Neue deutsche Rechtschreibung
Tipps von der Deutsch-Expertin-
Kicken und lernen!
Geschrieben am 17. Juni 2010 14 KommentareAnlässlich der Fußball-WM ist vielleicht schon so manche ins Grübeln gekommen, welche Regel denn nun hinter der Bildung der Einwohnerbezeichnungen steckt. Obwohl ich ganz klar in der feministischen Linguistik zuhause bin, hier ein erster Überblick über männliche Bezeichnungen, die mir ad hoc einfallen: China – Chinese. Chile – Chilene. Ein Mann aus Kamerun wiederum ist kein Kamerunese und auch kein Kamerune, sondern ein Kameruner. Anlässlich des gestrigen Spiels könnten wir auch darüber nachdenken, wie die männlichen Kicker aus Uruguay heißen: Sind es nun Uruguayer (in Anlehnung an das spanische uruguayos) oder Uruguayaner? Es scheint mir keine durchgehende Regel zur Anwendung zu kommen. Kann jemand aushelfen? In keinem der Duden-Bände finde ich Information dazu. In vielen Fällen wird ein –aner an den Stamm des Landes drangehängt: Mexiko – Mexikaner, Südafrika – Südafrikaner, Nordkorea – Nordkoreaner, Argentinien – pardon, hier funktioniert es wieder nicht. Klar ist die Sache nur bei Ländern, die auf –land enden (wenn auch nicht in der offiziellen Bezeichnung): Holländer, Engländer usw. Aber auch nicht bei allen, siehe Griechenland – Grieche. Ähnlich kompliziert verhält es sich bei Inseln. Kürzlich tauchte hier die Frage auf, ob die männlichen Einwohner der Insel Lesbos nun Lesbier oder sonst wie heißen. Insgesamt sind die Einwohnerbezeichnungen eine knifflige Frage, auch in anderen Sprachen. Vielleicht hat ja jemand ein paar Tipps auf Lager …
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Wussten Sie, dass …?
Geschrieben am 15. Juni 2010 2 Kommentare… nicht in jedem Fall vor der Konjunktion dass ein Komma stehen muss? (Im oben angeführten Fall natürlich schon.) In ziemlich vielen fixen Verbindungen ist die Kommasetzung vor dass nämlich freigestellt. Die Regel dazu ist einigermaßen schwierig: Falls vor dass (und auch bei weil, nachdem etc.) eine Sprechpause vorliegt, darf das Komma weggelassen werden. Hier die häufigsten Fälle im Überblick:
angenommen [,] dass
ausgenommen [,] dass/wenn
beispielsweise [,] dass/nachdem/weil/wenn
besonders [,] dass/nachdem/weil/wenn
egal [,] ob/wer/wie
geschweige (denn) [,] dass
im Falle [,] dass
je nachdem [,] ob/wie
nämlich [,] dass/weil/wenn
so [,] als
vor allem [,] dass/nachdem/weil
vorausgesetzt [,] dassBei mehr als zwei Einleitewörtern vor der Konjunktion dass empfiehlt der Duden allerdings zwecks Übersichtlichkeit immer die Kommasetzung:
für den Fall, dass
gesetzt den Fall, dassMir persönlich liegt die Kommasetzung vor dass sehr am Herzen, weshalb ich auch in den Fällen, wo die Kommasetzung freigestellt ist, weiterhin fröhlich Kommas setzen werde.
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Von Austriazismen und anderen Wunderlichkeiten
Geschrieben am 6. Juni 2010 9 KommentareBitte die Überschrift nicht falsch zu verstehen: Aus meiner Sicht sind Austriazismen überhaupt nicht wunderlich, sondern ein schöner Ausdruck regionaler Sprachvarietät, die auf keinen Fall negiert werden soll. Bei einigen Wörtern war es mir jahrelang gar nicht bewusst, dass sie in (Nord-)Deutschland nicht verwendet werden, etwa heuer für dieses Jahr. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass Austriazismen von Deutschen sehr viel schlechter verstanden werden als “bundesdeutsche” Eigenarten der deutschen Sprache von uns Österreicherinnen. Ob das an mangelndem Willen liegt oder an der größeren Präsenz des Bundesdeutschen in Österreich als des “Österreichischen” in Deutschland (etwa durch die Medien), sei mal dahingestellt.
