Tipps von der Deutsch-Expertin
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  • Zeit für den AufschwungKredit?

    Geschrieben am 20. August 2010 Dagmar Jenner 7 Kommentare

    Die Bank Austria, die ja bezeichnenderweise zur UniCredit gehört, wirbt in großen österreichischen Tageszeitungen für einen AufschwungKredit. Was bitte soll das? Was ist gegen einen Aufschwung-Kredit oder einen Aufschwungkredit einzuwenden? AufschwungKredit liest sich wohl für die diejenigen, die sich diesen Blödsinn ausgedacht haben, irgendwie schnittiger. Für mich liest es sich einfach nur blöde. Abgesehen davon, dass Großbuchstaben mitten im Wort nicht, wie das so schön heißt, regelkonform sind, weshalb der Duden auch das Gendern à  la MitarbeiterInnen ablehnt. Während ich selbstverständlich für die Sichtbarmachung von Frauen in der einen oder anderen Form bin, halte ich Schöpfungen wie AufschwungKredit für doof  und entbehrlich. Wie geht es euch damit?

    Was mich in letzter Zeit auch sehr nervt, ist die Verwendung möglichst exotischer Satzzeichen an völlig unpassenden Stellen, wahrscheinlich aus der gleichen Überlegung heraus, dass sich das Ergebnis zeitgemäßer liest. Auch das finde ich unsinnig. Beispielsweise wohne ich hier im <kabelwerk>. Bitte nicht im Kabelwerk, sondern im <kabelwerk> mit spitzen Klammern. Als ob es nicht außergewöhnlich genug wäre, am Areal einer ehemaligen Kabelfabrik zu leben! Ich plädiere dafür, Satzzeichen dort zu verwenden, wo sie hingehören, insbesondere Kommas, aber ansonsten die Finger davon zu lassen.

  • Der Komm-her-Blick zur Was-ist-schon-dabei-Einstellung

    Geschrieben am 5. Mai 2010 Dagmar Jenner 3 Kommentare

    Zugegeben, zwei solche Wortungetüme in einer Überschrift muten etwas eigenartig an. Dennoch kommt es gelegentlich vor, Formulierungen wie die Hauptsache-ich-bin-sympathisch-Denke oder diese Frau-verliebt-sich-in-Mann-Fantasie zu Papier zu bringen.

    Wenn wir es mit Komposita zu tun haben, in denen das Verb substantiviert wird (etwa: es ist zum Aus-der-Haut-Fahren), wird das Verb großgeschrieben und bei mehr als zwei Bestandteilen werden Bindestriche gesetzt. Dieses Thema hatte ich bereits hier behandelt.

    Wenn wiederum das Substantiv das so genannte Letztglied ist und sich andere Wortarten dazugesellen, dann ist die Regel denkbar einfach: Das erste Wort wird großgeschrieben, alle anderen werden so geschrieben, wie sie auch sonst geschrieben werden. Und das Substantiv natürlich sowieso groß. Das Ganze wird mit Bindestrichen verbunden und voilà – fertig ist das selbstgebastelte Kompositum, komplett mit Segen des Duden. Gutes Gelingen beim Ich-schaff-das-längste-Kompositum-Bewerb.

