Tipps von der Deutsch-Expertin
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  • Kommasetzung: zurück an den Start

    Geschrieben am 30. November 2011 Dagmar Jenner 7 Kommentare

    Heute feiern wir ein kleines Jubiläum: Dieser Beitrag ist der 200. Artikel zum Thema Rechtschreibung.

    Da ist es nur schlüssig, dass wir uns dem Thema widmen, das wohl für die größten Schwierigkeiten bei der Rechtschreibung sorgt. Genau, es geht um die Kommasetzung, in Österreich auch Beistrichsetzung genannt. Wenn ihr hier rechts auf die entsprechende Kategorie klickt, könnt ihr alle Artikel, die bisher zu diesem Thema veröffentlicht wurden, nachlesen. Zum Teil geht es um sehr allgemeine Fragen der Kommasetzung. Andere Artikel sind für Fortgeschrittene gedacht.

    Allerdings ist mir aufgefallen, dass ich noch keinen Artikel über die absoluten Grundlagen der Kommasetzung geschrieben habe. Und weil es stets ganz ratsam ist, am Anfang anzufangen, möchte ich das hiermit nachholen. Diejenigen unter euch, die ein wenig Ahnung von der Kommasetzung haben, werden über die folgenden Ausführungen wahrscheinlich schmunzeln. Aber wer weiß, vielleicht ist die eine oder andere Überraschung dabei …

    Los geht’s!

    1. Kommas dienen im Deutschen dazu, den Satz zu gliedern, damit er leichter lesbar ist. Sie verdeutlichen die Konstruktion des Satzes, etwa indem ein Zusatz oder Nebensatz vom Hauptsatz getrennt wird.
    2. Daraus folgt (zum Leidwesen vieler), dass die korrekte Kommasetzung Basiskenntnisse in Grammatik voraussetzt. Wer einen Hauptsatz nicht von einem Nebensatz unterscheiden kann, wird auch nicht wissen, ob und wo ein Komma zu setzen ist.
    3. Es wird dringend davon abgeraten, nachträglich Kommas zu setzen. Zu welchen Ergebnissen das führt, lese ich jeden Tag in der Zeitung, in Online-Medien und in der Korrespondenz, die ich erhalte.

    Machen wir es heute ganz einfach und sehen wir uns an, wann kein Komma gesetzt werden darf.

    Gewöhnliche Satzglieder dürfen nicht mit Kommas abgetrennt werden. Was ist nun ein gewöhnliches Satzglied? Nun, alle die Elemente, nach denen mit den folgenden Fragen gefragt werden kann: Wer tut etwas? Was tut diese Person? Wen oder was betrifft die Handlung dieser Person?

    Beispiel: Ich lese die Zeitung.

    Ich (wer tut etwas?) lese (was tut diese Person?) die Zeitung (was liest diese Person?).

    Auch wenn sogenannte Umstandsangaben (auch adverbiale Bestimmungen genannt) dazukommen, nach denen etwa mit „wie”, „wo”, „wann” gefragt werden kann, dürfen keine Kommas gesetzt werden. Auch diese Umstandsangaben sind gewöhnliche Satzglieder und dürfen nicht abgetrennt werden.

    Ich lese jeden Morgen beim Frühstück mit großem Interesse mehrere Zeitungen in meiner Küche.

    Eine häufige Fehlerquelle besteht darin, nach einer längeren Umstandsangabe ein Komma zu setzen. Bitte widersteht dieser Versuchung! Im unten stehenden Beispiel darf an keiner Stelle ein Komma gesetzt werden.

    Nach einer langen in einer Bar durchgefeierten Nacht lese ich am Morgen mit großem Interesse die Zeitung.

  • Das Duo “weder/noch”

    Geschrieben am 4. Juli 2011 Dagmar Jenner 7 Kommentare

    Heute las ich in der Zeitung ausnahmsweise mal eine korrekte Kommasetzung:

    Weder dementieren wir das, noch bestätigen wir es.

    Allerdings: Der Satz wäre genauso richtig gewesen, wenn da kein Komma gestanden wäre. Warum?

    In diesem Fall haben wir es mit der Verbindung von zwei Hauptsätzen zu tun. Das Komma vor noch ist optional. Richtig ist also auch die folgende Schreibweise:

    Weder dementieren wir das noch bestätigen wir es.

    Mir gefällt die Lösung mit Komma viel besser, weil dadurch der Satz strukturierter und besser lesbar wirkt.

