Tipps von der Deutsch-Expertin
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  • Genau genommen … mit oder ohne Komma?

    Geschrieben am 3. Februar 2011 Dagmar Jenner 4 Kommentare

    Formulierungen, die mit genau genommen, streng genommen oder auch mit im Grunde genommen anfangen oder ebendiese Formulierungen beinhalten, sind relativ häufig. Als ich eine davon gestern in der Zeitung las, stolperte ich über das Komma. Der Satz lautete ungefähr so:

    Genau genommen, ist die Reform der Wehrpflicht in meinen Augen sinnlos.

    Ich schlug im Duden-Büchlein „Komma, Punkt und alle anderen Satzzeichen” nach und fand folgende Information: Formelhafte Partizipgruppen stehen in der Regel ohne Kommas im Satz. Als Beispiele werden angeführt: genau genommen, genau betrachtet, streng genommen, im Grunde genommen, wie gesagt, offen gesagt, davon abgesehen, abgesehen davon, so gesehen. Wir sehen: Diese Formulierungen bestehen aus einem Partizip II, kombiniert mit wenigen anderen Wörtern.

    Richtigerweise müsste der oben stehende Satz also folgendermaßen lauten:

    Genau genommen ist die Reform der Wehrpflicht in meinen Augen sinnlos.

    Die oben genannte Liste ist nicht als vollständige Liste zu verstehen. Fragt sich nur, was genau als formelhafte Partizipgruppe zu verstehen ist. Etwa statistisch betrachtet auch? Also so, ohne Komma:

    Statistisch betrachtet bekommt jede Frau in Österreich 1,2 Kinder.

    Ich denke, auch dieser Fall ist durch die erwähnte Regel abgedeckt.

    Praktischerweise ist die Kommasetzung bei Partizipgruppen mit Partizip II, die nicht als „formelhafte Partizipgruppen” verstanden werden, freigestellt:

    Von diesem Standpunkt aus betrachtet[,] stellt sich die Situation schon ganz anders da.
    Auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet[,] ergibt das einen sehr hohen Bierkonsum pro Jahr.

    Ich interpretiere demnach die „formelhafte Partizipgruppe” in dem Sinne, dass sie kurz und knackig ist und nicht, wie in den oben stehenden Fällen, durch mehrere zusätzliche Wörter oder Wortgruppen erweitert ist. Das entscheidende Element scheint mir hier also die Länge zu sein – und auch die Häufigkeit der Verwendung. Hier ist natürlich einiges subjektiv, aber wir sind uns sicher einig, dass die Formulierung genau genommen deutlich häufiger verwendet wird als auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet und deshalb erstere als formelhafte Partizipgruppe gelten darf, zweitere aber nicht. Wie seht ihr das?

  • Göttliche Kommas bei Schaltsätzen

    Geschrieben am 25. November 2010 Dagmar Jenner 4 Kommentare

    Schaltsätze sind Hauptsätze, die in andere Sätze einschoben werden. Üblicherweise werden diese Schaltsätze durch Kommas abgetrennt:
    Heute Morgen, es war gerade erst hell geworden, läutete plötzlich das Telefon.

    Wenn der Schaltsatz besonders nachdrücklich wirken soll, können anstelle der Kommas auch Gedankenstriche gesetzt werden:
    Heute Morgen – es war gerade erst hell geworden – läutete plötzlich das Telefon.

    Alternativ kann der Schaltsatz auch in Klammern eingeschlossen werden:
    Heute Morgen (es war gerade erst hell geworden) läutete plötzlich das Telefon.

    Es gibt Fälle, in denen die Kommasetzung bei Schaltsätzen optional ist. Einige floskelartige Schaltsätze werden nicht mehr als eingeschobene Sätze empfunden, weshalb wir mit oder ohne Kommas schreiben können. Hier einige Beispiele, bei denen Gott eine prominente Rolle einnimmt:

    Ich habe ihn[,] wer weiß wie lange[,] nicht mehr gesehen.
    Sie bereitet sich[,] so gut es geht[,] auf die Prüfung vor.
    Die Vorsitzende ist ja[,] weiß Gott[,] keine Heilige.
    Er blieb[,] Gott sei Dank[,] unverletzt.

  • Komma bei Infinitiv mit “zu”

    Geschrieben am 13. Januar 2010 Dagmar Jenner 2 Kommentare

    Eine Leserin auf Facebook hat mir ein gutes Stichwort gegeben: Infinitiv mit zu. Heute sehen wir uns an, was es mit der Kommasetzung beim Infinitiv mit zu auf sich hat und was ein Infinitiv eigentlich ist.

    Dass ein Infinitiv die Grundform eines Verbs ist, dürfte bei Sprachbegeisterten bekannt sein. Wie der Name schon sagt, wird ein Infinitiv mit zu von einem zu begleitet: Er verspricht nach der Probe zu kommen.

    Wie sieht es nun mit der Kommasetzung aus?

    Im oben genannten Satz ist die Kommastellung freigestellt. Richtig ist also auch:

    Er verspricht, nach der Probe zu kommen.

