Tipps von der Deutsch-Expertin
RSS Icon
  • Von Leerzeichen und Sonderzeichen

    Geschrieben am 31. August 2010 Dagmar Jenner 1 Kommentar

    Vor wenigen Tagen tauchte die Frage auf, wie mit Sonderzeichen in Kombination mit Leerzeichen umzugehen sei. Die große Frage ist immer: mit oder ohne Leerzeichen? Diese Schwierigkeit taucht beim Schrägstrich auf, beim Plus- und Minuszeichen, beim Prozentzeichen etc. Wer den Duden konsultiert, hat oft die Qual der Wahl zwischen halben und ganzen Leerzeichen (mehr Infos zu den halben Leerzeichen bei den Kommentaren zu diesem Beitrag).

    Beim Gradzeichen (+3 °C) hat laut Duden zwischen der Zahl und dem Gradzeichen ein “kleinerer Zwischenraum” (Festabstand) zu stehen, wobei sich fragt, ob damit ein halbes Leerzeichen gemeint ist. Gleichzeitig weist der Duden darauf hin, dass laut DIN 5008 ein ganzer Leerschritt zu setzen sei. Nun denn! Unumstritten scheint die Regel zu sein, nach der bei anderen Gradangaben das Gradzeichen ohne Zwischenraum an die Zahl angeschlossen wird: ein Winkel von 30°.

    Wobei wir gleich bei den Plus- und Minuszeichen wären: Wenn es sich um Vorzeichen handelt, steht kein Zwischenraum (wie oben bei der Temperatur). Bei Rechenzeichen will der Duden einen “kleineren, festen” Zwischenraum und DIN 5008 wieder mal einen ganzen Leerschritt.

    Ebenso verhält es sich beim Prozent- und Promillezeichen: Duden will einen kleinen Zwischenraum, DIN 5008 einen ganzen Leerschritt. Mühsam.

    Einfacher wird’s beim Schrägstrich. Hier wird laut Duden im Allgemeinen kein Leerschritt angeschlagen. Die folgenden Beispiele werden angeführt:
    Er begann sein Studium im Wintersemester 2000/2001.
    Aktenzeichen c/XII/14
    Ihr Zeichen: Dr/Ls

    Ich hoffe, damit sind alle Klarheiten beseitigt …

  • Gehts dem Apostroph noch gut?

    Geschrieben am 7. Mai 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Ich habe vor einiger Zeit nicht schlecht gestaunt, als ich bei der Lektüre des Duden-Bands 9 (”Richtiges und gutes Deutsch”) erfuhr, dass der Apostroph in bestimmten Fällen nicht mehr notwendig ist. Hier die Details:

    Wird das Pronomen es mit Verb, Pronomen oder Konjunktion zusammengezogen, kann ein Apostroph stehen oder auch nicht.

    Machen Sie sich’s gemütlich!
    Machen Sie sichs gemütlich!

    Mir geht’s gut.
    Mir gehts gut.

    Vielleicht ist die Lockerung dieser Regel als Gegensteuerungs-Versuch zum viel zitierten Deppenapostroph gedacht? Ich könnte mir vorstellen, dass dies zu einer noch ausgeprägteren Alles-geht-Einstellung (ha, schönes Kompositum!) führt.

    Für Rechtschreib-Profis ist folgende Regel etwas lachhaft. Weniger Bewanderte haben ihre liebe Not damit:

    Kein Apostroph steht bei den üblichen Verschmelzungen aus Präposition und Artikel:
    ans, aufs, durchs, fürs, hinters, ins, übers, ums, unters, vors, vorm
    Bei unüblichen oder umgangssprachlichen Verschmelzungen sollte allerdings sehr wohl ein Apostroph stehen: Wir gehen in’n Zirkus.

  • Von Gedankenstrichen und Leerzeichen

    Geschrieben am 28. April 2010 Dagmar Jenner 12 Kommentare

    Anlässlich des Vulkanausbruches wurde ja plötzlich sehr viel Zug gefahren. Vielleicht erreichte mich deshalb kürzlich per E-Mail die Frage, welche Schreibweise korrekt sei, diese:

    die Strecke Bozen-Verona

    oder diese:

    die Strecke Bozen – Verona

    Gute Frage! Auch ich hatte über eine ähnliche Frage lange nachgegrübelt und im Duden gesucht. Konkret ging es bei mir um die Verwendung von Leerzeichen bei Gedankenstrichen im Falle von Zeitangaben. Also die Wahl zwischen:

    Die Behandlung dauert 55–60 Minuten und
    Die Behandlung dauert 55 – 60 Minuten

    Um die Frage des Lesers zumindest vorab mal zum Teil zu beantworten: Es muss auf jeden Fall ein Gedankenstrich her. Die kniffligere Frage ist die nach den Leerzeichen.

    Das Lustige daran ist, dass der Duden schreibt, dass kein Leerzeichen stehen darf, wodurch also beim obigen Zeitbeispiel nur die erste Variante richtig wäre. Gleichzeitig weist der Duden darauf hin, dass laut DIN 5008 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung) sowohl vor dem Gedankenstrich als auch danach ein Leerzeichen zu stehen hat. Nun muss also jede für sich selbst entscheiden, ob sie sich eher nach dem Duden oder nach einer Norm richten möchte. Prinzipiell liegt mir eher der Duden am Herzen, aber rein optisch gefällt mir die Leerzeichen-Variante besser. Wie geht es euch dabei?

  • Wozu taugt der Gedankenstrich?

