Tipps von der Deutsch-Expertin
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  • Was tun mit sprachlichen Kurzschlüssen?

    Geschrieben am 19. November 2010 Dagmar Jenner 4 Kommentare

    Vor ein paar Tagen las ich ältere Zeitungsberichte über Thilo Sarrazin und dessen umstrittenes Buch „Deutschland schafft sich ab”. In einem Interview, ich glaube, es war in der „Zeit”, ging es zwischen dem Journalisten und Thilo Sarrazin heiß her. Letzterer sagte ständig zu den Vorwürfen des Ersteren: „Das ist ein Kurzschluss.” Während mir klar war, dass es hier nicht um Elektrik ging, kam ich dennoch ins Grübeln. Spontan fragte ich mich, ob es ein Verb für Kurzschluss gibt (Sie schließen kurz?) und von welchem Verb der Kurzschluss idealerweise begleitet werden sollte. Machen wir Kurzschlüsse? Ziehen wir Kurzschlüsse? Ich bin verwirrt. Vielleicht hat jemand einen, gerne auch humorvollen, Vorschlag.

    Schönes Wochenende an alle!

  • Immer schön danke sagen!

    Geschrieben am 14. November 2010 Dagmar Jenner 1 Kommentar

    Wer mich persönlich kennt, weiß, wie großen Wert ich auf Höflichkeit und gute Umgangsformen lege. Deshalb ärgert mich auch immer wieder die Tatsache, dass Selbstverständlichkeiten im Umgang miteinander offensichtlich nicht mehr so stark in Mode sind. Dazu gehören auch die harmlosen Wörter bitte und danke. Kommen sie in der mündlichen Kommunikation gar nicht vor, nervt mich das. Mindestens genauso nervt es mich, wenn sie falsch geschrieben werden.

    In einer Einladung: Ein herzliches danke schön an euch alle!
    In einem Brief: Beste Grüße und dankeschön

    Das schöne Wort danke ist die Verkürzung von ich danke. In der häufigsten Verwendung wird es kleingeschrieben: Atomkraft: nein, danke!
    In der Formulierung danke sagen ist auch die Großschreibung möglich: Kannst du nicht Danke sagen?
    Ich bevorzuge in diesem Fall die Kleinschreibung.

    Der Dank ist relativ leicht als Substantiv erkennbar und muss großgeschrieben werden: Vielen Dank für die Blumen.

    Danke schön wiederum ist eine Intensivierung von danke (und damit von ich danke)  und wird stets getrennt geschrieben, mit Ausnahme der Substantivierung (siehe unten).

    Wird danke substantiviert, schlägt natürlich die Großschreibung zu: Ein herzliches Danke an euch alle!
    Ebenso: Ein herzliches Dankeschön an euch alle!

  • Genau so hatte ich mir das vorgestellt

    Geschrieben am 9. November 2010 Dagmar Jenner 5 Kommentare

    Was für eine lange Funkstille! Zwischendurch war ich eine Woche bei einer Konferenz der American Translators Association (die sich ohne Apostroph schreibt) in Denver. Knapp nach meiner Rückkehr ging es dann so richtig rund. Genau so hatte ich mir das leider auch vorgestellt. Womit wir auch beim heutigen Thema wären, dem Wörtchen genauso bzw. genau so. Bevor ich es schreibe, muss ich immer kurz nachdenken. Deshalb habe ich die wichtigsten Informationen für mich und andere, die auch damit kämpfen, zusammengeschrieben. Bitte sehr:

    Genauso in dieser Schreibweise ist ein Synonym für ebenso und schreibt sich in einem Wort. Kommt ein Adjektiv dazu, wird getrennt geschrieben:

    Es geht mir genauso wie dir: Ich mag dieses Wetter nicht.
    Er spielt genauso gut Klavier wie sein Bruder.
    Ich habe genauso viel Hunger wie du.

    Im zweiten Fall ist genau eine Verstärkung und muss getrennt vom so geschrieben werden:

    Genau so war es!
    Die Prüfung war genau so, wie ich sie mir vorgestellt hatte.

  • Die Spannung und Erwartung war spürbar – oder waren?

    Geschrieben am 18. Oktober 2010 Dagmar Jenner 2 Kommentare

    Wenden wir uns heute einem Thema zu, das mich und vermutlich auch zahlreiche andere oft ins Grübeln bringt. Wie im Fall oben in der Überschrift stellt sich manchmal die Frage, ob das Verb im Singular oder im Plural stehen soll. In der Grammatik nennt sich das übrigens Kongruenz im Numerus. In den einfachen Fällen ist die Regel kinderleicht: mehrere Subjektteile = Verb im Plural.

    Meine Katze und mein Hund teilen sich einen Fressnapf.

