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Ratespiel zum Freitag
Geschrieben am 3. Februar 2012 5 Kommentare
Kurz vor dem Wochenende wenden wir uns heute einem eher lockeren Thema zu, das weniger mit Rechtschreibung als mit der österreichischen Sprachvarietät zu tun hat. Im hervorragenden Wörterbuch der Alltagssprache Österreichs liefert Robert Sedlaczek höchst amüsante Einblicke in das Deutsch, das hierzulande gesprochen wird. Wobei es innerhalb des Landes natürlich auch etliche Unterschiede gibt. Viele Begriffe sind mir selbst unbekannt. Andere werden entweder in Ost- oder in Westösterreich bekannt sein. Das erste Wort etwa scheint mir überwiegend in Wien zu Hause zu sein. So oder so macht das Ratespiel hoffentlich Spaß. Bitte ehrlich sein und nicht googeln! Ich freue mich auf eure spontanen Einfälle zu den folgenden Wörtern:- Pompfüneberer
- Plutzer
- entrisch (Adj.)
- äußerln
- aper (Adj.)
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Klirrend kaltes Wetter
Geschrieben am 2. Februar 2012 2 Kommentare
In Europa ist es derzeit flächendeckend kalt. Sehr kalt. Ausgesprochen kalt. Am besten trifft es wohl: klirrend kalt. Da sich diese Beschreibung aufdrängte, als ich vorhin kurz mein wohlig warmes Büro verließ, dachte ich auch über die Rechtschreibung nach. Klirrend kalt schreibt sich in zwei Wörtern. Warum eigentlich?Sehen wir uns an, mit welchen Wortarten wir es zu tun haben. An erster Stelle steht ein Partizip, konkret ein Partizip I, nämlich klirrend. An zweiter Stelle steht das Adjektiv kalt. Tun sich ein Partizip an erster Stelle und ein Adjektiv an zweiter Stelle zusammen, muss diese Verbindung immer getrennt geschrieben werden. Weitere Beispiele: gestochen scharf, brütend heiß, strahlend hell.
Ein anderes Adjektiv, das mir in Zusammenhang mit der derzeitigen Witterung einfällt, ist bitterkalt. Allerdings wird diese Verbindung zusammengeschrieben. Das liegt daran, dass in dieser Verbindung das Adjektiv kalt durch die Voranstellung des Adjektivs bitter intensiviert wird. Solche Verbindungen werden immer zusammengeschrieben. Weitere Beispiele: bitterböse, hochgiftig. Übrigens: Die Verbindung aus zwei so genannten gleichrangigen Adjektiven muss ebenso zusammengeschrieben werden, etwa nasskalt, taubstumm und schwarzweiß.
Abschließend noch eine meiner Lieblingsempfehlungen an jene, die viel elektronische Post bekommen und schreiben und durch eine Portion Kreativität auffallen möchten. Anstelle der doch schon sehr abgedroschenen Schlussformel mit freundlichen Grüßen empfiehlt sich eine an das Wetter, die Jahreszeit etc. angepasste Schlusszeile. Also etwa abendliche Grüße, vorweihnachtliche Grüße, sonnige Grüße oder eben klirrend kalte Grüße. Nach dieser Grußformel darf wohlgemerkt kein Komma und auch kein anderes Satzzeichen stehen.
In diesem Sinne freue ich mich, in den kommenden Tagen meinen Kamin auf Hochtouren zu beschäftigen. Heute Abend allerdings trotze ich der Kälte, um zur Buchpräsentation des von mir sehr geschätzten Daniel Glattauer zu gehen, der heute sein neues Buch „Ewig Dein” vorstellt. Die Veranstaltung ist restlos ausgebucht, weshalb es dort drin sicherlich alles andere als klirrend kalt sein wird.
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Bitte mit scharf!
Geschrieben am 25. Januar 2012 17 KommentareNicht nur in Wien fällt auf, dass die Dichte der Kebab-Läden exponentiell zunimmt. Ob es bei der großen Konkurrenz eine gute Idee ist, den x-ten Kebab-Laden zu eröffnen und ob Banken JungunternehmerInnen einen Gefallen tun, wenn sie dafür Kredite lockermachen, ist eine andere Frage. Jedenfalls gibt es in meiner näheren Umgebung gefühlte 20 solcher Imbisse. Gelegentlich kaufe ich mir einen Kebab oder eine Döner-Box und zucke regelmäßig bei folgender Frage zusammen: „Mit scharf?”