    Anders verhält sich das Ganze, wenn das Duo weder/noch als so genannte mehrgliedrige Konjunktion aufgezählte Satzteile verbindet:

    Ich habe weder Hunger noch Durst.
    Er kann weder rechnen noch rechtschreiben.

    Bei den oben genannten Beispielen wäre ein Komma vor noch wohlgemerkt falsch.

    Wenn eine Aufzählung mit weder/noch nachgestellt ist, muss vor weder ein Komma stehen.

    Ich brauche nichts, weder etwas zu essen noch etwas zu trinken.
    Er kann nichts, weder rechnen noch rechtschreiben.

  • Genau genommen … mit oder ohne Komma?

    Geschrieben am 3. Februar 2011 Dagmar Jenner 4 Kommentare

    Formulierungen, die mit genau genommen, streng genommen oder auch mit im Grunde genommen anfangen oder ebendiese Formulierungen beinhalten, sind relativ häufig. Als ich eine davon gestern in der Zeitung las, stolperte ich über das Komma. Der Satz lautete ungefähr so:

    Genau genommen, ist die Reform der Wehrpflicht in meinen Augen sinnlos.

    Ich schlug im Duden-Büchlein „Komma, Punkt und alle anderen Satzzeichen” nach und fand folgende Information: Formelhafte Partizipgruppen stehen in der Regel ohne Kommas im Satz. Als Beispiele werden angeführt: genau genommen, genau betrachtet, streng genommen, im Grunde genommen, wie gesagt, offen gesagt, davon abgesehen, abgesehen davon, so gesehen. Wir sehen: Diese Formulierungen bestehen aus einem Partizip II, kombiniert mit wenigen anderen Wörtern.

    Richtigerweise müsste der oben stehende Satz also folgendermaßen lauten:

    Genau genommen ist die Reform der Wehrpflicht in meinen Augen sinnlos.

    Die oben genannte Liste ist nicht als vollständige Liste zu verstehen. Fragt sich nur, was genau als formelhafte Partizipgruppe zu verstehen ist. Etwa statistisch betrachtet auch? Also so, ohne Komma:

    Statistisch betrachtet bekommt jede Frau in Österreich 1,2 Kinder.

    Ich denke, auch dieser Fall ist durch die erwähnte Regel abgedeckt.

    Praktischerweise ist die Kommasetzung bei Partizipgruppen mit Partizip II, die nicht als „formelhafte Partizipgruppen” verstanden werden, freigestellt:

    Von diesem Standpunkt aus betrachtet[,] stellt sich die Situation schon ganz anders da.
    Auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet[,] ergibt das einen sehr hohen Bierkonsum pro Jahr.

    Ich interpretiere demnach die „formelhafte Partizipgruppe” in dem Sinne, dass sie kurz und knackig ist und nicht, wie in den oben stehenden Fällen, durch mehrere zusätzliche Wörter oder Wortgruppen erweitert ist. Das entscheidende Element scheint mir hier also die Länge zu sein – und auch die Häufigkeit der Verwendung. Hier ist natürlich einiges subjektiv, aber wir sind uns sicher einig, dass die Formulierung genau genommen deutlich häufiger verwendet wird als auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet und deshalb erstere als formelhafte Partizipgruppe gelten darf, zweitere aber nicht. Wie seht ihr das?

  • Wenn fehlende Kommas den Ruf ruinieren

    Geschrieben am 14. Dezember 2010 Dagmar Jenner 1 Kommentar

    anwalt_angeklagterWir sehen: Falsch gesetzte Kommas können den Ruf ruinieren! Ein wunderschönes Beispiel dafür, wie wichtig die Kommasetzung ist.

    Es geht um folgenden Satzteil: … der Verteidiger des angeklagten Ex-Managers Harald Christandl …
    In dieser Form bedeutet es, dass der angeklagte Ex-Manager Harald Christandl ist.

    Vielmehr müsste der Verteidiger des Angeklagten von Kommas umrahmt sein (eine Apposition), weil der Name Harald Christandl eine Zusatzinformation zum Substantiv davor (Verteidiger) ist. Werden die Kommas wie in diesem Fall weggelassen, mutiert Harald Christandl vom Verteidiger zum angeklagten Ex-Manager. So schnell kann’s gehen.

    Der Artikel stammt aus der Tageszeitung „Die Presse” (4.12.2010).

