Neue deutsche Rechtschreibung
Tipps von der Deutsch-Expertin-
Selbständig oder selbstständig tätig
Geschrieben am 8. Mai 2012 1 Kommentar
Selbstständige sind Menschen, die selbst und ständig arbeiten, heißt es landläufig. Ich kann das als seit 10 Jahren Selbstständige mehr als bestätigen. Vielleicht fällt euch in diesem Zusammenhang auf, dass ich selbstständig schreibe und nicht, wie das Wort vor der Reform geschrieben werden musste, selbständig. Mittlerweile sind beide Varianten erlaubt. Meines Erachtens wurde von der Aussprache her sowieso bisher immer selbstständig gesagt. Nun darf also auch so geschrieben werden, wie gesprochen wird.Etymologisch hat das Wort übrigens nichts mit selbst und ständig arbeiten zu tun, sondern kommt aus dem Frühneuhochdeutschen selbstand = Person sowie aus dem Spätmittelhochdeutschen selbstende = für sich bestehend.
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Der Erste Mai richtig geschrieben
Geschrieben am 1. Mai 2012 Keine Kommentare
Hurra – heute ist Tag der Arbeit! Paradoxerweise läuft das bei den meisten Menschen darauf hinaus, dass sie an diesem Tag nicht arbeiten. Diesmal trifft das netterweise auch auf mich selbst zu; weitestgehend zumindest. Denn bevor ich mich dem süßen Nichtstun widme – hier in Wien traditionellerweise beim großen Volksfest der SPÖ im Prater –, anbei noch ein paar Überlegungen zur korrekten Schreibung dieses Feiertages.Dass Zahlwörter in der Regel kleingeschrieben werden, hatte ich bereits hier erörtert. Beim Ersten Mai allerdings handelt es sich ja nicht um eine banale Datumsangabe, sondern um einen ganz besonderen Tag, nämlich den Tag der Arbeit. Um das zu kennzeichnen, wie etwa auch beim Heiligen Abend, wird großgeschrieben. Korrekt wird also der Erste Mai gefeiert. Wer es sich einfacher machen will, feiert einfach den 1. Mai, zumal mir diese Schreibweise geläufiger zu sein scheint. Alternativ darf natürlich auch der Tag der Arbeit mit Nichtarbeiten begangen werden.
Ich verabschiede mich in den Prater und wünsche einen schönen Ersten Mai!
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Kommasetzung bei “aber”
Geschrieben am 30. April 2012 5 Kommentare
Nach einer weiteren Woche Zeitungslektüre und Korrektoratsfreuden kann ich wieder einmal bestätigen: Kaum jemand hat heutzutage fundierte Kenntnisse im Bereich Kommasetzung. Das verstehe ich insofern nicht, als die Kommasetzung im Vergleich etwa zur Groß-/Kleinschreibung und der Zusammen-/Getrenntschreibung mit der Reform am wenigsten Änderungen erlebt hat. Vielmehr ist bei der Kommasetzung einiges leichter geworden als früher. Bei etlichen Fällen, wo früher zwingend ein Komma stehen musste, ist heute Wahlfreiheit angesagt. Die am häufigsten auftretenden Fehler zeigen mir aber, dass es sich um grundsätzliche Fehler handelt, die nichts mit der Rechtschreibreform zu tun haben. Oft werden die armen Kommas offensichtlich nach Gefühl gesetzt … mit haarsträubenden Ergebnissen. Wie sagte schon mein Deutschlehrer: „Heben Sie sich die Gefühle für Ihr Privatleben auf!” Ein richtig guter Rat, finde ich.Wenden wir uns einem, wie ich finde, banalen Thema zu, nämlich der Kommasetzung bei der Konjunktion aber. Dieses Wörtchen kann natürlich in sehr unterschiedlicher Art und Weise verwendet werden, aber wir konzentrieren uns überwiegend auf die häufigste Verwendung, nämlich jener als adversative (entgegensetzende) Konjunktion. Kaum jemand hält es für notwendig, vor aber ein Komma zu setzen. Allerdings muss da eines stehen.
Bei den folgenden Beispielen leitet aber einen beigeordneten und verkürzten Satz ein:
Ich habe Hunger, aber keinen Durst.