Da ich es nicht über die Lippen bringe, „ja, bitte mit scharf” zu sagen, beschränke ich mich auf „ja, bitte”. So grammatikalisch unrichtig die Konstruktion auch ist, denn nach mit hat ein Substantiv oder ein Nominalausdruck (etwa „mit uns”) zu folgen, scheint sie sich doch langsam im Sprachgebrauch breitzumachen. Da und dort habe ich es auch von Leuten gehört, deren Muttersprache Deutsch ist und die ganz entschieden wissen, dass „bitte mit scharf” alles andere als astreines Deutsch ist. Sie verwenden die Formulierung wohl bewusst als geflügeltes Wort oder als Augenzwinkern in Richtung Kebab-Stand.
Wie geht es euch damit? Sagt ihr bewusst „ja, bitte mit scharf”? Alternativen wären vermutlich „ja, bitte mit Chili” (oder was auch immer da drübergestreut wird) oder „ja, bitte scharf würzen”. Glaubt ihr, dass sich „bitte mit scharf” langfristig im Sprachgebrauch durchsetzen wird?
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Das Wort des Jahres 2011
Geschrieben am 11. Januar 2012 4 KommentareKinder, wie die Zeit vergeht! Vor gefühlten zwei Monaten war ich in Südamerika (tatsächlich war das im April und Mai) und vor gefühlten Wochen war Sommer … und nun ist bereits das nächste neue Jahr angebrochen, mit ihm mein Monat.
Der Jahresbeginn ist auch immer eine gute Gelegenheit, um das vergangene Jahr Revue passieren zu listen und die eine oder andere Hitparade aufzustellen. So wird auch alle Jahre wieder das „Wort des Jahres” gekürt. In Österreich hat der Euro-Rettungsschirm das Rennen gemacht, gefolgt von„Arabischer Frühling” und „Inseratenkanzler” (was wohl nur jene ad hoc verstehen, die Einblick in die österreichische Innenpolitik haben). In Deutschland hat die Gesellschaft für deutsche Sprache den Stresstest zum Sieger gekürt. Gibt’s etwa in der Schweiz etwas Vergleichbares?
Und wie sieht es bei euch aus? Habt ihr ein persönliches Wort des Jahres oder gar ein persönliches Unwort des Jahres? Um es kundzutun, bitte einfach die Kommentar-Funktion hier unten nutzen.
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Kollege in Not
Geschrieben am 31. Dezember 2011 3 KommentareDer letzte Eintrag des Jahres, den ich hier im USA-Urlaub verfasse, hat so gar nichts mit Rechtschreibung zu tun. Allerdings geht es um ein Thema, das mir noch mehr am Herzen liegt und deshalb bitte ich euch, einen kleinen Beitrag zu leisten. Ein aus Spanien stammender Kollege (Dolmetscher und Übersetzer) hat, wie Millionen Menschen hier in den USA, keine Krankenversicherung (er ist wie ich selbstständig), da er sie sich schlicht nicht leisten kann. Am 23. Dezember erlitt Álvaro Degives-Más einen Herzinfarkt. Die Kosten für die Behandlung im Krankenhaus sind, typisch USA, schwindelerregend hoch. Auch seine Frau ist körperlich schwer angeschlagen und hat mangels Versicherung eine Augenoperation ohne Narkose über sich ergehen lassen. Álvaro ist ein hervorragender Übersetzer und Dolmetscher und Gründungsmitglied des Berufsverbandes für Dolmetschen und Übersetzen in Nevada (NITA). Die von mir und meiner Schwester ins Leben gerufene Spendenaktion läuft seit knapp 48 Stunden. Dank der überwältigenden Solidarität von Menschen in der ganzen Welt sind in kurzer Zeit knapp 3.000 Dollar zusammengekommen und bereits an Álvaro überwiesen. Die einen spenden 5 Dollar, andere 20 oder 50, eine Kollegin sogar knapp 500. Jeder Beitrag zählt. Das Ganze geht denkbar einfach über PayPal und es ist kein Konto bei PayPal notwendig. Weitere Informationen und der Link zur Spende sind hier zu finden. Wenn das keine gute Gelegenheit ist, mit einer guten Tat ins neue Jahr zu starten! Ich sage bzw. schreibe jetzt schon einmal: tausend Dank!
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Der Virus oder das Virus?
Geschrieben am 17. November 2011 4 KommentareSeit einigen Wochen bin ich mehr oder weniger außer Gefecht, was die lange Sendepause hier erklärt. In Wien, wie wohl in anderen Großstädten auch, gehen eine ganze Menge Viren um. Nachdem ich mich vorerst zwei Wochen lang damit herumgeschlagen hatte, war ich wenige Tage fit, um dann erneut das Bett hüten zu müssen und übelschmeckenden Eibischtee zu trinken.
