Tipps von der Deutsch-Expertin
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  • FAQ oder FAQs? AGB oder AGBs?

    Geschrieben am 15. Mai 2010 Dagmar Jenner 4 Kommentare

    Nach einer arbeitsbedingten Sendepause melde ich mich mit einem kniffligen Thema zurück. Die Anregung dafür stammt von einem fleißigen Blog-Leser – vielen Dank schon mal dafür! Die Frage lautete: Wie schreibt man die Abkürzungen von “Allgemeine Geschäftsbedingungen” und “Frequently asked questions”?

    Eine sehr gute Frage, deren Beantwortung einiges an Recherche im Duden verlangt.
    In erster Linie steht dort zu lesen (unter “Plural” in Band 9), dass das Plural-s häufig bei Abkürzungen steht, die nicht auf -s enden, obwohl dieses drangehängte s dort nicht notwendig ist. Als Beispiel wird angeführt:

    die Pkws (neben: die Pkw), auch wenn es ausgeschrieben Personenkraftwagen und nicht Personenkraftwagens heißt.

    Im Eintrag “Abkürzungen” wird dann auch das Beispiel die AGs geliefert, wobei auch da in der ausgesprochenen Variante nirgends ein finales s zu finden ist. Schließlich heißt es die Aktiengesellschaften und nicht die Aktiengesellschafts. Laut Duden ist aber *die AGen nicht möglich (auch wenn es logischer wäre). Das ist zwar einigermaßen paradox, aber andererseits sehr gut eingebürgert. Analog gilt dann, auch wenn im Duden nicht explizit angeführt, der Fall mit den AGB, die auch AGBs heißen dürfen. Ebenso verhält es sich bei WG und WGs, wobei es bei femininen Wörtern angesichts Verwechslungsgefahr von Singular und Plural besonders empfehlenswert ist, das Plural-s zu setzen.

    Zu den “Frequently asked questions” schreibt der Duden in einem analogen Fall: “Abkürzungen, die auf Zischlaute enden, bleiben stets unverändert.” Als Beispiel wird 50 PS angeführt. Da questions auch auf einen Zischlaut endet, lautet die korrekte Abkürzung FAQ.

  • Ein bisschen Muße für die Muse

    Geschrieben am 3. Mai 2010 Dagmar Jenner 2 Kommentare

    Erst kürzlich habe ich selbst die beiden oben genannten Begriffe verwechselt. Ist auch ziemlich verhext, da sie sowohl orthografisch als auch inhaltlich sehr nah beisammenliegen.

    Muße bezeichnet laut Duden innere Ruhe, freie Zeit, um etwas zu tun, was den eigenen Interessen entspricht. Als Beispiel wird Zeit und Muße für etwas haben angeführt.
    Besonders erfolgversprechend ist die Muße, wenn sie zusammen mit der Muse auftritt. Denn die Muse ist eine der neun Töchter des Zeus und der Mnemosyne und als solche die Schutzgöttin der Künste. Sehr gängig ist die Formulierung von der Muse geküsst werden, was sich laut Duden-Universalwörterbuch nur auf die Inspiration zu einem dichterischen Werk bezieht. Meines Erachtens wird diese Redewendung aber auch auf andere Gebiete des künstlerischen Schaffens angewendet.

    In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen viele Musenküsse und ausreichend Muße für pfiffige orthografische Überlegungen!

  • Von Gedankenstrichen und Leerzeichen

    Geschrieben am 28. April 2010 Dagmar Jenner 12 Kommentare

    Anlässlich des Vulkanausbruches wurde ja plötzlich sehr viel Zug gefahren. Vielleicht erreichte mich deshalb kürzlich per E-Mail die Frage, welche Schreibweise korrekt sei, diese:

    die Strecke Bozen-Verona

    oder diese:

    die Strecke Bozen – Verona

    Gute Frage! Auch ich hatte über eine ähnliche Frage lange nachgegrübelt und im Duden gesucht. Konkret ging es bei mir um die Verwendung von Leerzeichen bei Gedankenstrichen im Falle von Zeitangaben. Also die Wahl zwischen:

    Die Behandlung dauert 55–60 Minuten und
    Die Behandlung dauert 55 – 60 Minuten

    Um die Frage des Lesers zumindest vorab mal zum Teil zu beantworten: Es muss auf jeden Fall ein Gedankenstrich her. Die kniffligere Frage ist die nach den Leerzeichen.

