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O.K., wie schreibe ich o.k.?
Geschrieben am 1. August 2011 4 KommentareMein immer wieder lesenswertes „Lexikon der populären Sprachirrtümer” verrät mir, dass der Ursprung von O.K. keineswegs bei Oberkommando zu suchen ist. Die Überlieferung besagt, dass ein im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kämpfender deutscher General seine Dokumente mit dem Kürzel O.K. abgestempelt habe.
Weitere Mythen rund um die Entstehung von O.K., die sich allesamt als falsch erwiesen haben: O.K. als telegrafisches Signal für Open Key ( = empfangsbereit), O.K. als indianisches okeh mit der Bedeutung von ja, O.K. als Abkürzung der Keksfabrik O. Kendall & Sons sowie O.K. als Abkürzung für den deutschen Qualitätsinspektor Oskar Kandler (der manchmal auch Oskar Kleinschmidt, Oskar Krummbein etc. genannt wird), der mit seinem Stempel die von ihm für gut befundenen Waren gekennzeichnet haben soll.
In Wirklichkeit ist laut den Autoren des erwähnten Lexikons O.K. als Kurzform des verballhornten englischen Ausdrucks all correct entstanden. Derartige Abkürzungen von bewusst falsch geschriebenen englischen Wörtern waren in den USA um 1840 angeblich groß in Mode, etwa auch K.Y. für *Know yuse = nutzlos. Die meisten dieser Verballhornungen verschwanden schnell wieder von der Bildfläche; O.K. aber erfreut sich bis heute großer Beliebtheit.
Nun, da wir den Ursprung geklärt haben, wenden wir uns der korrekten Schreibweise zu. Im Englischen muss es OK oder O.K. heißen, wobei Ersteres im Deutschen nicht erlaubt ist. Die beiden korrekten Schreibweisen im Deutschen sind O.K. sowie o.k. Also entweder alles großgeschrieben oder alles kleingeschrieben und jeweils ein Punkt nach jedem Buchstaben. Wer die Regel mal nicht im Kopf hat, kann sich auch für okay entscheiden.
Großgeschrieben wird natürlich, wenn etwa ein vorangestellter Artikel, Possessivpronomen oder ein ebensolches Adjektiv auf eine Substantivierung hinweisen:
Die Chefin gab ihr Okay/O.K. für den Kauf eines neuen Computers.
Von keiner der Parteien kam ein klares Okay/O.K.Übrigens, nicht vergessen: Zwischen den beiden Buchstaben muss ein so genanntes halbes Leerzeichen stehen. In Word geht das ganz einfach: Steuerung + Umschalttaste+ Leertaste. Hier in der Blog-Software leider nicht, weshalb dieser Beitrag leider ohne halbe Leerzeichen auskommen muss.
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Der Weißwurstäquator lässt grüßen
Geschrieben am 23. Juli 2011 6 KommentareWeiter geht’s bei den Unterschieden zwischen dem in Österreich (sowie eventuell Süddeutschland und der Schweiz) und dem in (Rest-)Deutschland gesprochenen Deutsch. Dass der Weißwurstäquator an einer nicht abschließend definierten Stelle Bayern kreuzt und somit eine Art imaginäre Sprach- und Kulturgrenze darstellt, dürfte bekannt sein.
Kürzlich erlebte ich, wie eine junge deutsche Frau in der Straßenbahn einem älteren Mann ihren Sitzplatz anbot. Der wehrte sich ein bisschen, woraufhin sie antwortete: „Bitte nehmen Sie Platz – ich habe sowieso den ganzen Tag gesessen.”
Der Mann, vom Akzent her klar als Wiener identifizierbar, schaute dankbar, aber auch etwas verwirrt. Warum? Der Satz klang wohl in seinen Ohren – und auch in meinen – ein bisschen eigenartig. Nicht inhaltlich, sondern grammatikalisch, versteht sich.
Eine Österreicherin hätte nämlich Folgendes gesagt: „Bitte nehmen Sie Platz – ich bin sowieso den ganzen Tag gesessen.”
Es geht hier also um die Bildung des Perfekts mit haben oder sein. Das Angenehme dabei: Beide Varianten sind korrekt. Wenig überraschend verzeichnet der Duden (Band 9) die Variante mit sein als hauptsächlich auf Österreich, Süddeutschland und die Schweiz beschränkt. Als Beispiele für Verben, bei denen dieser regionale Unterschied zuschlägt, führt der Duden liegen, stehen und sitzen an. Fallen den werten Leserinnen und Lesern noch andere Verben ein, bei denen es sich genauso verhält?
