Neue deutsche Rechtschreibung
Tipps von der Deutsch-Expertin-
E-Mail, e-Mail, e-mail oder sonstwas?
Geschrieben am 15. März 2010 Keine KommentareHeute beschäftigen wir uns mit einem absoluten Dauerbrenner der Rechtschreibung, nämlich der korrekten Schreibweise dieses elektronischen Briefleins. Was ist nun richtig: e-mail, E-mail, e-Mail, E-Mail, email, Email? Wir sehen: Es gibt theoretisch eine ganze Menge Möglichkeiten!
Wer über die häufige Wahlfreiheit genervt ist, wird sich freuen zu erfahren, dass hier nur eine einzige Variante richtig ist, nämlich E-Mail. Etwas schwieriger wird es beim Genus: In Deutschland wird die E-Mail gesagt, während in Österreich (kann ich bestätigen), Süddeutschland und der Schweiz (kann das jemand bestätigen?) das E-Mail gesagt wird. Richtig ist beides.
Wie sieht es nun mit dem dazugehörigen Verb aus? Hier besteht sehr wohl die Qual der Wahl. Richtig ist sowohl e-mailen als auch emailen, wobei aber die meisten Menschen einfach mailen sagen bzw. schreiben.
In diesem Sinne: Wer will, e-mailt bzw. emailt mir eine bzw. ein E-Mail bzw. Mail mit kniffligen Fragen zur deutschen Rechtschreibung!
Aber bitte keine Fragen zu das vs. der Blog, denn das Thema hatten wir schon mal.
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Interview mit der Leiterin der Duden-Sprachberatung
Geschrieben am 10. März 2010 Keine KommentareIn meiner Funktion als Redakteurin der Mitgliederzeitschrift von UNIVERSITAS Austria, Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen, hatte ich kürzlich das Vergnügen, die Leiterin der Duden-Sprachberatung (vulgo auch gerne “Duden-Hotline” genannt) zu interviewen. Frau Evelyn Knörr gab mir äußerst interessante Einsichten auf Fragen, die einige Mitglieder des Verbandes und ich zusammengestellt hatten. Kraft unseres Berufes sind wir Übersetzerinnen und Dolmetscherinnen natürlich äußerst an sprachlichen Themen interessiert, sowohl in Bezug auf unsere Fremdsprachen als auch auf die deutsche Sprache. Paradoxerweise gibt es aber durchaus ein paar Kolleginnen, die hartnäckig nach wie vor in alter Rechtschreibung schreiben und übersetzen.
In meinem Beitrag zu “kniffligen Kommas” hatte ich dieses Interview erwähnt. Nun ist die Zeitschrift erschienen und ich stelle hier den Artikel zum Download zur Verfügung. Viel Spaß beim Lesen!
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Zum Frauentag: die Unsichtbarkeit von Frauen in der Sprache
Geschrieben am 8. März 2010 Keine KommentareSeit einiger Zeit befasse ich mich im Rahmen meiner Dissertation mit dem Verhältnis zwischen Sprache und Geschlecht. Die feministische Linguistik sieht Sprache als eines von vielen Mitteln der androzentrisch-patriarchalischen Gesellschaft, um Frauen zu benachteiligen oder unsichtbar zu machen. Unter anderem kommt dies durch die Verwendung des so genannten generischen Maskulinums zum Ausdruck, will heißen: Bei personenbezogenen Substantiven gilt die männliche Form als Standard, zu dem sich auch Frauen zu zählen haben. Ein Lehrer kann also genauso gut eine Lehrerin sein, aber umgekehrt - Gott bewahre! Schließlich ist, wie es nicht nur Simone de Beauvoir recht treffend beschrieben hat, der Mann der Standard und die Frau eben das andere. Als eigenständiges Wesen wurde die Frau über die Jahrhunderte nicht einmal mitgedacht, was eindrucksvoll durch das Studium älterer Gesetzestexte, allerdings bis hinauf ins 19. und 20. Jahrhundert, zum Ausdruck kommt. Dass Frauen kein Recht auf Eigentum (nicht mal ihre eigene Mitgift), keine Menschen- und Bürgerrechte geschweige denn das Recht auf höhere Bildung hatten, galt jahrhundertelang als “Naturrecht”.
