Neue deutsche Rechtschreibung
Tipps von der Deutsch-Expertin-
“In null Komma nichts” oder “im null Komma nichts”?
Geschrieben am 19. Januar 2010 Keine KommentareBei meinem Rechtschreib-Vortrag vergangene Woche erwähnte ich, dass nichts in der Formulierung im null Komma nichts kleingeschrieben werden muss. In diesem Zusammenhang wurden mir zwei Fragen gestellt:
1. Muss es nicht in null Komma nichts heißen, also im anstatt in?
2. Da die Formulierung mit der Präposition in bzw. im eingeleitet wird, warum wird nichts dann nicht großgeschrieben, wo doch eine Substantivierung vorliegt?Hier meine Antworten:
1. Beides ist möglich, wobei der Duden im null Komma nichts als die seltenere Variante anführt.
2. Nichts ist ein Pronomen, das nur dann als substantiviert gilt, wenn ein (ausgeschriebener!) Artikel davorsteht, also etwa in: das Nichts, ein Nichts. Steht wiederum eine Präposition davor, auch wenn diese einen Artikel beinhaltet wie im Falle von im, muss nichts kleingeschrieben werden. Ganz genauso verhält es sich übrigens mit den Zahlwörtern: wir drei, hallo ihr zwei. Aber: In Deutsch eine Eins bekommen. -
Substantivierte Infinitive und Adjektive
Geschrieben am 17. Januar 2010 24 KommentareSubstantivierungen sorgen stets für große Probleme bei der Rechtschreibung.
Fangen wir am Anfang an: Ein Substantiv ist bekanntlich ein Hauptwort wie Schreibtisch, Fitnessstudio und Luft. Die sind in der Regel daran erkennbar, dass der Artikel der, die oder das davorsteht.
Nun gibt es aber auch die Möglichkeit, Verben (also Zeitwörter) und Adjektive (also Eigenschaftswörter) substantivisch zu gebrauchen. In diesem Fall steht auch ein Artikel vor dem Verb und/oder dem Adjektiv (die Substantivierung gilt auch bei vorangestellten Präpositionen und anderen Wörtern, aber das lassen wir mal beiseite). Substantivierte Verben und Adjektive werden stets großgeschrieben.
Beim Verb kann nur die Grundform, also der Infinitiv, substantiviert werden. Das sieht dann beispielsweise so aus:
Infinitiv des Verbs: tanzen.
Beispielsatz mit Infinitiv: Maria geht gerne tanzen.
Die Substantivierung des Verbs tanzen sieht so aus:
das Tanzen
Beispielsatz mit substantiviertem Infinitiv: Maria liebt das Tanzen.Besonders knifflige Fälle der Substantivierung von Infinitiven können Sie hier nachlesen.
Und nun zum Adjektiv.
Grundform des Adjektivs: gut.
Beispielsatz mit Adjektiv: Das Brot ist gut. (prädikative Verwendung des Adjektivs)
Das gute Brot ist leider ausverkauft. (attributive Verwendung des Adjektivs)Die Substantivierung sieht so aus:
das Gute
Beispielsatz mit substantiviertem Adjektiv: Das Gute an diesem Brot sind die vielen Körner. -
Das Konjunktionspaar und/oder
Geschrieben am 15. Januar 2010 4 KommentareKürzlich erreichte mich ein Anruf einer Kollegin (auch Übersetzerin), die dringend nach einer Lösung für ein grammatikalisches Problem suchte. Anscheinend hatte ihr auch die Duden-Sprachberatung nicht helfen können. Insofern ehrt es mich, dass sie sich, quasi als “Letztinstanz”, an mich wandte. Nur leider kann auch ich keine eindeutige Antwort geben, nur einen Vorschlag zur Güte.
Das Problem dreht sich um das Konjunktionspaar und/oder. Wenn dieses Paar zum Einsatz kommt, ist im Satz gemeint, dass entweder einer der beiden Sachverhalte eintritt oder eben beide. Die Frage ist, ob dann das Verb im Singular oder im Plural stehen muss, weil und nach dem Plural verlangt, oder aber nach dem Singular. Hier der Satz:
Bei Bedarf stellt das Krankenhaus und/oder der Prüfarzt Kopien des Befundes zur Verfügung.
Oder muss es folgendermaßen heißen?
Bei Bedarf stellen das Krankenhaus und/oder der Prüfarzt Kopien des Befundes zur Verfügung.
In keinem der Duden-Bände finde ich einen Hinweis, wie mit diesem Zweifelsfall umzugehen ist. Vorschläge sehr willkommen (bitte auch mit Begründung)!
Mein Vorschlag zur Güte, wenn auch nicht sonderlich elegant, ist folgender:
Bei Bedarf stellen/stellt das Krankenhaus und/oder der Prüfarzt Kopien des Befundes zur Verfügung.
Ich habe deshalb stellen (also den Plural) vorangestellt, weil ja auch die Konjunktion und zuerst angeführt wird und sie nach dem Plural verlangt.