Wenden wir uns mal von den regionalen Unterschieden ab und einigen Regeln der Perfektbildung zu. Ich war sehr erstaunt zu lesen, dass laut Duden bestimmte Bewegungsverben das Perfekt sowohl mit haben als auch mit sein bilden können. Beispiele:
Sie ist gefahren.
Auch richtig: Sie hat gefahren.Die zweite Variante klingt für mich sehr ungewohnt. Laut Duden setzt sich hier die Perfektbildung mit sein zunehmend durch, was ich persönlich sehr begrüße. Außerdem führt der Duden aus, dass die Perfektbildung mit haben darauf schließen lässt, dass das Subjekt selbst aktiv war, also hier gefahren ist, während die Pluralbildung mit sein eher an einen Fahrgast denken lässt. Vielleicht sind wir in Österreich primitiv, aber diese Unterscheidung gibt es hierzulande meines Wissens nicht.
Allerdings: Sobald eine Richtungsangabe mit im Spiel ist, ist die Perfektbildung mit haben nicht mehr möglich:
Falsch: Sie hat nach Wien gefahren.
Richtig: Sie ist nach Wien gefahren.So, nachdem wir uns jetzt vom Speziellen zum Allgemeinen vorgearbeitet haben, sei noch die allgemeine Regel verraten, die Deutsch-Muttersprachlerinnen intuitiv wissen: Bei der überwiegenden Mehrzahl der Verben wird das Perfekt mit haben gebildet.
In diesem Sinne: Ich habe heute den ganzen Tag gearbeitet und habe soeben einen Blog-Beitrag geschrieben.
Jetzt gibt’s Abendessen/Abendbrot … vielleicht mit Weißwurst, ganz ohne Äquator. -
Gehen oder laufen, das ist hier die Frage
Geschrieben am 15. Juli 2011 15 KommentareWenn wir schon bei den locker-leichten Sommerthemen sind, möchte ich heute über ein kurioses Faktum berichten, das mir bereits in meiner Zeit an der deutschen Schule in Mexiko Kopfzerbrechen bereitete. Und zwar sagte da gelegentlich eine Lehrerin zu mir: Lauf bitte ins Sekretariat und hole neue Kreide!
Ich tat, wie mir geheißen, und sprintete ins Sekretariat. Außer Atem kam ich zurück, nur um von der verwunderten Lehrerin zu hören, dass es doch keinen Grund zur Eile gegeben hätte. Darauf ich: Aber Sie haben doch gesagt, dass ich laufen soll!
Darauf sie: Ja, aber doch nicht, dass du rennen sollst!
Ergebnis: Ratlosigkeit bei allen beiden Beteiligten.
Das Problem: In Österreich ist laufen in etwa gleichbedeutend mit rennen, aber auf jeden Fall nicht das gleiche wie gehen. Deshalb gibt es schließlich zwei verschiedene Verben für zwei unterschiedliche Arten der Fortbewegung. Wer gemächlich unterwegs ist, geht. Wer es eilig hat, läuft. So weit, so logisch.
Aus mir völlig unerfindlichen Gründen wird offensichtlich in Deutschland (oder in Teilen davon, so genau kann ich das nicht beurteilen) gehen und laufen synonym verwendet. Es stellt sich die Frage: Warum? Sind hier nicht Missverständnisse vorprogrammiert? Warum wird laufen gesagt, wenn gehen gemeint ist? Und wie finde ich heraus, ob nun jemand wirklich gelaufen, also gerannt ist?
Bei den folgenden Beispielen hat die Leserin keine Ahnung, in welchem Tempo sich die betreffende Person fortbewegt hat.
Sie lief die Allee hinunter.
Hat die gute Frau einen Spaziergang gemacht oder hat sie Lauftraining betrieben?Der Hund lief dem Kleinkind hinterher.
Hat der Hund das Kleinkind verfolgt oder ist er freundschaftlich hinter ihm hinterhergetrottet? Müssen wir um das Leben des Kleinkinds besorgt sein?Wir sind heute zwei Stunden gelaufen.
