Neue deutsche Rechtschreibung
Tipps von der Deutsch-Expertin-
GROSSBUCHSTABEN GEFÄLLIG?
Geschrieben am 11. Februar 2011 7 KommentareDerzeit ereilen mich per E-Mail besonders viele Anfragen zu Themen, die meinen Leserinnen am Herzen liegen. Ich werde sie nach und nach behandeln; bitte um Geduld, wenn das etwas dauern kann.
Eine Frage betraf den Umgang mit GROSSBUCHSTABEN in Texten. Hier springt schon mal das Wichtigste, das es zu diesem Thema zu wissen gilt, ins Auge. Und zwar: Wo normalerweise ein ß steht, muss bei Schreibung mit Großbuchstaben ein SS stehen. Früher wurde an dieser Stelle gerne ein SZ verwendet, was ich auch gelegentlich noch sehe, aber laut Duden ist dies veraltet. Ausnahme: Erlaubt ist die Verwendung von ß bei Familiennamen, aus Gründen der Eindeutigkeit: Familie AßMANN. Bei der Schreibweise ASSMANN wüssten wir nicht, ob sich die Familie Assmann oder Aßmann schreibt.
Ansonsten sei noch daran erinnert, dass, falls bei der Großschreibung ein Wort einer anderen Sprache vorkommt, die entsprechenden Akzente etc. beibehalten werden müssen, also etwa: DIE KUNST DES SALVADOR DALÍ.
Von diesen orthografischen Aspekten mal ganz abgesehen, halte ich die exzessive Verwendung von Großbuchstaben für eine sehr schlechte Angewohnheit. Besonders seit den Zeiten des Internet wird die Verwendung von Großbuchstaben mit schreien gleichgesetzt. Komischerweise scheint sich das noch nicht überall rumgesprochen zu haben: Meine mexikanischen Freundinnen, die in früheren Zeiten nervtötende und augenschmerzerzeugende E-Mails in lauter Großbuchstaben schickten, posten nun auf Facebook … am liebsten in Großbuchstaben. ¡No me grites!, ist da meine Reaktion. Schrei mich nicht an. Nichts für ungut, aber irgendwann wird die „Netiquette” auch Mexiko erreichen.
Ein Überbleibsel aus Schreibmaschinzeiten ist wohl die Verwendung von Großbuchstaben in Verträgen, die ich häufig übersetze. Da ist dann also stets von den VERTRAGSPARTEIEN, von der VERKÄUFERIN und vom VERKÄUFER die Rede. Ich finde, die Fettsetzung würde den gleichen Zweck erfüllen, aber Juristinnen wird ja gerne das Festhalten an Altem nachgesagt.
Also: Es ist nicht falsch, Elemente, die uns wichtig und hervorhebenswert erscheinen, in Großbuchstaben zu schreiben, etwa Namen. Notwendig erscheint es mir nicht, zumal es dafür elegantere Methoden gibt, wie zum Beispiel die bereits erwähnte Fettsetzung und die Unterstreichung.
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Genau genommen … mit oder ohne Komma?
Geschrieben am 3. Februar 2011 4 KommentareFormulierungen, die mit genau genommen, streng genommen oder auch mit im Grunde genommen anfangen oder ebendiese Formulierungen beinhalten, sind relativ häufig. Als ich eine davon gestern in der Zeitung las, stolperte ich über das Komma. Der Satz lautete ungefähr so:
Genau genommen, ist die Reform der Wehrpflicht in meinen Augen sinnlos.
Ich schlug im Duden-Büchlein „Komma, Punkt und alle anderen Satzzeichen” nach und fand folgende Information: Formelhafte Partizipgruppen stehen in der Regel ohne Kommas im Satz. Als Beispiele werden angeführt: genau genommen, genau betrachtet, streng genommen, im Grunde genommen, wie gesagt, offen gesagt, davon abgesehen, abgesehen davon, so gesehen. Wir sehen: Diese Formulierungen bestehen aus einem Partizip II, kombiniert mit wenigen anderen Wörtern.
Richtigerweise müsste der oben stehende Satz also folgendermaßen lauten:
Genau genommen ist die Reform der Wehrpflicht in meinen Augen sinnlos.
Die oben genannte Liste ist nicht als vollständige Liste zu verstehen. Fragt sich nur, was genau als formelhafte Partizipgruppe zu verstehen ist. Etwa statistisch betrachtet auch? Also so, ohne Komma:
Statistisch betrachtet bekommt jede Frau in Österreich 1,2 Kinder.
