Tipps von der Deutsch-Expertin
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  • Wer aufzählt, muss Kommas setzen

    Geschrieben am 1. März 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Weil es so schön ist, machen wir heute gleich weiter mit der Kommasetzung. Schließlich ist sie ein wahrer Dauerbrenner, auch unter Sprachprofis.

    Eine der wichtigsten Fragen bei der Kommasetzung ist die, ob eine Aufzählung vorliegt oder nicht. Das kann, wie in meinem vorletzten Beitrag beschrieben, oft ganz schön knifflig sein. Und manchmal auch ganz schön makaber.

    In den Fällen, die ich unten behandeln werde, ist die Aufzählung vergleichsweise offensichtlich, auch wenn man/frau eine Aufzählung oft spontan mit Substantiven (Zimmer, Küche, Kabinett) oder Adjektiven (quadratisch, praktisch, gut) in Verbindung bringt. Eine Aufzählung kann allerdings auch aus Wortgruppen, Infinitivgruppen und zusammengezogenen Sätzen bestehen.

    Die Regel ist immer die gleiche: Zwischen den aufgezählten Elementen muss ein Komma stehen, außer bei Verbindung durch und, oder, sowie, wie, sowohl/als auch, weder/noch (siehe dazu auch meinen Eintrag zu den Komma-Klassikern):

    Wortgruppen:
    In Chile herrschen große Zerstörung, viel Hilflosigkeit und endlose Verzweiflung.
    Er arbeitete mal als Kellner, mal als Chauffeur, mal als Fahrradbote.

    Infinitivgruppen oder Partizipgruppen:
    Im Urlaub plane ich zu dösen, zu lesen, zu genießen.
    Die Gruppe kehrte zitternd, frierend und erschöpft heim.

    Zusammengezogene Sätze (das sind Sätze, die ein Satzglied gemeinsam haben, das aber nur einmal genannt wird):
    Sie schreibt Prosa, er Lyrik, die Mutter Theaterstücke. (das gemeinsame Satzglied hier ist schreibt)
    Ich gehe ins Theater, sehe mir eine Ausstellung an und besuche danach ein Konzert. (das gemeinsame Satzglied hier ist ich)

  • Knifflige Kommas

    Geschrieben am 11. Januar 2010 Dagmar Jenner 16 Kommentare

    Heute habe ich wegen einer kniffligen Kommafrage die (kostenpflichtige) Duden-Hotline bemüht. Nach der Erklärung kommt mir die Lösung kinderleicht vor. Ich gestehe, dass ich aber davor sehr lange hin- und herüberlegt habe und nicht sicher war, welche Variante richtig ist. Hier der schwierige Satz.

    Die Selbstständigen wurden von den Parteien, aber auch von den Interessensvertretungen, nachhaltig ignoriert.

    oder

    Die Selbstständigen wurden von den Parteien, aber auch von den Interessensvertretungen nachhaltig ignoriert.

    Lösung: Nur der zweite Satz ist richtig. Dass vor aber ein Komma stehen muss, war mir klar (steht immer vor aber, jedoch, doch, sondern). Die große Frage war, ob vor nachhaltig auch ein Komma stehen muss. Antwort: nein. Erklärung: Es handelt sich um eine Aufzählung, wobei die Parteien und die Interessensvertretungen die beiden Elemente dieser Aufzählung sind (die Konjunktion aber ändert nichts daran, dass es sich um eine Aufzählung handelt). Es handelt sich also mitnichten um einen Einschub, der mit zwei Kommas abgetrennt werden müsste, sondern eben um eine Aufzählung, die kein weiteres Komma verlangt. Schließlich steht nach dem letzten Element einer Aufzählung nie ein Komma. Da ist ungefähr so wie beim folgenden Satz, bei dem kurz und intensiv die Elemente der Aufzählung sind:

    Ich habe kurz, aber intensiv mit meiner Doktormutter gesprochen.

    Anders verhält es sich natürlich, wenn danach ein Nebensatz folgt:
    Ich habe kurz, aber intensiv mit meiner Doktormutter gesprochen, bevor sie zum Kongress nach Berlin abgereist ist.