Neue deutsche Rechtschreibung
Tipps von der Deutsch-Expertin-
Wenn die Lust “auf’s Lesen” vergeht
Geschrieben am 24. Oktober 2011 26 Kommentare
Ich lese sehr viel und sehr gerne. Meine sehr persönliche Meinung zu den Büchern, die ich im Laufe der Zeit lese, veröffentliche ich in der Form von Rezensionen auf dieser Website. Ich habe also so gut wie immer Lust aufs Lesen. Worauf ich aber überhaupt nicht stehe, ist die *Lust auf’s Lesen.Für mich ist es sehr frustrierend, gravierende Rechtschreibfehler ausgerechnet in der Zeitung zu lesen. Vor vielen Jahren bin ich, ganz naiv, davon ausgegangen, dass Journalistinnen und Journalisten die Grundlage ihres Berufs, also die Rechtschreibung, aus dem Effeff beherrschen. Leider werde ich da immer wieder eines Besseren belehrt. Wenn ich gelegentlich die Möglichkeit ergreife, Journalistinnen und Journalisten auf dieses Manko hinzuweisen, reagieren sie meistens sehr verschnupft und schieben die Schuld etwa auf die „überlastete Lektorin”. Wie wär’s damit, selbst ein wenig Verantwortung zu übernehmen? Sollte es nicht selbstverständlich sein, dass Journalistinnen und Journalisten rechtschreiben können? Offensichtlich bin ich heillos altmodisch. Rechtschreibfehler in renommierten Zeitungen und Zeitschriften finde ich auf Schritt und Tritt. Ganz oben auf der Negativ-Skala steht die österreichische Qualitätszeitung Der Standard, bei deren Lektüre ich vor allem bei der Kommasetzung oft den Eindruck habe, dass Schülerinnen und Schüler am Werk sind.
Die Oberösterreichische Nachrichten ist eine Lokalzeitung. Auch hier besteht anscheinend Nachholbedarf bei der Rechtschreibung. Wie ich bereits vor langer Zeit ausführte, ergibt die Verbindung der Präposition auf und des Artikels das die Verschmelzung aufs, die wohlgemerkt ohne Apostroph geschrieben wird. Die Katze springt also nicht *auf’s Dach, sondern aufs Dach. Wir gehen nichts *in’s Haus, sondern ins Haus.
Selbiges gilt auch für ans, durchs, hinters, übers, ums, unters, vors, am, beim, hinterm, im, überm, unterm, vorm, zum etc.
Ausnahmen sind nur eher ungewöhnliche und/oder umgangssprachliche Wendungen wie z. B. Wir treffen uns nach’m Essen. Wir gehen in’n Zirkus.
Auch auf Twitter predige ich ständig, dass es nicht *danke für’s Folgen heißen darf, sondern danke fürs Folgen. Ganz abgesehen mal davon, dass das Ganze eine etwas gewöhnungsbedürftige Übersetzung aus dem Englischen ist. Vielleicht spricht es sich irgendwann herum. Ich bleibe zuversichtlich und bin ja mittlerweile schon richtig glücklich, wenn ich nicht *danke für’s folgen lesen muss.
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Schönheit kommt nicht von Innen
Geschrieben am 16. Oktober 2011 Keine KommentareMit der Überschrift möchte ich nicht gegen den Zeitgeist anschreiben, sondern aufzeigen, dass die Großschreibung falsch ist. Erst vor kurzem sah ich eine wiederverwendbare Tragtasche der Drogerie-Kette dm, auf der in etwa Folgendes zu lesen stand: *Schönheit kommt von Innen … und aus dieser Tasche.
Inhaltlich ist das ein sehr schöner Gedanke, nur orthografisch ist er nicht korrekt. Hier kommt die Erklärung, warum das falsch ist.
Adverbien in Verbindung mit Präpositionen gelten nicht als substantiviert und werden kleingeschrieben:
Beispiele:
die Jugend von heute
von gestern sein
zwischen gestern und morgen
Farbe für außen und innenBeim ersten Beispiel fällt vielleicht einigen der Buchtitel Die Welt von Gestern von Stefan Zweig ein. Orthografisch stimmt das nicht, weil es Die Welt von gestern heißen müsste. Ein richtig gutes Buch, das ich sehr empfehlen kann, ist es allemal.
Da wir es bei *Schönheit kommt von Innen mit einer Präposition (von) und einem Adverb (innen) zu tun haben, wäre die korrekte Schreibweise diese hier: Schönheit kommt von innen … und aus dieser Tasche.
