70er Jahre oder 70er-Jahre?

Bei der Frage, ob die Schreibweise 70er Jahre oder 70er-Jahre richtig ist, lässt uns die neue deutsche Rechtschreibung die Wahl. Es ist also beides richtig:

Ich bin ein großer Fan der 70er Jahre.
Ich bin ein großer Fan der 70er-Jahre.

Was allerdings gar nicht geht, ist *70-er Jahre*, weil die Nachsilbe -er immer direkt am Wort „kleben“ muss. Eine Ausnahme dieser Regel ist die Nachsilbe -fach (Näheres dazu im unten verlinkten Artikel).

Zu weiteren Fragen zum Bindestrich bei Ziffern und einzelnen Buchstaben siehe bitte einen früheren Eintrag.

Die Stellung des Reflexivpronomens „sich“

Vor kurzem wurde mir die knifflige Frage gestellt, ob es zwischen Deutschland und Österreich Unterschiede bei der Positionierung des Reflexivpronomens sich gäbe. Darauf wusste ich keine Antwort, zumal es sich hier weniger um eine orthografische als um eine grammatikalische Frage handelt. Der Grammatik-Duden weiß natürlich Bescheid, liefert aber keinerlei Hinweise auf eine unterschiedliche Verwendung in Österreich und Deutschland.

Im heutigen Sprachgebrauch wird das Reflexivpronomen sich möglichst weit nach vorne gezogen. Im Nebensatz steht es also nach dem Einleitewort und im Hauptsatz nach dem Verb:

Sich im Nebensatz: Das Publikum klatschte, als sich der Künstler verbeugte.
Sich im Hauptsatz: Heute hat sich meine Freundin verletzt.

Häufig wird eine andere Wortstellung verwendet – auch diese Möglichkeit ist erlaubt, wobei diese Variante hauptsächlich in der geschriebenen Sprache verwendet wird und weniger in der gesprochenen:

Sich im Nebensatz: Das Publikum klatschte, als der Künstler sich verbeugte.
Sich im Hauptsatz: Heute hat meine Freundin sich verletzt.

Idealerweise Weise schreiben

Kürzlich habe ich mehrere von unterschiedlichen Personen erstellte Texte Korrektur gelesen. Aufgefallen ist mir dabei vor allem ein Fehler, der sich unabhängig von der Autorin wiederholt hat. Ich fand folgende Blüten: dankenswerter Weise, bedauerlicher Weise, idealer Weise. Falls es jemandem zum Trost gereicht: All diese Texte stammten von Sprachprofis.

Nun predige ich an dieser Stelle oft, dass Substantive durchgehend großgeschrieben werden (mit wenigen Ausnahmen). Weise im Sinne von Art und Weise kann natürlich ein Substantiv sein, hier ist es aber als untrennbarer Bestandteil eines Adverbs zu verstehen. -erweise ist hier ein Suffix, also eine Nachsilbe:

Er hat mir dankenswerterweise von der abgesagten Veranstaltung berichtet.
Wir würden idealerweise morgen Vormittag abreisen.

Bei der Verwendung als Adverb darf also nur klein- und zusammengeschrieben werden.

Wenn es sich wiederum um ein offensichtliches Substantiv handelt, wird natürlich großgeschrieben, wobei diese Fälle im Vergleich zu oben eher selten vorkommen:

Mir gefällt die Art und Weise, wie sie mit der Bohrmaschine umgeht.
Die Studentin hat in sehr frecher Weise mit dem Dozenten gesprochen.

Die Präposition in weit hier darauf hin, dass wir es mit einem Substantiv zu tun haben.

Mit Hilfe der neuen Rechtschreibung zu Stande gekommen

Die neue deutsche Rechtschreibung macht es möglich: Substantive werden jetzt bis auf wenige Ausnahmen konsequent großgeschrieben. Deshalb sind nun die folgenden Schreibweisen möglich:

mit Hilfe von
zu Gute kommen
zu Stande kommen

Wem das eigenartig bzw. gewöhnungsbedürftig vorkommt, kann weiterhin kleinschreiben, dann aber unbedingt zusammen:

mithilfe von
zugute kommen
zustande kommen

Korrespondenz-Floskeln richtig schreiben

In all den E-Mails,  die ich bekomme, fällt mir auf, dass sich noch nicht herumgesprochen hat, dass sich einige der klassischen Korrespondenz-Floskeln im Gegensatz zu früher nun großschreiben. Damit meine ich gängige Formulierungen wie „danke im Voraus“, „im Allgemeinen“ und „im Nachhinein“.

Also bitte nur so schreiben:

Ich danke Ihnen im Voraus für Ihre Hilfe.
Wir bedauern, dass Änderungen im Nachhinein nicht mehr möglich sind.
Im Allgemeinen erfüllen wir jeden Wunsch unserer Kundinnen.