Wem es noch nicht aufgefallen ist: In diesem Blog verwende ich personenbezogene Substantive, besonders im Plural, ausschließlich in der weiblichen Form (das generische Femininum), ganz in der Tradition von Luise Pusch. Interessanterweise stößt die Sichtbarmachung von Frauen ausgerechnet bei Frauen oft auf radikale Ablehnung, während ihr Männer oft entspannt gegenüberstehen. Wenn, wie viele behaupten, das männliche Substantiv tatsächlich auch das weibliche umfassen sollte (was schon logisch Unsinn ist), müsste der folgende Satz grammatikalisch korrekt sein: * Jeder Lehrer bringt ihre eigene Kreide mit.
Ich kann mir gut vorstellen, dass viele einen Kommentar zu diesen Ausführungen posten möchten, weshalb ich gleich mal um Sachlichkeit ersuchen möchte. In diesem Sinne wünsche ich allen Angehörigen der größten benachteiligten Bevölkerungsgruppe der Welt einen wunderschönen Frauentag. Auf dass bald eine Frau Rektorin einer österreichischen Uni wird, mehr als 27,32 % Frauen im Nationalrat sitzen und mehr als eine Handvoll Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen. Es gibt auf vielen Gebieten noch viel zu tun! Die sprachliche Ebene ist dabei eine ganz fundamentale, weil Sprache immer auch ein Spiegel der Gesellschaft ist und Sprache wiederum einen Einfluss auf das Denken haben kann.
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Der Blog oder das Blog?
Geschrieben am 6. März 2010 5 KommentareAuch wenn dieser Eintrag für Deutschlernende am relevantesten ist, schadet es auch Muttersprachlerinnen nicht, sich der Genuszuweisung bei zusammengesetzten Substantiven, also Komposita, bewusst zu werden.
Die grundlegende Regel ist die, dass das so genannte Zweitglied das Genus des gesamten zusammengesetzten Wortes bestimmt.
Beispiele:
das Haus + die Arbeit = die Hausarbeit
der Flug + das Zeug = das Flugzeug
die Biene + der Stock = der BienenstockGenauso verhält es sich bei Komposita, die aus Fremdwörtern bestehen, also zum Beispiel Blog, der zusammengezogenen Form vom englischen web (deutsch das Web) und vom ebenso englischen logbook (deutsch das Logbuch). Es tun sich also zwei sächliche Substantive zusammen. Aufmerksame Leserinnen werden sich jetzt fragen, warum ich dennoch immer der Blog schreibe. Grammatikalisch ist das unsinnig, aber vom Duden immerhin erlaubt. Ich kann keine andere Erklärung als die anbieten, dass sich in Österreich der Blog ganz klar durchgesetzt hat, genauso wie das E-Mail. Außerdem klingt in meinen Ohren der Blog besser als das Blog, aber das ist in der Regel ein eher schlechtes Argument: Schließlich wird hier in Österreich gerne das Monat und das Teller gesagt, was offensichtlich in den betreffenden Ohren gut und richtig klingt …
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Was ist eine “finite Verbform”?
Geschrieben am 3. März 2010 Keine KommentareKürzlich las ich in einem Duden-Band über Nebensätze nach. Nebensätze werden unter anderem so definiert, dass die finite Verbform am Schluss des Satzes steht. Der daneben stehende Beispielsatz machte das Ganze deutlich (… weil ich müde bin). Dennoch drängte sich die Frage auf: Was genau ist eigentlich eine finite Verbform?
Die Antwort ist dankenswerterweise recht simpel. Unter einer finiten Verbform, auch Finitum oder Personalform genannt, versteht sich schlicht ein in Person und Numerus flektiertes Verb. Auch das kann einfacher ausgedrückt werden: ein konjugiertes Verb, also eben beispielsweise du schläfst oder wir sind gegangen.
Dadurch wird der Unterschied zum allseits bekannten Infinitiv betont, der da eben beispielsweise schlafen oder gehen lautet.
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Wer aufzählt, muss Kommas setzen
Geschrieben am 1. März 2010 Keine KommentareWeil es so schön ist, machen wir heute gleich weiter mit der Kommasetzung. Schließlich ist sie ein wahrer Dauerbrenner, auch unter Sprachprofis.
Eine der wichtigsten Fragen bei der Kommasetzung ist die, ob eine Aufzählung vorliegt oder nicht. Das kann, wie in meinem vorletzten Beitrag beschrieben, oft ganz schön knifflig sein. Und manchmal auch ganz schön makaber.
