Neue deutsche Rechtschreibung

Tipps von der Deutsch-Expertin
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  • Auslassungspunkte bei Aufzählung

    Geschrieben am 4. Februar 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Dass zwischen den Bestandteilen einer Aufzählung Kommas stehen müssen, hatte ich schon behandelt. Und dass vor etc. und vor usw. kein Komma stehen darf, ebenso.

    Vor kurzem tauchte die Frage auf, wie mit dem Komma umzugehen sei, wenn am Ende einer Aufzählung drei Pünktchen stehen (Auslassungspunkte genannt), womit angedeutet wird, dass die Aufzählung noch weitere Bestandteile hat. Beispiel:

    Wir haben dieses Kleid in Grün, Gelb, Rosa, … ODER
    Wir haben dieses Kleid in Grün, Gelb, Rosa …

    Das sehr hilfreiche Duden-Taschenbuch “Komma, Punkt und alle andere Satzzeichen” liefert die Antwort, unter “Die Auslassungspunkte in Verbindung mit anderen Satzzeichen”. Hier steht: “Bricht der Satz an einer Stelle ab, an der ein Komma stehen müsste, so entfällt dieses.”

    Korrekt ist also nur die Variante ohne Komma nach Rosa:

    Wir haben dieses Kleid in Grün, Gelb, Rosa …

  • Apposition im Akkusativ oder im Nominativ?

    Geschrieben am 2. Februar 2010 Dagmar Jenner 2 Kommentare

    Kürzlich erreichte mich eine schwierige grammatikalische Frage. Sie lautete folgendermaßen:

    Welche Variante dieses Werbetextes ist korrekt?

    1. Neben wertvollen Ingredienzien wie Öle und Duftstoffe führen wir ausschließlich biologische Produkte.
    2. Neben wertvollen Ingredienzien wie Ölen und  Duftstoffen führen wir ausschließlich biologische Produkte.

    Muss die Apposition, also der Beisatz Öle und Duftstoffe, im Nominativ (wie in Satz 1) oder im Akkusativ (wie in Satz 2) stehen? Das Bezugswort Ingredienzien steht wohlgemerkt im Akkusativ.

    Laut Duden steht eine Apposition in der Regel im gleichen Kasus wie ihr Bezugsausdruck, weshalb nach dieser Regel nur die zweite oben genannte Variante korrekt ist.

    Bei Ausdrücken mit wie oder als kann die Apposition aber als elliptischer Vergleichssatz verstanden werden, weshalb auch der Nominativ erlaubt ist. Ein Beispiel: Es geschah an einem Tag wie jedem anderen (alles im Dativ) und Es geschah an einem Tag wie jeder andere (zweiter Teil im Nominativ).

    Abgesehen von diesem bekannten Zitat ist standardsprachlich laut Duden aber die Kasusgleichheit vorzuziehen. Letztlich ist also beides erlaubt, aber Variante 2 oben bevorzugt anzuwenden.

  • Der 1€-Jobber, korrekt geschrieben

    Geschrieben am 28. Januar 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Auf der Facebook-Fanseite “Gute Rechtschreibung” wurde mir kürzlich die Frage gestellt, wie sich 1-Euro-Jobber korrekt schreibt, wenn anstelle von Euro das Euro-Zeichen (€) verwendet wird. In der ausgeschriebenen Variante muss “durchgekoppelt” werden, d. h., es werden zwischen allen Bestandteilen des Wortes Bindestriche gesetzt, also so: Ein-Euro-Jobber und auch 1-Euro-Jobber.

    Wenn man/frau sich aber dafür entscheidet, das Wort Euro durch € zu ersetzen, kommt analog die Regel zur Anwendung, die besagt, dass “aus grafischen Gründen das Prozentzeichen ohne Bindestrich hinter die Ziffer gesetzt wird” (Duden-Band 9). Als Beispiel wird 5%-Klausel angeführt.

    Die Dame der Duden-Sprachberatung, mit der ich diese Frage besprach, bestätigte mir, dass die oben genannte Regel analog auch bei Währungen angewendet wird. Die richtige Schreibweise lautet also 1€-Jobber.

    Allerdings könnte man/frau auch die Schreibweise 1-€-Jobber argumentieren (siehe oben, “Durchkopplung”). Rein optisch gefällt mir aber die Lösung mit nur einem Bindestrich besser.

  • Euro-Zeichen vor oder hinter dem Betrag?

