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Ich laufe eis, aber ich esse Eis
Geschrieben am 21. Mai 2010 4 KommentareZugegeben: Bei der derzeitigen Witterung möchte ich mangels Sonne weder Eis essen noch mangels echter Kälte eislaufen. So oder so weist die unterschiedliche Schreibweise dieser beiden Verben auf das viel kritisierte Problem der “verblassten” Substantive hin. Wie ich an dieser Stelle schon öfter erwähnt habe, gibt es einige wenige Verben, in denen das Substantiv als “verblasst” gilt, etwa eislaufen, heimreisen, kopfstehen, teilnehmen, stattfinden usw. Während kaum jemand von uns in die Versuchung kommen würde, * Ich nehme Teil zu schreiben, geht es den meisten Menschen bei eislaufen anders – auch Profis lockt hier der Griff zur Shift-Taste, um Folgendes zu schreiben: * Ich laufe Eis. Korrekt ist: Ich laufe eis. Da der Infinitiv kleingeschrieben wird, muss natürlich das verblasste Substantiv, wenn es durch die Konjugation abgetrennt wird, ebenso kleingeschrieben werden.
Besonders schwierig wird es natürlich bei Verben, in denen ebenso das Substantiv Eis vorkommt, es aber in diesen Fällen nicht als verblasst gilt, also etwa Eis essen, Eis schlecken, Eis machen.
Am einfachsten merkt man sich deshalb die Grundregel, nach der nun in den allermeisten Fällen die Verbindung aus Substantiv und Verb als Wortgruppe betrachtet und deshalb konsequent getrennt geschrieben wird: Tennis spielen, Rad fahren, Klavier lernen, Maschine schreiben, Hof halten.
Die oben erwähnten Verben sind Ausnahmen. Dazu gehören etwa auch brandmarken, schlafwandeln, schlussfolgern, leidtun, nottun.
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Der Komm-her-Blick zur Was-ist-schon-dabei-Einstellung
Geschrieben am 5. Mai 2010 3 KommentareZugegeben, zwei solche Wortungetüme in einer Überschrift muten etwas eigenartig an. Dennoch kommt es gelegentlich vor, Formulierungen wie die Hauptsache-ich-bin-sympathisch-Denke oder diese Frau-verliebt-sich-in-Mann-Fantasie zu Papier zu bringen.
Wenn wir es mit Komposita zu tun haben, in denen das Verb substantiviert wird (etwa: es ist zum Aus-der-Haut-Fahren), wird das Verb großgeschrieben und bei mehr als zwei Bestandteilen werden Bindestriche gesetzt. Dieses Thema hatte ich bereits hier behandelt.
Wenn wiederum das Substantiv das so genannte Letztglied ist und sich andere Wortarten dazugesellen, dann ist die Regel denkbar einfach: Das erste Wort wird großgeschrieben, alle anderen werden so geschrieben, wie sie auch sonst geschrieben werden. Und das Substantiv natürlich sowieso groß. Das Ganze wird mit Bindestrichen verbunden und voilà – fertig ist das selbstgebastelte Kompositum, komplett mit Segen des Duden. Gutes Gelingen beim Ich-schaff-das-längste-Kompositum-Bewerb.
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Weiß wählen vs. weißwählen: doof und knifflig
Geschrieben am 22. April 2010 1 KommentarDas Wichtigste vorweg: Ich finde es völlig doof, bei der BundespräsidentInnenwahl auf dem Stimmzettel aus Protest niemanden anzukreuzen. Die politischen Meinungen anlässlich dieser Wahl am Sonntag gehen weit auseinander: Die einen raten dringend davon ab, die anderen empfehlen eben die Strategie, kein Kreuzchen zu setzen und den Stimmzettel “weiß”, also ungültig, einzuwerfen. Es stellt sich nur die Frage: Ist die korrekte Schreibweise weiß wählen oder weißwählen?
Da das Wort nicht im Duden verzeichnet ist, ist scharfes Nachdenken gefragt: Üblicherweise werden Komposita aus Adjektiv und Verb, die im übertragenen Sinne gemeint sind, zusammengeschrieben: schwerfallen [Aufgabe], freisprechen [vor Gericht], [Betrag] gutschreiben, schiefgehen [misslingen].
Wenn die wörtliche Bedeutung gemeint ist, wird getrennt geschrieben: schwer fallen [schwerer Sturz], frei sprechen [ohne Notizen], gut schreiben [korrekt schreiben], schief gehen [nicht gerade gehen]. Siehe auch diesen Beitrag.