Sobald ein Artikel vor dem Adverb steht, gilt natürlich die Substantivierung und damit die verpflichtende Großschreibung.
Beispiel:
Das Hier und Heute zählt.
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Wundersame “Kostpaarkeiten”
Geschrieben am 29. September 2011 10 Kommentare
Nun gut, vielleicht handelt es sich hier um eine dermaßen clevere Anzeige (gefunden in der österreichischen Tageszeitung „Der Standard”), dass ich nicht in der Lage bin, die sprachlichen Subtilitäten zu verstehen. Vielleicht verbirgt sich tief zwischen den wenigen Zeilen Text eine pfiffige Anspielung auf das Wort Paar. Vielleicht kreist auch der ganze Text um das Thema Paar und Zweisamkeit, und ich bin einfach nur zu unbedarft, um das zu kapieren.Es wird auf Interviews im Buch hingewiesen. Auch wenn die normalerweise zu zweit stattfinden, wäre die Verbindung zu Paar hier etwas weit hergeholt. Dann ist noch von Genuss zu Hause die Rede, der aber natürlich nicht nur zwei Menschen umschließen muss. Auch hier ist der Bezug zu schwach, um den Neologismus Kostpaarkeiten zu rechtfertigen.
Vielleicht besteht aber auch die klitzekleine Möglichkeit, dass in dieser Anzeige des nicht unbekannten Verlages maudrich allen Ernstes das Wort Kostbarkeiten in der unbeabsichtigt originellen Schreibweise *Kostpaarkeiten verwendet wird. Ist es ein Scherz für Eingeweihte? Oder schlicht und ergreifend der Gipfel der Peinlichkeit? Was meint ihr?
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Rufen sie uns an!
Geschrieben am 12. September 2011 5 Kommentare
Über diesen Artikel werden mit Sicherheit viele von euch die Nase rümpfen. Andererseits gibt es in der großen weiten Welt der Rechtschreib-Ahnungslosen offensichtlich viele, die Probleme mit den Grundlagen der deutschen Sprache haben. Mir als Übersetzerin begegnen übrigens Verwechslungen zwischen den Pronomen Sie und sie auf Schritt und Tritt.Natürlich ist hier die deutsche Sprache relativ gemein: Die Pronomen sie und Sie schreiben sich bis auf die Klein- bzw. Großschreibung exakt gleich, sind aber inhaltlich alles andere als ident.
Das Personalpronomen sie bezeichnet einerseits die dritte Person Singular (weiblich), sowohl im Nominativ als auch im Akkusativ:
Nominativ: Ich weiß, dass sie Sabine heißt.
Akkusativ: Er holt sie von der Arbeit ab.Blöderweise gibt es ein anderes Pronomen, das sich ebenso klein schreibt. Das Pronomen sie wird verwendet, wenn von einer Gruppe Menschen gesprochen wird, egal ob Frauen oder Männer oder kunterbunt (wir haben es also mit der 3. Person Plural zu tun). Auch hier sowohl im Nominativ als auch im Akkusativ:
Nominativ: Ich glaube, dass sie bereits unterwegs sind.
Akkusativ: Heute kommen Andrea und Martina. Ich hole sie vom Bahnhof ab.Offensichtlich wird es richtig schwierig, wenn die dritte Variante ins Spiel kommt: das großgeschriebene Pronomen Sie. Es bezeichnet die Höflichkeitsform und wird verwendet, wenn wir mit jemandem nicht per Du sind; egal, ob es sich um eine Person oder mehrere handelt. Auch hier wird Sie im Nominativ und im Akkusativ verwendet.
Nominativ: Sind Sie Frau Rabenstein?
Akkusativ: Ich habe Sie gestern im Theater gesehen.Ich hoffe, dass aus diesen Ausführungen klar wird, warum der Text auf diesem Werbeschild (gesehen in Wien) total verkehrt ist …
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Hier ist alles gratis!
Geschrieben am 5. September 2011 4 KommentareJawoll, hier bei www.neue-rechtschreibung.net gibt es alles zum Nulltarif: Rechtschreib-Tipps, Streit um des Kaisers Bart, Polemik rund ums Gendern und vieles mehr. Das soll natürlich niemanden davon abhalten, gelegentlich mal den Gegenwert eines Kaffees für meine Serverkasse zu spendieren (die Möglichkeit dazu ist schwer zu übersehen im grünen Kasten unterhalb eines jeden Beitrags vorhanden). Aber ich schweife ab.