Bei einem Halbmarathon ist man gut und gerne zwei Stunden laufend unterwegs. Oder sind diese Menschen doch nur gemütlich spazieren gegangen?Nun also meine Frage an alle Leserinnen und Leser: Wie trefft ihr die Unterscheidung? Verwendet ihr laufen und gehen synonym? Wenn ja, hat dies in der Vergangenheit zu Verständigungsschwierigkeiten geführt? Und wie ist das etwa in der Schweiz?
Ich freue mich auf eure Gedanken zu diesem Thema.
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Österreichisch für AnfängerInnen: Lexik
Geschrieben am 12. Juli 2011 12 KommentareSchon klar, dass es die Sprache „Österreichisch” nicht gibt; aber eine griffige Überschrift ist immer gut. Letztlich wird auch in Österreich Deutsch gesprochen, allerdings in einer Art und Weise, die Deutsche jenseits des Weißwurstäquators oft vor große Rätsel stellt. Das noch viel größere Rätsel ist für mich, warum wir in Österreich Deutsche meistens (unter Bemühungen) verstehen, auch wenn uns ihre Lexik und Aussprache oft Spanisch vorkommen. Warum funktioniert das nicht in die andere Richtung? Ob es an gutem Willen mangelt? Oder liegt es schlicht daran, dass Österreicherinnen durch das deutsche Fernsehen viel eher dem deutschen Deutsch exponiert sind als Deutsche dem österreichischen Deutsch?
Egal; ich will nicht abschweifen. Angesichts des heißen Wetters, sowohl in Österreich als auch in Deutschland, wollen wir uns heute mit einem locker-leichten Thema beschäftigen. Ich wünsche viel Spaß beim Raten. Mitraten dürfen natürlich nur Leute, die die unten stehenden Begriffe noch nie gehört oder gelesen haben. Nachschlagen ist natürlich auch nicht erlaubt. Es würde mich interessieren, was Uneingeweihte ad hoc mit diesen Formulierungen verbinden.
Auf die Plätze, fertig, los!
Hier die Beispiele; die fraglichen Begriffe sind kursiv gesetzt. Damit das Ganze lustiger wird, liefere ich bewusst wenig Kontextinfo.
1. Wir werden dieses Problem heuer angehen.
2. Ich glaube nicht, dass sich das ausgeht.
3. Passt das für dich?
4. Er hat mich neulich einfach versetzt.
5. Peter ist zum wiederholten Male im Häfen.
6. Das Häusel ist sehr klein.
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Alternativen am Satzanfang
Geschrieben am 19. Juni 2011 Keine KommentareJa, klar wird am Satzanfang großgeschrieben, werden sich einige angesichts dieser Überschrift denken. Allerdings gibt es da auch knifflige Fälle.
Kürzlich tauchte in einem Kommentar zu einem Blog-Beitrag die Frage auf, wie mit Großschreibung am Satzanfang in der folgenden Konstellation umzugehen sei:
Die Kundin/der Kunde kann jederzeit im Geschäft vorbeikommen.
Oder:
Der Schüler/die Schülerin zeichnet sich durch überdurchschnittlichen Lernerfolg aus.
In diesem Fall meinte ein Leser, dass der Kunde einen alternativen Satzanfang darstelle und deshalb der Artikel großgeschrieben werden müsse. Bisher hatte ich in diesen Fällen die Kleinschreibung gewählt. Wenn ich es mir recht überlege, ergibt die Kleinschreibung allerdings in diesem Fall wenig Sinn.
Deshalb empfehle ich, wie der erwähnte Leser auch, die Großschreibung:
Die Kundin/Der Kunde kann jederzeit im Geschäft vorbeikommen.
Der Schüler/Die Schülerin zeichnet sich durch überdurchschnittlichen Lernerfolg aus.Wenn zusätzliche Attribute vor dem Substantiv stehen, mutet das Ganze vom Schriftbild her wohl etwas eigenartig an, aber was soll’s. Beispiel:
Die hochgeschätzte langjährige Stammkundin/Der hochgeschätzte langjährige Stammkunde kann jederzeit im Geschäft vorbeikommen.
Wenn die Alternative am Satzanfang lediglich aus einem Wort besteht, sieht es optisch natürlich am besten aus:
Er/Sie ist jederzeit herzlich willkommen.