    Geschrieben am 9. April 2010 Dagmar Jenner 3 Kommentare

    Widmen wir uns heute einem Satzzeichen, das zunehmend in Vergessenheit gerät, obwohl es sehr schöne Möglichkeiten der Satzstrukturierung bietet. Willkommen in der Welt des Gedankenstrichs!

    Laut Duden ist der Gedankenstrich ein “stärkeres” Satzzeichen als etwa Komma oder Doppelpunkt.

    Der einfache Gedankenstrich wird etwa zur Signalisierung einer Pause, eines Gedankenwechsels mitten im Satz oder zur Verstärkung eines abschließenden Satzteils verwendet:
    Warte mal es fällt mir gleich ein.
    Da hilft nur noch eins sofort operieren!
    Er sagte kurzfristig ab einfach per E-Mail.

    Dann gibt es noch den so genannten “paarigen” Gedankenstrich, also den Gedankenstrich im Doppelpack. Er dient zur Abgrenzung eingeschobener Sätze oder Satzteile.
    Ihre Forderung wir sagen es nochmals finden wir unverschämt.
    Dieses Buch das wohl beste dieser Autorin wurde in 17 Sprachen übersetzt.

    Achtung: Wenn der Einschub am Ende ein Komma enthält, so entfällt dieses:
    Manche Tiere etwa Junia, meine Katze sind sehr anhänglich.
    Aber: Manche Tiere, etwa Junia, meine Katze, sind sehr anhänglich.

    Andere Satzzeichen wiederum bleiben bei Einschüben zwischen Gedankenstrichen erhalten:
    Mein Bruder du hast ihn doch kennen gelernt? – macht gerade Urlaub.
    Er will leider! – nicht nach Wien reisen.

  • Auslassungspunkte bei Aufzählung

    Geschrieben am 4. Februar 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Dass zwischen den Bestandteilen einer Aufzählung Kommas stehen müssen, hatte ich schon behandelt. Und dass vor etc. und vor usw. kein Komma stehen darf, ebenso.

    Vor kurzem tauchte die Frage auf, wie mit dem Komma umzugehen sei, wenn am Ende einer Aufzählung drei Pünktchen stehen (Auslassungspunkte genannt), womit angedeutet wird, dass die Aufzählung noch weitere Bestandteile hat. Beispiel:

    Wir haben dieses Kleid in Grün, Gelb, Rosa, … ODER
    Wir haben dieses Kleid in Grün, Gelb, Rosa …

    Das sehr hilfreiche Duden-Taschenbuch “Komma, Punkt und alle andere Satzzeichen” liefert die Antwort, unter “Die Auslassungspunkte in Verbindung mit anderen Satzzeichen”. Hier steht: “Bricht der Satz an einer Stelle ab, an der ein Komma stehen müsste, so entfällt dieses.”

    Korrekt ist also nur die Variante ohne Komma nach Rosa:

    Wir haben dieses Kleid in Grün, Gelb, Rosa …

  • Vom richtigen Umgang mit drei Pünktchen

    Geschrieben am 17. November 2009 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Wer kennt das nicht, auch aus der gesprochenen Sprache: “Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen”. Mit dieser Formulierung wird im Mündlichen angedeutet, dass der Satz noch weitergeht und/oder dass es da etwas gibt, was man/frau gerade nicht sagen möchte.

    Im Schriftlichen stellt sich die Frage, wie bei den drei Punkten mit dem Leerzeichen umgegangen werden soll. Hier lautet die unmissverständliche Regel: Wenn der Satz durch die drei Punkte abgebrochen wird, muss davor ein Leerzeichen stehen, also z.B. so:

    Wir haben zwar gerade keine Zeit, aber bitte …

    Übrigens müssen es immer drei Punkte sein und nicht etwa zwei oder vier.

    Wenn es sich allerdings um einen Teil eines Wortes handelt, der mit den Punkten angedeutet wird, darf kein Leerzeichen stehen:

    Die Hauptstadt von Paraguay heißt A…

    Wenn die drei Punkte am Satzende stehen, ersetzen sie natürlich den abschließenden Punkt, nicht aber ein Frage- oder Rufzeichen:

    Er nannte ihn tatsächlich A…!

  • Nach Doppelpunkt: groß oder klein?

    Geschrieben am 14. August 2009 Dagmar Jenner 8 Kommentare

    Heute mal ein vergleichsweise einfaches Thema - die Regeln sind hier sehr leicht zu merken. Oft taucht die Frage auf, ob nach einem Doppelpunkt groß- oder kleingeschrieben werden muss. Nun, es kommt darauf an. Wenn nach dem Doppelpunkt eine direkte Rede kommt, muss natürlich immer großgeschrieben werden, egal, ob es sich um einen vollständigen Satz handelt oder nicht. Beispiele:

    Sie sagte: “Morgen gehe ich einkaufen.”
    Wir riefen: “Na endlich!”

    In allen anderen Fällen wird großgeschrieben, wenn nach dem Doppelpunkt ein selbstständiger Satz (also mit Subjekt und Verb) steht - wenn nicht, wird kleingeschrieben.  Es sei denn, das erste Wort ist ein Substantiv. Also:

    Ende: gegen 20 Uhr.
    Erklärung: “gegen 20 Uhr”  ist kein vollständiger Satz (kein Verb, kein Subjekt), also Kleinschreibung nach dem Doppelpunkt.

    Dirigent: Sir Simon Rattle.
    Erklärung:  “Sir Simon Rattle” ist natürlich kein vollständiger Satz, aber Substantive schreibt man eben immer groß.

    Wie sagt man so schön: Alles Negative hat etwas Positives.
    Erklärung: “Alles Negative hat etwas Positives” ist ein vollständiger Satz, deshalb wird “alles” hier großgeschrieben.