Wie schreibt man Superlative?

Ein Fehler, den auch Sprachprofis häufig machen, ist die Schreibweise der Superlative. Wenn ein Superlativ mit aufs eingeleitet wird, hat man bzw. frau die Qual der Wahl: Es darf klein- oder auch großgeschrieben werden. Beispiele:

Es ist alles aufs Beste geregelt./Es ist alles aufs beste geregelt.
Die Gäste waren aufs Äußerste erfreut./Die Gäste waren aufs äußerste erfreut.

ABER: Steht vor dem Superlativ am, muss immer kleingeschrieben werden. Also:

Dieses Kleid gefällt mir am besten.
Er isst am liebsten Vanilleeis.
Die Sprache, die am schwierigsten zu erlernen ist.

Willkommen: gerne, aber bitte richtig!

„Herzlich Willkommen“ lese ich immer wieder auf Schildern, Speisekarten in Restaurants und Websites. Nur: Was inhaltlich durchaus begrüßenswert ist, ist orthografisch völlig verkehrt. Denn: Das Wörtchen willkommen ist ein Adjektiv und wird hier auch als solches verwendet – weshalb es ausschließlich kleinzuschreiben ist. Weitere Beispiele:
Ich freue mich, Sie bei der heutigen Diskussionsveranstaltung willkommen zu heißen.
Er hatte den Eindruck, bei der Party nicht willkommen zu sein.

Bei einer Substantivierung, die man unter anderem an einem vorangestellten Artikel erkennt, schreibt man willkommen natürlich groß:
Ein herzliches Willkommen an unsere neuen Studierenden.
Danke für dieses schöne Willkommen.

Das scharfe s lebt!

Ein weiterer sich hartnäckig haltender Mythos rund um die neue deutsche Rechtschreibung besagt, dass das scharfe s (also das ß) abgeschafft wurde. Das ist Unsinn – und es wurde meines Wissens auch nie in Erwägung gezogen, es ganz abzuschaffen. Weiterhin ganz ohne ß schreiben dürfen Sie nur in der Schweiz (aber auch das hat natürlich nichts mit der Rechtschreibreform zu tun).

Generell sind die Regeln, ob man ss oder ß schreiben muss, viel einfacher geworden als früher.

Hier sind sie:

Nach langem Vokal (a, e, i, o, u) und Doppellaut (au, eu, ei, ai, äu) schreibt man ß: Floß, Maß, reißen, beißen, äußern
Ansonsten immer ss: dass, Fluss, Fass, Riss, Bewusstsein

Das gilt wohlgemerkt nur für Fälle, bei denen Sie immer schon die Wahl zwischen ss und ß hatten! Aber ich gehe mal davon aus, dass Sie nicht in Versuchung kommen werden, z.B. lesen mit scharfem s zu schreiben, weil Sie es hier mit einem langen Vokal zu tun haben. Erklärung für Grammatikfans: Ein stimmloses s  – in Lautsprache [z] geschrieben – schreibt sich im Deutschen immer mit einem einzelnen s. Praktischerweise wissen das Muttersprachlerinnen ganz instinktiv.

Haben Sie Recht oder recht?

Über diese Frage werden viele Wetten abgeschlossen, Tipps abgegeben, Vermutungen geäußert – obwohl es eigentlich ganz einfach wäre, die Wahrheit herauszufinden. Ein Blick in den Duden genügt.

Und zwar sind in Verbindung mit den Verben haben, bekommen, geben, tun beide Schreibweisen korrekt – das Gleiche gilt auch für Unrecht. Beispiele:
Wir müssen ihm Recht/recht geben.
Du hast ihm Unrecht/unrecht getan.

Aber: In Verbindung mit sein und werden ist nur die Kleinschreibung korrekt:
Es wird ihm schon recht sein.
Ist es dir recht, wenn ich das letzte Stück Torte esse?

Sprechen Sie Deutsch oder deutsch?

Die Groß- und Kleinschreibung von Sprachen bereitet paradoxerweise auch Sprachprofis Probleme. Heute erhielt ich eine Bewerbung einer Übersetzerin, die angab, deutsch-englisch-Übersetzerin zu sein. Hier ist die Kleinschreibung entschieden falsch, weil es sich um ein Substantiv handelt.

Sprachen als Adjektive wiederum werden kleingeschrieben: Er hat einen englischen Akzent. Sie trägt ihr Referat französisch vor.

Sobald eine Präposition davor steht, liegt eine Substantivierung vor und es wird großgeschrieben: Sie trägt ihr Referat auf Französisch vor. Mit Englisch kommt man heutzutage fast überall zurecht.

Obwohl hier keine Präposition vorliegt, schreibt man die Sprache auch in folgendem Beispiel groß, weil ein Possessivpronomen auch auf eine Substantivierung hinweist: Mit meinem Italienisch ist es nicht weit her.

Übrigens sind in folgendem Beispiel beide Möglichkeiten erlaubt.
Wir sprechen Französisch./Wir sprechen französisch.
Erklärung: Hier kann man einerseits nach dem Substantiv fragen: Welche Sprache sprechen Sie? Die Antwort ist dann ein großgeschriebenes Substantiv.
Wenn Sie diese Aussage als Antwort auf die Frage Wie sprechen Sie? verstehen, können Sie kleinschreiben: Wir sprechen französisch.

Abschließend: Da es sich bei einer Übersetzerin um ein Substantiv handelt, wird natürlich auch das zusammengesetzte Substantiv großgeschrieben: Deutsch-Englisch-Übersetzerin.