Sie ist zwar jung, aber erstaunlich gebildet.
Das Duo ist hart, aber herzlich.
Auch dann, wenn aber einen Nebensatz einleitet, muss immer ein Komma stehen:
Ich habe Hunger, aber ich habe derzeit keinen Durst.
Sie ist zwar jung, aber sie ist erstaunlich gebildet.
Das Duo ist hart, aber es ist auch herzlich.
Wenn zusätzliche Attribute mit aber abgetrennt werden, muss ebenso ein Komma stehen:
Ich habe eine kleine, aber schöne Wohnung.
Wenn die entgegensetzende Konjunktion aber in den Ablauf des Satzes eingebunden ist, darf kein Komma stehen. Wohlgemerkt treten diese Fälle vergleichsweise selten auf. Die Beispiele unten kommen meines Erachtens überwiegend in der gesprochenen Sprache vor:
Dein neuer Freund spricht aber nicht viel.
Das haben wir aber immer so gemacht.
Aber bitte ohne Rechtschreibfehler!
Aber hallo! Was tust du da?
Übrigens: Das hübsche Bild habe ich bei www.toonpool.com erstanden, wo es viele schöne Comics zu erschwinglichen Preisen gibt.
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Vom Kürzertreten und anderen Freuden
Geschrieben am 26. April 2012 4 Kommentare
Als Selbstständige kann ich theoretisch meine Arbeitszeit und mein Arbeitsvolumen selbst bestimmen. In der Praxis ist es dann aber oft so, dass ich mit superdringenden Übersetzungen, Korrektorats- und Lektoratsaufträgen überschüttet werde (Dolmetschaufträge werden glücklicherweise überwiegend lange im Voraus gebucht). Das läuft dann darauf hinaus, dass ich selbst die schlimmste Sklaventreiberin bin und tagaus, tagein nur arbeite. (Dazu kommt viel ehrenamtliche Arbeit für UNIVERSITAS AUSTRIA, den Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen.) Das ist auf Dauer nicht bekömmlich, wie ich regelmäßig feststelle. Sowohl bei meiner bezahlten als auch bei meiner ehrenamtlichen Arbeit bemühe ich mich deshalb, ein wenig kürzerzutreten. Dafür übe ich mich in der Kunst des Delegierens, was mir auch immer besser gelingt. Das bringt mich zum heutigen Thema: Warum wird kürzertreten zusammengeschrieben?Da muss ich ein wenig ausholen: Das Verb kürzertreten ist die Steigerung von kurztreten, wobei Letzteres nicht wirklich verwendet wird. Die Grundregel besagt, dass Verbindungen aus Adjektiv (also hier kurz) und Verb (also hier treten) zusammengeschrieben werden müssen, wenn wir es mit dem übertragenen Sinn zu tun haben. Im wörtlichen Sinn wird getrennt geschrieben. Krasses, aber einprägsames Beispiel:
Ich werde die Torte kalt stellen. (wörtlicher Sinn)
Er möchte seinen Rivalen kaltstellen. (übertragener Sinn)Analog verhält es sich etwa auch bei dichthalten/dicht halten, offenstehen/offen stehen, schiefgehen/schief gehen etc.
Da kurz treten bedeuten würde, im wörtlichen Sinne einen kleinen Schritt zu machen, ich aber de facto weniger arbeiten möchte, muss es bei meinen derzeitigen Bemühungen heißen: Ich versuche kürzerzutreten. Wenn der Infinitiv mit zu verwendet wird, gilt natürlich die gleiche Regel. Dass die Substantivierung, wie oben im Titel, großgeschrieben wird, versteht sich von selbst. Hoffe ich zumindest.
In diesem Sinne gehe ich jetzt kürzertreten und verbringe die Mittagspause in der Hängematte!