  • Kommasetzung bei “wie”

    Geschrieben am 12. Dezember 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Ich bedauere die lange Funkstille, bedingt unter anderem durch einen Dolmetscheinsatz bei der UNO.
    Heute melde ich mich mit einem Thema zurück, das ich zwar schon gelegentlich gestreift habe, es aber genauer ausführen möchte, weil es immer wieder für große Schwierigkeiten sorgt. Es geht um die Kommasetzung rund um das Wörtchen „wie”. Ich werde mich auf die häufigsten Fälle konzentrieren.

    Das Komma muss stehen, wenn das Adverb „wie” einen indirekten Fragesatz oder einen Relativsatz einleitet:

    Er hat keine Ahnung, wie man eine Krawatte bindet.
    Die Art und Weise, wie sie mit Sprachen jongliert, fasziniert mich.

    Allerdings: Besteht der Nebensatz nur aus einem „wie”, ist die Kommasetzung freigestellt:

    Wenn ich nur wüsste[,] wie.

    Wenn „wie”, hier allerdings als Konjunktion, einen untergeordneten Nebensatz einleitet, muss ein Komma stehen:

    Meine Katze ist so alt, wie deine vor ein paar Jahren war.
    Das Essen schmeckt nicht so gut, wie ich gehofft hatte.

    Kein Komma steht allerdings, wenn nur Satzteile verglichen werden:

    Meine Katze ist so alt wie deine.
    Das Essen schmeckt nicht so gut wie gehofft.

  • Göttliche Kommas bei Schaltsätzen

    Geschrieben am 25. November 2010 Dagmar Jenner 4 Kommentare

    Schaltsätze sind Hauptsätze, die in andere Sätze einschoben werden. Üblicherweise werden diese Schaltsätze durch Kommas abgetrennt:
    Heute Morgen, es war gerade erst hell geworden, läutete plötzlich das Telefon.

    Wenn der Schaltsatz besonders nachdrücklich wirken soll, können anstelle der Kommas auch Gedankenstriche gesetzt werden:
    Heute Morgen – es war gerade erst hell geworden – läutete plötzlich das Telefon.

    Alternativ kann der Schaltsatz auch in Klammern eingeschlossen werden:
    Heute Morgen (es war gerade erst hell geworden) läutete plötzlich das Telefon.

    Es gibt Fälle, in denen die Kommasetzung bei Schaltsätzen optional ist. Einige floskelartige Schaltsätze werden nicht mehr als eingeschobene Sätze empfunden, weshalb wir mit oder ohne Kommas schreiben können. Hier einige Beispiele, bei denen Gott eine prominente Rolle einnimmt:

    Ich habe ihn[,] wer weiß wie lange[,] nicht mehr gesehen.
    Sie bereitet sich[,] so gut es geht[,] auf die Prüfung vor.
    Die Vorsitzende ist ja[,] weiß Gott[,] keine Heilige.
    Er blieb[,] Gott sei Dank[,] unverletzt.

  • Kommas: Aufzählung mit Nebensatz

    Geschrieben am 13. Oktober 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Die Komma-Klassiker habe ich hier schon recht häufig besprochen. Etwa den, dass bei Aufzählungen von Satzteilen mit der Konjunktion und, oder etc. kein Komma steht. Ebenso predige ich immer wieder, dass bei Relativsätzen und anderen Nebensätzen ein Komma zu stehen hat. Sehen wir uns heute einen Satz an, in dem diese beiden Regeln aufeinandertreffen.

    Aufzählung ohne Komma: Ich nehme das rote Kleid und die rote Tasche mit.
    Relativsatz mit Komma: Das rote Kleid, das ich in Amsterdam gekauft habe.
    Kombination der beiden: Ich nehme das rote Kleid, das ich in Amsterdam gekauft habe, und die rote Tasche mit.

    Wir sehen: Hier muss vor dem und ein Komma stehen, da es sich um einen eingeschobenen Relativsatz handelt.

  • Wussten Sie, dass …?

