Ich bin dagegen!

ScotlandNach einer ultralangen Sommerpause melde ich mich mit einem superkurzen Artikel zurück. Es geht um die Präposition entgegen. Nach ihr darf kein Komma gesetzt werden, weil es sich um einer adverbiale Bestimmung handelt:

Entgegen der Prognosen war das Referendum in Schottland eindeutig.

Entgegen der landläufigen Meinung findet der erholsamste Schlaf nicht unbedingt vor Mitternacht statt.

Wenn der Satz anders eingeleitet und entgegen im zweiten Teil des Satzes vorkommt, haben wir es mit einer nachgestellten Erläuterung zu tun, die nach einem Komma verlangt:

Sie hat sich für den Auslandsjob entschieden, entgegen der Erwartung ihrer Freundinnen. 

Auf in einen urcoolen Sommer!

dog watching a movieBevor ich vor vielen Jahren nach Wien zog, machte ich es wie der Rest der österreichischen Bevölkerung: Ich lästerte über das Wiener Idiom. Am blödesten fand ich die Vorsilbe ur, die in Wien vor so ziemlich jedes Adjektiv gestellt wird. Aber siehe da: Kaum lebte ich wenige Monate in Wien, war auch bei mir alles ursuper, uranstrengend oder urschön. Als Vorsilbe ist ur immer untrennbar mit dem Adjektiv verbunden.

Derzeit habe ich er ureilig, meine Verkühlung (die bundesdeutsche Erkältung) loszuwerden, weil mich übermorgen ein urlanger Flug in die urcoolen USA erwartet. Dort wird die Klimaanlage bestimmt urkalt eingestellt sein, weshalb ich besonders gut beraten wäre, fit zu sein.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen urangenehmen Sommer und vielleicht melde ich mich zwischendurch von der anderen Seite des großen Teichs.

 

Einfach nur beispielhaft

FußgängerInnenDiesem Beispiel von fraueneinbindender Sprache auf einem Schild der Stadt Wien ist nichts hinzuzufügen. Finde ich gut, dass wir im kleinen Österreich in diesem Bereich so beispielhaft unterwegs sind.

Liebe Alle, das ist Unfug

dog in loveIch bekomme oft E-Mails, die an mehrere Personen gleichzeitig gerichtet sind. Vermutlich in Anlehnung an das Englische (dear all) beginnen die dann gerne so: Liebe Alle,

Leider fängt damit die Chose schon mal ganz schlecht an. Warum? Das Wort alle schreibt sich klein. Gleiches gilt für alles. Ein paar Beispiele gefällig? Bitte sehr:

Was soll das alles?
Ihr ist mittlerweile alles egal.
Ich denke, wir alle sollten uns damit zufrieden geben.

Eine einzige Ausnahme gibt es: Ihre Arbeit ist ihr Ein und Alles.

Von Buben und Jungs

ÖsterreichVor kurzem las ich in der österreichischen Tageszeitung „Die Presse”, dass bundesdeutsche Wörter bei Jugendlichen in Österreich auf dem Vormarsch sind (hier geht’s zum Artikel).

Eine Studie der Universität Wien zeigt, dass etwa 70 Prozent der 14- bis 18-Jährigen lieber Junge als Bub sagen. Außerdem bestellen sie überwiegend eine Cola und nicht, wie in Österreich eher üblich, ein Cola. Sie schicken eine E-Mail und nicht ein E-Mail, wie überwiegend die nicht mehr ganz so Jungen in Österreich zu sagen pflegen (ebenso sagen wir eher der Blog und nicht das Blog).  Etwas bedauerlich finde ich, dass die Schülerinnen und Schüler laut der erwähnten Studie die bundesdeutschen Ausdrücke für korrekter halten als die österreichischen. Mir ist klar, dass die österreichische Variante des Deutschen für bundesdeutsche Ohren eher putzig klingt, was aber nichts daran ändert, dass sie genau so korrekt ist wie das Bundesdeutsche.

Insgesamt gibt die Studie aber Entwarnung: Es ist nicht zu befürchten, dass österreichische Begriffe verschwinden. Bei den meisten der abgefragten Begriffe bevorzugen die Schülerinnen und Schüler nämlich doch die österreichische Variante: Jänner (und nicht Januar), sehr gut (und nicht lecker) und in der Schule einen Einser (und nicht eine Eins).

Auch dem österreichischen Bildungsministerium scheint das Thema ein Anliegen zu sein: Gerade erst erschien eine Broschüre zum Thema „Österreichisches Deutsch”. Zu sehen gibt es diese Broschüre hier.