    Wenn allerdings der Infinitiv mit zu (= Infinitivgruppe)

    a) mit um, ohne, statt, anstatt, außer oder als eingeleitet wird, muss unbedingt ein Komma stehen.
    Beispiel: Um von Wien nach Salzburg zu gelangen, muss man über Linz fahren.

    b) von einem Substantiv abhängt, muss ebenso ein Komma stehen.
    Beispiel: Sie verfolgt das Ziel, möglichst schnell möglichst viel Geld zu verdienen.

    c) von einem hinweisenden Wort wie es oder hier abhängt, muss auch unbedingt ein Komma gesetzt werden.
    Beispiel: Ich liebe es, im Schnee spazieren zu gehen.

    Genauere Informationen über diese drei Fälle lesen Sie hier.

    Übrigens gibt es auch im Falle von b) und c) die Möglichkeit, das Komma wegzulassen, wenn der Infinitiv nicht näher bestimmt ist.

    Beispiele: Sie verfolgt das Ziel, Geld zu verdienen. (hier fällt die nähere Bestimmung möglichst viel und möglichst schnell weg)
    Ich liebe es spazieren zu gehen. (hier fällt die nähere Bestimmung im Schnee weg)

    Allerdings ist, wie immer, darauf zu achten, dass durch das Weglassen des Kommas keine Missverständnisse entstehen. Schließlich dient das Komma ja dazu, einen Satz zu strukturieren und verständlich zu machen.

  • Knifflige Kommas

    Geschrieben am 11. Januar 2010 Dagmar Jenner 16 Kommentare

    Heute habe ich wegen einer kniffligen Kommafrage die (kostenpflichtige) Duden-Hotline bemüht. Nach der Erklärung kommt mir die Lösung kinderleicht vor. Ich gestehe, dass ich aber davor sehr lange hin- und herüberlegt habe und nicht sicher war, welche Variante richtig ist. Hier der schwierige Satz.

    Die Selbstständigen wurden von den Parteien, aber auch von den Interessensvertretungen, nachhaltig ignoriert.

    oder

    Die Selbstständigen wurden von den Parteien, aber auch von den Interessensvertretungen nachhaltig ignoriert.

    Lösung: Nur der zweite Satz ist richtig. Dass vor aber ein Komma stehen muss, war mir klar (steht immer vor aber, jedoch, doch, sondern). Die große Frage war, ob vor nachhaltig auch ein Komma stehen muss. Antwort: nein. Erklärung: Es handelt sich um eine Aufzählung, wobei die Parteien und die Interessensvertretungen die beiden Elemente dieser Aufzählung sind (die Konjunktion aber ändert nichts daran, dass es sich um eine Aufzählung handelt). Es handelt sich also mitnichten um einen Einschub, der mit zwei Kommas abgetrennt werden müsste, sondern eben um eine Aufzählung, die kein weiteres Komma verlangt. Schließlich steht nach dem letzten Element einer Aufzählung nie ein Komma. Da ist ungefähr so wie beim folgenden Satz, bei dem kurz und intensiv die Elemente der Aufzählung sind:

    Ich habe kurz, aber intensiv mit meiner Doktormutter gesprochen.

    Anders verhält es sich natürlich, wenn danach ein Nebensatz folgt:
    Ich habe kurz, aber intensiv mit meiner Doktormutter gesprochen, bevor sie zum Kongress nach Berlin abgereist ist.

  • Kommasetzung bei Beifügungen

    Geschrieben am 2. Dezember 2009 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    An dieser Stelle hatte ich bereits einmal berichtet, wie Kommas bei Einschüben korrekt gesetzt werden. Eines meiner Beispiele war folgendes:
    Boris Becker, jüngster Wimbledon-Sieger aller Zeiten, macht Werbung für Bier.

    Was wäre aber, wenn Boris Becker hinter jüngster Wimbledon-Sieger aller Zeiten stünde?

    Das würde dann so aussehen:
    Der jüngste Wimbledon-Sieger aller Zeiten, Boris Becker, macht Werbung für Bier.

    Das Interessante daran ist, dass in diesem Fall die Kommasetzung freigestellt ist. Es ist also sowohl die oben genannte Variante als auch diese richtig:
    Der jüngste Wimbledon-Sieger aller Zeiten Boris Becker macht Werbung für Bier.

    Der Duden erklärt das folgendermaßen: Folgt der Eigenname einem Titel, einer Berufsbezeichnung und dergleichen, so kann man das Komma weglassen. Als Beispiel wird angeführt: Der Erfinder der Buchdruckerkunst [,] Johannes Gutenberg [,] wurde in Mainz geboren.

    Allerdings würde ich im oben genannten Boris-Becker-Beispiel dringend empfehlen, sehr wohl die beiden Kommas zu setzen, weil der Satz ansonsten nicht gut gegliedert und schwer lesbar ist.

    In diesem Fall aber könnte ich mich durchaus mit der Version ohne Kommas anfreunden:
    Der Angeklagte, Räuber Hotzenplotz, erschien nicht zur Verhandlung.

    Merke also: Wenn der Eigenname vor dem erklärenden Einschub steht, müssen Kommas gesetzt werden. Wenn aber der Eigenname hinter einer Beifügung steht, ist die Kommasetzung fakultativ.