Ich denke, auch dieser Fall ist durch die erwähnte Regel abgedeckt.
Praktischerweise ist die Kommasetzung bei Partizipgruppen mit Partizip II, die nicht als „formelhafte Partizipgruppen” verstanden werden, freigestellt:
Von diesem Standpunkt aus betrachtet[,] stellt sich die Situation schon ganz anders da.
Auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet[,] ergibt das einen sehr hohen Bierkonsum pro Jahr.Ich interpretiere demnach die „formelhafte Partizipgruppe” in dem Sinne, dass sie kurz und knackig ist und nicht, wie in den oben stehenden Fällen, durch mehrere zusätzliche Wörter oder Wortgruppen erweitert ist. Das entscheidende Element scheint mir hier also die Länge zu sein – und auch die Häufigkeit der Verwendung. Hier ist natürlich einiges subjektiv, aber wir sind uns sicher einig, dass die Formulierung genau genommen deutlich häufiger verwendet wird als auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet und deshalb erstere als formelhafte Partizipgruppe gelten darf, zweitere aber nicht. Wie seht ihr das?
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Sehr kurios: dasselbe vs. das Gleiche
Geschrieben am 29. Januar 2011 10 KommentareVon Kindesbeinen an lernen wir, dass ein Unterschied zwischen dieselbe/derselbe/dasselbe und die gleiche/der gleiche/das gleiche besteht. Zur Illustration: Ersteres sei zu verwenden, wenn es um die Identität des Objekts oder der Person geht, also etwa: Meine Zwillingsschwester und ich haben dieselbe Mutter.
Wenn wiederum ausgedrückt werden soll, dass es um etwas Ähnliches, aber nicht exakt diese eine Person oder Gegenstand geht, sei die gleiche/der gleiche/das gleiche zu verwenden.
Also etwa: Meine Zwillingsschwester und ich haben die gleichen Schuhe.
Will heißen, dass wir uns nicht ein Paar Schuhe teilen, sondern jede ein Paar desselben Modells haben.Zu meinem (positiven!) Erstaunen lese ich im Dudenband 9, dass diese mühsam eingepaukte Regelung offenbar nicht mehr so streng gesehen wird. Da sich meistens aus dem Zusammenhang ergibt, was gemeint ist, können diese Demonstrativpronomen synonym verwendet werden – es sei denn, es besteht Verwechslungsgefahr.
In Sachen Rechtschreibung ist es ziemlich verwirrend, dass etwa dieselbe Hose zusammengeschrieben wird, die gleiche Hose allerdings getrennt. Erklären lässt sich das vermutlich damit, dass dieselbe als verschmolzene Einheit aus die und selbe verstanden wird, bei die gleiche aber das Adjektiv gleich(e) noch als eigenständig wahrgenommen wird. Es wird aber noch schwieriger – und zwar dann, wenn danach kein Substantiv steht. Dann haben wir es nämlich mit einer Substantivierung zu tun, allerdings mit einer ebenso kuriosen:
Wenn eine Regierungschefin dasselbe tut wie eine Bürgerin, ist es dennoch nicht das Gleiche.
Mir leuchtet überhaupt nicht ein, warum dasselbe auch in dieser hier ganz offensichtlichen Substantivierung klein geschrieben werden muss, während das Gleiche, ganz korrekt, groß geschrieben wird.
Hier reiht sich vermutlich dieselbe/derselbe/dasselbe in die Reihe jener Wörter ein, die auch bei ganz offensichtlicher Substantivierung stets klein geschrieben werden (die wenigen Ausnahmefälle lassen wir jetzt mal beiseite): eine, andere, viel, wenig, meiste.
Da dies aber schon immer so war und sich mit der Reform nicht geändert hat, sind wir wohl an das Schriftbild gewöhnt und machen uns keine allzu großen Gedanken darüber. Im Zweifelsfall empfiehlt sich die mehr oder weniger elegante Umschiffung dieser Klippe.
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Kennen lernen oder kennenlernen: die salomonische Antwort
Geschrieben am 25. Januar 2011 3 KommentareIn meinem letzten Beitrag ging es um die Frage, wie geschrieben werden muss, wenn sich zwei Verben zusammentun. Wir erinnern uns: Prinzipiell wird getrennt geschrieben, wenn zwei Verben eine Einheit bilden. Das gilt sowohl für den Infinitiv als auch für die gebeugten Formen. Also so:
Ich möchte heute Nachmittag spazieren gehen.
