Tipps von der Deutsch-Expertin
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  • Von deutschen Adventskalendern und österreichischen Adventkalendern

    Geschrieben am 1. Dezember 2009 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Aus gegebenem Anlass: Warum sagt man in Österreich Adventkalender und in Deutschland Adventskalender? Das liegt an der unterschiedlichen Verwendung des so genannten Fugen-s. Dieses s steht zwischen mehreren Wörtern, die gemeinsam ein Kompositum ergeben. Meistens sind das Substantive, Infinitive, Adjektive etc. Beispiele: Museumsleiterin, freiheitsliebend, hoffnungsvoll.

    Die Verwendung des Fugen-s ist eine relativ komplizierte Angelegenheit und auf mehreren Seiten beispielsweise im Duden-Band Nr. 9 nachzulesen. Es gibt Fälle, wo kein Fugen-s verwendet wird, wie z. B. bei Zusammensetzungen mit femininen Fremdwörtern, die auf -ur oder -ik enden:
    Kulturfilm, Naturkunde, kritiklustig

    Während die Behörden bei den Steuern das Fugen-s einsparen und Einkommensteuer sagen, ist beim gemeinen Volk die Schreibweise Einkommenssteuer durchaus korrekt und üblich. Wenn der zweite Bestandteil des Kompositums das Wort Straße ist, ist die Schreibung mit oder ohne Fugen-s korrekt: Bahnhofstraße oder Bahnhofsstraße.

    Und wie ist das nun mit dem deutschen Adventskalender und dem österreichischen Adventkalender?
    Bei Zusammensetzungen mit Advent schreibt der Duden, dass ein Fugen-s zu stehen hat, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass diese Wörter in Österreich ohne Fugen-s geschrieben werden.

    In diesem Sinne: schöne Weihnachtszeit, da wie dort mit Fugen-s!

  • Warum nur “angsterfüllt”, aber sowohl “Not leidend” als auch “notleidend”?

    Geschrieben am 2. September 2009 Dagmar Jenner 3 Kommentare

    Wenn ein eigenständiges Substantiv und ein Partizip aufeinanderstoßen, kann man/frau sich in vielen Fällen zwischen der Getrennt- und Zusammenschreibung entscheiden:

    die Not leidende Bevölkerung/die notleidende Bevölkerung
    die Dienst habende Ärztin/die diensthabende Ärztin
    die Deutsch sprechenden Touristen/die deutschsprechenden Touristen

    Erklärung: In diesen Beispielen wird ein Relativsatz - also z.B. die Bevölkerung, die Not leidet - zu einer Partizipialkonstruktion verkürzt und wird zu Not leidende Bevölkerung/notleidende Bevölkerung. Dabei wird das Relativpronomen (hier: die) “eingespart” und das Ganze wird eleganter und griffiger.

    Diese Unterscheidung ist wichtig, denn: Wird durch die Partizipialkonstruktion mehr als nur das Relativpronomen eingespart, muss zusammengeschrieben werden (und natürlich klein). Beispiele:

    ein angsterfüllter Blick, weil bei der Wortgruppe ein Blick, der von Angst erfüllt ist, zusätzlich die Präposition von eingespart wird
    die todbringende Seuche, weil bei der Wortgruppe eine Seuche, die den Tod bringt, zusätzlich der Artikel den eingespart wird
    der schneebedeckte Berg, weil bei der Wortgruppe ein Berg, der mit Schnee bedeckt ist, zusätzlich die Präposition mit eingespart wird

    Das mag auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig klingen, ist aber mit ein bisschen Übung und Geduld gut umsetzbar.

    Sobald sich ein so genanntes Fugenzeichen (der Buchstabe s oder n) zwischen dem Substantiv und dem Partizip einschleicht, muss sowieso immer zusammengeschrieben werden:

    die erholungssuchenden Touristen
    die gnadenbringende Weihnachtszeit
    eine lebensrettende Maßnahme

    Wer sich’s ganz einfach machen möchte, schreibt bei Substantiv und Partizip einfach stets klein und zusammen und ist somit auf der sicheren Seite: notleidend, deutschsprechend, schneebedeckt, lebensrettend.

    Übrigens: Verbindungen aus verblassten Substantiven und Partizip schreibt man sowieso immer klein und zusammen: eisgelaufen, teilnehmend, stattfindend.