    Geschrieben am 15. Juni 2010 Dagmar Jenner 2 Kommentare

    … nicht in jedem Fall vor der Konjunktion dass ein Komma stehen muss? (Im oben angeführten Fall natürlich schon.) In ziemlich vielen fixen Verbindungen ist die Kommasetzung vor dass nämlich freigestellt. Die Regel dazu ist einigermaßen schwierig: Falls vor dass (und auch bei weil, nachdem etc.) eine Sprechpause vorliegt, darf das Komma weggelassen werden. Hier die häufigsten Fälle im Überblick:

    angenommen [,] dass
    ausgenommen [,] dass/wenn
    beispielsweise [,] dass/nachdem/weil/wenn
    besonders [,] dass/nachdem/weil/wenn
    egal [,] ob/wer/wie
    geschweige (denn) [,] dass
    im Falle [,] dass
    je nachdem [,] ob/wie
    nämlich [,] dass/weil/wenn
    so [,] als
    vor allem [,] dass/nachdem/weil
    vorausgesetzt [,] dass

    Bei mehr als zwei Einleitewörtern vor der Konjunktion dass empfiehlt der Duden allerdings zwecks Übersichtlichkeit immer die Kommasetzung:

    für den Fall, dass
    gesetzt den Fall, dass

    Mir persönlich liegt die Kommasetzung vor dass sehr am Herzen, weshalb ich auch in den Fällen, wo die Kommasetzung freigestellt ist, weiterhin fröhlich Kommas setzen werde.

  • Kommasetzung bei “als”

    Geschrieben am 6. April 2010 Dagmar Jenner 12 Kommentare

    Die Kommasetzung bei der Konjunktion als bereitet oft große Schwierigkeiten. Deshalb habe ich anbei die wichtigsten Regeln zusammengeschrieben:

    Wenn die Konjunktion als einen untergeordneten Temporalsatz (also einen Satz mit Subjekt und Verb) einleitet, muss immer ein Komma gesetzt werden:
    Es wurde bereits dunkel, als ich mit der Arbeit fertig war.
    Als ich gehen wollte, klingelte das Telefon.

    Wenn als einen untergeordneten Vergleichssatz (also einen Satz mit Subjekt und Verb) einleitet, muss auch unbedingt ein Komma stehen:
    Sie ist besser in Mathe, als er es jemals sein wird.
    Kanarienvögel sind sehr viel klüger, als man glauben würde.

    Wenn aber die Konjunktion als vergleichend zwischen Satzteilen steht, darf kein Komma stehen:
    Paris ist größer als Wien. [Aber: Wien wächst derzeit schneller, als Paris in den 80er-Jahren gewachsen ist.]
    Das ist leichter gesagt als getan. [Aber: Ich sage das sehr viel leichter, als ich es tatsächlich tue.]

    Eine nähere Erläuterung mit als steht immer ohne Komma:
    Als Kind war ich sehr sportlich.
    Ich rate dir als guter Freund zur Kündigung.

  • Wer aufzählt, muss Kommas setzen

    Geschrieben am 1. März 2010 Dagmar Jenner Keine Kommentare

    Weil es so schön ist, machen wir heute gleich weiter mit der Kommasetzung. Schließlich ist sie ein wahrer Dauerbrenner, auch unter Sprachprofis.

    Eine der wichtigsten Fragen bei der Kommasetzung ist die, ob eine Aufzählung vorliegt oder nicht. Das kann, wie in meinem vorletzten Beitrag beschrieben, oft ganz schön knifflig sein. Und manchmal auch ganz schön makaber.

    In den Fällen, die ich unten behandeln werde, ist die Aufzählung vergleichsweise offensichtlich, auch wenn man/frau eine Aufzählung oft spontan mit Substantiven (Zimmer, Küche, Kabinett) oder Adjektiven (quadratisch, praktisch, gut) in Verbindung bringt. Eine Aufzählung kann allerdings auch aus Wortgruppen, Infinitivgruppen und zusammengezogenen Sätzen bestehen.

    Die Regel ist immer die gleiche: Zwischen den aufgezählten Elementen muss ein Komma stehen, außer bei Verbindung durch und, oder, sowie, wie, sowohl/als auch, weder/noch (siehe dazu auch meinen Eintrag zu den Komma-Klassikern):

    Wortgruppen:
    In Chile herrschen große Zerstörung, viel Hilflosigkeit und endlose Verzweiflung.
    Er arbeitete mal als Kellner, mal als Chauffeur, mal als Fahrradbote.

    Infinitivgruppen oder Partizipgruppen:
    Im Urlaub plane ich zu dösen, zu lesen, zu genießen.
    Die Gruppe kehrte zitternd, frierend und erschöpft heim.

    Zusammengezogene Sätze (das sind Sätze, die ein Satzglied gemeinsam haben, das aber nur einmal genannt wird):
    Sie schreibt Prosa, er Lyrik, die Mutter Theaterstücke. (das gemeinsame Satzglied hier ist schreibt)
    Ich gehe ins Theater, sehe mir eine Ausstellung an und besuche danach ein Konzert. (das gemeinsame Satzglied hier ist ich)