Category Archives: Groß-/Kleinschreibung

Wenn manchmal von Malen die Rede ist …

Nein, heute geht es nicht um das künstlerische Malen. Mit den Malen oben im Titel meine ich den Plural von Mal. Oft stellt sich die Frage, wie hier die korrekte Rechtschreibung lautet.

Es gilt zu unterscheiden, ob wir es mit dem Substantiv das Mal, mit der Angabe beim Multiplizieren oder der Verkürzung von einmal zu tun haben. Wenn das Substantiv klar erkennbar ist – vor allem durch die Beugung der beistehenden Wörter –, wird großgeschrieben:

dieses Mal, das nächste  Mal, das eine Mal, mehrere Male, das erste Mal, hunderte Male, mehrere Male, von Mal zu Mal, manches Mal etc.

Klein wird geschrieben, wenn es sich um die Angabe zum Multiplizieren handelt: Zwei mal zwei ist vier.
Ebenso verhält es sich mit der Verkürzung von einmal: Nun mach mal halblang! Das werden wir mal sehen.

Ein bisschen kompliziert wird es bei der Unterscheidung zwischen Getrennt- und Zusammenschreibung. Wenn Mal klar als Substantiv erkennbar ist, gilt das oben bei der Großschreibung Erwähnte: Mal wird großgeschrieben und steht als eigenständiges Wort. Wenn Mal mit einem seiner beistehenden Wörter allerdings zu einem Adverb verschmolzen ist, wird klein- und zusammengeschrieben:

ein andermal [aber: ein anderes Mal], diesmal [aber: dieses eine Mal], einmal [aber: das eine Mal], zweimal, dreimal, keinmal, manchmal.

In Ausnahmefällen kann bei Betonung der beiden Wörtern auch hier getrennt und großgeschrieben werden, aber das kann verwirrend sein.
Also merke: Wenn das Substantiv klar erkennbar ist, wird groß- und getrennt geschrieben. Bei Adverbien wie einmal, manchmal, diesmal, keinmal etc. wird klein- und zusammengeschrieben, weil Mal hier nicht mehr als eigenständiges Substantiv gilt.

Ich habe Angst, aber mir wird angst. Warum?

Wie ich an dieser Stelle schon öfters erwähnt habe, werden Substantive (mit wenigen Ausnahmen) viel konsequenter großgeschrieben als vor der Reform – was sehr einleuchtend ist.

Diese Regel wird auch beim Wort Angst durchgezogen, nur gibt es hier eine Falle – man/frau muss erkennen können, ob es sich tatsächlich um ein Substantiv oder um ein Adjektiv handelt. Im ersteren Fall wird natürlich großgeschrieben, im zweiten kleingeschrieben.

Beispiele:

Substantiv: Ich habe Angst. Du machst mir Angst. Sie musste tausend Ängste durchstehen.
Adjektiv: Mir ist angst. Ihr wird immer ganz angst [und bange].

Beim zweiten Fall könnte das Wort angst z.B. durch kalt, heiß etc. ersetzt werden – und ist somit ein Adjektiv, das kleingeschrieben werden muss. Da Angst weit häufiger als Substantiv als als Adjektiv verwendet wird, liegt man mit der Großschreibung in den allermeisten Fällen richtig.

Groß- und Kleinschreibung: Zahlwörter

Kürzlich erreichte mich diese Anfrage per E-Mail, deren Antwort ich auch den anderen Leserinnen dieses Blogs nicht vorenthalten möchte.

Die Frage lautete, ob im unten stehenden Satz beim vierten nicht großgeschrieben werden müsse.

Da weder Regisseur Len Wiseman noch Kate Beckinsale, die in den ersten beiden Teilen die Hauptrolle spielte, beim dritten Teil mit dabei waren, ging man bislang davon aus, dass beide auch *beim vierten* fehlen werden.

Antwort: Nein – der Satz ist so korrekt. Denn: Natürlich scheint es so, als ob durch die Präposition beim eine Substantivierung folgen würde und deshalb die Großschreibung zwingend ist. Nur: Hier bezieht sich das beim vierten auf den davor erwähnten Teil. Und sobald ein Zahladjektiv zu einem Substantiv gehört, wird es kleingeschrieben, wie z.B. auch bei das fünfte Kind, der erste Platz.