Ein regelmäßiger Leser des Blogs war so freundlich, mir eine Liste echter und angeblicher Austriazismen per E-Mail zu schicken. Angeblich deshalb, weil ich einige dieser Wörter hier in Österreich noch nie gehört habe. Das heißt zwar nicht, dass sie nicht in irgendeiner Ecke des Landes verwendet werden, aber besonders geläufig sind sie nicht. Dazu gehören etwa Ananas für Erdbeere (was frau nur sehr selten auf Märkten in Wien hört), Apfelkoch für Apfelmus habe ich noch nie gehört, Distinktion für Auszeichnung sagt vermutlich nicht mal die Upper-Class, Fallott für Kleinkrimineller ist mir überhaupt kein Begriff. Sehr gängig wiederum, wenn auch nicht in der Schriftsprache, ist Gatsch für Schlamm, ebenso wie Hosensack für Hosentasche und Hundstrümmerl für Hundehaufen. Dass hier in Österreich Kassa anstatt Kasse gesagt und geschrieben wird, dürfte hinlänglich bekannt sein. Und dass wir eher Melanzani anstatt Aubergine essen (die Kulinarik ist sowieso ein Thema für sich!). Nachtmahl oder Nachtessen anstelle von Abendessen kommt mir hingegen sehr, sehr spanisch vor. Möglicherweise hat dieser Begriff noch irgendwo am Land überlebt, aber in der Stadt sicher nicht. Sehr typisch ist Parte für Todesanzeige, was ich selbst (als langjährige Auslandsösterreicherin) erst vor wenigen Jahren mit Erstaunen gelernt habe. Und zu guter Letzt gehen wir hier natürlich nicht mit Tüten, sondern mit Sackerln einkaufen. Sehr Fortgeschrittene bestellen am Würstelstand eine Eitrige und bekommen eine Käsekrainer.
Weitere Beiträge jederzeit gerne willkommen! Wir lesen uns in ein paar Tagen, da ich derzeit viel unterwegs bin. Vorerst geht es nach Innsbruck, wo das “Österreichische” in seiner Tiroler Ausprägung besonders charmant rüberkommt.
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Adressen richtig schreiben
Geschrieben am 30. Mai 2010 Keine KommentareEin schlauer Leser hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass auf meiner eigenen Website meine Adresse nicht korrekt geschrieben ist. Ergo nimmt sich die Rechtschreibpuristin selbst an der Nase, korrigiert den Fehler und klärt auf:
Auch wenn es lange gang und gäbe war, ist es nicht mehr üblich, vor dem Ort das Landeskürzel zu schreiben. Also nicht mehr:
A-1120 WienSondern schlicht:
1120 WienDarunter ist dann, falls der Brief ins Ausland geht, in VERSALIEN das Bestimmungsland (wer möchte, auch den Ort) zu schreiben, also etwa so:
Schlaue-Susi-Weg 25
1234 Schlauhausen oder: 1234 SCHLAUHAUSEN
SCHLAUMEIERLANDBei aller Liebe zur elektronischen Kommunikation wünsche ich viel Freude mit der Schneckenpost, die mir in Österreich besonders deswegen sehr sympathisch ist, weil sie eine Kundin von mir ist
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Ich laufe eis, aber ich esse Eis
Geschrieben am 21. Mai 2010 5 KommentareZugegeben: Bei der derzeitigen Witterung möchte ich mangels Sonne weder Eis essen noch mangels echter Kälte eislaufen. So oder so weist die unterschiedliche Schreibweise dieser beiden Verben auf das viel kritisierte Problem der “verblassten” Substantive hin. Wie ich an dieser Stelle schon öfter erwähnt habe, gibt es einige wenige Verben, in denen das Substantiv als “verblasst” gilt, etwa eislaufen, heimreisen, kopfstehen, teilnehmen, stattfinden usw. Während kaum jemand von uns in die Versuchung kommen würde, * Ich nehme Teil zu schreiben, geht es den meisten Menschen bei eislaufen anders – auch Profis lockt hier der Griff zur Shift-Taste, um Folgendes zu schreiben: * Ich laufe Eis. Korrekt ist: Ich laufe eis. Da der Infinitiv kleingeschrieben wird, muss natürlich das verblasste Substantiv, wenn es durch die Konjugation abgetrennt wird, ebenso kleingeschrieben werden.