    Aber die Sonderregelungen haben es in sich! So genannte formelhafte Subjekte (also Subjekte aus mehreren Teilen, die aber als Einheit verstanden werden) haben oft das Verb im Singular (der Plural ist auch möglich, erscheint mir aber weniger üblich):

    Angst und Schrecken macht sich breit.

    Wenn sich die Subjekte einen Artikel oder ein Attribut teilen, muss das Verb im Singular stehen:

    Die Spannung und Erwartung war auf dem Höhepunkt.
    Es herrschte viel Kummer und Not.

    Wenn die Subjektteile Infinitive ohne begleitende Artikel sind, muss ebenso der Singular stehen:

    An ihr Ohr drang lachen und weinen.

    Sobald vor solchen Infinitiv-Subjektteilen aber ein Artikel steht, muss das Verb im Plural stehen:

    Das Lernen und das Scheitern machten ihn stark.

    Weitere Beispiele oder Fragen zu diesem Thema sind natürlich jederzeit willkommen!

  • Hilfe, Auto zu Verkaufen!

    Geschrieben am 5. Oktober 2010 Dagmar Jenner 1 Kommentar

    Kürzlich begegnete mir ein Aushang in meinem Wohnhaus, auf dem stand:  *Auto zu Verkaufen.

    Wäre ich daran interessiert, würde ich es dennoch nicht kaufen. Wir sehen: Rechtschreibfehler können richtig ins Geld gehen.

    Auf die Gefahr hin, das Thema mit den Infinitiven überzustrapazieren, gehe ich heute nochmals darauf ein. Der Bedarf scheint vorhanden zu sein.

    Es ist eigentlich relativ simpel: Infinitive, egal ob mit oder ohne zu, schreiben sich klein. Groß schreiben sich nur substantivierte Infinitive. Kann also sein, dass die autoverkaufende Person an das stilistisch wenig überzeugende, aber korrekte  Auto zum Verkaufen gedacht hat und deshalb *Auto zu Verkaufen geschrieben hat. Kann aber natürlich auch sein, dass sie gar keinen Gedanken an die Rechtschreibung verschwendet hat und einfach nur das Auto loswerden wollte.

    Wie dem auch sei: Eine Substantivierung erkennen wir an einem vorangestellten Artikel, Präposition oder Attribut.

    Artikel: Das Lernen macht ihm keinen Spaß.
    Präposition: Alle Speisen auch zum Mitnehmen.
    Attribut (Adjektive, Eigennamen, Pronomen etc.): Wildes Ballspielen ist verboten. Karls Lachen nervt.

    Wenn diese Fälle nicht vorliegen, handelt es sich um einen regulären Infinitiv, der bitte immer kleingeschrieben wird:
    Ich habe keine Lust zu lernen.
    Hier gibt es einiges zu sehen.
    Lasst uns tanzen!

    Zur Frage der Kommasetzung bei Infinitivgruppen mit zu siehe bitte hier und hier.

  • Wenn eine gute Alma Mater eine Conditio sine qua non ist

    Geschrieben am 30. September 2010 Dagmar Jenner 1 Kommentar

    Vor wenigen Tagen hat uns das Nonplusultra beschäftigt, das bitte nur so zu schreiben ist. Oft stellt sich aber die Frage, wie denn die bei gewählter Ausdrucksweise gelegentlich vorkommende Conditio sine qua non zu schreiben ist. Bei mehrteiligen Fügungen aus anderen Sprachen werden nur das erste Wort sowie alle anderen in der Fügung vorkommenden Substantive großgeschrieben; alles andere klein (siehe auch hier).

    Deshalb eben: Ein gute Ausbildung ist die Conditio sine qua non für beruflichen Erfolg.

    Auch nicht unpraktisch für das restliche Leben ist eine renommierte Alma Mater, die sich so schreiben muss, weil sie aus zwei Substantiven besteht. Ebenso verhält es sich auch mit der Ultima Ratio.

  • Das Nonplusultra

    Geschrieben am 27. September 2010 Dagmar Jenner 2 Kommentare

    Es ist immer wieder interessant, sich anzusehen, nach welchen Schreibweisen so gegoogelt wird. Das gibt Aufschluss über Wörter, bei deren Rechtschreibung Unsicherheit besteht. Das große Problem dabei ist, dass etwa auch das Googeln nach *nähmlich sehr, sehr viele Ergebnisse bringt und die Suchenden dazu verleiten könnte zu glauben, diese Schreibweise wäre richtig. Dem ist natürlich mitnichten so.

    Erstaunlich viele Leute geben bei Google non plus ultra ein. Während die Wendung aus dem Lateinischen kommt und nicht noch weiter bedeutet, wird sie im Deutschen ausschließlich als Substantiv verwendet. Und Substantive schreiben sich bekanntlich groß und zusammen, manchmal mit Bindestrich. Hier aber bitte nur aus einem Guss: das Nonplusultra. Verwendungsbeispiel:

    Das iPhone ist das Nonplusultra der modernen Spielzeugkiste.