Morgen/Übermorgen sind in unserem Hotel noch Zimmer frei.Wobei wir uns natürlich mit anderen Schreibweisen aus der Affäre ziehen könnten, etwa:
Er bzw. sie ist jederzeit herzlich willkommen.
Morgen und übermorgen sind in unserem Hotel noch Zimmer frei.
Übrigens: Auch wenn es vielleicht so aussehen mag, geht es in diesem Fall nicht (nur) ums Gendern. Bei den meisten Beispielen bot es sich bloß an, weibliche und männliche Formen zu wählen. Genauso denkbar sind natürlich Varianten wie diese, etwa in einem Formular:
Ich/Wir überweise(n) den folgenden Betrag auf Ihr Konto.
Dieses Beispiel stammt aus dem Dudenband 9 („Richtiges und gutes Deutsch”), womit die oben erwähnte Meinung des Lesers also bestätigt wäre.
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Wer über zwanzig ist, schreibt sich … wie?
Geschrieben am 27. Mai 2011 14 KommentareVor einiger Zeit erreichte mich eine Anfrage, über die ich immer wieder nachgedacht habe. Sie lautete wie folgt:
Probleme bereiten mir die Überfünfzigjährigen und die Unterdreijährigen. Das sind schreckliche Wörter, aber, wenn sie vorkommen, wie schreibt man sie im Satzzusammenhang am besten?
Ad hoc dachte ich: Wie wäre es mit über Zwanzigjährige bzw. über 20-Jährige? Aber sicher war ich mir nicht.
Zu meiner großen Freude hilft hier der Duden (Band 9, Gutes und richtiges Deutsch) weiter, und zwar unter dem Eintrag über.
Da steht zu lesen, dass diese Fügung weder zusammengeschrieben werden darf noch mit Bindestrich versehen werden darf, also nicht: *die Überzwanzigjährigen (wie die Leserin vorschlug) oder *die Über-Zwanzigjährigen, sondern nur die über Zwanzigjährigen. Genauso erlaubt ist natürlich die über 20-Jährigen.
Argumentiert wird das folgendermaßen: Hier wird über als Adverb, wie z. B. fast oder bereits gebraucht: Die fast Zwanzigjährige ist von zu Hause ausgezogen. Die bereits Zwanzigjährige studiert im 3. Semester an der Uni.
Analog dazu verhält es sich mit den unter Zwanzigjährigen bzw. unter 20-Jährigen.
Wie geht es euch damit? Bevorzugt ihr die Schreibweise über Zwanzigjährige oder über 20-Jährige? Oder wollt ihr die Fügung als Kompositum verstehen und, der Duden-Empfehlung zum Trotz, Überzwanzigjährige schreiben? Die Tatsache, dass sich diese Fügung in vielen Fällen anders lösen lässt, etwa mit Menschen über 20 Jahre, lassen wir hier mal beiseite.
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Wenn Sprache verharmlost
Geschrieben am 19. Mai 2011 2 KommentareHeute lehne ich mich mal politisch und sprachpolitisch ein wenig aus dem Fenster. Die Tatsache, dass der (Noch-)Chef des Internationalen Währungsfonds, der Franzose Dominique Strauss-Kahn, in New York wegen Vergewaltigung angeklagt wird, dürfte bekannt sein. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Sehen wir uns mal an, zu welcher Wortmeldung diese Tatsache einen gewissen österreichischen Nationalratsabgeordneten namens Wolfgang Großruck hinreißt (übrigens würde es mich nicht wundern, wenn bundesdeutsche LeserInnen Verständnisschwierigkeiten haben). Hier das Video.
Er sagte: „Obwohl er schon ein reiferer Mann, zeigt Dominique Strauss, was er noch kann. Fürs Protokoll bitte kann mit stummem h schreiben.” [also Kahn]
Würden wir den Hintergrund nicht kennen, könnten wir denken, dass hier von einem sympathischen älteren Herrn die Rede ist, der sich nach wie vor mit seiner Frau (oder einer sonstigen Freiwilligen) vergnügt.