Besonders schwierig wird es natürlich bei Verben, in denen ebenso das Substantiv Eis vorkommt, es aber in diesen Fällen nicht als verblasst gilt, also etwa Eis essen, Eis schlecken, Eis machen.
Am einfachsten merkt man sich deshalb die Grundregel, nach der nun in den allermeisten Fällen die Verbindung aus Substantiv und Verb als Wortgruppe betrachtet und deshalb konsequent getrennt geschrieben wird: Tennis spielen, Rad fahren, Klavier lernen, Maschine schreiben, Hof halten.
Die oben erwähnten Verben sind Ausnahmen. Dazu gehören etwa auch brandmarken, schlafwandeln, schlussfolgern, leidtun, nottun.
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FAQ oder FAQs? AGB oder AGBs?
Geschrieben am 15. Mai 2010 6 KommentareNach einer arbeitsbedingten Sendepause melde ich mich mit einem kniffligen Thema zurück. Die Anregung dafür stammt von einem fleißigen Blog-Leser – vielen Dank schon mal dafür! Die Frage lautete: Wie schreibt man die Abkürzungen von “Allgemeine Geschäftsbedingungen” und “Frequently asked questions”?
Eine sehr gute Frage, deren Beantwortung einiges an Recherche im Duden verlangt.
In erster Linie steht dort zu lesen (unter “Plural” in Band 9), dass das Plural-s häufig bei Abkürzungen steht, die nicht auf -s enden, obwohl dieses drangehängte s dort nicht notwendig ist. Als Beispiel wird angeführt:die Pkws (neben: die Pkw), auch wenn es ausgeschrieben Personenkraftwagen und nicht Personenkraftwagens heißt.
Im Eintrag “Abkürzungen” wird dann auch das Beispiel die AGs geliefert, wobei auch da in der ausgesprochenen Variante nirgends ein finales s zu finden ist. Schließlich heißt es die Aktiengesellschaften und nicht die Aktiengesellschafts. Laut Duden ist aber *die AGen nicht möglich (auch wenn es logischer wäre). Das ist zwar einigermaßen paradox, aber andererseits sehr gut eingebürgert. Analog gilt dann, auch wenn im Duden nicht explizit angeführt, der Fall mit den AGB, die auch AGBs heißen dürfen. Ebenso verhält es sich bei WG und WGs, wobei es bei femininen Wörtern angesichts Verwechslungsgefahr von Singular und Plural besonders empfehlenswert ist, das Plural-s zu setzen.
Zu den “Frequently asked questions” schreibt der Duden in einem analogen Fall: “Abkürzungen, die auf Zischlaute enden, bleiben stets unverändert.” Als Beispiel wird 50 PS angeführt. Da questions auch auf einen Zischlaut endet, lautet die korrekte Abkürzung FAQ.
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Gehts dem Apostroph noch gut?
Geschrieben am 7. Mai 2010 Keine KommentareIch habe vor einiger Zeit nicht schlecht gestaunt, als ich bei der Lektüre des Duden-Bands 9 (”Richtiges und gutes Deutsch”) erfuhr, dass der Apostroph in bestimmten Fällen nicht mehr notwendig ist. Hier die Details:
Wird das Pronomen es mit Verb, Pronomen oder Konjunktion zusammengezogen, kann ein Apostroph stehen oder auch nicht.
Machen Sie sich’s gemütlich!
Machen Sie sichs gemütlich!Mir geht’s gut.
Mir gehts gut.Vielleicht ist die Lockerung dieser Regel als Gegensteuerungs-Versuch zum viel zitierten Deppenapostroph gedacht? Ich könnte mir vorstellen, dass dies zu einer noch ausgeprägteren Alles-geht-Einstellung (ha, schönes Kompositum!) führt.
