrheit der Menschen feiern am 31. Dezember Silvester.

    Merke: Am besten ist es, in diesem Fall das Verb in den Singular zu setzen. Analog gilt die oben genannte Regel z. B. auch für das Wort Mehrzahl.