In den Fällen, die ich unten behandeln werde, ist die Aufzählung vergleichsweise offensichtlich, auch wenn man/frau eine Aufzählung oft spontan mit Substantiven (Zimmer, Küche, Kabinett) oder Adjektiven (quadratisch, praktisch, gut) in Verbindung bringt. Eine Aufzählung kann allerdings auch aus Wortgruppen, Infinitivgruppen und zusammengezogenen Sätzen bestehen.
Die Regel ist immer die gleiche: Zwischen den aufgezählten Elementen muss ein Komma stehen, außer bei Verbindung durch und, oder, sowie, wie, sowohl/als auch, weder/noch (siehe dazu auch meinen Eintrag zu den Komma-Klassikern):
Wortgruppen:
In Chile herrschen große Zerstörung, viel Hilflosigkeit und endlose Verzweiflung.
Er arbeitete mal als Kellner, mal als Chauffeur, mal als Fahrradbote.Infinitivgruppen oder Partizipgruppen:
Im Urlaub plane ich zu dösen, zu lesen, zu genießen.
Die Gruppe kehrte zitternd, frierend und erschöpft heim.Zusammengezogene Sätze (das sind Sätze, die ein Satzglied gemeinsam haben, das aber nur einmal genannt wird):
Sie schreibt Prosa, er Lyrik, die Mutter Theaterstücke. (das gemeinsame Satzglied hier ist schreibt)
Ich gehe ins Theater, sehe mir eine Ausstellung an und besuche danach ein Konzert. (das gemeinsame Satzglied hier ist ich) -
Wo ein Komma tödlich ist …
Geschrieben am 26. Februar 2010 3 KommentareIch weiß schon, dass es sich beim unten stehenden Beispiel um ein sehr makabres Beispiel handelt, aber gleichzeitig illustriert es sehr schön, wie wichtig Kommas sind. Denn in diesem Fall, man stelle sich eine Situation im Mittelalter vor, entscheidet das Komma über Leben und Tod:
Hängt ihn nicht, begnadigt.
Hängt ihn, nicht begnadigt.Im ersten Fall kommt die betreffende Person mit dem Leben davon; im zweiten leider nicht.
Grammatikalische Erklärung: Es handelt sich in beiden Fällen um einen so genannten Auslassungssatz. Der vollständige Satz würde lauten: Er ist begnadigt bzw. er ist nicht begnadigt. Die Kommaregel ist da wie dort die gleiche, nämlich: Vor dem Auslassungssatz muss ein Komma stehen. Hier entscheidet ganz allein der Sinn, wo genau dieses Komma stehen muss.
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Kommasetzung bei zwei Adjektiven
Geschrieben am 24. Februar 2010 Keine KommentareWenn zwei Adjektive (also Eigenschaftswörter) ein Substantiv (also Hauptwort) beschreiben, stellt sich die Frage, ob zwischen diesen Adjektiven ein Komma gesetzt werden muss. Oft wird diese Frage leider falsch entschieden. Hier die Faustregeln:
1. Wenn zwischen den beiden Adjektiven ein und eingefügt werden könnte und diese Verbindung Sinn ergeben würde, muss ein Komma stehen. Beispiel: eine lange, mühsame Vorlesung.
Könnte auch heißen: eine lange und mühsame Vorlesung.
Das Komma dient hier also der Aufzählung.2. Wenn diese Ersetzung durch und nicht möglich ist, darf kein Komma stehen.
Beispiel: ein schönes neues Jahr.
Schließlich wäre es absurd zu sagen: ein schönes und neues Jahr.
Das liegt daran, dass schönes neues Jahr als Einheit verstanden wird. Adjektive, die zusammen eine Einheit bilden, werden nicht durch Komma abgetrennt. Es handelt sich hier nicht um eine Aufzählung.
Weiteres Beispiel: die gute alte Zeit, eine berühmte spanische Schriftstellerin, eine wichtige amtliche Mitteilung.Das sind mal die wichtigsten Informationen zu diesem Thema; es gibt natürlich auch eine Menge Grenzfälle, wo die Formulierung entweder als Aufzählung oder als Gesamtbegriff verstanden werden kann, wobei in solchen Fällen der Kontext ausschlaggebend ist.