In einigen Fällen ist beides erlaubt, etwa bei hart kochen/hartkochen, kaputt machen/kaputtmachen, sauber machen/saubermachen etc. Die etwas komplizierte Erklärung: Das Adjektiv darf nicht zusammengesetzt sein, das Verb darf nicht zusammengesetzt sein und das Adjektiv muss angeben, wie sich das Objekt des Verbs durch die mit dem Verb bezeichnete Tätigkeit verändert. Also: Das Ei hart kochen bzw. hartkochen und das Ei, also das Objekt, ist hart. So weit, so klar. Aber wo ist bei weiß wählen vs. weißwählen das Objekt, das sich durch ebendiese Tätigkeit ändern würde? Es wird zwar mit dem Stimmzettel gewählt, aber der wird beim Wählen schließlich nicht weiß, sondern er wird um ein Kreuzchen reicher – oder bleibt eben, wie er ist.
Die einzig denkbare Lösung für mich ist, auch wenn man weiß wählen oder weißwählen einfach synonym zu ungültig wählen verstehen könnte: Ich würde wegen der übertragenen Bedeutung zusammenschreiben, also weißwählen. Was meinen die anderen Sprachprofis zu dieser Frage?
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Warum ein Asche spuckender Vulkan ein aschespuckender Vulkan ist
Geschrieben am 19. April 2010 3 KommentareTreuen Leserinnen wird dieses Thema bekannt vorkommen – aber aus gegebenem Anlass sei dieser Klassiker hier erneut behandelt.
Handelt es sich bei dem Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen um einen Asche spuckenden oder um einen aschespuckenden Vulkan?
Die Antwort gleich mal vorweg: Beide Schreibweisen sind richtig. Und hier ist die Erklärung: Wenn sich ein Substantiv (also hier Asche) und ein Partizip (also hier spuckend) zusammentun, dann darf sowohl zusammen- und kleingeschrieben werden als auch getrennt und das Substantiv groß, ergo aschespuckend und Asche spuckend.
Das funktioniert allerdings nur bei Wörtern, bei denen im Vergleich zur “Langversion” ausschließlich das Relativpronomen eingespart wird:
Langversion: ein Vulkan, der Asche spuckt
Kurzversion: ein aschespuckender bzw. Asche spuckender Vulkan
Eingespart wird in der Kurzversion das Relativpronomen der. Ergebnis: Beide Varianten sind korrekt.Ganz anders sieht es bei diesem Beispiel aus:
Langversion: ein Berg, der mit Schnee bedeckt ist
Kurzversion: ein schneebedeckter Berg
Eingespart wird in der Kurzversion nicht nur das Relativpronomen der, sondern auch die Präposition mit. Ergebnis: Nur die Klein- und Zusammenschreibung ist korrekt.Mir ist klar, dass diese Regel einigermaßen schwierig und nicht leicht zu merken ist. Wer es sich einfach machen möchte, schreibt Verbindungen aus Substantiv und Partizip einfach immer klein und zusammen und ist damit auf der sicheren Seite. Aber bitte ohne Bindestrich!
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Businessplan vs. Business-Plan
Geschrieben am 31. März 2010 Keine KommentareAus zwei Substantiven zusammengesetzte englische Wörter, die auch im Deutschen verwendet werden, richten sich grundsätzlich nach den Regeln der deutschen Orthografie. Dort lautet bei zusammengesetzten Substantiven die Regel, dass zusammenzuschreiben ist. Alternativ, der besseren Lesbarkeit halber, kann ein Bindestrich gesetzt werden. Also:
Businessplan, auch Business-Plan
Centrecourt, auch Centre-Court
Sciencefiction, auch Science-Fiction
Midlifecrisis, auch Midlife-CrisisWas gar nicht geht: Die Getrenntschreibung ohne Bindestrich, also * Business Plan, * Centre Court, * Science Fiction, * Midlife Crisis.
Etwas schwieriger wird es bei Zusammensetzungen aus Adjektiv oder Partizip mit Substantiv. Mehr dazu in Bälde.
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Von Marx-freundlichen und marxfreundlichen Ideologien
Geschrieben am 19. März 2010 3 KommentareKeine Sorge, besonders ideologisch geht es im heutigen Beitrag nicht zu! Vor nicht allzu langer Zeit postete ich über Komposita aus Substantiv und Adjektiv und schrieb, dass sie stets klein- und zusammengeschrieben werden müssten, also etwa balltauglich oder feuerfest. Eine aufmerksame Leserin machte mich allerdings darauf aufmerksam, dass es außer der im Post angeführten Ausnahmen noch eine weitere gibt: nämlich dann, wenn das Substantiv ein Personenname ist.
In diesem Fall können wir es uns aussuchen, ob wir Marx-freundlich mit Bindestrich oder marxfreundlich ohne Bindestrich, dann aber unbedingt klein und zusammen, schreiben. Der Duden erklärt dazu im Band 9, dass im Allgemeinen die Zusammenschreibung üblich ist, aber wenn der Name hervorgehoben werden soll, kann eben auch der Bindestrich gesetzt werden, also etwa auch eine Allende-belesene Lektorin oder ein Goethe-fester Student. Ob das stilistisch besonders gelungen ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt.
