Neue deutsche Rechtschreibung
Tipps von der Deutsch-Expertin-
Tief verschneite Weihnachten?
Geschrieben am 24. Dezember 2010 2 KommentareTief verschneite Weihnachten, das wäre doch was … Aber wenn ich es mir recht überlege: Tief verschneit kann eigentlich nur ein Wald, eine Stadt etc. sein, aber Weihnachten an sich eher nicht. Egal – sagen wir, dass es sich um einen übertragenen Sinn handelt. Oder so.
Wie dem auch sei: Inhaltlich stellt sich hier in Wien die Frage nicht mehr, weil der meiste Schnee leider geschmolzen ist. Aber wenn wir viel Schnee hätten, wie würden wir das schreiben? Tief verschneit oder tiefverschneit?
Passenderweise ist hier, bei der Verbindung von tief mit einem adjektivisch verwendeten Partizip, beides erlaubt. Gleiches gilt etwa für tief empfunden, tief erschüttert, tief greifend, tief liegend etc. Als zuammenzuschreibende Einheit werden allerdings die folgenden Wörter empfunden: tiefkühlen, tiefstapeln, tiefblau, tiefernst, tiefgründig, tieftraurig usw.
Angeblich soll es ja heute im Laufe des Abends in Teilen Österreichs noch schneien. In diesem Sinne wünsche ich hoffentlich tief verschneite oder auch tiefverschneite Weihnachtslandschaften!
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Wenn fehlende Kommas den Ruf ruinieren
Geschrieben am 14. Dezember 2010 1 Kommentar
Wir sehen: Falsch gesetzte Kommas können den Ruf ruinieren! Ein wunderschönes Beispiel dafür, wie wichtig die Kommasetzung ist.Es geht um folgenden Satzteil: … der Verteidiger des angeklagten Ex-Managers Harald Christandl …
In dieser Form bedeutet es, dass der angeklagte Ex-Manager Harald Christandl ist.Vielmehr müsste der Verteidiger des Angeklagten von Kommas umrahmt sein (eine Apposition), weil der Name Harald Christandl eine Zusatzinformation zum Substantiv davor (Verteidiger) ist. Werden die Kommas wie in diesem Fall weggelassen, mutiert Harald Christandl vom Verteidiger zum angeklagten Ex-Manager. So schnell kann’s gehen.
Der Artikel stammt aus der Tageszeitung „Die Presse” (4.12.2010).
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Kommasetzung bei “wie”
Geschrieben am 12. Dezember 2010 Keine KommentareIch bedauere die lange Funkstille, bedingt unter anderem durch einen Dolmetscheinsatz bei der UNO.
Heute melde ich mich mit einem Thema zurück, das ich zwar schon gelegentlich gestreift habe, es aber genauer ausführen möchte, weil es immer wieder für große Schwierigkeiten sorgt. Es geht um die Kommasetzung rund um das Wörtchen „wie”. Ich werde mich auf die häufigsten Fälle konzentrieren.Das Komma muss stehen, wenn das Adverb „wie” einen indirekten Fragesatz oder einen Relativsatz einleitet:
Er hat keine Ahnung, wie man eine Krawatte bindet.
Die Art und Weise, wie sie mit Sprachen jongliert, fasziniert mich.Allerdings: Besteht der Nebensatz nur aus einem „wie”, ist die Kommasetzung freigestellt:
Wenn ich nur wüsste[,] wie.
Wenn „wie”, hier allerdings als Konjunktion, einen untergeordneten Nebensatz einleitet, muss ein Komma stehen:
Meine Katze ist so alt, wie deine vor ein paar Jahren war.
Das Essen schmeckt nicht so gut, wie ich gehofft hatte.Kein Komma steht allerdings, wenn nur Satzteile verglichen werden:
Meine Katze ist so alt wie deine.