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Komma bei Infinitiv mit “zu”
Geschrieben am 13. Januar 2010 2 KommentareEine Leserin auf Facebook hat mir ein gutes Stichwort gegeben: Infinitiv mit zu. Heute sehen wir uns an, was es mit der Kommasetzung beim Infinitiv mit zu auf sich hat und was ein Infinitiv eigentlich ist.
Dass ein Infinitiv die Grundform eines Verbs ist, dürfte bei Sprachbegeisterten bekannt sein. Wie der Name schon sagt, wird ein Infinitiv mit zu von einem zu begleitet: Er verspricht nach der Probe zu kommen.
Wie sieht es nun mit der Kommasetzung aus?
Im oben genannten Satz ist die Kommastellung freigestellt. Richtig ist also auch:
Er verspricht, nach der Probe zu kommen.
Wenn allerdings der Infinitiv mit zu (= Infinitivgruppe)
a) mit um, ohne, statt, anstatt, außer oder als eingeleitet wird, muss unbedingt ein Komma stehen.
Beispiel: Um von Wien nach Salzburg zu gelangen, muss man über Linz fahren.b) von einem Substantiv abhängt, muss ebenso ein Komma stehen.
Beispiel: Sie verfolgt das Ziel, möglichst schnell möglichst viel Geld zu verdienen.c) von einem hinweisenden Wort wie es oder hier abhängt, muss auch unbedingt ein Komma gesetzt werden.
Beispiel: Ich liebe es, im Schnee spazieren zu gehen.Genauere Informationen über diese drei Fälle lesen Sie hier.
Übrigens gibt es auch im Falle von b) und c) die Möglichkeit, das Komma wegzulassen, wenn der Infinitiv nicht näher bestimmt ist.
Beispiele: Sie verfolgt das Ziel, Geld zu verdienen. (hier fällt die nähere Bestimmung möglichst viel und möglichst schnell weg)
Ich liebe es spazieren zu gehen. (hier fällt die nähere Bestimmung im Schnee weg)
Allerdings ist, wie immer, darauf zu achten, dass durch das Weglassen des Kommas keine Missverständnisse entstehen. Schließlich dient das Komma ja dazu, einen Satz zu strukturieren und verständlich zu machen.
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Knifflige Kommas
Geschrieben am 11. Januar 2010 16 KommentareHeute habe ich wegen einer kniffligen Kommafrage die (kostenpflichtige) Duden-Hotline bemüht. Nach der Erklärung kommt mir die Lösung kinderleicht vor. Ich gestehe, dass ich aber davor sehr lange hin- und herüberlegt habe und nicht sicher war, welche Variante richtig ist. Hier der schwierige Satz.
Die Selbstständigen wurden von den Parteien, aber auch von den Interessensvertretungen, nachhaltig ignoriert.
oder
Die Selbstständigen wurden von den Parteien, aber auch von den Interessensvertretungen nachhaltig ignoriert.
Lösung: Nur der zweite Satz ist richtig. Dass vor aber ein Komma stehen muss, war mir klar (steht immer vor aber, jedoch, doch, sondern). Die große Frage war, ob vor nachhaltig auch ein Komma stehen muss. Antwort: nein. Erklärung: Es handelt sich um eine Aufzählung, wobei die Parteien und die Interessensvertretungen die beiden Elemente dieser Aufzählung sind (die Konjunktion aber ändert nichts daran, dass es sich um eine Aufzählung handelt). Es handelt sich also mitnichten um einen Einschub, der mit zwei Kommas abgetrennt werden müsste, sondern eben um eine Aufzählung, die kein weiteres Komma verlangt. Schließlich steht nach dem letzten Element einer Aufzählung nie ein Komma. Da ist ungefähr so wie beim folgenden Satz, bei dem kurz und intensiv die Elemente der Aufzählung sind:
Ich habe kurz, aber intensiv mit meiner Doktormutter gesprochen.
Anders verhält es sich natürlich, wenn danach ein Nebensatz folgt:
Ich habe kurz, aber intensiv mit meiner Doktormutter gesprochen, bevor sie zum Kongress nach Berlin abgereist ist.
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In puncto Rechtschreibung von punkto
Geschrieben am 8. Januar 2010 1 KommentarZufälle gibt’s! Erst kürzlich dachte ich mir, dass ich einen Eintrag zum Thema in puncto bzw. punkto verfassen könnte. Just an diesem Tag wünschte sich eine Leserin der Fangruppe “Gute Rechtschreibung” auf Facebook genau dieses Thema.
Die Formulierung in puncto kommt gar nicht so selten in Zeitungsartikeln vor, und auch in beruflicher Korrespondenz lese ich sie gelegentlich. Hier besteht bei der Rechtschreibung keine Wahlfreiheit; korrekt ist einzig und allein die Schreibweise in puncto, also klein und mit c. Das folgende Substantiv steht immer im Nominativ, also ungebeugt. Hier ein Beispiel:
In puncto Zahlungsmodalitäten schlagen wir eine Anzahlung von 50% des Honorars vor.