    Das Lustige daran ist, dass der Duden schreibt, dass kein Leerzeichen stehen darf, wodurch also beim obigen Zeitbeispiel nur die erste Variante richtig wäre. Gleichzeitig weist der Duden darauf hin, dass laut DIN 5008 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung) sowohl vor dem Gedankenstrich als auch danach ein Leerzeichen zu stehen hat. Nun muss also jede für sich selbst entscheiden, ob sie sich eher nach dem Duden oder nach einer Norm richten möchte. Prinzipiell liegt mir eher der Duden am Herzen, aber rein optisch gefällt mir die Leerzeichen-Variante besser. Wie geht es euch dabei?

  • Füllwörter richtig schreiben: aha, oje, na ja & Konsorten

    Geschrieben am 16. April 2010 Dagmar Jenner 1 Kommentar

    Wer kennt sie nicht, die Füllwörter, die wenig Aussagekraft haben und in der gesprochenen Sprache sehr häufig verwendet werden: na ja, hm, ah ja, aha, oje und Konsorten.

    Gelegentlich kommen sie auch im Schriftlichen vor, etwa in E-Mails. Ich zumindest verwende hin und wieder in E-Mails na ja – und war erstaunt, als ich kürzlich zur Sicherheit nachschlug und erfuhr, dass sich dieses Füllwort getrennt schreibt. Aha, oje, hm wiederum schreiben sich zusammen. Wir sehen: Es lässt sich keine Gesetzmäßigkeit ableiten. Soso als Antwort auf die Frage des eigenen Befindens schreibt sich zusammen.  Im Sinne von aha, alles klar würde ich aber eher getrennt schreiben: So so, du hast also im Lotto gewonnen! Zu diesem Bedeutungsunterschied und der entsprechenden Schreibweise findet sich aber leider keine Information im Duden.

    Einleuchtend ist die Getrenntschreibung von ah ja, weil hier die einzelnen Bestandteile noch nicht als miteinander verschmolzen gelten. Bei na ja wiederum (siehe oben), hätte ich darauf getippt, dass diese beiden Wörter bereits als Einheit gelten. Dem ist aber nicht so. Na ja!

  • Artikel bei Laptop, Notebook, Release & Co.

    Geschrieben am 22. März 2010 Dagmar Jenner 2 Kommentare

    Kürzlich tauchte die Frage nach dem Genus englischer Wörter auf. Konkret ging es um Laptop, Notebook und Release.

    Dazu ist allgemein zu sagen, dass Anglizismen in der Regel das Genus eines bedeutungsähnlichen heimischen Wortes erhalten, also etwa die Story wegen die Geschichte, das Baby wegen das Kind. Substantive auf -er sind wegen der Ähnlichkeit mit der deutschen Endung -er oft Maskulina: der Browser, der Beamer, Ausnahme: die Power. Ansonsten gibt es dazu noch allgemein zu sagen, dass Fremdwörter mit gleichem Wortausgang im Deutschen meistens das gleiche Genus haben, also etwa die Community und die Publicity, Ausnahme: der Penalty.

    Die erstgenannte Regel schlägt bei Laptop und Notebook voll durch: Laptop ist wohl wegen der Vergleichbarkeit zu der Computer (selbst natürlich ein Anglizismus) maskulin. Erlaubt ist allerdings auch das Laptop; diese Variante wird im Duden an zweiter Stelle angeführt. Beim Notebook wird wohl auf die ursprüngliche Bedeutung im Sinne von das Notizbuch zurückgegriffen und deshalb heißt es das Notebook.

    Das Release wiederum ist sächlich. Warum, ist mir schleierhaft, weil ich dabei an die Veröffentlichung und an die Freigabe denke.

    Etwas weniger eindeutig ist der Fall übrigens bei Fremdwörtern aus dem Französischen: Sehr viel öfter als der Place de la Concorde (weil es im Deutschen der Platz heißt) wird die Place de la Concorde gesagt, wegen des französischen la place.

  • E-Mail, e-Mail, e-mail oder sonst was?

