Groß- und Kleinschreibung: du, Sie

Ein als schwierig empfundenes Kapitel der neuen Rechtschreibung ist die korrekte Schreibung der Anredepronomen du (also 2. Person Singular) und Sie (also 3. Person Plural, die so genannte Höflichkeitsform). Ich versuche es möglichst einfach zu erklären.

Wer mit wem anderen per Sie ist, schreibt dieses Pronomen (und alle möglichen Beugungen!) immer groß:

Achtung, Sie haben Ihr Buch vergessen!
Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Erfolg!

Wer mit jemandem per Du ist, kann in Briefen oder E-Mails die entsprechenden Anredepronomen wahlweise klein- oder großschreiben – aber eben nur in Briefen und E-Mails:

Lieber Hans, ich danke Dir/dir für deinen/Deinen Brief.

In allen anderen Arten von Texten (z.B. Werbung, Bedienungsanleitungen, Website-Texte) müssen die Anredepronomen beim Duzen kleingeschrieben werden. Analog funktioniert es, wenn Sie mit mehreren Personen per Du sind und bei der Anrede ihr, euch etc. verwenden.

Da dies für Verwirrung sorgt, rate ich zu Folgendem:

1. Schreiben Sie das Anredepronomen Sie und alle dazugehörigen Beugungen immer groß.
2. Schreiben Sie das Anredepronomen du und alle dazugehörigen Beugungen immer klein.

Was ist eine Substantivierung?

Besonders seit der Rechtschreibreform ist es wichtig zu wissen, wann eine Substantivierung vorliegt. Denn: Substantive und substantivierte Adjektive, Verben etc. werden nunmehr konsequent großgeschrieben, was auch absolut logisch ist.

Im einfachsten Fall erkennt man ein Substantiv bzw. eine Substantivierung daran, dass ein Artikel (der, die, das) davorsteht:
Normales Substantiv: Das Auto ist rot.
Substantiviertes Adjektiv: Das Beste war das Dessert.

Allerdings deutet auch ein Pronomen (dieser, jener, welcher, mein, kein, etwas, nichts, alle, einige etc.) auf eine Substantivierung hin:
Dieses Schönreden bringt doch nichts.
Etwas Besseres kann man sich gar nicht wünschen.
Im Westen nichts Neues.

Genau so verhält es sich mit unbestimmten Zahlwörtern wie ein paar, genug, viel, wenig, etwas etc.
Es gibt wenig Weltbewegendes zu berichten.
Er hat viel Bedeutendes geschrieben.

Analog dazu das Wort alles, das auch eine Substantivierung verlangt:
Alles Gute zum Geburtstag!

Also zusammenfassend: Substantive schreibt man im Deutschen immer groß. In den oben genannten Fällen müssen auch andere Wörter – Adjektive, Verben etc. – großgeschrieben werden.

Getrennt oder zusammen? Substantiv und Verb

Weil es so schön ist, heute ein weiterer Beitrag zum schwierigen Thema Zusammen- oder Getrenntschreibung. Diesmal geht es um Zusammensetzungen aus Substantiv (auch Nomen oder Hauptwort genannt) und Verb (auch Zeitwort genannt).

Diese Verbindungen werden getrennt geschrieben, wenn ein eigenständiges Substantiv mit im Spiel ist: Auto fahren, Tennis spielen, Probe fahren, Korrektur lesen .

Die Getrenntschreibung gilt natürlich auch dann, wenn das Verb konjugiert (gebeugt) wird oder im Infinitiv mit „zu“ verwendet wird:
Er hat heute an die hundert Seiten Korrektur gelesen.
Es macht ihr sehr viel Spaß, Tennis zu spielen.

Zusammen wird allerdings dann geschrieben, wenn das Substantiv als verblasst gilt:
eislaufen, heimbringen, teilnehmen, leidtun, nottun, stattfinden.

Die Wahlfreiheit besteht bei den folgenden Fällen:
Acht geben/achtgeben
Halt machen/haltmachen
Maß halten/maßhalten

Getrennt oder zusammen? Adjektiv und Verb

Heute behandle ich eines der nach wie vor schwierigsten Gebiete der deutschen Rechtschreibung: die Getrennt- und Zusammenschreibung.  Hier gilt es, sich je nach Wortarten, die vorkommen, mehrere Regeln einzuprägen. Die Getrennt- oder Zusammenschreibung hängt davon ab, ob es sich um eine Zusammensetzung aus Verb + Verb (z.B. schlafen gehen), Substantiv + Verb (z.B. Tennis spielen), Adjektiv + Verb, Adjektiv + Partizip (z.B. blendend weiß) handelt usw. Im heutigen Eintrag geht es um Zusammensetzungen aus Adjektiv und Verb.

Generell muss unterschieden werden, ob das Wort im wörtlichen oder im übertragenen Sinn verwendet wird. Bei der übertragenen Bedeutung wird zusammengeschrieben, bei der wörtlichen Bedeutung ist beides möglich – ich empfehle hier die Getrenntschreibung. Beispiele:
Wörtliche Bedeutung: Auf dieser Treppe kann man schwer fallen.
Übertragene Bedeutung: Diese Aufgabe wird uns schwerfallen.

Wörtliche Bedeutung: Ich werde das Dessert kalt stellen.
Übertragene Bedeutung: Er will seinen politischen Gegner kaltstellen.

Unüblich ist allerdings die Getrenntschreibung bei Wörtern, die mit fest-, voll– oder tot– beginnen: festschrauben, volltanken, totschlagen. Hier schreibt man immer zusammen.

Wenn nicht ganz klar ist, ob es sich um eine übertragene Bedeutung handelt, kann getrennt oder zusammengeschrieben werden:
gering schätzen/geringschätzen, lästig fallen/lästigfallen, übel nehmen/übelnehmen, übrig bleiben/übrigbleiben.

Also merke: Bei Verbindungen aus Adjektiv und Verb wird im übertragenen Sinne zusammengeschrieben. Im wörtlichen Sinn darf getrennt oder zusammengeschrieben werden. Ich empfehle hier die Getrenntschreibung.

Roger-Federer-Fan oder Roger Federer-Fan?

Rechtzeitig zum Start von Wimbledon die orthografische Fan-Frage: Schreibt man Roger-Federer-Fan oder Roger Federer-Fan?

Korrekt ist nur die erste Variante mit zwei Bindestrichen. Analog dazu natürlich Serena-Williams-Fan, Konrad-Adenauer-Platz oder Alice-Schwarzer-Kritiker.

Übrigens: Wer ein Rafael-Nadal-Fan ist, kann sich diesmal das Daumendrücken sparen. Der Spanier hat seine Teilnahme in Wimbledon aufgrund einer Knieverletzung abgesagt.