    Geschrieben am 25. Januar 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Kürzlich wurde ich bei einem Vortrag gefragt, ob bei Geldbeträgen das Euro-Zeichen € oder aber auch die Abkürzung EUR vor oder nach dem Betrag stehen müsse. Gute Frage! Ad hoc setze ich immer das Euro-Zeichen vor den entsprechenden Betrag. Allerdings schreibt der Duden (Band 9) zu diesem Thema Folgendes:

    Die Währungseinheit ist im Allgemeinen nach dem Betrag zu schreiben, weil sie auch erst nach der Zahl gesprochen wird. Man schreibt also in fortlaufenden Texten, Geschäftsbriefen usw. 3,45 €; 270,00 EUR usw. In Aufstellungen und im Zahlungsverkehr kann das Währungszeichen aus Gründen der besseren Übersicht auch vorangestellt werden (€ 3,45; EUR 0,05).

    Einleuchtend, nicht? Gleiches gilt natürlich auch für andere Währungen.
    Schwierig wird es für diejenigen, die viel mit der englischen Sprache arbeiten, denn dort wird auch im Fließtext in der Regel das Währungszeichen zuerst gesetzt, auch wenn die Währung auch im Englischen erst nach dem Betrag ausgesprochen wird.

    Übrigens: Im Deutschen lautet der Plural von Euro auch Euro; das Gleiche gilt für Cent. Im Spanischen, Französischen und Portugiesischen lautet laut einem Informationsblatt der Europäischen Zentralbank der Plural von euro wiederum euros (in beiden Fällen kleingeschrieben, weil in diesen Sprachen Substantive kleingeschrieben werden).  Ebenso verhält es sich in diesen drei Sprachen mit dem Plural von cent: Korrekt ist cents. Wobei in Frankreich aber nach wie vor gerne centimes gesagt wird …

  • Zweifelsfälle bei der Substantivierung von Infinitiven

    Geschrieben am 22. Januar 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Ein langer Titel für ein wichtiges Thema: Nachdem ich kürzlich Allgemeines über die Substantivierung von Infinitiven und Adjektiven berichtet habe, möchte ich mich heute ein paar Zweifelsfällen zuwenden, zumal in der Facebook-Newsgroup “Gute Rechtschreibung” einige Fragen dazu aufgetaucht sind.

    Wenn Infinitive in einem Satz ohne Artikel oder ohne nähere Bestimmung auftauchen, ist es oft nicht klar, ob es sich um einen verbalen Infinitiv (mit Kleinschreibung) oder um einen substantivierten Infinitiv (mit Großschreibung) handelt. In solchen Fällen ist sowohl die Großschreibung als auch die Kleinschreibung erlaubt. Beispiele:

    Ich finde, dass schlafen gut für die Gesundheit ist.
    Ich finde, dass Schlafen gut für die Gesundheit ist. [gemeint: das Schlafen]

    Jeder weiß, dass geben seliger ist als nehmen.
    Jeder weiß, dass Geben seliger ist als Nehmen. [gemeint: das Geben und das Nehmen]

    Werden die substantivierten Infinitive aber als illustrierende Beispiele zu einem substantivischen Bezugswort verwendet, gilt nur die Großschreibung:
    Zu den Aufgaben einer Pilotin gehören Starten, Fliegen und Landen.

    Infinitive, die direkt von Modalverben (also wollen, dürfen, können, müssen, sollen, mögen) abhängen, werden immer kleingeschrieben:
    Ich will endlich schlafen.
    Du sollst nicht töten.
    Er muss lernen.

    Oft wird der Fehler gemacht, dass verbale Infinitive, also “normale” Infinitive, bei denen nichts auf eine substantivische Verwendung schließen lässt, großgeschrieben werden. Die folgenden Beispiele sind falsch und die Kleinschreibung des Infinitivs ist korrekt:

    * Hier gibt es nichts zu Sehen.
    * Bitte bald Zurückrufen!
    * Es wird ersucht, das Fenster zu Schließen.

    Generell kann man sich merken, dass zu + Infinitiv immer kleingeschrieben wird; es sei denn, ein Artikel gesellt sich zum zu und wird zu zum:
    Es ist zum Heulen.

  • “In null Komma nichts” oder “im null Komma nichts”?

    Geschrieben am 19. Januar 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Bei meinem Rechtschreib-Vortrag vergangene Woche erwähnte ich, dass nichts in der Formulierung im null Komma nichts kleingeschrieben werden muss. In diesem Zusammenhang wurden mir zwei Fragen gestellt:

    1. Muss es nicht in null Komma nichts heißen, also im anstatt in?
    2. Da die Formulierung mit der Präposition in bzw. im eingeleitet wird, warum wird nichts dann nicht großgeschrieben, wo doch eine Substantivierung vorliegt?

