„Danke für’s folgen“ – zwei klassische Fehler

Gestern bekam ich von einem Twitter-Mitglied folgendes E-Mail: „Danke für’s folgen“. Abgesehen davon, dass das eine ziemlich undeutsche direkte Übersetzung aus dem Englischen („thanks for following“) ist, nehme ich es zum Anlass, um zwei weitere „klassische“ Fehler in der deutschen Rechtschreibung zu behandeln. Auch die beiden Fehler im oben genannten Beispiel waren schon immer Fehler und haben nichts mit der neuen deutschen Rechtschreibung zu tun.

Also: Verbindungen zwischen Präposition und Artikel – also im obigen Beispiel für und das – schreibt man bei allgemein üblichen Verschmelzungen zusammen und ohne Apostroph, also so: fürs. Selbiges gilt auch für ans, aufs, durchs, hinters, ins, übers, ums, unters, vors, am, beim, hinterm, im, überm, unter, vorm, zum etc.
Beispiele: Die Katze sprang aufs Bett. Er hat mich übers Ohr gehauen. Es ist Zeit, ins Bett zu gehen.

Ausnahmen sind nur eher ungewöhnliche und/oder umgangssprachliche Wendungen wie z.B.  Wir treffen uns nach’m Essen. Wir gehen in’n Zirkus.

So weit, so gut. Nun Teil 2, nämlich die Substantivierung von Verben.
Für Einsteigerinnen: Ein Substantiv ist ein Hauptwort (Tisch, Luft, Ärger) und ein Verb ist ein Zeitwort (jubeln, eislaufen, grollen).

Sobald vor einem Verb/Zeitwort ein Artikel (der, die das) steht, haben wir es mit einem substantivierten Verb zu tun. Das heißt, dass das Verb wie ein Substantiv verwendet wird, weil ja Substantive einen Artikel haben. Die Folge? Das Verb wird behandelt wie ein Substantiv und deshalb großgeschrieben. Also: Danke fürs Folgen. Deshalb entspricht danke fürs Folgen grammatikalisch der Aussage danke fürs Geschenk.

Außer den Artikeln gibt es noch andere Elemente, die auf eine Substantivierung hinweisen können (man denke nur an alles Gute, etwas Ähnliches, im Übrigen) – mehr dazu zu einem späteren Zeitpunkt.

Kommasetzung: adverbiale Bestimmungen, auch ein Klassiker

Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ sei hier stellvertretend für viele Publikationen genannt, die gröbere Probleme mit der Kommasetzung haben, heute z.B. gelesen auf Seite 6:  Wegen den Bezeichnungen auf elektronischen Stimmzetteln der Uni Wien, könnte sogar die ganze Wahl wiederholt werden müssen.

Deshalb hier ein paar Worte zu einem weiteren Komma-Klassiker, nämlich den adverbialen Bestimmungen. Adverbiale Bestimmungen nennt man die vielen kleinen Zusatzinformationen im Satz, die etwas über Art und Weise, Ort, Zeitpunkt und Grund einer Handlung aussagen und mit „wie“, „wo“, „wann“ und „warum“ erfragt werden können. Da sie nicht nur aus einzelnen Wörtern, sondern auch aus ganzen Wortgruppen bestehen können, werden sie häufig mit Nebensätzen verwechselt. Das geschieht zum Beispiel besonders häufig bei Sätzen, die mit „nach“ und „wegen“ beginnen:

Nach endlosen Debatten, gaben die Vermittler schließlich erschöpft auf und verließen die Sitzung.

Hier darf KEIN Komma stehen – auch nicht im oben genannten Beispiel aus dem Standard. Korrekt wäre:
Wegen den Bezeichnungen auf elektronischen Stimmzetteln der Uni Wien könnte sogar die ganze Wahl wiederholt werden müssen.

(Standardsprachlich korrekt wäre hier der Genitiv „wegen der Bezeichnungen“, aber das ist ein anderes Thema und ein weites Feld.)

Sobald sich allerdings ein Verb nach der adverbialen Stimmung einschleicht, haben wir es mit einem Nebensatz zu tun und ein Komma muss her!
Also ohne Komma: Nach den Verhandlungen gingen sie essen.

Und mit Komma, da Verb im ersten Satzteil: Nachdem sie die Verhandlungen abgeschlossen hatten, gingen sie essen.

Kommasetzung: die Klassiker, Teil 3

Eine häufig gestellte Frage ist folgende: Muss ein Komma gesetzt werden, wenn mehrere Adjektive aufeinandertreffen, also z.B. bei „ein schönes neues Jahr“ oder „bei schönem, warmem Wetter“?

Die Antwort, die sich mit der neuen deutschen Rechtschreibung nicht geändert hat, lautet: Es kommt darauf an.

1. Bei so genannten „gleichrangigen“ Adjektiven steht ein Komma. Woran erkennen Sie das? Wenn Sie  zwischen die beiden Adjektive ein und einfügen könnten, handelt es sich um gleichrangige Adjektive. Das heißt, hier werden beide Adjektive betont: bei schönem, warmem Wetter. Hier wird betont, dass das Wetter sowohl schön als auch warm ist.

2. Bei nicht gleichrangigen Adjektiven steht kein Koma. Woran erkennen Sie das? Hier können Sie zwischen den Adjektiven kein und einfügen. Also: ein gutes neues Jahr, die allgemeine wirtschaftliche Lage. Schließlich würden Sie kaum  schreiben: Ich wünsche ein gutes und neues Jahr.

Kommasetzung: die Klassiker, Teil 2

Vor den Konjunktionen aber, [je]doch und sondern steht immer ein Komma.

Beispiele:

Ich bin zwar müde, aber ich möchte nicht auf das Konzert verzichten.
Ich möchte nicht lesen, sondern schlafen.

Vor Nebensätzen steht immer ein Komma. Erklärung: Nebensätze sind Sätze, die nicht für sich allein stehen können und dem Hauptsatz untergeordnet sind. Es gibt unterschiedliche Arten von Nebensätzen – hier die Relativsätze:

Der Schuh, der atmet.
Der Mann, der verwöhnt.

Hier wird der Nebensatz nach dem Komma mit einem Artikel eingeleitet, der sich auf das davorstehende Substantiv bezieht – also beide Male der Artikel der. Im ersten Beispiel bezieht er sich auf Schuh, im zweiten auf Mann.

Hier ist, war und bleibt das Komma obligatorisch.

Kommasetzung: die Klassiker, Teil 1

Sowohl nach der alten als auch nach der neuen deutschen Rechtschreibung werden Kommas folgenderweise verwendet:

Bei Aufzählungen, z.B.: Quadratisch, praktisch, gut.

Kein Komma, wenn die Teile der Aufzählung durch eines der folgenden Wörter verbunden sind: und, oder, sowie, entweder – oder, sowohl – als auch, weder – noch.

Beispiele:
Ich kaufe Käse und Wurst.
Heute gehe ich entweder Tennis spielen oder laufen.
Er wird weder heute noch morgen kommen.
Sie mag sowohl die französische als auch die lateinamerikanische Literatur.

Diese Regel ist wie erwähnt unverändert. Dennoch ist und bleibt der zweite Teil der Regel eine sehr häufige Fehlerquelle.

Die nächsten Komma-Klassiker folgen in Bälde.