Aber genug gejammert! Da wir schon beim Thema Viren sind, die ich oben wohlweislich nur im Plural verwendet habe, möchte ich auf die oft diskutierte Frage eingehen, ob Viren nun maskulin oder neutral sind. Ist der Virus oder das Virus korrekt? Die erfreuliche Antwort: beides.
Laut Duden wird in der Fachsprache der Artikel das verwendet. Außerhalb der Fachsprache ist auch der Virus zulässig. Wer also einigermaßen gelehrt klingen will, sagt das Virus. Wer nicht, kann eben auch der Virus sagen.
Auch bei Zusammensetzungen mit Virus stellt sich die Frage des Artikels. Sagt ihr eher der Computervirus oder das Computervirus?
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Wundersame “Kostpaarkeiten”
Geschrieben am 29. September 2011 10 Kommentare
Nun gut, vielleicht handelt es sich hier um eine dermaßen clevere Anzeige (gefunden in der österreichischen Tageszeitung „Der Standard”), dass ich nicht in der Lage bin, die sprachlichen Subtilitäten zu verstehen. Vielleicht verbirgt sich tief zwischen den wenigen Zeilen Text eine pfiffige Anspielung auf das Wort Paar. Vielleicht kreist auch der ganze Text um das Thema Paar und Zweisamkeit, und ich bin einfach nur zu unbedarft, um das zu kapieren.Es wird auf Interviews im Buch hingewiesen. Auch wenn die normalerweise zu zweit stattfinden, wäre die Verbindung zu Paar hier etwas weit hergeholt. Dann ist noch von Genuss zu Hause die Rede, der aber natürlich nicht nur zwei Menschen umschließen muss. Auch hier ist der Bezug zu schwach, um den Neologismus Kostpaarkeiten zu rechtfertigen.
Vielleicht besteht aber auch die klitzekleine Möglichkeit, dass in dieser Anzeige des nicht unbekannten Verlages maudrich allen Ernstes das Wort Kostbarkeiten in der unbeabsichtigt originellen Schreibweise *Kostpaarkeiten verwendet wird. Ist es ein Scherz für Eingeweihte? Oder schlicht und ergreifend der Gipfel der Peinlichkeit? Was meint ihr?
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Rufen sie uns an!
Geschrieben am 12. September 2011 5 Kommentare
Über diesen Artikel werden mit Sicherheit viele von euch die Nase rümpfen. Andererseits gibt es in der großen weiten Welt der Rechtschreib-Ahnungslosen offensichtlich viele, die Probleme mit den Grundlagen der deutschen Sprache haben. Mir als Übersetzerin begegnen übrigens Verwechslungen zwischen den Pronomen Sie und sie auf Schritt und Tritt.Natürlich ist hier die deutsche Sprache relativ gemein: Die Pronomen sie und Sie schreiben sich bis auf die Klein- bzw. Großschreibung exakt gleich, sind aber inhaltlich alles andere als ident.
Das Personalpronomen sie bezeichnet einerseits die dritte Person Singular (weiblich), sowohl im Nominativ als auch im Akkusativ:
Nominativ: Ich weiß, dass sie Sabine heißt.
Akkusativ: Er holt sie von der Arbeit ab.Blöderweise gibt es ein anderes Pronomen, das sich ebenso klein schreibt. Das Pronomen sie wird verwendet, wenn von einer Gruppe Menschen gesprochen wird, egal ob Frauen oder Männer oder kunterbunt (wir haben es also mit der 3. Person Plural zu tun). Auch hier sowohl im Nominativ als auch im Akkusativ:
Nominativ: Ich glaube, dass sie bereits unterwegs sind.
Akkusativ: Heute kommen Andrea und Martina. Ich hole sie vom Bahnhof ab.Offensichtlich wird es richtig schwierig, wenn die dritte Variante ins Spiel kommt: das großgeschriebene Pronomen Sie. Es bezeichnet die Höflichkeitsform und wird verwendet, wenn wir mit jemandem nicht per Du sind; egal, ob es sich um eine Person oder mehrere handelt. Auch hier wird Sie im Nominativ und im Akkusativ verwendet.
Nominativ: Sind Sie Frau Rabenstein?
Akkusativ: Ich habe Sie gestern im Theater gesehen.Ich hoffe, dass aus diesen Ausführungen klar wird, warum der Text auf diesem Werbeschild (gesehen in Wien) total verkehrt ist …
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Hier ist alles gratis!