Für Rechtschreib-Profis ist folgende Regel etwas lachhaft. Weniger Bewanderte haben ihre liebe Not damit:
Kein Apostroph steht bei den üblichen Verschmelzungen aus Präposition und Artikel:
ans, aufs, durchs, fürs, hinters, ins, übers, ums, unters, vors, vorm …
Bei unüblichen oder umgangssprachlichen Verschmelzungen sollte allerdings sehr wohl ein Apostroph stehen: Wir gehen in’n Zirkus. -
Der Komm-her-Blick zur Was-ist-schon-dabei-Einstellung
Geschrieben am 5. Mai 2010 3 KommentareZugegeben, zwei solche Wortungetüme in einer Überschrift muten etwas eigenartig an. Dennoch kommt es gelegentlich vor, Formulierungen wie die Hauptsache-ich-bin-sympathisch-Denke oder diese Frau-verliebt-sich-in-Mann-Fantasie zu Papier zu bringen.
Wenn wir es mit Komposita zu tun haben, in denen das Verb substantiviert wird (etwa: es ist zum Aus-der-Haut-Fahren), wird das Verb großgeschrieben und bei mehr als zwei Bestandteilen werden Bindestriche gesetzt. Dieses Thema hatte ich bereits hier behandelt.
Wenn wiederum das Substantiv das so genannte Letztglied ist und sich andere Wortarten dazugesellen, dann ist die Regel denkbar einfach: Das erste Wort wird großgeschrieben, alle anderen werden so geschrieben, wie sie auch sonst geschrieben werden. Und das Substantiv natürlich sowieso groß. Das Ganze wird mit Bindestrichen verbunden und voilà – fertig ist das selbstgebastelte Kompositum, komplett mit Segen des Duden. Gutes Gelingen beim Ich-schaff-das-längste-Kompositum-Bewerb.
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Ein bisschen Muße für die Muse
Geschrieben am 3. Mai 2010 2 KommentareErst kürzlich habe ich selbst die beiden oben genannten Begriffe verwechselt. Ist auch ziemlich verhext, da sie sowohl orthografisch als auch inhaltlich sehr nah beisammenliegen.
Muße bezeichnet laut Duden innere Ruhe, freie Zeit, um etwas zu tun, was den eigenen Interessen entspricht. Als Beispiel wird Zeit und Muße für etwas haben angeführt.
Besonders erfolgversprechend ist die Muße, wenn sie zusammen mit der Muse auftritt. Denn die Muse ist eine der neun Töchter des Zeus und der Mnemosyne und als solche die Schutzgöttin der Künste. Sehr gängig ist die Formulierung von der Muse geküsst werden, was sich laut Duden-Universalwörterbuch nur auf die Inspiration zu einem dichterischen Werk bezieht. Meines Erachtens wird diese Redewendung aber auch auf andere Gebiete des künstlerischen Schaffens angewendet.In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen viele Musenküsse und ausreichend Muße für pfiffige orthografische Überlegungen!
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Von Gedankenstrichen und Leerzeichen
Geschrieben am 28. April 2010 12 KommentareAnlässlich des Vulkanausbruches wurde ja plötzlich sehr viel Zug gefahren. Vielleicht erreichte mich deshalb kürzlich per E-Mail die Frage, welche Schreibweise korrekt sei, diese:
die Strecke Bozen-Verona
oder diese:
die Strecke Bozen – Verona
Gute Frage! Auch ich hatte über eine ähnliche Frage lange nachgegrübelt und im Duden gesucht. Konkret ging es bei mir um die Verwendung von Leerzeichen bei Gedankenstrichen im Falle von Zeitangaben. Also die Wahl zwischen:
Die Behandlung dauert 55–60 Minuten und
Die Behandlung dauert 55 – 60 MinutenUm die Frage des Lesers zumindest vorab mal zum Teil zu beantworten: Es muss auf jeden Fall ein Gedankenstrich her. Die kniffligere Frage ist die nach den Leerzeichen.
Das Lustige daran ist, dass der Duden schreibt, dass kein Leerzeichen stehen darf, wodurch also beim obigen Zeitbeispiel nur die erste Variante richtig wäre. Gleichzeitig weist der Duden darauf hin, dass laut DIN 5008 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung) sowohl vor dem Gedankenstrich als auch danach ein Leerzeichen zu stehen hat. Nun muss also jede für sich selbst entscheiden, ob sie sich eher nach dem Duden oder nach einer Norm richten möchte. Prinzipiell liegt mir eher der Duden am Herzen, aber rein optisch gefällt mir die Leerzeichen-Variante besser. Wie geht es euch dabei?