Das Essen schmeckt nicht so gut wie gehofft. -
Göttliche Kommas bei Schaltsätzen
Geschrieben am 25. November 2010 4 KommentareSchaltsätze sind Hauptsätze, die in andere Sätze einschoben werden. Üblicherweise werden diese Schaltsätze durch Kommas abgetrennt:
Heute Morgen, es war gerade erst hell geworden, läutete plötzlich das Telefon.Wenn der Schaltsatz besonders nachdrücklich wirken soll, können anstelle der Kommas auch Gedankenstriche gesetzt werden:
Heute Morgen – es war gerade erst hell geworden – läutete plötzlich das Telefon.Alternativ kann der Schaltsatz auch in Klammern eingeschlossen werden:
Heute Morgen (es war gerade erst hell geworden) läutete plötzlich das Telefon.Es gibt Fälle, in denen die Kommasetzung bei Schaltsätzen optional ist. Einige floskelartige Schaltsätze werden nicht mehr als eingeschobene Sätze empfunden, weshalb wir mit oder ohne Kommas schreiben können. Hier einige Beispiele, bei denen Gott eine prominente Rolle einnimmt:
Ich habe ihn[,] wer weiß wie lange[,] nicht mehr gesehen.
Sie bereitet sich[,] so gut es geht[,] auf die Prüfung vor.
Die Vorsitzende ist ja[,] weiß Gott[,] keine Heilige.
Er blieb[,] Gott sei Dank[,] unverletzt. -
Was tun mit sprachlichen Kurzschlüssen?
Geschrieben am 19. November 2010 4 KommentareVor ein paar Tagen las ich ältere Zeitungsberichte über Thilo Sarrazin und dessen umstrittenes Buch „Deutschland schafft sich ab”. In einem Interview, ich glaube, es war in der „Zeit”, ging es zwischen dem Journalisten und Thilo Sarrazin heiß her. Letzterer sagte ständig zu den Vorwürfen des Ersteren: „Das ist ein Kurzschluss.” Während mir klar war, dass es hier nicht um Elektrik ging, kam ich dennoch ins Grübeln. Spontan fragte ich mich, ob es ein Verb für Kurzschluss gibt (Sie schließen kurz?) und von welchem Verb der Kurzschluss idealerweise begleitet werden sollte. Machen wir Kurzschlüsse? Ziehen wir Kurzschlüsse? Ich bin verwirrt. Vielleicht hat jemand einen, gerne auch humorvollen, Vorschlag.
Schönes Wochenende an alle!
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Immer schön danke sagen!
Geschrieben am 14. November 2010 1 KommentarWer mich persönlich kennt, weiß, wie großen Wert ich auf Höflichkeit und gute Umgangsformen lege. Deshalb ärgert mich auch immer wieder die Tatsache, dass Selbstverständlichkeiten im Umgang miteinander offensichtlich nicht mehr so stark in Mode sind. Dazu gehören auch die harmlosen Wörter bitte und danke. Kommen sie in der mündlichen Kommunikation gar nicht vor, nervt mich das. Mindestens genauso nervt es mich, wenn sie falsch geschrieben werden.
In einer Einladung: Ein herzliches danke schön an euch alle!
In einem Brief: Beste Grüße und dankeschön …Das schöne Wort danke ist die Verkürzung von ich danke. In der häufigsten Verwendung wird es kleingeschrieben: Atomkraft: nein, danke!
In der Formulierung danke sagen ist auch die Großschreibung möglich: Kannst du nicht Danke sagen?
Ich bevorzuge in diesem Fall die Kleinschreibung.Der Dank ist relativ leicht als Substantiv erkennbar und muss großgeschrieben werden: Vielen Dank für die Blumen.
Danke schön wiederum ist eine Intensivierung von danke (und damit von ich danke) und wird stets getrennt geschrieben, mit Ausnahme der Substantivierung (siehe unten).
Wird danke substantiviert, schlägt natürlich die Großschreibung zu: Ein herzliches Danke an euch alle!
Ebenso: Ein herzliches Dankeschön an euch alle! -
Genau so hatte ich mir das vorgestellt
Geschrieben am 9. November 2010 5 KommentareWas für eine lange Funkstille! Zwischendurch war ich eine Woche bei einer Konferenz der American Translators Association (die sich ohne Apostroph schreibt) in Denver. Knapp nach meiner Rückkehr ging es dann so richtig rund. Genau so hatte ich mir das leider auch vorgestellt. Womit wir auch beim heutigen Thema wären, dem Wörtchen genauso bzw. genau so. Bevor ich es schreibe, muss ich immer kurz nachdenken. Deshalb habe ich die wichtigsten Informationen für mich und andere, die auch damit kämpfen, zusammengeschrieben. Bitte sehr:
Genauso in dieser Schreibweise ist ein Synonym für ebenso und schreibt sich in einem Wort. Kommt ein Adjektiv dazu, wird getrennt geschrieben:
Es geht mir genauso wie dir: Ich mag dieses Wetter nicht.