    Geschrieben am 15. März 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Heute beschäftigen wir uns mit einem absoluten Dauerbrenner der Rechtschreibung, nämlich der korrekten Schreibweise dieses elektronischen Briefleins. Was ist nun richtig: e-mail, E-mail, e-Mail, E-Mail, email, Email? Wir sehen: Es gibt theoretisch eine ganze Menge Möglichkeiten!

    Wer über die häufige Wahlfreiheit genervt ist, wird sich freuen zu erfahren, dass hier nur eine einzige Variante richtig ist, nämlich E-Mail. Etwas schwieriger wird es beim Genus: In Deutschland wird die E-Mail gesagt, während in Österreich (kann ich bestätigen), Süddeutschland und der Schweiz (kann das jemand bestätigen?) das E-Mail gesagt wird. Richtig ist beides.

    Wie sieht es nun mit dem dazugehörigen Verb aus? Hier besteht sehr wohl die Qual der Wahl. Richtig ist sowohl e-mailen als auch emailen, wobei aber die meisten Menschen einfach mailen sagen bzw. schreiben.

    In diesem Sinne: Wer will, e-mailt bzw. emailt mir eine bzw. ein E-Mail bzw. Mail mit kniffligen Fragen zur deutschen Rechtschreibung!

    Aber bitte keine Fragen zu das vs. der Blog, denn das Thema hatten wir schon mal.

  • Interview mit der Leiterin der Duden-Sprachberatung

    Geschrieben am 10. März 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    In meiner Funktion als Redakteurin der Mitgliederzeitschrift von UNIVERSITAS Austria, Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen, hatte ich kürzlich das Vergnügen, die Leiterin der Duden-Sprachberatung (vulgo auch gerne “Duden-Hotline” genannt) zu interviewen. Frau Evelyn Knörr gab mir äußerst interessante Einsichten auf Fragen, die einige Mitglieder des Verbandes und ich zusammengestellt hatten. Kraft unseres Berufes sind wir Übersetzerinnen und  Dolmetscherinnen natürlich äußerst an sprachlichen Themen interessiert, sowohl in Bezug auf unsere Fremdsprachen als auch auf die deutsche Sprache. Paradoxerweise gibt es aber durchaus ein paar Kolleginnen, die hartnäckig nach wie vor in alter Rechtschreibung schreiben und übersetzen.

    In meinem Beitrag zu “kniffligen Kommas” hatte ich dieses Interview erwähnt. Nun ist die Zeitschrift erschienen und ich stelle hier den Artikel zum Download zur Verfügung. Viel Spaß beim Lesen!

    Interview Duden-Sprachberatung

  • Zum Frauentag: die Unsichtbarkeit von Frauen in der Sprache

    Geschrieben am 8. März 2010 Dagmar Jenner 5 Kommentare

    Seit einiger Zeit befasse ich mich im Rahmen meiner Dissertation mit dem Verhältnis zwischen Sprache und Geschlecht. Die feministische Linguistik sieht Sprache als eines von vielen Mitteln der androzentrisch-patriarchalischen Gesellschaft, um Frauen zu benachteiligen oder unsichtbar zu machen. Unter anderem kommt dies durch die Verwendung des so genannten generischen Maskulinums zum Ausdruck, will heißen: Bei personenbezogenen Substantiven gilt die männliche Form als Standard, zu dem sich auch Frauen zu zählen haben. Ein Lehrer kann also genauso gut eine Lehrerin sein, aber umgekehrt - Gott bewahre! Schließlich ist, wie es nicht nur Simone de Beauvoir recht treffend beschrieben hat, der Mann der Standard und die Frau eben das andere. Als eigenständiges Wesen wurde die Frau über die Jahrhunderte nicht einmal mitgedacht, was eindrucksvoll durch das Studium älterer Gesetzestexte, allerdings bis hinauf ins 19. und 20. Jahrhundert, zum Ausdruck kommt. Dass Frauen kein Recht auf Eigentum (nicht mal ihre eigene Mitgift), keine Menschen- und Bürgerrechte geschweige denn das Recht auf höhere Bildung hatten, galt jahrhundertelang als “Naturrecht”.