  • Anführungszeichen bei nachgestellter direkter Rede

    Geschrieben am 23. September 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Nachdem meine Ausführungen vorgestern über die Platzierung von Satzzeichen bei vorangestellter direkter Rede auf Facebook für das eine oder andere Aha-Erlebnis gesorgt haben, liefere ich heute die Regel für die Zeichensetzung bei nachgestellter direkter Rede. Soweit ich weiß und es im Nachhinein nachvollziehen kann, hat sich mit der Reform bei dieser Regel nichts geändert.

    Auch hier müssen wir unterscheiden, ob der Satz der direkten Rede mit einem Punkt oder mit einem Ruf- oder Fragezeichen endet.

    Auf die Frage nach ihrem Alter sagte Eva: „Achtzehn.”

    Wir sehen, dass der zur direkten Rede gehörige Punkt innerhalb der abschließenden Anführungszeichen stehen muss. Der Punkt des vorangehenden Satzes entfällt.

    Anders verhält es sich, wenn der Satz vor der direkten Rede nach einem Ruf- oder Fragezeichen verlangt und der zitierte Satz nach einem Punkt. In diesem Fall werden Ruf- oder Fragezeichen des Rahmensatzes angeschrieben, während der Punkt der direkten Rede entfällt:

    Hat sie gesagt: „Keine Ahnung”?

    Lustig wird es, wenn sowohl der zitierte Satz als auch der davor ein Ruf- oder Fragezeichen verlangen. Dann bleiben nämlich alle Satzzeichen erhalten und das Ergebnis sieht beispielsweise so aus:

    Ruf ihm doch zu: „Komm rüber!”!
    Du kannst doch nicht fragen: „Was willst du?”!

  • Was ist ein vollständiger Satz?

    Geschrieben am 18. September 2010 Dagmar Jenner 2 Kommentare

    Die Frage im Titel mag ad hoc absurd anmuten. Als vollständiger Satz gilt gemeinhin ein Satz, der ein Subjekt und ein Prädikat hat. In letzter Zeit habe ich einige Fälle gesammelt, bei denen ich mir nicht sicher war, ob es sich um einen vollständigen Satz handelt oder nicht. Die Frage ist besonders dann relevant, wenn es um die Entscheidung zwischen der Groß- und Kleinschreibung geht. Anbei ein paar der schwierigen Fälle, zu denen ich die WAHRIG-Sprachberatung befragt habe:

    Eines ist sicher: D/dass das Geld verloren ist.
    Allgemeine Information über das Tontaubenschießen: E/eine Sportart, die nur Menschen über 18 ausüben dürfen.

    Die Sprachberatung schreibt mir dazu in ihrer rasanten E-Mail-Antwort, dass die Beispiele sowohl als Teilsatz als auch als elliptischer Hauptsatz verstanden werden können und dass somit Wahlfreiheit zwischen der Groß- und Kleinschreibung nach dem Doppelpunkt besteht.

    Wie seht ihr das? Habt ihr weitere diesbezügliche Zweifelsfälle parat?

  • Auf den Hund gekommen

    Geschrieben am 7. September 2010 Dagmar Jenner 3 Kommentare

    Wie auf diesen Seiten und den Kommentaren zu den einzelnen Beiträgen wiederholt festgestellt, ist Sprache nichts Statisches, sondern etwas, das sich ständig weiterentwickelt. Während ich beileibe nicht dafür plädiere, gängige, aber völlig falsche Schreibweisen und Formulierungen à la *gut, das ich das weiß als Weiterentwicklung der Sprache zu akzeptieren, gibt es gelegentlich Wörter, die zusätzlich zu ihrer ursprünglichen Bedeutung eine neue dazubekommen haben.

    Ein Beispiel dafür scheint mir die Verwendung des Verbs adoptieren zu sein. Bis vor kurzem kannte ich es ausschließlich in Zusammenhang mit Babys (früher Babies geschrieben). Gleichzeitig war mir aufgefallen, dass Deutschsprachige, die schon lange in einem englischsprachigen Land leben, adoptieren auch in Zusammenhang mit Hunden oder Katzen vom Tierheim etc. verwenden, in Anlehnung an to adopt a pet, was im Englischen ja völlig korrekt ist. Ich musste über die Formulierung ich habe einen Hund adoptiert oft schmunzeln, weil sie mir im Deutschen einfach nicht auf Tiere anwendbar erschien. In letzter Zeit habe ich aber auf Websites von Tierheimen wiederholt genau diesen Ausdruck gelesen: Adoptieren Sie einen Hund oder eine Katze.

    Wie klingt das in euren Ohren? Wie eine falsche Übersetzung aus dem Englischen oder wie neumodisches, aber akzeptables Deutsch? Der Duden kennt, das nur am Rande, lediglich die Bedeutung  mit den Babys.