Gestern Nachmittag sind wir spazieren gegangen.Das ist eigentlich auch schon alles, was es zu diesem Thema zu wissen gilt – für diejenigen, die sich nicht mit den Details belasten möchten. Für die anderen: Wenn der zweite Bestandteil bleiben oder lassen ist, kann bei übertragener Bedeutung auch zusammengeschrieben werden. Also etwa so:
Wenn er so weitermacht, wird er in der Schule sitzenbleiben.
Es stand noch die oft gestellte Frage im Raum, wie sich das Verb kennen lernen/kennenlernen schreibt. Die salomonische Antwort: Beide Schreibweisen sind richtig. Ich persönlich finde das nicht wahnsinnig konsequent, zumal ja weder bleiben noch lassen vorkommt. Ich würde empfehlen, dieses Verb anhand der eingangs beschriebenen Regel immer getrennt zu schreiben. Wer allerdings nur schnell wissen möchte, wie dieses Verb zu schreiben ist und sich keine Regel merken möchte: Beides ist erlaubt.
Achtung bitte bei der Substantivierung: Sobald ein Verb als Substantiv verwendet wird, wird es stets zusammengeschrieben und natürlich auch groß. Eine Substantivierung erkennen wir unter anderem an einem vorangestellten Artikel, Pronomen oder Adjektiv. Beispiele:
Wir freuen uns auf ein Kennenlernen.
Unser Kennenlernen verlief sehr harmonisch.Bitte schreiben Sie also keinesfalls Dinge wie:
* Bei gegenseitiger Sympathie ist ein kennen lernen nicht ausgeschlossen.
* Das Kennen Lernen anderer Kulturen ist sehr bereichernd.Falls es irgendjemanden tröstet: Fehler bei der Großschreibung von Substantivierungen kommen sogar bei Sprachprofis gar nicht so selten vor. Was niemanden daran hindern soll, sich die entsprechenden Regeln einzuprägen. Die Substantivierung gehört meines Erachtens zu den eher einfachen Gebieten der deutschen Rechtschreibung. Also nur Mut!
Details zur Substantivierung gibt es unter anderem hier und hier.
Weiterführende Fragen beantworte ich gerne – eher ungern beantworte ich mittlerweile Fragen, bei denen es lediglich darum geht, die beschriebene Regel auf einen vergleichbaren Fall anzuwenden. Mitdenken ist stets hoch im Kurs … -
Wenn sich zwei Verben zusammentun
Geschrieben am 18. Januar 2011 7 KommentareHeute widmen wir uns wieder einmal einem grundlegenden Thema, und zwar der allseits beliebten Getrennt- und Zusammenschreibung (da in den meisten Fällen entweder getrennt oder eben zusammengeschrieben wird, sollte sie eigentlich Getrennt- oder Zusammenschreibung heißen, aber das nur am Rande).
Bei der Getrennt- und Zusammenschreibung gilt es, auf die Wortart zu achten. Es hat also keinen Sinn, sich wahllos die korrekte Schreibweise beliebiger Wörter einzuprägen. Vielmehr ist es wichtig, die Verbindungen als aus dieser oder jener Wortart bestehend identifizieren zu können und dazu die passende Regel parat zu haben.
Heute sehen wir uns mal an, was passiert, wenn sich zwei Verben zusammentun. Verben werden gerne auch Zeitwörter genannt. Dazu gehören also Wörter wie schreiben, trinken, lachen, laufen, lesen usw.
Die Regel hier ist dankenswerterweise sehr einfach: Kommen zwei Verben im Infinitiv (also in der Nennform, das heißt nicht konjugiert) zusammen, muss getrennt geschrieben werden. Beispiele, analog zu oben: schreiben lernen, trinken gehen etc.
Ebenso verhält es sich etwa bei den folgenden Verbindungen: flöten gehen, schätzen lernen, spazieren gehen usw.
Die oben genannte Regel gilt auch bei zusammengesetzten Verbformen. Also etwa:
Ich habe die französische Literatur allmählich schätzen gelernt.Wird eine getrennt zu schreibende Verbindung wiederum in Partizipform (hier Partizip I) als Attribut verwendet, können wir zwischen der Getrennt- und Zusammenschreibung wählen:
Der spazieren gehende Mann grüßte freundlich.
Der spazierengehende Mann grüßte freundlich.Wer diese Info im Kopf hat, ist auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Wer’s genauer wissen will, kann gerne weiterlesen.
