Weihnachtswünsche richtig geschrieben

Alle Jahre wieder erhalte ich Weihnachtskarten, in denen mir ein gutes Neues Jahr gewünscht wird. Während ich mich über die Wünsche immer sehr freue, tut mir der orthografische Fehler natürlich im Herzen weh.

Die große Frage in diesem Zusammenhang ist: Warum schreibt man der Heilige Abend, aber ein gutes neues Jahr?
Das liegt daran, dass der Heilige Abend als Eigenname gilt und deshalb das dazugehörige Adjektiv großgeschrieben wird. Das neue Jahr hingegen gilt nicht als Eigenname, weshalb das Adjektiv kleingeschrieben wird.

Genau so verhält es sich mit fröhliche Weihnachten, wobei ich auch hier öfters folgende falsche Variante lese:
*Ich wünsche dir Fröhliche Weihnachten.

Machen Sie also Ihren Lieben eine doppelte Freude und wünschen Sie ihnen die folgenden orthografisch einwandfreien Dinge:

Ich wünsche dir fröhliche Weihnachten und ein glückliches neues Jahr.

Wer Wert auf den religiösen Aspekt legt, schreibt etwa:
Ich wünsche dir einen gesegneten Heiligen Abend und ein gutes neues Jahr.

Aber: Als Eigennamen gelten sehr wohl die Neue Welt und das Neue Testament, weshalb hier die Großschreibung der Adjektive zwingend erforderlich ist.

Kommasetzung bei Beifügungen

An dieser Stelle hatte ich bereits einmal berichtet, wie Kommas bei Einschüben korrekt gesetzt werden. Eines meiner Beispiele war folgendes:
Boris Becker, jüngster Wimbledon-Sieger aller Zeiten, macht Werbung für Bier.

Was wäre aber, wenn Boris Becker hinter jüngster Wimbledon-Sieger aller Zeiten stünde?

Das würde dann so aussehen:
Der jüngste Wimbledon-Sieger aller Zeiten, Boris Becker, macht Werbung für Bier.

Das Interessante daran ist, dass in diesem Fall die Kommasetzung freigestellt ist. Es ist also sowohl die oben genannte Variante als auch diese richtig:
Der jüngste Wimbledon-Sieger aller Zeiten Boris Becker macht Werbung für Bier.

Der Duden erklärt das folgendermaßen: Folgt der Eigenname einem Titel, einer Berufsbezeichnung und dergleichen, so kann man das Komma weglassen. Als Beispiel wird angeführt: Der Erfinder der Buchdruckerkunst [,] Johannes Gutenberg [,] wurde in Mainz geboren.

Allerdings würde ich im oben genannten Boris-Becker-Beispiel dringend empfehlen, sehr wohl die beiden Kommas zu setzen, weil der Satz ansonsten nicht gut gegliedert und schwer lesbar ist.

In diesem Fall aber könnte ich mich durchaus mit der Version ohne Kommas anfreunden:
Der Angeklagte, Räuber Hotzenplotz, erschien nicht zur Verhandlung.

Merke also: Wenn der Eigenname vor dem erklärenden Einschub steht, müssen Kommas gesetzt werden. Wenn aber der Eigenname hinter einer Beifügung steht, ist die Kommasetzung fakultativ.

Von deutschen Adventskalendern und österreichischen Adventkalendern

Aus gegebenem Anlass: Warum sagt man in Österreich Adventkalender und in Deutschland Adventskalender? Das liegt an der unterschiedlichen Verwendung des so genannten Fugen-s. Dieses s steht zwischen mehreren Wörtern, die gemeinsam ein Kompositum ergeben. Meistens sind das Substantive, Infinitive, Adjektive etc. Beispiele: Museumsleiterin, freiheitsliebend, hoffnungsvoll.