    Hier meine Antworten:

    1. Beides ist möglich, wobei der Duden im null Komma nichts als die seltenere Variante anführt.
    2. Nichts ist ein Pronomen, das nur dann als substantiviert gilt, wenn ein (ausgeschriebener!) Artikel davorsteht, also etwa in: das Nichts, ein Nichts. Steht wiederum eine Präposition davor, auch wenn diese einen Artikel beinhaltet wie im Falle von im, muss nichts kleingeschrieben werden. Ganz genauso verhält es sich übrigens mit den Zahlwörtern: wir drei, hallo ihr zwei. Aber: In Deutsch eine Eins bekommen.

  • Substantivierte Infinitive und Adjektive

    Geschrieben am 17. Januar 2010 Dagmar Jenner 10 Kommentare

    Substantivierungen sorgen stets für große Probleme bei der Rechtschreibung.

    Fangen wir am Anfang an: Ein Substantiv ist bekanntlich ein Hauptwort wie Schreibtisch, Fitnessstudio und Luft. Die sind in der Regel daran erkennbar, dass der Artikel der, die oder das davorsteht.

    Nun gibt es aber auch die Möglichkeit, Verben (also Zeitwörter) und Adjektive (also Eigenschaftswörter) substantivisch zu gebrauchen. In diesem Fall steht auch ein Artikel vor dem Verb und/oder dem Adjektiv (die Substantivierung gilt auch bei vorangestellten Präpositionen und anderen Wörtern, aber das lassen wir mal beiseite). Substantivierte Verben und Adjektive werden stets großgeschrieben.

    Beim Verb kann nur die Grundform, also der Infinitiv, substantiviert werden. Das sieht dann beispielsweise so aus:

    Infinitiv des Verbs: tanzen.
    Beispielsatz mit Infinitiv: Maria geht gerne tanzen.

    Die Substantivierung des Verbs tanzen sieht so aus:
    das Tanzen
    Beispielsatz mit substantiviertem Infinitiv: Maria liebt das Tanzen.

    Besonders knifflige Fälle der Substantivierung von Infinitiven können Sie hier nachlesen.

    Und nun zum Adjektiv.

    Grundform des Adjektivs: gut.
    Beispielsatz mit Adjektiv: Das Brot ist gut. (prädikative Verwendung des Adjektivs)
    Das gute Brot ist leider ausverkauft. (attributive Verwendung des Adjektivs)

    Die Substantivierung sieht so aus:
    das Gute
    Beispielsatz mit substantiviertem Adjektiv: Das Gute an diesem Brot sind die vielen Körner.

  • Das Konjunktionspaar und/oder

    Geschrieben am 15. Januar 2010 Dagmar Jenner 2 Kommentare

    Kürzlich erreichte mich ein Anruf einer Kollegin (auch Übersetzerin), die dringend nach einer Lösung für ein grammatikalisches Problem suchte. Anscheinend hatte ihr auch die Duden-Sprachberatung nicht helfen können. Insofern ehrt es mich, dass sie sich, quasi als “Letztinstanz”, an mich wandte. Nur leider kann auch ich keine eindeutige Antwort geben, nur einen Vorschlag zur Güte.

    Das Problem dreht sich um das Konjunktionspaar und/oder. Wenn dieses Paar zum Einsatz kommt, ist im Satz gemeint, dass entweder einer der beiden Sachverhalte eintritt oder eben beide. Die Frage ist, ob dann das Verb im Singular oder im Plural stehen muss, weil und nach dem Plural verlangt, oder aber nach dem Singular. Hier der Satz:

    Bei Bedarf stellt das Krankenhaus und/oder der Prüfarzt Kopien des Befundes zur Verfügung.

    Oder muss es folgendermaßen heißen?

    Bei Bedarf stellen das Krankenhaus und/oder der Prüfarzt Kopien des Befundes zur Verfügung.

    In keinem der Duden-Bände finde ich einen Hinweis, wie mit diesem Zweifelsfall umzugehen ist. Vorschläge sehr willkommen (bitte auch mit Begründung)!

    Mein Vorschlag zur Güte, wenn auch nicht sonderlich elegant, ist folgender:

    Bei Bedarf stellen/stellt das Krankenhaus und/oder der Prüfarzt Kopien des Befundes zur Verfügung.