  • Eine Last-Minute-Änderung am Corporate-Governance-Bericht

    Geschrieben am 29. März 2010 Dagmar Jenner 1 Kommentar

    Besonders in Geschäftsberichten, die ich gelegentlich Korrektur lese, tauchen Substantivkomposita auf, die sowohl deutsche als auch englische Wörter enthalten, wobei sich die große Frage stellt, wie diese richtig zu schreiben sind. Konkret geht es dabei um die Bindestriche. Sehr oft lese ich da zum Beispiel *Last Minute-Änderung oder *Corporate Governance-Bericht. Das liegt wohl daran, dass die Schreiberinnen an die englische Grundform, also last minute und corporate governance, denken, die sich ja ohne Bindestrich schreiben. Das ist zwar richtig, nur: Bei der Eindeutschung müssen zwischen allen Bestandteilen des Substantivkompositums Bindestriche stehen. Wir haben es hier mit der so genannten Durchkopplung zu tun. Genauso verhält es sich natürlich auch bei Komposita mit deutschen oder anderen Eigennamen, die vor einiger Zeit für Unmut hier im Blog sorgten, also etwa Roger-Federer-Fan. Bei Eigennamen wird laut Duden auf die Durchkopplung  nur dann verzichtet, wenn der Eigenname in Anführungszeichen steht, also etwa bei “Johnny Cash”-Fanclub.

  • Von Marx-freundlichen und marxfreundlichen Ideologien

    Geschrieben am 19. März 2010 Dagmar Jenner 3 Kommentare

    Keine Sorge, besonders ideologisch geht es im heutigen Beitrag nicht zu! Vor nicht allzu langer Zeit postete ich über Komposita aus Substantiv und Adjektiv und schrieb, dass sie stets klein- und zusammengeschrieben werden müssten, also etwa balltauglich oder feuerfest. Eine aufmerksame Leserin machte mich allerdings darauf aufmerksam, dass es außer der im Post angeführten Ausnahmen noch eine weitere gibt: nämlich dann, wenn das Substantiv ein Personenname ist.

    In diesem Fall können wir es uns aussuchen, ob wir Marx-freundlich mit Bindestrich oder marxfreundlich ohne Bindestrich, dann aber unbedingt klein und zusammen, schreiben. Der Duden erklärt dazu im Band 9, dass im Allgemeinen die Zusammenschreibung üblich ist, aber wenn der Name hervorgehoben werden soll, kann eben auch der Bindestrich gesetzt werden, also etwa auch eine Allende-belesene Lektorin oder ein Goethe-fester Student. Ob das stilistisch besonders gelungen ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

    Achtung: Diese Wahlmöglichkeit besteht nur dann, wenn es sich um einen einteiligen Eigennamen handelt. Kommt auch der Vorname dazu, muss “durchgekoppelt” werden: Karl-Marx-feindlich, Isabel-Allende-freundlich.

    Wer sich nur eine Regel merken möchte, merkt sich am besten, dass Eigenname (egal ob ein-oder zweiteilig) plus Adjektiv mit Bindestrich geschrieben wird.

  • Der 1€-Jobber, korrekt geschrieben

    Geschrieben am 28. Januar 2010 Dagmar Jenner 2 Kommentare

    Auf der Facebook-Fanseite “Gute Rechtschreibung” wurde mir kürzlich die Frage gestellt, wie sich 1-Euro-Jobber korrekt schreibt, wenn anstelle von Euro das Euro-Zeichen (€) verwendet wird. In der ausgeschriebenen Variante muss “durchgekoppelt” werden, d. h., es werden zwischen allen Bestandteilen des Wortes Bindestriche gesetzt, also so: Ein-Euro-Jobber und auch 1-Euro-Jobber.

    Wenn man/frau sich aber dafür entscheidet, das Wort Euro durch € zu ersetzen, kommt analog die Regel zur Anwendung, die besagt, dass “aus grafischen Gründen das Prozentzeichen ohne Bindestrich hinter die Ziffer gesetzt wird” (Duden-Band 9). Als Beispiel wird 5%-Klausel angeführt.

    Die Dame der Duden-Sprachberatung, mit der ich diese Frage besprach, bestätigte mir, dass die oben genannte Regel analog auch bei Währungen angewendet wird. Die richtige Schreibweise lautet also 1€-Jobber.

    Allerdings könnte man/frau auch die Schreibweise 1-€-Jobber argumentieren (siehe oben, “Durchkopplung”). Rein optisch gefällt mir aber die Lösung mit nur einem Bindestrich besser.

  • 70er Jahre oder 70er-Jahre?

