Tipps von der Deutsch-Expertin
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  • Starke und schwache Deklination von Adjektiven

    Geschrieben am 27. August 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    In Texten rund um die deutsche Rechtschreibung wird oft mit Begriffen wie „schwache“ und „starke“ Deklination jongliert. Das Problem dabei ist, dass kaum eine Muttersprachlerin weiß, was der Unterschied zwischen den beiden ist. Deutschlernende hingegen machen schon sehr früh leidvolle Erfahrungen mit diesem besonders schwierigen Kapitel der deutschen Sprache.

    Schon mal darüber gegrübelt, warum man „schöner Tag“, aber „der schöne Tag“ sagt? Wenn ja, dann willkommen in der Welt der schwachen und starken Deklination. Wer sich ein wenig darin vertieft, wird heilfroh sein, Deutsch als Muttersprache zu haben.

    Hier ein kurzer Überblick über die starke und schwache Deklination bei Adjektiven, die es übrigens auch bei Substantiven gibt. Bei Verben ebenso, aber da heißt sie bekanntlich Konjugation. Dann gibt es da noch die gemischte Deklination, aber das lassen wir mal beiseite. Ist so schon kompliziert genug.

    Die starke Deklination wird verwendet, wenn kein Artikelwort vorausgeht. Hier der Einfachheit halber nur die männlichen Formen.

    Nominativ: weich-er Stoff
    Genitiv:       (statt) weich-en Stoff[e]s
    Dativ:           (aus) weich-em Stoff
    Akkusativ:  (für) weich-en Stoff

    Und hier die schwache Deklination des Adjektivs, die nach bestimmten Artikeln oder anderen Artikelwörtern verwendet wird:

    Nominativ: der weich-e Stoff
    Genitiv:       des weich-en Stoff[e]s
    Dativ:          dem weich-en Stoff
    Akkusativ: den weich-en Stoff

    Mein Respekt gilt denjenigen, die das auswendig lernen müssen …

  • Was ist eine “finite Verbform”?

    Geschrieben am 3. März 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Kürzlich las ich in einem Duden-Band über Nebensätze nach. Nebensätze werden unter anderem so definiert, dass die finite Verbform am Schluss des Satzes steht. Der daneben stehende Beispielsatz machte das Ganze deutlich (… weil ich müde bin). Dennoch drängte sich die Frage auf: Was genau ist eigentlich eine finite Verbform?

    Die Antwort ist dankenswerterweise recht simpel. Unter einer finiten Verbform, auch Finitum oder Personalform genannt, versteht sich schlicht ein in Person und Numerus flektiertes Verb. Auch das kann einfacher ausgedrückt werden: ein konjugiertes Verb, also eben beispielsweise du schläfst oder wir sind gegangen.

    Dadurch wird der Unterschied zum allseits bekannten Infinitiv betont, der da eben beispielsweise schlafen oder gehen lautet.

  • Das Kreuz mit den Neujahrsvorsätzen

    Geschrieben am 2. Januar 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Willkommen im neuen Jahrzehnt! Wie so oft, werden im neuen Jahr gerne Neujahrsvorsätze gemacht, deren Umsetzung sich dann gelegentlich als schwierig entpuppt.

    Damit wir wenigstens grammatikalisch auf der richtigen Seite sind, sehen wir uns heute an, welcher Kasus nach unbestimmten Maß- und Mengenangaben, also etwa Schar, Reihe, Menge, Haufen stehen muss.

    Im neuen Jahr wartet eine Menge guter Ideen auf Umsetzung. (seltener: gute Ideen)
    Eine Schar spielender Kinder macht ganz schön viel Lärm. (seltener: spielende Kinder)
    Heute steht eine Reihe wichtiger Themen auf dem Tagesplan. (seltener: wichtige Themen)

    Sie sehen, dass das Adjektiv nach der Mengenbezeichnung in der Regel im Genitiv steht. In Klammer steht derjenige Kasus, in dem auch die Wörter Menge, Schar und Reihe stehen (Nominativ). Erlaubt ist beides, wobei aber die erste Variante bevorzugt wird.

    Also: Eine Menge guter Vorsätze harrt im neuen Jahr der Umsetzung.

  • “Statt” als Präposition oder als Konjunktion

    Geschrieben am 30. November 2009 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    “Der Elch statt des Ehemanns war der Mörder” stand heute in der Überschrift eines Artikels der österreichischen Tageszeitung Der Standard. Irgendwas stimmt grammatikalisch nicht, dachte ich und schlug im Duden nach. Übrigens ging es im Artikel darum, dass ein Schwede ein Jahr im Gefängnis verbrachte hatte, bis sich herausstellte, dass nicht er seine Frau ermordet hatte, sondern dass sie bei einem Spaziergang von einem Elch tödlich verletzt wurde.

    Bei statt wird zwischen der Verwendung als Präposition und als Konjunktion unterschieden. Als Präposition bedeutet es anstelle. Als Konjunktion steht das Wort für und nicht.

    Bei der Verwendung als Präposition muss der Genitiv folgen:
    Sie hat statt einer Puppe eine Eisenbahn bekommen.
    Er brachte statt des Briefes das Paket zur Post.

    Wird statt als Konjunktion stellvertretend für und nicht verwendet, richtet sich der zu verwendende Fall nach dem Verb:
    Er wählte den grünen Kaffee statt den Tee. (Akkusativ)
    Der Elch statt der Ehemann war der Mörder. (Nominativ)

    In der Zeitung ist hier etwas durcheinandergeraten: Statt wird zwar im Sinne von und nicht verwendet (die Verwendung als Präposition im Sinne von anstelle wäre absurd), es wird aber anstelle des Nominativs fälschlicherweise der Genitiv verwendet.

  • Buchtitel richtig deklinieren

    Geschrieben am 16. November 2009 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Kürzlich tauchte bei Twitter die Frage auf, wie mit Buchtiteln umzugehen sei, wenn die Satzlogik eine Deklination des Titels verlangt, also etwa:
    Sie las eine Passage aus der “Liebe in den Zeiten der Cholera”.
    Hier lautet der Originaltitel wohlgemerkt “Die Liebe in den Zeiten der Cholera”.

    Der Duden-Band “Richtiges und gutes Deutsch” empfiehlt die oben angeführte Beugung, also ist sie so korrekt. Der deklinierte Artikel muss hier außerhalb der Anführungszeichen stehen.

    Wer den Originaltitel unbedingt beibehalten möchte, möge durch das Substantiv Roman, Werk o.Ä. darauf hinzuweisen, dass ein Titel folgt:
    Sie las eine Passage aus dem Werk “Die Liebe in den Zeiten der Cholera”.

    Unbedingt notwendig ist die Beibehaltung des Originaltitels und das verweisende Wort bei Büchern, die mit einem Possessivpronomen - also z.B. mein oder dein - beginnen:

    Also nicht: Das ist ein Auszug aus “Meinem Leben”.
    Sondern: Das ist ein Auszug aus dem Roman “Mein Leben”.