    Wem es noch nicht aufgefallen ist: In diesem Blog verwende ich personenbezogene Substantive, besonders im Plural, ausschließlich in der weiblichen Form (das generische Femininum), ganz in der Tradition von Luise Pusch. Interessanterweise stößt die Sichtbarmachung von Frauen ausgerechnet bei Frauen oft auf radikale Ablehnung, während ihr Männer oft entspannt gegenüberstehen. Wenn, wie viele behaupten, das männliche Substantiv tatsächlich auch das weibliche umfassen sollte (was schon logisch Unsinn ist), müsste der folgende Satz grammatikalisch korrekt sein: * Jeder Lehrer bringt ihre eigene Kreide mit.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass viele einen Kommentar zu diesen Ausführungen posten möchten, weshalb ich gleich mal um Sachlichkeit ersuchen möchte. In diesem Sinne wünsche ich allen Angehörigen der größten benachteiligten Bevölkerungsgruppe der Welt einen wunderschönen Frauentag. Auf dass bald eine Frau Rektorin einer österreichischen Uni wird, mehr als 27,32 % Frauen im Nationalrat sitzen und mehr als eine Handvoll Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen. Es gibt auf vielen Gebieten noch viel zu tun!  Die sprachliche Ebene ist dabei eine ganz fundamentale, weil Sprache immer auch ein Spiegel der Gesellschaft ist und Sprache wiederum einen Einfluss auf das Denken haben kann.

  • Faschingsdienstag, Faschings-Dienstag, *Faschings Dienstag?

    Geschrieben am 16. Februar 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Es ist wieder so weit: Heute ist Faschingsdienstag und der will gefeiert werden! Aber bevor wir die Kostümierung anlegen, überlegen wir doch kurz, wie sich dieser Tag korrekterweise schreibt. In der Überschrift stehen drei Varianten. Ich hoffe sehr, dass euch die erste am besten gefällt und die letzte Variante gar nicht. Ein Sternchen davor bedeutet immer: falsch!

    Wie ich immer wieder gerne wiederhole, werden zusammengesetzte Substantive im Deutschen in der Regel zusammengeschrieben. Bei besonders langen und unübersichtlichen Zusammensetzungen (auch Komposita genannt) kann auch ein Bindestrich gesetzt werden. Aber wenn ein so genanntes Fugen-s zwischen den beiden Wörtern steht (wie hier bei Fasching + Dienstag = Faschingsdienstag), wird die Zusammenschreibung ohne Bindestrich bevorzugt. Wer mag, kann auch Faschings-Dienstag schreiben. Der allgemeine Sprachgebrauch tendiert allerdings ganz klar zu Faschingsdienstag. Ganz falsch wäre *Faschings Dienstag, eben weil die Getrenntschreibung von zusammengesetzten Substantiven im Deutschen nicht möglich ist.

    In diesem Sinne: viel Spaß am heutigen Faschingsdienstag!

  • Der 1€-Jobber, korrekt geschrieben

    Geschrieben am 28. Januar 2010 Dagmar Jenner 2 Kommentare

    Auf der Facebook-Fanseite “Gute Rechtschreibung” wurde mir kürzlich die Frage gestellt, wie sich 1-Euro-Jobber korrekt schreibt, wenn anstelle von Euro das Euro-Zeichen (€) verwendet wird. In der ausgeschriebenen Variante muss “durchgekoppelt” werden, d. h., es werden zwischen allen Bestandteilen des Wortes Bindestriche gesetzt, also so: Ein-Euro-Jobber und auch 1-Euro-Jobber.

    Wenn man/frau sich aber dafür entscheidet, das Wort Euro durch € zu ersetzen, kommt analog die Regel zur Anwendung, die besagt, dass “aus grafischen Gründen das Prozentzeichen ohne Bindestrich hinter die Ziffer gesetzt wird” (Duden-Band 9). Als Beispiel wird 5%-Klausel angeführt.

    Die Dame der Duden-Sprachberatung, mit der ich diese Frage besprach, bestätigte mir, dass die oben genannte Regel analog auch bei Währungen angewendet wird. Die richtige Schreibweise lautet also 1€-Jobber.

    Allerdings könnte man/frau auch die Schreibweise 1-€-Jobber argumentieren (siehe oben, “Durchkopplung”). Rein optisch gefällt mir aber die Lösung mit nur einem Bindestrich besser.