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Treue Helferleins
Geschrieben am 23. April 2012 12 Kommentare
Vor wenigen Tagen saß ich mit vielen Sprachexpertinnen beisammen. Es stellte sich auch diesmal heraus, dass viele von ihnen erhebliche Unsicherheiten bei der neuen deutschen Rechtschreibung, vor allem im Bereich Kommasetzung, aufweisen. Glücklicherweise ist es den meisten ein Anliegen, die deutsche Rechtschreibung aus dem Effeff zu beherrschen oder ihre Defizite zu korrigieren. Kein Wunder, denn schließlich steht ja ihre Glaubwürdigkeit als Übersetzerin/Lektorin/Texterin auf dem Spiel. Eine Architektin muss schließlich auch die Grundrechenarten beherrschen.Auf jeden Fall tauchte die Frage auf, wo denn die neue deutsche Rechtschreibung im Schnellverfahren aufgefrischt werden könne. Die Lektüre meiner Beiträge hilft natürlich. Wer alles kompakt zusammengefasst haben möchte, ist mit dem Übungsbuch „So schreibt man jetzt!” des Dudenverlags sehr gut bedient. Auch wenn es nicht besonders dick ist, ist es doch sehr konzentriert, weshalb ich empfehlen würde, es in kleinen Schritten durchzuarbeiten. Ein Buch, das ich immer wieder zur Hand nehme, ist „Komma, Punkt und alle anderen Satzzeichen”, ebenfalls aus dem Dudenverlag. Hier finde ich auch auf sehr knifflige Fragen gut erklärte Antworten. Darüber hinaus greife ich natürlich laufend und gerne zu Dudenband 9, „Richtiges und gutes Deutsch”. Immer wieder blättere ich bei besonders schwierigen Fällen auch im Dudenband 4, „Die Grammatik”.
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Durchkoppeln bei englischen Wörtern
Geschrieben am 17. April 2012 4 Kommentare
Durchkoppeln? Klingt irgendwie technisch, nach Eisenbahn oder so. Tatsächlich ist es ein Begriff, der in der Sprachwissenschaft die Verwendung von Bindestrichen bei zusammengesetzten Wörtern beschreibt. Ich korrigiere ja sehr häufig Texte, bevor sie in Druck gehen. In den letzten Jahren ist ein klarer Trend zur Verwendung englischer Begriffe zu beobachten: Best Practice, Performance, Public Private Partnership, Low Budget etc. Das sind nur ein paar der Begriffe, die mir bei meinem aktuellen Projekt so unterkommen. Warum Performance offenbar für viele das griffigere Wort ist als Leistung oder was gegen gute Praktiken einzuwenden ist, ist ein anderes Thema.Die Schwierigkeit besteht nun darin, diese Begriffe in Kombination mit deutschen Wörtern korrekt zu verwenden. Es gilt die Regel, dass durchgekoppelt werden muss, wenn Entlehnungen aus dem Englischen mit deutschen Wörtern zusammengesetzt werden.
Also: Best-Practice-Analyse, Performance-Überprüfung, Public-Private-Partnership-Projekt, Low-Budget-Segment.
Vielleicht spricht es sich irgendwann rum … bis dahin setze ich weiterhin den Rotstift an.
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Ratespiel zum Karfreitag
Geschrieben am 6. April 2012 3 Kommentare
Weil es vor kurzem so lustig war, starte ich auch heute ein kleines Ratespiel zu österreichischen Begriffen. Freue mich auf eure Einschätzung, was die mysteriösen Wörter bedeuten könnten. Schummeln – also Google konsultieren oder im Duden nachsehen – gilt nicht! Diesmal sind vier Verben und ein Substantiv dabei. Das Bild hier links gibt zu einem der Begriffe einen Hinweis. Auch diese schönen Beispiele der österreichischen Sprachvarietät finden sich hier.1. fladern
2. büseln
3. Tuchent
4. sudern
5. vernadern -
Was ich von MfG halte
Geschrieben am 2. April 2012 12 Kommentare
Habe ich an dieser Stelle schon einmal gesagt, was ich von MfG halte? Nein? Dann schreibe ich es heute ganz klar und deutlich: nichts. Absolut nichts.Und zwar halte ich einerseits von der Abkürzung MfG nichts. Warum? Weil sie zum einen an die Steinzeit des E-Mails erinnert, als so etwas vermutlich noch als irgendwie pfiffig oder kreativ oder was weiß ich galt. Heute ist so etwas in meinen Augen nicht retro, sondern einfach nur von gestern. Zum anderen signalisiert die Abkürzung MfG der Empfängerin, dass die Absenderin sich nicht einmal die geschätzte halbe Sekunde Zeit nehmen wollte, um eine zivilisierte Abschlussformel ins Mail (bzw. in die Mail) zu tippen. Keine angenehme Botschaft.