Viel seltener wird hingegen die (veraltete) Präposition punkto verwendet; sie steht für bezüglich oder auch wegen. Dort, wo sie zur Anwendung kommt, wird sie, anders als bei in puncto, mit k geschrieben. Folgt ein Substantiv mit Artikel oder Adjektiv, steht immer der Genitiv. Beispiel:
Ich melde mich punkto verspäteter Bezahlung.
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Rechtschreib-Vortrag in Graz
Geschrieben am 5. Januar 2010 5 KommentareNächste Woche, am Donnerstag, den 14.1., 14:00 Uhr, halte ich einen Rechtschreib-Vortrag in Graz. Und zwar am ITAT, dem Institut für theoretische und angewandte Translationswissenschaft der Universität Graz, veranstaltet von UNIVERSITAS Austria, Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen. Der Vortrag richtet sich primär an (angehende) ÜbersetzerInnen, ist aber natürlich auch für andere Berufsgruppen sehr aufschlussreich und steht unter dem Motto “Neue deutsche Rechtschreibung - klassische Herausforderungen und neue Hürden”.
Der Vortrag dauert 1,5 Stunden und kostet für Nichtmitglieder von UNIVERSITAS Austria EUR 25.
Nähere Informationen gibt es hier.
Anmeldung am besten per Mail an Helga Benigni-Cokan: helga.benigni-cokan@uni-graz.at
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Das Kreuz mit den Neujahrsvorsätzen
Geschrieben am 2. Januar 2010 Keine KommentareWillkommen im neuen Jahrzehnt! Wie so oft, werden im neuen Jahr gerne Neujahrsvorsätze gemacht, deren Umsetzung sich dann gelegentlich als schwierig entpuppt.
Damit wir wenigstens grammatikalisch auf der richtigen Seite sind, sehen wir uns heute an, welcher Kasus nach unbestimmten Maß- und Mengenangaben, also etwa Schar, Reihe, Menge, Haufen stehen muss.
Im neuen Jahr wartet eine Menge guter Ideen auf Umsetzung. (seltener: gute Ideen)
Eine Schar spielender Kinder macht ganz schön viel Lärm. (seltener: spielende Kinder)
Heute steht eine Reihe wichtiger Themen auf dem Tagesplan. (seltener: wichtige Themen)Sie sehen, dass das Adjektiv nach der Mengenbezeichnung in der Regel im Genitiv steht. In Klammer steht derjenige Kasus, in dem auch die Wörter Menge, Schar und Reihe stehen (Nominativ). Erlaubt ist beides, wobei aber die erste Variante bevorzugt wird.
Also: Eine Menge guter Vorsätze harrt im neuen Jahr der Umsetzung.
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Ich wünsche prosit Neujahr – immer kleingeschrieben!
Geschrieben am 30. Dezember 2009 2 KommentareAnfang Dezember schrieb ich an dieser Stelle über häufige Fehlerquellen bei Weihnachtswünschen. Heute geht es um orthografisch richtige Neujahrswünsche. Dass das Adjektiv neu in ich wünsche ein schönes neues Jahr kleingeschrieben wird, hatte ich bereits behandelt (siehe Link oben).
Aber wie sieht es aus, wenn man oder frau in Verbindung mit prosit zum neuen Jahr gratulieren möchte?
In der Verbindung prosit Neujahr darf prosit nur kleingeschrieben werden. Schreiben Sie also:
Ich wünsche dir und deinen Lieben prosit Neujahr!
Übrigens: Zur Frage der Groß- oder Kleinschreibung der Anredepronomen (du, Sie) lesen Sie hier mehr.Anders verhält es sich bei folgendem dämlichen Trinkspruch: ein Prosit der Gemütlichkeit.
Da der unbestimmte Artikel ein davorsteht, handelt es sich um eine Substantivierung (wie in fast allen Fällen, wenn ein bestimmter oder unbestimmter Artikel vorhanden ist).In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen prosit Neujahr und freue mich auf ein Wiederlesen im neuen Jahr!
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Die Mehrheit der Menschen feiert am 31. Dezember – oder feiern?
Geschrieben am 29. Dezember 2009 1 KommentarHeute beschäftige ich mich wieder mit einer Frage der so genannten Kongruenz. Es fragt sich, welche der beiden in der Überschrift genannten Varianten richtig ist. Muss nach dem Wort Mehrheit das Verb im Singular oder im Plural stehen?
Der Duden sagt, dass das Verb in der Regel im Singular zu stehen hat, weil das Subjekt (also das Wort Mehrheit) formal ein Singular ist. Also:
Die Mehrheit der Menschen feiert am 31. Dezember Silvester.Allerdings schreibt der Duden auch, dass hier oft auch “nach dem Sinn konstruiert wird” und das Verb in den Plural gesetzt wird. Ergo ist auch folgende Variante erlaubt:
Die Mehrheit der Menschen feiern am 31. Dezember Silvester.
Merke: Am besten ist es, in diesem Fall das Verb in den Singular zu setzen. Analog gilt die oben genannte Regel z. B. auch für das Wort Mehrzahl.