Ich finde diese Wortmeldung unerhört, denn es steht der Vorwurf sexueller Nötigung im Raum. In den Augen von Wolfgang Großruck geht es aber offensichtlich nicht um erzwungenen Geschlechtsverkehr (oder den Versuch), sondern um die Tatsache, dass der gute „DSK”, wie er in Frankreich genannt wird, „noch kann”. Dies transportiert das Denken, dass Frauen jederzeit frei verfügbar sind und dass man sie sich nur zu „nehmen” braucht. Ob die betroffene Frau das auch will, ist in diesem Weltbild offensichtlich nebensächlich. Besonders skandalös finde ich, dass dieser Abgeordnete mit einer solchen Aussage auch noch Gelächter erntet (die wenigen weiblichen Abgeordneten im österreichischen Nationalrat können übrigens ein Liedchen über die dortige Frauenfeindlichkeit singen, die gerne durch schlüpfrige Witze zum Ausdruck kommt).
Ganz klassisch auch die Reaktion des Abgeordneten auf die Rücktrittsforderungen, ebenfalls im Video zu sehen und hören: Er entschuldigt sich nicht inhaltlich für seine Aussage, sondern er entschuldigt sich bei denjenigen, die seine Ironie falsch verstanden haben und sich betroffen fühlten. Wie praktisch, und auch ganz klassisch in der Politik: Schuld ist nicht der, der Unfassbares sagt, sondern jene, die daran Anstoß nehmen. Da wundert es kaum, dass mit dieser Wischiwaschi-Entschuldigung die Angelegenheit für die Spitze der ÖVP (Österreichische Volkspartei) erledigt ist.
Ebenso schlimm finde ich es, wenn ich in Zeitungen in Bezug auf Strauss-Kahn von Sex-Affäre lese. Ganz ehrlich: Das Wort Sex ist positiv behaftet. Bei Dominique Strauss-Kahn und der Hotelangestellten geht es aber nicht um freiwilligen Geschlechtsverkehr, sondern um solchen unter Gewaltanwendung. Warum wird das Kind nicht beim Namen genannt? Es geht um sexuellen Missbrauch und um Vergewaltigung. Sex-Affäre klingt nach Seitensprung und ist ein schönes Beispiel, wie durch Sprache Sachverhalte verharmlost werden. Letztlich steht in diesem Fall, siehe Video, ja sogar noch der Täter in einem positiven Licht da. Schließlich zeigt er ja, was er kann!
Ein weiteres Beispiel für verharmlosende Sprache ist häusliche Gewalt. Dass darunter körperlicher, psychischer und sexueller Missbrauch von Frauen und Kindern gemeint ist, transportiert der Begriff mitnichten.
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Der neue Online-Duden
Geschrieben am 3. Mai 2011 2 KommentareEin lange gehegter Wunsch ist wahr geworden! Bis vor kurzem waren die Inhalte der Duden-Bände online nur mit einem etwas komplizierten Abo zu haben. Ich vermute mal, dass sich nicht allzu viele Menschen gefunden haben, die bereit waren, für so ein Abo zu bezahlen (das ist aber wohlgemerkt reine Spekulation). Wahrscheinlich ist es also kein Zufall, dass www.duden.de das Online-Modell per gestern (2. Mai 2011) umgestellt hat. Seit dem Relaunch ist die weite Welt der Rechtschreibung nun allen zugänglich. Und das gratis.
Allerdings muss ich meine ursprüngliche Jubelmeldung auf Twitter (wo ihr mich unter Deutsch_Profi findet) etwas relativieren: Ich dachte, dass die Inhalte aller 12 Duden-Bände kostenlos online verfügbar wären. Dem ist nicht ganz so. Vielmehr handelt es sich um ein speziell für das Internet aufbereitetes Angebot. Wenn ich etwa nach dem Wort wachsam suche, erhalte ich Definition, Synonyme, Herkunft und sogar die Aussprache. Das finde ich richtig genial. In meinen Duden-Bänden müsste ich dafür in mehreren Büchern blättern oder die entsprechenden CD-ROMs konsultieren, um diese Informationen auf einen Blick beisammen zu haben.
Die Pressemeldung aus dem Hause Duden beschreibt den Inhalt folgendermaßen:
Duden online ist ein eigenständiges Angebot im Internet und spiegelt nicht eins zu eins ein gedrucktes Duden-Wörterbuch. Es löst die bekannte Duden-Suche ab und bietet über klassische Wörterbuchinformationen hinaus viele neue Informationstypen, z. B. Hörbeispiele, Bilder oder typische Wortverbindungen, die in Form von Wortwolken dargestellt werden. Duden online zeigt außerdem die Häufigkeit eines Wortes im Dudenkorpus an und liefert spannende Hintergrundinformationen und Besonderheiten zu einzelnen Wörtern. Zudem haben Nutzer die Möglichkeit, ganze Texte mithilfe der Duden-Rechtschreibprüfung automatisch korrigieren zu lassen.