    Ich habe deshalb stellen (also den Plural) vorangestellt, weil ja auch die Konjunktion und zuerst angeführt wird und sie nach dem Plural verlangt.

  • Komma bei Infinitiv mit “zu”

    Geschrieben am 13. Januar 2010 Dagmar Jenner 1 Kommentar

    Eine Leserin auf Facebook hat mir ein gutes Stichwort gegeben: Infinitiv mit zu. Heute sehen wir uns an, was es mit der Kommasetzung beim Infinitiv mit zu auf sich hat und was ein Infinitiv eigentlich ist.

    Dass ein Infinitiv die Grundform eines Verbs ist, dürfte bei Sprachbegeisterten bekannt sein. Wie der Name schon sagt, wird ein Infinitiv mit zu von einem zu begleitet: Er verspricht nach der Probe zu kommen.

    Wie sieht es nun mit der Kommasetzung aus?

    Im oben genannten Satz ist die Kommastellung freigestellt. Richtig ist also auch:

    Er verspricht, nach der Probe zu kommen.

    Wenn allerdings der Infinitiv mit zu (= Infinitivgruppe)

    a) mit um, ohne, statt, anstatt, außer oder als eingeleitet wird, muss unbedingt ein Komma stehen.
    Beispiel: Um von Wien nach Salzburg zu gelangen, muss man über Linz fahren.

    b) von einem Substantiv abhängt, muss ebenso ein Komma stehen.
    Beispiel: Sie verfolgt das Ziel, möglichst schnell möglichst viel Geld zu verdienen.

    c) von einem hinweisenden Wort wie es oder hier abhängt, muss auch unbedingt ein Komma gesetzt werden.
    Beispiel: Ich liebe es, im Schnee spazieren zu gehen.

    Genauere Informationen über diese drei Fälle lesen Sie hier.

    Übrigens gibt es auch im Falle von b) und c) die Möglichkeit, das Komma wegzulassen, wenn der Infinitiv nicht näher bestimmt ist.

    Beispiele: Sie verfolgt das Ziel, Geld zu verdienen. (hier fällt die nähere Bestimmung möglichst viel und möglichst schnell weg)
    Ich liebe es spazieren zu gehen. (hier fällt die nähere Bestimmung im Schnee weg)

    Allerdings ist, wie immer, darauf zu achten, dass durch das Weglassen des Kommas keine Missverständnisse entstehen. Schließlich dient das Komma ja dazu, einen Satz zu strukturieren und verständlich zu machen.

  • Knifflige Kommas

    Geschrieben am 11. Januar 2010 Dagmar Jenner 15 Kommentare

    Heute habe ich wegen einer kniffligen Kommafrage die (kostenpflichtige) Duden-Hotline bemüht. Nach der Erklärung kommt mir die Lösung kinderleicht vor. Ich gestehe, dass ich aber davor sehr lange hin- und herüberlegt habe und nicht sicher war, welche Variante richtig ist. Hier der schwierige Satz.

    Die Selbstständigen wurden von den Parteien, aber auch von den Interessensvertretungen, nachhaltig ignoriert.

    oder

    Die Selbstständigen wurden von den Parteien, aber auch von den Interessensvertretungen nachhaltig ignoriert.

    Lösung: Nur der zweite Satz ist richtig. Dass vor aber ein Komma stehen muss, war mir klar (steht immer vor aber, jedoch, doch, sondern). Die große Frage war, ob vor nachhaltig auch ein Komma stehen muss. Antwort: nein. Erklärung: Es handelt sich um eine Aufzählung, wobei die Parteien und die Interessensvertretungen die beiden Elemente dieser Aufzählung sind (die Konjunktion aber ändert nichts daran, dass es sich um eine Aufzählung handelt). Es handelt sich also mitnichten um einen Einschub, der mit zwei Kommas abgetrennt werden müsste, sondern eben um eine Aufzählung, die kein weiteres Komma verlangt. Schließlich steht nach dem letzten Element einer Aufzählung nie ein Komma. Da ist ungefähr so wie beim folgenden Satz, bei dem kurz und intensiv die Elemente der Aufzählung sind:

    Ich habe kurz, aber intensiv mit meiner Doktormutter gesprochen.

    Anders verhält es sich natürlich, wenn danach ein Nebensatz folgt:
    Ich habe kurz, aber intensiv mit meiner Doktormutter gesprochen, bevor sie zum Kongress nach Berlin abgereist ist.