Die Verwendung des Fugen-s ist eine relativ komplizierte Angelegenheit und auf mehreren Seiten beispielsweise im Duden-Band Nr. 9 nachzulesen. Es gibt Fälle, wo kein Fugen-s verwendet wird, wie z. B. bei Zusammensetzungen mit femininen Fremdwörtern, die auf -ur oder -ik enden:
Kulturfilm, Naturkunde, kritiklustig

Während die Behörden bei den Steuern das Fugen-s einsparen und Einkommensteuer sagen, ist beim gemeinen Volk die Schreibweise Einkommenssteuer durchaus korrekt und üblich. Wenn der zweite Bestandteil des Kompositums das Wort Straße ist, ist die Schreibung mit oder ohne Fugen-s korrekt: Bahnhofstraße oder Bahnhofsstraße.

Und wie ist das nun mit dem deutschen Adventskalender und dem österreichischen Adventkalender?
Bei Zusammensetzungen mit Advent schreibt der Duden, dass ein Fugen-s zu stehen hat, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass diese Wörter in Österreich ohne Fugen-s geschrieben werden.

In diesem Sinne: schöne Weihnachtszeit, da wie dort mit Fugen-s!

„Statt“ als Präposition oder als Konjunktion

„Der Elch statt des Ehemanns war der Mörder“ stand heute in der Überschrift eines Artikels der österreichischen Tageszeitung Der Standard. Irgendwas stimmt grammatikalisch nicht, dachte ich und schlug im Duden nach. Übrigens ging es im Artikel darum, dass ein Schwede ein Jahr im Gefängnis verbrachte hatte, bis sich herausstellte, dass nicht er seine Frau ermordet hatte, sondern dass sie bei einem Spaziergang von einem Elch tödlich verletzt wurde.

Bei statt wird zwischen der Verwendung als Präposition und als Konjunktion unterschieden. Als Präposition bedeutet es anstelle. Als Konjunktion steht das Wort für und nicht.

Bei der Verwendung als Präposition muss der Genitiv folgen:
Sie hat statt einer Puppe eine Eisenbahn bekommen.
Er brachte statt des Briefes das Paket zur Post.

Wird statt als Konjunktion stellvertretend für und nicht verwendet, richtet sich der zu verwendende Fall nach dem Verb:
Er wählte den grünen Kaffee statt den Tee. (Akkusativ)
Der Elch statt der Ehemann war der Mörder. (Nominativ)

In der Zeitung ist hier etwas durcheinandergeraten: Statt wird zwar im Sinne von und nicht verwendet (die Verwendung als Präposition im Sinne von anstelle wäre absurd), es wird aber anstelle des Nominativs fälschlicherweise der Genitiv verwendet.

Eine Trendsportart richtig geschrieben: Nordic Walking

Da ich gestern sowieso bei der Duden-Hotline wegen der Frage selbst ernannt/selbsternannt angerufen habe, nutzte ich die Gelegenheit des etwas kostspieligen Anrufs, um eine Frage zu klären, die ich mir schon lange stelle – und zwar jedes Mal, wenn ich diese Sportart ausübe:

Wie ist das mit dem Nordic Walking – wie schreibt es sich richtig?

Die Substantivierung schreibt sich so wie oben angegeben, was vielleicht etwas verwirrend ist, wenn man es z.B. mit das Tennisspielen vergleicht, das sich ja in einem Wort schreibt.

Im Infinitiv gibt es laut Auskunft an der Hotline die Möglichkeit, diese neue Sportart mit machen, gehen oder betreiben zu kombinieren, wobei sich danach Nordic Walking stets großschreibt, was ich nicht unbedingt schlüssig finde:

Ich gehe immer morgens Nordic Walking – wobei es im Gegensatz dazu heißt: Ich gehe Tennis spielen.
Ich betreibe Nordic Walking.
Ich mache Nordic Walking.

Merke: Diese etwas kuriose, aber sehr gelenkschonende Sportart wird, egal ob im Infinitiv oder substantiviert, stets in zwei Wörtern und stets großgeschrieben!