Heute geht es um das Wort gratis. Ein Leser warf die Frage auf, wie mit diesem so inflationär gebrauchten Wörtchen umzugehen sei, wenn es in Verbindung mit einem Substantiv verwendet wird. Muss es ein Gratiskaffee heißen oder ein gratis Kaffee?
Interessanterweise hatte ich mir selbst vor nicht allzu langer Zeit Gedanken zu genau dieser Frage gemacht. Hier nun meine Überlegungen und Schlussfolgerungen dazu.
Es hilft immer, sich eingangs zu überlegen, mit welcher Wortart wir es zu tun haben. Das ist eine einfache Übung: Es handelt sich um ein Adverb, auch Umstandswort genannt. Adverbien sind relativ leicht daran erkennbar, dass sie nicht dekliniert werden können. Es heißt also immer unverändert gratis. Bei Adjektiven ist das ja bekanntlich nicht der Fall.
Laut Duden können Adverbien, anders als Adjektive, im Allgemeinen nicht als Attribut einem Substantiv vorangestellt werden (aber sehr wohl prädikativ verwendet werden: Das Essen ist gratis). Daher sind etwa die folgenden Formulierungen nicht korrekt: eine balde Rückantwort, die sogleiche Erledigung, das beinahe Zustandekommen. Ausnahmen gibt es bei Adverbien, die auf -weise enden. Als korrekt wird der Gebrauch nur dann angesehen, wenn sich diese Adverbien auf Substantive beziehen, die eine Handlung oder einen Vorgang bezeichnen (Nomina Actionis): eine ruckweise Bewegung oder nach teilweiser Erneuerung.
Weitere Informationen zu diesem Thema finde ich in meinen Duden-Bänden nicht. Deshalb meine persönliche Schlussfolgerung: Korrekt ist Gratiskaffee, aber nicht gratis Kaffee. Schließlich scheint mir hier die oben genannte Regel Anwendung zu finden, weshalb eigentlich nur die Möglichkeit bleibt, ein Kompositum aus gratis und Kaffee zu basteln.
Gibt es dazu andere Meinungen? Verwendet dazu bitte wie immer die Kommentarfunktion.
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Augen Braunzupfen gefällig?
Geschrieben am 24. August 2011 4 Kommentare
Gerade auf Geschäftsschildern finden sich ja häufig orthografische Grausamkeiten. Aber dieses Schild bei einem Frisörsalon bei mir um die Ecke in Wien schießt wirklich den Vogel ab: Es wird *Augen Braunzupfen offeriert. Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Aber was ist, wenn die Brauen bzw. *Braun schwarz sind?Scherz beiseite: Es ist wirklich erstaunlich, dass so ein riesiges Poster in Druck geht, ohne dass jemandem der haarsträubende Fehler auffällt. Das zeugt meines Erachtens wieder einmal von der allgemeinen Gleichgültigkeit und/oder Planlosigkeit in Sachen Rechtschreibung. Die vom Frisörsalon wissen es offensichtlich nicht besser. Der Druckerei hätte es auffallen können, auch wenn das Korrekturlesen der eingereichten Drucksachen natürlich nicht zu deren Kernkompetenz gehört. Aber es wäre ein netter Kundendienst. Vermutlich hat sich aber auch dort niemand an *Augen Braunzupfen gestört. So nach dem Motto, das ich schon nicht mehr hören kann: Hauptsache verständlich.
Der Vollständigkeit halber: Korrekt wäre natürlich Augenbrauenzupfen. Die Substantivierung von Verben habe ich wiederholt behandelt, etwa hier.
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Sind Sie automobil?
Geschrieben am 18. August 2011 13 KommentareFrisch zurück aus dem Griechenland-Urlaub, wo ich meine bescheidenen Griechisch-Kenntnisse erfolgreich an Frau und Mann bringen konnte, denke ich noch immer über etwas nach, was ich am Rückflug in der Zeitschrift der Fluggesellschaft gelesen habe. Dort wurden Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter gesucht, die eine Reihe von Qualifikationen vorweisen müssen. Dazu gehört es auch, automobil zu sein. Bisher dachte ich, dass Automobil ausschließlich ein Substantiv wäre. Aber automobil als Adjektiv hatte ich noch nie gehört, geschweige denn gelesen.