Was die ausgeschriebene Version von MfG betrifft, finde ich, dass Mit freundlichen Grüßen mittlerweile mächtig abgedroschen und entsetzlich einfallslos ist. Vor ca. 10 Jahren schrieben die besonders Einfallsreichen die Schlussformel Beste Grüße oder Ähnliches. Das ist ein Anfang, aber es geht noch deutlich besser. Wie wär’s etwa mit der Formulierung Sonnige Grüße, wenn das Wetter schön ist?
Übrigens sind im geschäftlichen Brief- und Mail-Verkehr Formulierungen à la Liebe Grüße ganz und gar inakzeptabel. Es sei denn, die betreffenden Leute sind per Du.
Summa summarum: Mit einer Tasche, wie ihr sie hier abgebildet seht, werdet ihr mich niemals antreffen. Diese und andere Taschen gibt es auf der Website der Firma Einzelwerk, der ich auch das Foto entnommen habe.
Wie geht’s euch mit MfG?
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Ein Wort, mehrere Artikel
Geschrieben am 19. März 2012 8 Kommentare
Menschen, die die deutsche Sprache als Fremdsprache erlernen, haben oft ihre liebe Not mit den drei Artikeln im Deutschen (etwa der Amerikaner David Bergmann in seinem amüsanten Buch, siehe Titelseite links). Da verwundert es nicht, dass auch Deutsch-MuttersprachlerInnen hin und wieder unsicher sind. Bei näherer Betrachtung ist es manchmal so, dass zwei und gelegentlich sogar drei Artikel korrekt sind. Das liegt oft, aber nicht immer, in regionalen Unterschieden begründet.Nehmen wir etwa das Wort Teil. In der folgenden Bedeutung ist es laut Duden maskulin:
a) etw., was mit anderem zusammen ein Ganzes bildet, ausmacht: der hintere, obere, untere, vordere T. von etw.; der erste T. des Romans; der fünfte T. (ein Fünftel) von einem Kilo.In der folgenden Bedeutung darf sowohl der Teil als auch das Teil gesagt und geschrieben werden:
a) etw., was jmd. von einem Ganzen hat; Anteil: seinen, sein T. abbekommen; sie erbten zu gleichen -en; ich für mein[en] T. (was mich betrifft);
Das Teil muss es in folgender Bedeutung heißen:
[einzelnes kleines] Stück, das zwar auch zu einem Ganzen gehört, dem aber eine gewisse Selbstständigkeit zukommt: ein defektes T. ersetzen; sie prüft jedes T. sorgfältig; etw. in seine -e (Einzelteile) zerlegen.
Kompliziert!
Besonders interessant ist Joghurt, auch Jogurt geschrieben. Je nachdem, wen man wo fragt, kann es das Joghurt, der Joghurt oder laut Duden sogar die Joghurt sein. In Österreich scheint mir das Joghurt der klare Favorit zu sein. Der Duden meint, dass die Joghurt vor allem umgangssprachlich in Österreich und dort in Wien gebräuchlich ist. Mir persönlich wäre das neu.
Allerdings ist das Teller, was besonders im Dialekt in Österreich gerne verwendet wird, kein zulässiger Regionalismus. Für meine Ohren klingt das Teller wie falsches Deutsch. Sehr oft höre ich auch das Monat statt der Monat, was mir persönlich auch nicht gefällt. Beides wird meines Erachtens überwiegend in der gesprochenen Sprache verwendet, auch wenn ich in der einen oder anderen Qualitätszeitung schon einmal das Monat gelesen habe.
Wie geht es euch damit?