Achtung: Diese Wahlmöglichkeit besteht nur dann, wenn es sich um einen einteiligen Eigennamen handelt. Kommt auch der Vorname dazu, muss “durchgekoppelt” werden: Karl-Marx-feindlich, Isabel-Allende-freundlich.
Wer sich nur eine Regel merken möchte, merkt sich am besten, dass Eigenname (egal ob ein-oder zweiteilig) plus Adjektiv mit Bindestrich geschrieben wird.
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Faschingsdienstag, Faschings-Dienstag, *Faschings Dienstag?
Geschrieben am 16. Februar 2010 Keine KommentareEs ist wieder so weit: Heute ist Faschingsdienstag und der will gefeiert werden! Aber bevor wir die Kostümierung anlegen, überlegen wir doch kurz, wie sich dieser Tag korrekterweise schreibt. In der Überschrift stehen drei Varianten. Ich hoffe sehr, dass euch die erste am besten gefällt und die letzte Variante gar nicht. Ein Sternchen davor bedeutet immer: falsch!
Wie ich immer wieder gerne wiederhole, werden zusammengesetzte Substantive im Deutschen in der Regel zusammengeschrieben. Bei besonders langen und unübersichtlichen Zusammensetzungen (auch Komposita genannt) kann auch ein Bindestrich gesetzt werden. Aber wenn ein so genanntes Fugen-s zwischen den beiden Wörtern steht (wie hier bei Fasching + Dienstag = Faschingsdienstag), wird die Zusammenschreibung ohne Bindestrich bevorzugt. Wer mag, kann auch Faschings-Dienstag schreiben. Der allgemeine Sprachgebrauch tendiert allerdings ganz klar zu Faschingsdienstag. Ganz falsch wäre *Faschings Dienstag, eben weil die Getrenntschreibung von zusammengesetzten Substantiven im Deutschen nicht möglich ist.
In diesem Sinne: viel Spaß am heutigen Faschingsdienstag!
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Nachtrag zu “Zusammensetzungen mit ’selbst’”
Geschrieben am 24. November 2009 1 KommentarIn meinem gestrigen Beitrag schrieb ich, dass Verbindungen aus dem Wort selbst und Partizip stets getrennt geschrieben werden müssen. So steht es im Duden-Übungsbuch auf Seite 58. Ein aufmerksamer Leser machte mich darauf aufmerksam, dass im Band 1 des Duden ebenso wie im Band 9 das Gegenteil steht: Beides ist laut dortiger Auskunft erlaubt - bei adjektivisch verwendetem Partizip, was in den von mir angeführten Beispielen der Fall war (selbst erstellte Website, selbst gebastelte Hütte, selbst ernanntes Genie).
In so einem widersprüchlichen Fall hilft nur noch die wohlgemerkt kostenpflichtige Duden-Hotline. Ich habe mich also in Unkosten gestürzt, um zu erfahren, dass das Duden-Übungsbuch unrecht hat und dass Verbindungen mit selbst bei adjektivischer Verwendung des Partizips zusammen- oder getrennt geschrieben werden dürfen. Die Dame an der Hotline bedankte sich für den Hinweis und wird diesen Widerspruch an die Redaktion weitergeben.
Weiterhin zusammen müssen die folgenden untrennbaren Verbindungen geschrieben werden:
selbstentzündlich, selbstklebend, selbstredend, selbstvergessen, selbstverständlich, selbstständig etc. -
Zusammensetzungen mit “selbst”
Geschrieben am 23. November 2009 1 KommentarHeute wieder mal ein Beitrag zum schwierigen Thema der Zusammen- oder Getrenntschreibung. Zusammensetzungen bestehend aus dem Wörtchen selbst und einem Partizip werden stets getrennt geschrieben, also z.B.
eine selbst erstellte Website
eine selbst gebastelte Hütte
ein selbst ernanntes GenieSelbstbewusst wiederum gilt als untrennbares Adjektiv und wird immer zusammengeschrieben.
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Die Qual der Wahl: “nochmal” und “noch mal”
Geschrieben am 9. Oktober 2009 1 KommentarIn meinem ausführlichen Artikel zur korrekten Schreibweise von Zusammensetzungen mit Mal bzw. mal habe ich ganz auf einen sehr naheliegenden Fall vergessen: Wie schreibt man nochmal? So oder doch lieber noch mal?
Die salomonische Antwort: Beides ist möglich - auch wenn z.B. die Rechtschreibprüfung von Word hartnäckig behauptet, nochmal wäre falsch. Einfach ignorieren! Es sind also z.B. beide der folgenden Varianten richtig:
Ich möchte nochmal schwimmen gehen, bevor der Herbst kommt.
Ich möchte noch mal schwimmen gehen, bevor der Herbst kommt.Aber Achtung: Das Adverb nochmals darf nur zusammengeschrieben werden:
Ich werde später nochmals vorbeikommen, weil derzeit niemand zu Hause ist.