Wie sich zeigt, muss das ja nichts heißen. Ich befragte mein Duden-Universalwörterbuch. Dort findet sich unter dem Eintrag automobil folgende Information:
au|to|mo|bil <Adj.>:
a) das Auto betreffend, in Bezug auf das Auto: der -e Laie;
b) vom Auto bestimmt: eine -e Gesellschaft.
Wir wissen jetzt also, dass das Adjektiv automobil sehr wohl existiert. In den angeführten Beispielen wird das Adjektiv stets attributiv, also einem Substantiv vorangestellt, verwendet. Fragt sich nur, ob es auch prädikativ verwendet werden kann (jemand ist automobil). Die Frage kann ich persönlich nicht beantworten; Airberlin scheint die Frage für sich positiv beantwortet zu haben.
Automobil sein liest sich für mich nach wie vor etwas holprig, aber wer weiß, vielleicht setzt es sich durch …
Was halten die werten Leserinnen und Leser von dieser Formulierung? War sie euch bereits bekannt? Würdet ihr sie verwenden?
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Schief laufen ist nicht gleich schieflaufen
Geschrieben am 9. August 2011 3 KommentareAm Wochenende las ich die Sonntagszeitung Presse am Sonntag, die ich wegen der zeitlosen Artikel und auch wegen der vergleichsweise guten Rechtschreibung sehr schätze. Diesmal fielen mir allerdings einige Fehler auf, vor allem in Zusammenhang mit der Zusammen- und Getrenntschreibung, wenn ein Adjektiv und ein Verb zusammenkommen.
Leider ist dies nicht einfach; daher wohl auch diese Fehler, die ich auch sehr häufig in anderen Publikationen finde.
Wir haben es hier mit Zusammensetzungen aus einem Adjektiv und einem Verb zu tun. Die Regel lautet folgendermaßen: Wenn der wörtliche Sinn des Wortes gemeint ist, wird getrennt geschrieben. Wenn aber der übertragene Sinn gemeint ist, muss zusammengeschrieben werden.
Demzufolge bedeutet schief laufen, dass jemand nicht gerade, sondern schief geht oder läuft. Wenn etwas wiederum schiefläuft, dann heißt es, dass die Dinge nicht so klappen, wie sich das die Beteiligten gewünscht hätten. Da die erste Bedeutung wohl sehr selten verwendet wird, können wir uns getrost merken, dass schieflaufen zusammengeschrieben werden muss (gilt für diejenigen, die keine Lust haben, sich die Regel einzuprägen).
Weitere Ausführungen zu diesem Thema gibt es hier.
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O.K., wie schreibe ich o.k.?
Geschrieben am 1. August 2011 4 KommentareMein immer wieder lesenswertes „Lexikon der populären Sprachirrtümer” verrät mir, dass der Ursprung von O.K. keineswegs bei Oberkommando zu suchen ist. Die Überlieferung besagt, dass ein im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kämpfender deutscher General seine Dokumente mit dem Kürzel O.K. abgestempelt habe.
Weitere Mythen rund um die Entstehung von O.K., die sich allesamt als falsch erwiesen haben: O.K. als telegrafisches Signal für Open Key ( = empfangsbereit), O.K. als indianisches okeh mit der Bedeutung von ja, O.K. als Abkürzung der Keksfabrik O. Kendall & Sons sowie O.K. als Abkürzung für den deutschen Qualitätsinspektor Oskar Kandler (der manchmal auch Oskar Kleinschmidt, Oskar Krummbein etc. genannt wird), der mit seinem Stempel die von ihm für gut befundenen Waren gekennzeichnet haben soll.
In Wirklichkeit ist laut den Autoren des erwähnten Lexikons O.K. als Kurzform des verballhornten englischen Ausdrucks all correct entstanden. Derartige Abkürzungen von bewusst falsch geschriebenen englischen Wörtern waren in den USA um 1840 angeblich groß in Mode, etwa auch K.Y. für *Know yuse = nutzlos. Die meisten dieser Verballhornungen verschwanden schnell wieder von der Bildfläche; O.K. aber erfreut sich bis heute großer Beliebtheit.
Nun, da wir den Ursprung geklärt haben, wenden wir uns der korrekten Schreibweise zu. Im Englischen muss es OK oder O.K. heißen, wobei Ersteres im Deutschen nicht erlaubt ist. Die beiden korrekten Schreibweisen im Deutschen sind O.K. sowie o.k. Also entweder alles großgeschrieben oder alles kleingeschrieben und jeweils ein Punkt nach jedem Buchstaben. Wer die Regel mal nicht im Kopf hat, kann sich auch für okay entscheiden.