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Weltfrauentag: Einladung zum Experiment
Geschrieben am 8. März 2012 3 Kommentare
Heute ist Weltfrauentag. Zu feiern gibt es wenig, zu beklagen viel. Nach wie vor stehen Frauen gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch deutlich schlechter da als Männer. Sie verdienen weniger, sind stärker armutsgefährdet, sind sexueller Aggression, Vergewaltigung, Genitalverstümmelung ausgesetzt. Vom alltäglichen Sexismus, der Frauen als dümmer, weniger fähig und insgesamt weniger wertvoll als Männer bezeichnet, ganz zu schweigen. Etwa kürzlich im Flugzeug: „Oh Gott! Eine Pilotin im Cockpit. Rette sich, wer kann!” Großes Gelächter im ganzen Flugzeug. Aber immerhin leben wir in Österreich in einem Rechtssystem, vor dessen Augen eine Frau exakt so viel wert ist wie ein Mann. Was weit nicht alle Länder von sich behauptet können. Gesetze werden auch hierzulande nach wie vor überwiegend von Männern gemacht. Der Frauenanteil im österreichischen Nationalrat liegt bei 27,87 Prozent.Das Fazit ist klar: Wir leben in einer männerdominierten Welt. Dass Frauen Kinder kriegen, wenn sie es denn wollen, ist anatomisch bedingt. Dass es auch die Frauen sein müssen, die sich fast ausschließlich um die Kinderaufzucht zu bemühen haben, während Männer sich die Macht in der Wirtschaft und Politik unter sich aufteilen, ist kein Schicksal, sondern gesellschaftlich gewollt. Dass Ehrgeiz und Selbstüberschätzung männlich sind, während Selbstunterschätzung und rosa gewandete Harmlosigkeit weiblich sind, beweisen sowohl die Alltagsbeobachtung als auch zahlreiche Untersuchungen. Es gibt auch kein Naturgesetz, das Hausarbeit überwiegend Frauen zuschreibt.
Es verwundert nicht, dass oft Frauen angesichts der Aussichtslosigkeit der Situation und der männlichen Übermacht schlicht kapitulieren. Und sich einreden, dass ihr einziges Ziel im Leben darin bestünde, Kinder zu bekommen und großzuziehen. Bascha Mika hat in ihrem Buch „Die Feigheit der Frauen”, das ich in Kürze rezensieren werde, den Finger in offene Wunden gelegt.
Woran liegt es, dass Männer seit 2000 Jahren als der wertvollere Teil der Menschheit betrachtet werden, angefangen von der Bibel, den griechischen Philosophen und der Aufklärung, deren Erklärung der Menschenrechte selbstverständlich nur für Männer galt? Am Stückchen Fleisch zwischen den Beinen kann es nicht liegen. Männliche Übermacht ist menschengemacht. Männergemacht.
Männer haben auch Sprache gemacht, genauer gesagt kodifiziert. Und sie haben diese Sprache für sich gemacht.
Deshalb heute meine Einladung zu einer verkehrten Welt. Verwendet am heutigen Frauentag eine feminine Personenbezeichnung dort, wo ihr normalerweise auf die maskuline zurückgreift. Also ich gehe heute zur Frisörin anstatt ich gehe heute zum Frisör. Oder die meisten meiner Kolleginnen sind unter 30 anstatt die meisten meiner Kollegen sind unter 30. Oder, im Supermarkt: Ich möchte die Filialleiterin sprechen … auch wenn ihr keine Ahnung habt, ob dort eine Frau oder ein Mann das Sagen hat.
Beobachtet euch selbst dabei, wie es euch damit geht. Ich habe vor vielen Jahren damit angefangen und mich anfangs sehr eigenartig gefühlt … klar, ich tanzte doch gewaltig aus der Reihe. Oft erntete ich verwunderte Blicke, aber darauf angesprochen hat mich selten jemand. Heute kommen mir überwiegend weibliche Personenbezeichnungen völlig locker über die Lippen.
Nun muss ich mich aber wieder den zahlreichen Anfragen von Kundinnen zuwenden.
Einen schönen Frauentag wünsche ich uns allen!
Das Foto zeigt übrigens das, was sich ein männlicher Architekt unter einer stilisierten Frau vorstellt. Zart, wenig Raum einnehmend, unscheinbar. Zu besichtigen in der grandiosen Stadt Buenos Aires, Argentinien.