Bei der Verbindung aus Verb und Verb fällt auf, dass sehr häufig bleiben oder lassen an zweiter Stelle steht. In diesen Fällen ist auch die Zusammenschreibung erlaubt, aber nur dann, wenn die Verbindung im übertragenen Sinn verwendet wird:
Sie können das Kind dort sitzen lassen. (wörtliche Bedeutung; nur Getrenntschreibung erlaubt)
Sie möchte ihren Mann sitzenlassen. (übertragene Bedeutung; auch Zusammenschreibung erlaubt)Ausführungen zur sehr häufig auftretenden Frage kennen lernen vs. kennenlernen gibt es im kommenden Beitrag.
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Der Januar ist mein Monat!
Geschrieben am 14. Januar 2011 11 KommentareKryptische Überschrift, was? Diejenigen unter euch, die in Österreich zu Hause sind und meinen Nachnamen präsent haben, wissen vielleicht schon, worum es geht. Gestatten? Mein Name ist Jenner, Dagmar Jenner. In Österreich nennen wir den ersten Monat des Jahres nicht Januar, sondern Jänner. Damit unterscheidet sich der österreichische Januar in nur einem Buchstaben von meinem Nachnamen, was das Buchstabieren sehr leicht macht: Wie der Monat, aber mit e wie Emil, pflege ich zu sagen. In anderen sprachlichen Gefilden komme ich damit natürlich nicht durch, aber beispielsweise in den USA reicht es, auf Bruce Jenner zu verweisen, der in unserem Geburtsjahr (Zwillingsschwester!) 1976 die olympische Goldmedaille im Zehnkampf errang und den meisten ein Begriff ist. Die Schwierigkeiten, die mir mein Vorname auf internationalem Parkett bereitet, sind ein ganz anderes Thema.
Nun meine Frage an die Leserinnen und Leser aus Deutschland: Könnt ihr mit Jänner was anfangen oder versteht ihr das nur aus dem Kontext? Hierzulande ist allen klar, dass in Deutschland Januar gesagt wird und es wäre logisch, dass das umgekehrt auch der Fall ist (bei vielen anderen Begriffen ist das meiner Erfahrung nach allerdings überhaupt nicht so).
Prinzipiell finde ich es begrüßenswert, an Wörtern wie Jänner festzuhalten und nicht zum Januar überzuschwenken. „Unser” Monat ist aus dem Sprachgebrauch nicht wegzudenken. Januar wird in meiner Erfahrung, zumindest in Wien, so gut wie nie geschrieben und noch seltener gesagt. Familienintern wird er übrigens auch ganz gerne Jenner genannt, aber das ist ein Thema für sich …
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Nähr und Tagescreme
Geschrieben am 8. Januar 2011 1 KommentarIn der Apotheke bei mir um die Ecke wird in der Vitrine Folgendes angepriesen: hauseigene Nähr und Tagescreme. Ganz prinzipiell kann man mich ja mit allem locken, was irgendwie selbst gemacht (darf sich auch selbstgemacht schreiben), öko, bio, Fair-Trade oder alles zusammen ist. Nur: Bei so falscher Rechtschreibung wird die Apotheke mit mir nicht ins Geschäft kommen.
Richtigerweise müsste es Nähr- und Tagescreme heißen, als verknappte Wiedergabe von Nährcreme und Tagescreme, wobei der Bindestrich als Ergänzungsbindestrich steht und der gemeinsame Bestandteil, nämlich Creme, nur einmal genannt wird.
Auch bei korrekter Schreibweise wäre nicht klar, ob die Apotheke eine Nährcreme und eine Tagescreme verkauft oder ob es eine Creme ist, die gleichzeitig eine Nährcreme und eine Tagescreme ist (bei Wund- und Heilsalbe etwa wäre es klar, dass es sich um ein Produkt handelt). Bei mir um die Ecke jedenfalls wird eine Nähr und noch dazu eine Tagescreme verkauft, was nicht sonderlich attraktiv wirkt. Ich weiß, was eine Mär ist – aber eine Nähr?
Wir merken uns: Bei Komposita, die sich ein Element teilen, muss vor dem weggelassenen Bestandteil ein Bindestrich stehen (sofern der gemeinsame Bestandteil an letzter Stelle steht). Schließlich ist es nicht das Gleiche, ob ich selbst gemachte Kinder und Jugendmode schreibe oder selbst gemachte Kinder- und Jugendmode. Denn: Wer möchte schon selbst gemachte Kinder feilbieten?