Meine Hoffnung ist nun, dass www.duden.de Google als Nachschlagwerk für orthografische Zweifelsfälle ablöst.
Und so geht’s: Einfach im Suchfeld auf der Startseite von www.duden.de das gewünschte Wort eingeben. Das Ergebnis wird in drei Reitern geliefert: „Duden online” liefert die oben erwähnte Information zum jeweiligen Suchbegriff; der neudeutsche „Shop” schlägt klugerweise den entsprechend passenden Artikel zum Kauf vor und unter „Sprachwissen” werden Newsletter-Artikel und Podcast-Beiträge der Redaktion ausgewiesen, in denen der entsprechende Suchbegriff vorkommt.
Viel Spaß beim Verwenden und Rechtschreiben.
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Von “atok” zu “ad hoc”
Geschrieben am 22. April 2011 1 KommentarSchon wieder Funkstille! Ich bin nach wie vor hier in Santiago de Chile, wo alles wunderbar läuft (mit Ausnahme der völlig verdreckten und zugemüllten Wohnung, angemietet über die Agentur ContactChile).
Heute wieder mal so ein Eintrag, über den viele von euch die Nase rümpfen werden. Bitte in diesem Fall einfach ignorieren.
Manchmal sehe ich bei Google nach, nach welchen Schreibweisen bei bestimmten Wörtern so gesucht wird. Vor kurzem war ich ziemlich platt zu sehen, dass eine ganze Menge Leute das Wort atok eingeben und auf Hinweise zur korrekten Schreibung hoffen. Vermutlich deshalb, weil ihnen dämmert, dass da irgendwas nicht stimmt.
Erkannt? Es handelt sich um ad hoc; eine Wendung, die offensichtlich gerne so ausgesprochen wird wie oben festgehalten.
Ad hoc ist bekanntlich Latein und bedeutet zu diesem. Laut Duden sind die beiden Verwendungen die folgenden:
a) zu diesem Zweck, dafür: einen Ausdruck ad h. bilden;
b) aus dem Augenblick heraus [entstanden]: sich ad h. ein Urteil über etwas bilden.
Also: Liebe Leute, die diesen Beitrag nach der Online-Recherche finden: Die einzig richtige Schreibweise ist ad hoc.
Was mich betrifft, werde ich nun ad hoc ins Fitnessstudio gehen und mir einen Ad-hoc-Überblick über meine derzeitige Muskelkraft verschaffen
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Präsens oder Präteritum?
Geschrieben am 12. April 2011 8 KommentareNach einer mehr als zweiwöchigen Funkstille melde ich mich zurück! Bin zwar weiterhin zu Recherchezwecken hier in Santiago de Chile und mehr mit spanischsprachiger Literatur denn mit deutscher Rechtschreibung befasst, kann aber dennoch das Bloggen nicht lassen.
Gestern erreichte mich eine Frage eines regelmäßigen Blog-Besuchers, die ich ad hoc nicht zu beantworten vermag. Das liegt vor allem daran, dass ich meine Grammatikbücher zwecks Nachschlagen beim Kapitel indirekte Rede nicht dabei habe. Da diese Zeilen ja von vielen Sprachprofis gelesen werden, gebe ich einfach mal die Frage an euch weiter und freue mich auf eure Rückmeldungen.
Hier die Frage. Es handelt sich um einen Satz aus einem Text, den der erwähnte Leser soeben lektoriert. Er fragt sich, ob es am Ende des Satzes hielten oder halten heißen muss.
Sabina, dachte er, gehöre leider nicht zu jenen Frauen, die im rechten Moment den Mund hielten.
Mich persönlich stört der Konjunktiv gehöre. Viel eher würde ich mich für gehört oder gehörte entscheiden. Je nachdem, ob ich mich vorne fürs Präsens oder das Präteritum entscheide, würde ich dann den Satz folgendermaßen beenden:
Sabina, dachte er, gehört leider nicht zu jenen Frauen, die im rechten Moment den Mund halten.
Sabina, dachte er, gehörte leider nicht zu jenen Frauen, die im rechten Moment den Mund hielten.
Wie würdet ihr den Fall lösen und argumentieren?