Zwingend erforderlich ist die Großschreibung z.B. hier:

Der Letzte wird der Erste sein.
Er startete die letzte Etappe als Fünfter und beendete sie als Dritter.

In den beiden oben genannten Fällen haben wir es mit Substantivierungen zu tun.

Nach Doppelpunkt: groß oder klein?

Heute mal ein vergleichsweise einfaches Thema – die Regeln sind hier sehr leicht zu merken. Oft taucht die Frage auf, ob nach einem Doppelpunkt groß- oder kleingeschrieben werden muss. Nun, es kommt darauf an. Wenn nach dem Doppelpunkt eine direkte Rede kommt, muss natürlich immer großgeschrieben werden, egal, ob es sich um einen vollständigen Satz handelt oder nicht. Beispiele:

Sie sagte: „Morgen gehe ich einkaufen.“
Wir riefen: „Na endlich!“

In allen anderen Fällen wird großgeschrieben, wenn nach dem Doppelpunkt ein selbstständiger Satz (also mit Subjekt und Prädikat) steht – wenn nicht, wird kleingeschrieben.  Es sei denn, das erste Wort ist ein Substantiv. Also:

Ende: gegen 20 Uhr.
Erklärung: „gegen 20 Uhr“  ist kein vollständiger Satz (kein Subjekt, kein Prädikat), also Kleinschreibung nach dem Doppelpunkt.

Dirigent: Sir Simon Rattle.
Erklärung:  „Sir Simon Rattle“ ist natürlich kein vollständiger Satz, aber Substantive schreibt man eben immer groß.

Wie sagt man so schön: Alles Negative hat etwas Positives.
Erklärung: „Alles Negative hat etwas Positives“ ist ein vollständiger Satz, deshalb wird „alles“ hier großgeschrieben.

Knifflige Substantivierungen: Verben in Zusammensetzungen

Oft erreichen mich private Zuschriften, die sich um knifflige Substantivierungen drehen.  Damit meine ich insbesondere Substantivierungen, die aus einem Verb in Verbindung mit anderen Wörtern bestehen. Zum Beispiel: Wie schreibt sich die Substantivierung von sich verlieben?

Ganz einfach: Beide Wörter werden zusammengezogen und die Substantivierung sieht dann so aus: Das Sichverlieben kommt bei Teenagern sehr häufig vor. (Stilistisch ist das natürlich grausam, aber das lassen wir mal beiseite.)

Weitere Beispiele: das Sichzusammenballen der Gruppenaggression, beim Billardspielen, am Zustandekommen, ein Rezept zum Reichwerden, zum Schlankwerden.

Viele LeserInnen sind hier versucht, Folgendes zu schreiben: *zum schlank Werden* – bitte nicht, das ist falsch!

Noch kniffliger wird es, wenn das zu substantivierende Verb aus mehr als zwei Wörtern besteht, also z.B. auf die lange Bank schieben, aus der Haut fahren.
In solchen Fällen werden jeweils das erste Wort, das substantivierte Verb (also in den obigen Beispielen schieben und fahren) sowie natürlich alle darin vorkommenden Substantive großgeschrieben. Damit das Ganze nicht so unübersichtlich wird, werden Bindestriche zwischen die einzelnen Bestandteile gesetzt, also so:

das Auf-die-lange-Bank-Schieben, das Aus-der-Haut-Fahren.

In anderen Fällen, die der Duden leider nicht näher definiert, ist auch die Zusammenschreibung möglich. Ich tippe darauf, dass dies gängigere Formulierungen sind, die auch ohne Bindestrich nicht allzu verwirrend wirken:
das Außer-sich-Sein oder das Außersichsein
das Zu-spät-Kommen
oder das Zuspätkommen
das In-Gang-Setzen
oder das Ingangsetzen

Summa summarum: Substantivierte Verben werden immer großgeschrieben, auch in Verbindungen. Bei mehreren Bestandteilen werden diese zusammengezogen und bei Unübersichtlichkeit durch Bindestriche getrennt, wobei immer das erste Wort, das substantivierte Verb und natürlich alle Substantive großgeschrieben werden.