Großgeschrieben wird natürlich, wenn etwa ein vorangestellter Artikel, Possessivpronomen oder ein ebensolches Adjektiv auf eine Substantivierung hinweisen:
Die Chefin gab ihr Okay/O.K. für den Kauf eines neuen Computers.
Von keiner der Parteien kam ein klares Okay/O.K.Übrigens, nicht vergessen: Zwischen den beiden Buchstaben muss ein so genanntes halbes Leerzeichen stehen. In Word geht das ganz einfach: Steuerung + Umschalttaste+ Leertaste. Hier in der Blog-Software leider nicht, weshalb dieser Beitrag leider ohne halbe Leerzeichen auskommen muss.
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Der Weißwurstäquator lässt grüßen
Geschrieben am 23. Juli 2011 6 KommentareWeiter geht’s bei den Unterschieden zwischen dem in Österreich (sowie eventuell Süddeutschland und der Schweiz) und dem in (Rest-)Deutschland gesprochenen Deutsch. Dass der Weißwurstäquator an einer nicht abschließend definierten Stelle Bayern kreuzt und somit eine Art imaginäre Sprach- und Kulturgrenze darstellt, dürfte bekannt sein.
Kürzlich erlebte ich, wie eine junge deutsche Frau in der Straßenbahn einem älteren Mann ihren Sitzplatz anbot. Der wehrte sich ein bisschen, woraufhin sie antwortete: „Bitte nehmen Sie Platz – ich habe sowieso den ganzen Tag gesessen.”
Der Mann, vom Akzent her klar als Wiener identifizierbar, schaute dankbar, aber auch etwas verwirrt. Warum? Der Satz klang wohl in seinen Ohren – und auch in meinen – ein bisschen eigenartig. Nicht inhaltlich, sondern grammatikalisch, versteht sich.
Eine Österreicherin hätte nämlich Folgendes gesagt: „Bitte nehmen Sie Platz – ich bin sowieso den ganzen Tag gesessen.”
Es geht hier also um die Bildung des Perfekts mit haben oder sein. Das Angenehme dabei: Beide Varianten sind korrekt. Wenig überraschend verzeichnet der Duden (Band 9) die Variante mit sein als hauptsächlich auf Österreich, Süddeutschland und die Schweiz beschränkt. Als Beispiele für Verben, bei denen dieser regionale Unterschied zuschlägt, führt der Duden liegen, stehen und sitzen an. Fallen den werten Leserinnen und Lesern noch andere Verben ein, bei denen es sich genauso verhält?
Wenden wir uns mal von den regionalen Unterschieden ab und einigen Regeln der Perfektbildung zu. Ich war sehr erstaunt zu lesen, dass laut Duden bestimmte Bewegungsverben das Perfekt sowohl mit haben als auch mit sein bilden können. Beispiele:
Sie ist gefahren.
Auch richtig: Sie hat gefahren.Die zweite Variante klingt für mich sehr ungewohnt. Laut Duden setzt sich hier die Perfektbildung mit sein zunehmend durch, was ich persönlich sehr begrüße. Außerdem führt der Duden aus, dass die Perfektbildung mit haben darauf schließen lässt, dass das Subjekt selbst aktiv war, also hier gefahren ist, während die Pluralbildung mit sein eher an einen Fahrgast denken lässt. Vielleicht sind wir in Österreich primitiv, aber diese Unterscheidung gibt es hierzulande meines Wissens nicht.
Allerdings: Sobald eine Richtungsangabe mit im Spiel ist, ist die Perfektbildung mit haben nicht mehr möglich:
Falsch: Sie hat nach Wien gefahren.
Richtig: Sie ist nach Wien gefahren.So, nachdem wir uns jetzt vom Speziellen zum Allgemeinen vorgearbeitet haben, sei noch die allgemeine Regel verraten, die Deutsch-Muttersprachlerinnen intuitiv wissen: Bei der überwiegenden Mehrzahl der Verben wird das Perfekt mit haben gebildet.
In diesem Sinne: Ich habe heute den ganzen Tag gearbeitet und habe soeben einen Blog-Beitrag geschrieben.
Jetzt gibt’s Abendessen/Abendbrot … vielleicht mit Weißwurst, ganz ohne Äquator.