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Von runden, halbrunden und unrunden Geburtstagen
Geschrieben am 6. Januar 2011 11 KommentareKürzlich hörte ich im Radio, dass der ehemalige US-Präsident Bill Clinton im neuen Jahr 2011 einen runden Geburtstag feiern würde. Ich überlegte, ob er denn bereits 70 Jahre alt wird. Kurz darauf erwähnte allerdings die Sprecherin, dass Bill Clinton 65 Jährchen alt wird. Das überraschte mich: Ich war bisher der Meinung, dass runde Geburtstage sich dadurch auszeichnen, dass hinten eine Null steht. Darüber hinaus gibt es andere wichtige Geburtstage, wie der „Vierteljahrhunderts”-Geburtstag mit 25, den ich persönlich dann immer als „halbrunden” Geburtstag bezeichnet habe. Ganz offensichtlich gibt es zu dieser Frage aber unterschiedliche Meinungen. Wie seht ihr das?
Abgesehen davon kann es natürlich sein, dass das Geburtstagskind am Geburtstag, egal ob rund oder halbrund, angesichts der unerbittlich fortschreitenden Jahre etwas unrund ist … aber das ist ein anderes Thema.
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Der Deppenapostroph in Höchstform
Geschrieben am 3. Januar 2011 26 Kommentare
Das neue Jahr fängt ja orthografisch gut an: Komme gerade aus Zürich zurück, wo ich die Einheimischen so gut wie gar nicht verstanden habe. Frisch zurück in Wien bin ich auf eine Website (deren URL ich hier tunlichst verschweige) gestoßen, auf der der Deppenapostroph fröhliche Urständ feiert. Zur Erinnerung: Ein Deppenapostroph ist ein Apostroph, der dort eingefügt wird, wo er absolut nichts zu suchen hat. Zu den Klassikern zählen etwa der Apostroph beim Plural (*Pulli’s) und beim Genitiv-s bei Eigennamen (*Lisi’s Mütze). Darüber hinaus sind aber der Kreativität beim Deppenapostroph ganz offensichtlich keine Grenzen gesetzt.Auch hier (siehe Screenshot; zum Vergrößern bitte klicken) dreht sich alles um einen Genitiv, und zwar des Wortes Erfolg. Besonders schlimm wirkt der Deppenapostroph bei zusammengesetzten Substantiven. Schwer zu sagen, was mehr weh tut: die *Erfolg’sArchitektur, die Erfolg’sSäulen, die Erfolg’sZone, die Realisierung Ihres *Erfolg’s … oder doch die Erfolg’sLeistungen? Angesichts dieser Gruseligkeiten nimmt sich die absurde Praxis, mitten im Wort unmotiviert Großbuchstaben zu verwenden, noch vergleichsweise harmlos aus.
Die Autorin geht aber noch einen Schritt weiter und begnügt sich nicht mit dem Deppenapostroph allein, sondern ersetzt ihn kurzerhand durch einen Gravis, den wir als accent grave etwa aus dem Französischen kennen, wie bei mère, dem französischen Pendant zu Mutter.
Vor diesem Hintergrund kann das neue Jahr ja nur noch besser werden, meint die orthografische Optimistin in mir …
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Kommt der “gute Rutsch” von “rutschen”?
Geschrieben am 28. Dezember 2010 2 KommentareIm Deutschen wünschen wir uns ja oft einen guten Rutsch ins neue Jahr (hoffentlich richtig geschrieben, nachzulesen hier).
Wohlgemerkt gibt es in den anderen Sprachen, die ich beherrsche, diesen Ausdruck analog nicht. Kürzlich las ich irgendwo happy landslide, was natürlich gar nicht geht.
Stellt sich nur die Frage, woher dieser gute Rutsch kommt. Laut meinem Lexikon der populären Sprachirrtümer hat der Ausdruck nichts mit dem Rüberrutschen ins neue Jahr zu tun. Es gibt zwei mögliche Erklärungen: Die eine leitet den guten Rutsch aus dem hebräischen rosch (= Anfang) ab. Damit wäre der gute Rutsch also ein guter Anfang.
Eine andere Erklärung ist, dass der Ausdruck auf das persische No Ruz zurückgeht, was neuer Tag bedeutet und dann eben auf das gesamte neue Jahr angewendet wird.
Wie dem auch sei: Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch in ein orthografisch, persönlich und beruflich erfreuliches Jahr 2011!