Er spielt genauso gut Klavier wie sein Bruder.
Ich habe genauso viel Hunger wie du.Im zweiten Fall ist genau eine Verstärkung und muss getrennt vom so geschrieben werden:
Genau so war es!
Die Prüfung war genau so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. -
Die Spannung und Erwartung war spürbar – oder waren?
Geschrieben am 18. Oktober 2010 2 KommentareWenden wir uns heute einem Thema zu, das mich und vermutlich auch zahlreiche andere oft ins Grübeln bringt. Wie im Fall oben in der Überschrift stellt sich manchmal die Frage, ob das Verb im Singular oder im Plural stehen soll. In der Grammatik nennt sich das übrigens Kongruenz im Numerus. In den einfachen Fällen ist die Regel kinderleicht: mehrere Subjektteile = Verb im Plural.
Meine Katze und mein Hund teilen sich einen Fressnapf.
Aber die Sonderregelungen haben es in sich! So genannte formelhafte Subjekte (also Subjekte aus mehreren Teilen, die aber als Einheit verstanden werden) haben oft das Verb im Singular (der Plural ist auch möglich, erscheint mir aber weniger üblich):
Angst und Schrecken macht sich breit.
Wenn sich die Subjekte einen Artikel oder ein Attribut teilen, muss das Verb im Singular stehen:
Die Spannung und Erwartung war auf dem Höhepunkt.
Es herrschte viel Kummer und Not.Wenn die Subjektteile Infinitive ohne begleitende Artikel sind, muss ebenso der Singular stehen:
An ihr Ohr drang lachen und weinen.
Sobald vor solchen Infinitiv-Subjektteilen aber ein Artikel steht, muss das Verb im Plural stehen:
Das Lernen und das Scheitern machten ihn stark.
Weitere Beispiele oder Fragen zu diesem Thema sind natürlich jederzeit willkommen!
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Kommas: Aufzählung mit Nebensatz
Geschrieben am 13. Oktober 2010 Keine KommentareDie Komma-Klassiker habe ich hier schon recht häufig besprochen. Etwa den, dass bei Aufzählungen von Satzteilen mit der Konjunktion und, oder etc. kein Komma steht. Ebenso predige ich immer wieder, dass bei Relativsätzen und anderen Nebensätzen ein Komma zu stehen hat. Sehen wir uns heute einen Satz an, in dem diese beiden Regeln aufeinandertreffen.
Aufzählung ohne Komma: Ich nehme das rote Kleid und die rote Tasche mit.
Relativsatz mit Komma: Das rote Kleid, das ich in Amsterdam gekauft habe.
Kombination der beiden: Ich nehme das rote Kleid, das ich in Amsterdam gekauft habe, und die rote Tasche mit.Wir sehen: Hier muss vor dem und ein Komma stehen, da es sich um einen eingeschobenen Relativsatz handelt.
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Bitte nichts gutes zum Geburtstag wünschen
Geschrieben am 8. Oktober 2010 2 KommentareMein (besser: unser, da Zwillingsschwester) Geburtstag ist zwar erst im Juni, aber ich stelle mich schon mal geistig darauf ein, gut gemeinte Glückwünsche à la *alles liebe zum Geburtstag zu bekommen. Es ist vielleicht fies von mir, aber solche Glückwünsche empfinde ich als ziemlich schmerzhaft.
Da die Groß- und Kleinschreibung stets für großes Fehlerpotenzial sorgt, hier eine Regel, die recht oft zur Anwendung kommt. Wenn vor einem Adjektiv (= Eigenschaftswort) eines der folgenden Wörter steht, gilt das Adjektiv als substantiviert und muss großgeschrieben werden: allerlei, alles, etwas, genug, nichts, viel, wenig.
Ein paar Beispiele gefällig?
Am ersten Schultag ist allerlei Erfreuliches passiert.
Ich habe etwas Spannendes zu berichten.
Sie hat schon genug Ärgerliches erlebt.
Das ist nichts Neues.Und natürlich der Klassiker: Alles Gute zum Geburtstag! Oder: Alles Liebe zum Geburtstag!