Beispiel: die neuen, umweltfreundlichen Verfahren dieser Firma [= diese Firma hatte bisher keine umweltfreundlichen Verfahren]
die neuen umweltfreundlichen Verfahren dieser Firma [= diese Firma hat nur umweltfreundliche Verfahren und jetzt neue entwickelt] -
Die Jugend von heute schreibt sich klein
Geschrieben am 22. Februar 2010 Keine KommentareDie Groß- und Kleinschreibung ist im Großen und Ganzen nun recht logisch geregelt, aber aus dieser Regel werde ich nicht schlau: Adverbien in Verbindung mit Präpositionen gelten nicht als substantiviert und werden kleingeschrieben, also etwa:
die Jugend von heute
von gestern sein
zwischen gestern und morgen
Farbe für außen und innenDass im letzten Fall kleingeschrieben werden muss, leuchtet mir interessanterweise sehr wohl ein, während das in den anderen Fällen nicht so ist. Besonders bei die Jugend von heute muss ich der Großschreibung von heute widerstehen; das kommt wohl vom berühmten Buchtitel Die Welt von Gestern von Stefan Zweig, der nach oben genannter Regel orthografisch nicht richtig ist.
Adverbien gelten nur mit Artikel als substantiviert:
Das Hier und Heute zählt. -
Warum ist ein “Ball-taugliches Kleid” orthografisch untauglich?
Geschrieben am 19. Februar 2010 Keine KommentareIn letzter Zeit sind mir falsch geschriebene Adjektive, zusammengesetzt aus Substantiv (also Hauptwort) und Adjektiv (also Eigenschaftswort), aufgefallen. Ein *Ball-taugliches Kleid ist in dieser Form falsch geschrieben, ebenso eine *Grippe-ähnliche Erkrankung. Gleiches gilt für *Nobelpreis-verdächtig.
Warum man wiederum die Verbindung zwischen Adjektiv und Partizip mal so und mal so schreibt, also etwa Not leidend/notleidend, aber nur schneebedeckt, hatte ich bereits in diesem Beitrag beschrieben. Dabei handelt es sich um ein zugegebenermaßen schwieriges Thema.
Bevor ein zusammengesetztes Wort zu Papier gebracht wird, sollte also immer überlegt werden, aus welchen Wortarten es besteht. Denn: Ist das Erstglied ein Substantiv und das zweite Glied ein Adjektiv, ist es ganz einfach: Es wird zusammen- und kleingeschrieben. Das liegt daran, dass im Deutschen Adjektive (Ausnahmen unten) stets klein, zusammen und ohne Bindestrich geschrieben werden. Das Adjektiv balltauglich ist auch nichts anderes als heiser, müde oder krank. Auch wenn das Erstglied aus zwei Substantiven besteht, nämlich hier Nobelpreis, gilt das gleiche Prinzip der Zusammen- und Kleinschreibung. Es gilt, sich nicht davon irritieren zu lassen, dass am Anfang ein Substantiv steht. Grammatikalisch ist nobelpreisverdächtig ganz klar ein Adjektiv. Gleiches gilt etwa für bienenfleißig, kinderfreundlich und feuerfest.
Erste Ausnahme: Werden Kurzwörter, Einzelbuchstaben oder Ziffern mit einem Adjektiv verbunden, muss ein Bindestrich stehen:
x-beliebig, 17-jährig, EU-konformZweite Ausnahme: Wenn sich zwei Adjektive zusammentun und sie mit und oder zwischen verbunden sein könnten, muss ein Bindestrich gesetzt werden:
ein kalt-warmes Büffet (Büffet mit warmen und mit kalten Speisen)
die österreichisch-ungarische Grenze (Grenze zwischen Österreich und Ungarn)Auch wenn nasskaltes Wetter sowohl nass als auch kalt ist, wird das Adjektiv als semantische Einheit verstanden und deshalb zusammengeschrieben, ohne Bindestrich.
Aber: hellblau, dunkelrot etc., weil hier nicht und zwischen den beiden Elementen stehen könnte.
Adjektive, Groß-/Kleinschreibung 17-jährig, Ball-taublich, balltauglich, dunkelrot, EU-konform, hellblau, Komposita, nasskalt, neue deutsche Rechtschreibung, Nobelpreis-verdächtig, nobelpreisverdächtig, richtige Schreibweise, x-beliebig, zusammengesetzte Adjektive, zusammengestezte Eigenschaftswörter