Geschrieben am 5. September 2011 4 KommentareJawoll, hier bei www.neue-rechtschreibung.net gibt es alles zum Nulltarif: Rechtschreib-Tipps, Streit um des Kaisers Bart, Polemik rund ums Gendern und vieles mehr. Das soll natürlich niemanden davon abhalten, gelegentlich mal den Gegenwert eines Kaffees für meine Serverkasse zu spendieren (die Möglichkeit dazu ist schwer zu übersehen im grünen Kasten unterhalb eines jeden Beitrags vorhanden). Aber ich schweife ab.
Heute geht es um das Wort gratis. Ein Leser warf die Frage auf, wie mit diesem so inflationär gebrauchten Wörtchen umzugehen sei, wenn es in Verbindung mit einem Substantiv verwendet wird. Muss es ein Gratiskaffee heißen oder ein gratis Kaffee?
Interessanterweise hatte ich mir selbst vor nicht allzu langer Zeit Gedanken zu genau dieser Frage gemacht. Hier nun meine Überlegungen und Schlussfolgerungen dazu.
Es hilft immer, sich eingangs zu überlegen, mit welcher Wortart wir es zu tun haben. Das ist eine einfache Übung: Es handelt sich um ein Adverb, auch Umstandswort genannt. Adverbien sind relativ leicht daran erkennbar, dass sie nicht dekliniert werden können. Es heißt also immer unverändert gratis. Bei Adjektiven ist das ja bekanntlich nicht der Fall.
Laut Duden können Adverbien, anders als Adjektive, im Allgemeinen nicht als Attribut einem Substantiv vorangestellt werden (aber sehr wohl prädikativ verwendet werden: Das Essen ist gratis). Daher sind etwa die folgenden Formulierungen nicht korrekt: eine balde Rückantwort, die sogleiche Erledigung, das beinahe Zustandekommen. Ausnahmen gibt es bei Adverbien, die auf -weise enden. Als korrekt wird der Gebrauch nur dann angesehen, wenn sich diese Adverbien auf Substantive beziehen, die eine Handlung oder einen Vorgang bezeichnen (Nomina Actionis): eine ruckweise Bewegung oder nach teilweiser Erneuerung.
Weitere Informationen zu diesem Thema finde ich in meinen Duden-Bänden nicht. Deshalb meine persönliche Schlussfolgerung: Korrekt ist Gratiskaffee, aber nicht gratis Kaffee. Schließlich scheint mir hier die oben genannte Regel Anwendung zu finden, weshalb eigentlich nur die Möglichkeit bleibt, ein Kompositum aus gratis und Kaffee zu basteln.
Gibt es dazu andere Meinungen? Verwendet dazu bitte wie immer die Kommentarfunktion.
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Sind Sie automobil?
Geschrieben am 18. August 2011 13 KommentareFrisch zurück aus dem Griechenland-Urlaub, wo ich meine bescheidenen Griechisch-Kenntnisse erfolgreich an Frau und Mann bringen konnte, denke ich noch immer über etwas nach, was ich am Rückflug in der Zeitschrift der Fluggesellschaft gelesen habe. Dort wurden Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter gesucht, die eine Reihe von Qualifikationen vorweisen müssen. Dazu gehört es auch, automobil zu sein. Bisher dachte ich, dass Automobil ausschließlich ein Substantiv wäre. Aber automobil als Adjektiv hatte ich noch nie gehört, geschweige denn gelesen.
Wie sich zeigt, muss das ja nichts heißen. Ich befragte mein Duden-Universalwörterbuch. Dort findet sich unter dem Eintrag automobil folgende Information:
au|to|mo|bil <Adj.>:
a) das Auto betreffend, in Bezug auf das Auto: der -e Laie;
b) vom Auto bestimmt: eine -e Gesellschaft.
Wir wissen jetzt also, dass das Adjektiv automobil sehr wohl existiert. In den angeführten Beispielen wird das Adjektiv stets attributiv, also einem Substantiv vorangestellt, verwendet. Fragt sich nur, ob es auch prädikativ verwendet werden kann (jemand ist automobil). Die Frage kann ich persönlich nicht beantworten; Airberlin scheint die Frage für sich positiv beantwortet zu haben.
Automobil sein liest sich für mich nach wie vor etwas holprig, aber wer weiß, vielleicht setzt es sich durch …
Was halten die werten Leserinnen und Leser von dieser Formulierung? War sie euch bereits bekannt? Würdet ihr sie verwenden?