    Geschrieben am 10. November 2009 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Bei der Frage, ob die Schreibweise 70er Jahre oder 70er-Jahre richtig ist, lässt uns die neue deutsche Rechtschreibung die Wahl. Es ist also beides richtig:

    Ich bin ein großer Fan der 70er Jahre.
    Ich bin ein großer Fan der 70er-Jahre.

    Was allerdings gar nicht geht, ist *70-er Jahre*, weil die Nachsilbe -er immer direkt am Wort “kleben” muss. Eine Ausnahme dieser Regel ist die Nachsilbe -fach (Näheres dazu im unten verlinkten Artikel).

    Zu weiteren Fragen zum Bindestrich bei Ziffern und einzelnen Buchstaben siehe bitte einen früheren Eintrag.

  • Wenn drei gleiche Buchstaben zusammentreffen …

    Geschrieben am 25. August 2009 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    … galt vor der Reform eine etwas kuriose Regel, mit der ich hier niemanden verwirren möchte. Heute ist das Ganze denkbar einfach: Treffen drei gleiche Buchstaben zusammen, werden alle geschrieben. Einfacher wird’s nicht mehr! Die Regel gilt natürlich für drei Vokale genauso wie für drei Konsonanten.

    Eine Anhäufung von drei gleichen Buchstaben kommt häufiger vor, als man/frau ad hoc meinen würde, z.B. bei:

    Nussstrudel, Bestellliste, Geschirrreiniger, Hawaiiinseln, Verschlusssache.

    Der besseren Übersichtlichkeit halber können die drei gleichen Buchstaben durch Bindestrich getrennt werden:

    Nuss-Strudel, Bestell-Liste, Geschirr-Reiniger, Hawaii-Inseln, Verschluss-Sache.

    Ausnahmen sind die Wörter dennoch, Drittel, Mittag, bei denen weiterhin nur zwei Konsonantbuchstaben geschrieben werden, weil diese Wörter nicht mehr als  Zusammensetzungen betrachtet werden.

  • Der Bindestrich bei Ziffern und einzelnen Buchstaben

    Geschrieben am 16. Juli 2009 Dagmar Jenner 1 Kommentar

    Dass zusammengesetzte Substantive immer zusammengeschrieben werden oder alternativ mit Bindestrich, habe ich bereits in einem früheren Eintrag behandelt. Heute geht es um Bindestriche bei Ziffern und einzelnen Buchstaben.

    Ad Ziffern: Der Bindestrich ist bei Zusammensetzungen mit Ziffern obligatorisch.
    Beispiele: das 5-Eck, 100-prozentig, die 0:1-Niederlage, der 4-Jährige, der 2-Monats-Rhythmus

    Wahlfreiheit gibt es hier: Vor  –fach kann entweder kein Bindestrich (und auch kein Leerzeichen!) stehen oder eben ein Bindestrich.
    10fach oder 10-fach

    Aber: Wird eine Ziffer mit einer Nachsilbe verbunden, steht in der Regel kein Bindestrich:
    Sie werden 100%ig zufrieden sein.
    Der gehört noch zur Generation der 68er.

    Ad Buchstaben: Auch hier ist ein Bindestrich obligatorisch (war auch bisher so):  i-Punkt, UV-bestrahlt, EU-skeptisch, x-beliebig.

  • Roger-Federer-Fan oder Roger Federer-Fan?

    Geschrieben am 22. Juni 2009 Dagmar Jenner 4 Kommentare

    Rechtzeitig zum Start von Wimbledon die orthografische Fan-Frage: Schreibt man Roger-Federer-Fan oder Roger Federer-Fan?

    Korrekt ist nur die erste Variante mit zwei Bindestrichen. Analog dazu natürlich Serena-Williams-Fan, Konrad-Adenauer-Platz oder Alice-Schwarzer-Kritiker.

    Übrigens: Wer ein Rafael-Nadal-Fan ist, kann sich diesmal das Daumendrücken sparen. Der Spanier hat seine Teilnahme in Wimbledon aufgrund einer Knieverletzung abgesagt.